Inhalt
1. Vorwort 3
2. Das Leben von Frau Ava 4
3. Die geistliche Dichtung während der frühmittelhochdeutschen Zeit 6
4. Die Dichtungen der Frau Ava 10
4.1. Das Gesamtwerk Frau Avas in der Vorauer und Görlitzer Handschrift 12
4.2. Die einzelnen Dichtungen 14
4.3. Stil und Sprache der Frau Ava 20
5. Schlussbemerkung 21
6. Abgekürzt zitierte Literatur 22
7. Literaturverzeichnis 23
8. Bildmaterial 24
1. Vorwort
Frau Avas 1 Dichtung ‚Leben Jesu’ ist nach dem ‚Evangelienbuch’ Otfrids von Weißenburg die zweite vollständig erhaltene dichterische Bearbeitung des Lebens Jesu in deutscher Sprache, die bereites im ersten Viertel des 12 .Jahrhunderts entstanden ist. Andere neutestamentarische Dichtungen aus dem 12. Jahrhundert sind nur in Bruchstücken überliefert.
Mit Avas Dichtungen kann erstmals in der Geschichte der deutschsprachigen Literatur das größte dichterische Werk einer Frau nachgewiesen werden.
Was könnte die Intension von Frau Ava zur Schaffung ihrer Werke gewesen sein?
1 Die deutsche Literatur des Mittelalters - Verfasserlexikon. Band 1. Begr. von Wolfgang Stammler. Fortgef. von Karl Langosch ....Berlin/New York.1981. Sp. 559-566. Bes. Sp. 560. Ava von Edgar Papp. Im nachfolgenden Papp abgekürzt
2. Das Leben von Frau Ava
Literaturpreis 2
der „Frau Ava
Gesellschaft“ in
Sie verfasste vier schlichte Gedichte biblischen (vor allem neutestamentlichen) Inhalts:
1. ‚Johannes’
2. ‚Leben Jesu’ mit einem abschließenden Teil über ‚Die 7 Gaben des “Hei-
ligen Geistes’
3. ‚Antichrist’
4. ‚Das Jüngste Gericht’
Mit Ausnahme des „Johannes“ sind alle Werke Avas in der Vorauer Handschrift 6
überliefert.
2 Der Frau Ava Literaturpreis wird seit 2003 alle zwei Jahre an eine deutsch schreibende Autorin
verliehen. Er wird für einen Prosatext vergeben, der sich auf neuartige Weise in Sprache und Form mit Themen im Spannungsfeld von Spiritualität, Religion und Politik auseinandersetzt. Diese Statuette wurde
2002 vom Paudorfer Bildhauer Leo Pfisterer gestaltet, im Auftrag der „Frau Ava Gesellschaft für Literatur“, die in Kleinwien, Österreich, ansässig ist (Bild wurde am 20. Oktober 2005 der Internetseite der Marktgemeinde Furth entnommen).
3 Masser, Achim (1976): Bibel- und Legendenepik des deutschen Mittelalters. Berlin. S. 63-65. Im nach-
folgenden Masser abgekürzt.
4 Papp.
5 Schacks, Kurt (1986): Die Dichtungen der Frau Ava. Akademische Druck u. Verlagsanstalt Graz,. S.
281. Im nachfolgenden Schacks abgekürzt.
6 Die deutsche Literatur des Mittelalters - Verfasserlexikon. Band10. Begr. von Wolfgang Stammler. Fortgef. von Karl Langosch ....Berlin/New York.1999. Sp. 516-521. Vorauer Handschrift 276 von Kurt Gärtner.
Frauenkloster Göttweig 7
Kirche St. Blasien in Kleinwien 8
7 Bild Frauenkloster Göttweig, privates Foto Hans-Joachim Nickel. April 2001
8 Bild Kirche St. Blasien, private Fotos Hans-Joachim Nickel. April 2001.
3. Die geistliche Dichtung während der frühmittelhochdeutschen Zeit
Mit Karl dem Großen (742-814) hatte die deutsche religiöse Dichtung ihre erste große Blütezeit. 789 verordnete er in seinem Erlass ‚Admonitio generali’“, dass die Geistlichen das Volk aufklären müssten und „alle den Inhalt des Glaubensbekenntnis und des Vaterunsers kennen müssen 9 .“ So entwickelte sich in dieser Zeit eine religiöse deutschsprachige Literatur.
Um die wichtigsten Inhalte des Christentums unter dem Volk zu verbreiten, war es notwendig, die religiösen und liturgischen lateinischen Texte durch die Volksprache dem Volk verständlicher zu machen. Jene deutschsprachige Literatur bestand aus Übersetzungen katechetischer und liturgischer Texte, die zur Belehrung der Laien diente. Nach dem Verfall der Dynastie der Karolinger (843) machte sich im ganzen Kaiserreich Verwirrung und Unsicherheit breit; die Gesellschaftsordnung sowie die Stabilität waren verschwunden, welche die karolingische Zeit bestimmt hatten. Am Anfang des 10. Jahrhunderts wurde die deutschsprachige religiöse Literatur nur in den Klöstern praktiziert; fast 150 Jahre lang wurde sie nicht mehr für das Volk verfasst, sondern ausschließlich nur für die gelehrten Mönche, die hinter den Klostermauern lebten.
Die Autoren schrieben fast ausschließlich in lateinischer Sprache; die Übersetzungen lateinischer Werke wandten sich an ein gelehrtes Publikum, das zu lesen und zu schreiben verstand.
Mittelpunkt dieser literarischen Texte wurde im 10. Jahrhundert das Kloster St. Gallen; viele Gelehrte gingen hier ihrer schriftstellerischen Tätigkeit nach. Erwähnenswert ist das Übersetzungswerk Notkers III. 10 (Teutonicus), der zwischen dem 10. und 11. Jahr-hundert lebte und die Klosterschule von St. Gallen leitete. Notker III. wollte seinen Schülern die lateinischen Texte auf Deutsch erklären. Zu diesem Zweck übersetzte und kommentierte er verschiedene lateinische Werke, besonders philosophische Texte.
9 Bertau, Karl (1972): Deutsche Literatur im europäischen Mittelalter. Band1:800-1197. München. S. 42.
10 Die deutsche Literatur des Mittelalters - Verfasserlexikon. Band 6. Begr. von Wolfgang Stammler. Fortgef. von Karl Langosch ....Berlin/New York.1987. Sp. 1212-1236. Notker III. von St. Gallen (N. Labeo; N. Teutonicurs) OSB von Stefan Sonderegger.
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Claudia Nickel, 2006, Das Leben der Frau Ava, Munich, GRIN Publishing GmbH
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