Inhaltsverzeichnis
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1. Begriffsdefinition - Was ist ein Kompositum?
8
2. Klassifikation der Nominalkomposita
2.1. Kopulativkomposita 8
2.2. Determinativkomposita 9
2.3. Einteilung nach syntaktischer Funktion 11
2.3.1. Subjekt - Attribut 12
2.3.2. Subjekt - mediales Objekt 13
2.3.3. Verb - Subjekt 13
2.3.4. Subjekt - direktes Objekt 13
2.3.5. Verb - direktes Subjekt 13
2.3.6. Subjekt - adverbiale Ergänzung 14
2.3.7. direktes Objekt - adverbiale Ergänzung 14
2.4. Präpositionslose Nominalkomposita 15
3. Bedeutung und Produktivität der Nominalkomposita
15
im heutigen Französisch
17
Literaturverzeichnis
2
1. Begriffsdefinition - Was ist ein Kompositum?
Bei dem Phänomen der Komposition, auch Zusammensetzung genannt, lässt sich nicht die eine richtige und erschöpfende Definition nennen. In der Literatur sind zahlreiche Definitionsversuche verschiedener Autoren zu finden, die untereinander stets Bezug aufeinander nehmen. Eine geläufige Definition liefert hierbei Annegret Bollée, die das Kompositum als ein Wortbildungsverfahren beschreibt, „bei dem mindestens zwei Lexeme zusammengefügt“ werden (1995:64).
Die größte Produktivität besitzt dieses Verfahren bei der Bildung von Substantiven. Auch Adjektive und Verben können zusammengesetzt werden. Jedoch spielt die Komposition bei Ersteren (etwa sourd-muet, aigre-doux) lediglich eine untergeordnete Rolle. Zusammensetzungen von Verben wurden in der Vergangenheit nach heute nicht mehr produktiven Mustern gebildet (z.B. maintenir, bouleverser). Bollée meint, dass heute einzig folgendes Muster produktiv sei: avoir faim, prendre froid, tenir tête, faire face, faire grève, faire escale. Allerdings ist nicht eindeutig klar, ob diese Form überhaupt als Zusammensetzung anzusehen ist. Des Weiteren weist sie darauf hin, dass sich bei der Nominalkomposition primär das Problem der Unterscheidung zwischen Komposita (Wortbildungsprodukten) und freien syntaktischen Fügungen (oder Kollokationen) stellt. Um zu klären, welche Verbindungen von zwei oder mehr Lexemen zu den Komposita gerechnet werden sollen und welche nicht, führt sie folgende Bildungen als potentielle Kandidaten mit Beispielwörtern an: A. Substantiv + Substantiv: cigarette-filtre, bar-restaurant. B. Verblexem + Substantiv: garde-robe, porte-monnaie, tire-bouchon. C. Bildungen aus gelehrten Konstituenten 1 : télégramme, orthographe, démocrate, ethnologue.
D. Adjektiv + Substantiv oder Substantiv + Adjektiv: grand-mère, basse-cour, mauvaises herbes; film muet, table ronde, marée basse, dessin animé. E. Substantiv + Präposition + Substantiv : pomme de terre, chemin de fer, brosse à dents ; eventuell mit Binnenartikel robe du soir, vent du nord.
Zur Überprüfung der vorangehend aufgeführten möglichen Kompositaformen verwendet Bollée die von Barbara Wolf in deren Dissertation „Nominalkomposition im Deutschen und Französischen“ (1990:28f.) aus der vorhandenen Literatur zusammengetragenen Definitionskriterien. Dies sind die folgenden:
1 Von Höfler (1972) „neulateinische Kompositionsweise“, von Schwarze (1988) „terminologische Kombinatorik“ genannt
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(1) Komposita bestehen aus mindestens zwei Lexemen.
Dieses Kriterium ist auch für Rohrer (1977) das ausschlaggebende. Er rechnet zudem „nur solche Syntagmen zur Wortzusammensetzung, deren unmittelbare Konstituenten autonome Formen sind“ (1977:21). Diese Anforderung können Bildungen aus gelehrten Konstituenten wie z.B. télégramme oder orthographe nicht erfüllen, da die Konstituenten hier keine freien Lexeme sind. Bollée spricht sich allerdings dennoch dafür aus, die auf diese Weise entstandenen Bildungen zu den Komposita zu zählen und nennt dafür semantische Gründe. „Sie bestehen eben aus zwei Lexemen, die eine größere semantische Intension und eine geringere Extension haben als die Morpheme.“ (Bollée 1995:65).
(2) Die Elemente weisen inhaltlich eine determinative Struktur auf. Unter einer determinativen Struktur ist zu verstehen, dass ein Kompositionsglied das andere determiniert, z.B. cigarette-filtre versus la cigarette sans filtre oder auch der Gegensatz von marée basse und marée haute. Zu beachten sei in diesem Falle, dass die Reihenfolge im Französischen (Determinatum-Determinans) sowie auch in anderen romanischen Sprachen sich von der im Deutschen und Englischen (Determinans-Determinatum) unterscheidet. Jedoch liegt nicht bei allen Komposita ein Determinationsverhältnis vor. Nicht vorhanden ist dieses z.B. bei Substantiv-Substantiv-Komposita wie bar-restaurant und porte-fenêtre und nach Ansicht von Bollée ebenso wenig bei Verblexem-Substantiv-Komposita wie tire-bouchon und gratte-ciel.
(3) Die begriffliche Einheit ist gewahrt.
Dieses Kriterium ist laut Bollée das problematischste. Was ist unter einer ‚begrifflichen Einheit’ zu verstehen? Vor allem zur Bestimmung der in der Forschungsdiskussion umstrittenen Adjektiv-Substantiv- bzw. Substantiv-Adjektiv-Komposita sowie bei der Zusammensetzung der Form Substantiv-Präposition-Substantiv wird das Kriterium der ‚begrifflichen Einheit’ herangezogen. Schwarze (1988) klammert Bildungen des Typs Substantiv-Präposition-Substantiv (z.B. pomme de terre) aus der Wortbildung aus, da seiner Meinung nach Komposita nur Gebilde sind, „die durch die Syntax nicht erzeugt werden“. Ein Gebilde wie pomme de terre ist demzufolge auszuklammern, „weil [dessen] formale Struktur in der Syntax definiert ist“. (Schwarze 1988:530). Gelten lässt Schwarze Adjektiv-Substantiv- bzw. Substantiv-Adjektiv-Komposita in solchen Fällen, in denen eine ‚Verschmelzung’ zwischen Adjektiv und Substantiv eingetreten ist (z.B. ital. mezzanotte 2 ). Eine weitere Sichtweise bringt Rainer (1993) in diese Diskussion ein. Bildungen des Typs D und E (s.o.) bezeichnet er als besondere Kategorie von Komposita, so genannte ‚syntagmatische Komposita’.
2 Mitternacht
4
Seine Sichtweise drückt Bollée vereinfacht wie folgt aus: „Komposita sind neue‚ Begriffe’, die sich nicht aus der einfachen syntaktischen Kollokation 3 der Bestandteile ergeben“ 4 (Bollée 1995:65).
Die Problematik des semantischen (begrifflichen) Kriteriums zeigt auch Rohrer (1977) sehr ausführlich auf. In der Literatur, z.B. bei Grevisse, wird oft der Terminus ‚idée unique’ zur Umschreibung der Bedeutung von Komposita herangezogen: „Un mot quoique formé d’éléments graphiquement indépendants, est composé dès le moment où il évoque dans l’esprit, non les images distinctes répondant à chacun des mots composants, mais une image unique“ (zit. nach Wolf 1990:33).
Dies betreffend ist Rohrers Meinung allerdings vollkommen konträr, „die Definition des Kompositums als inhaltliche Einheit [sei] […] abzulehnen“ (1977:25). Zudem besteht seiner Ansicht nach ein völliger Widerspruch zwischen der Definition des Kompositums als inhaltliche Einheit einerseits und der Definition der Wortzusammensetzung als produktives Verfahren andererseits. Ein Wortbildungsmuster könne nur dann produktiv sein, wenn die nach diesem Muster geprägten Wörter auch materiell und inhaltlich analysiert werden können. Eine Bildung, die hingegen in verschiedene Einheiten zerlegbar ist, könne nicht gleichzeitig eine unauflösbare Einheit bilden (vgl. Roher 1977:26).
(4) Funktional reagiert das Kompositum im Satz wie ein Simplex. Wolfs Kriterium, das Kompositum könne im Satz durch ein Simplex substituiert werden, hält Bollée für nicht trennscharf, da das selbe für freie syntaktische Fügungen, z.B. petit-pain versus grand pain, gelte.
(5) Das Kompositum ist der syntaktischen Gruppe gegenüber eindeutig abgegrenzt.
s.o. (3).
(6) Bei Determinativkomposita 5 wie auch bei Kopulativkomposita 6 sind die Glieder nicht umkehrbar, ohne dass sich der Sinn verändert.
z.B. procès-verbal, nicht *verbal-procès. Ausnahmen dieses Kriteriums bilden wenige Kopulativkomposita wie z.B. bracelet-montre = montre-bracelet (vgl. Thiele 1993:25).
3 Fügung
4 Rainers Beispiel für den Typ E ist span. casco azul, franz. casque bleu ‚Blauhelm’, was eben nicht einen ‚blauen Helm’ bezeichnet, sondern einen ‚Uno-Soldaten’. Allerdings ist in vielen Fällen die Abgrenzung längst nicht so klar.
5 Hierauf wird in den Abschnitten 2.2. und 2.3. genauer eingegangen.
6 dito
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Arbeit zitieren:
Nicole Fleischmann, 2005, Nominalkomposition im heutigen Französisch, München, GRIN Verlag GmbH
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am Wednesday, August 02, 2006-