Inhalt
0. Vorwort 3
1. Sprache und Dialekt 4
1.1. Definition: Sprache 4
1.2. Definition: Hochsprache 5
1.3. Definition: Gemeinsprache 6
1.4. Definition: Umgangssprache 6
1.5. Definition: Dialekt 7
2. Definitorisches: Dialekt vs. Sprache 8
3. Verteilung der deutschen Mundarten um 1900 10
4. Deutsche Mundarten im deutschsprachigen Raum und die Ansiedlung
der Deutschen je nach Ursprung 11
5. Die Benrather Linie und ihre Weiterführung 12
6. Deutsche Mundarten und Dialekte und ihre Einteilung 13
7. Die zweite Lautverschiebung als Kriterium der Dialektgliederung im
deutschen Sprachraum 14
8. Weitere strukturbildende Faktoren für die Sprachentwicklung in der
deutsche Dialektlandschaft 18
9. Geographische Verteilung der Dialektkenntnis 20
10. Die sozialen Schichten und ihre Sprachen 21
11. Wechsel zwischen Standardsprache und Dialekt 22
12. Hyperkorrektheit 23
13. Einige berühmte Vertreter deutscher Dialektsprecher 24
14. Schlussbemerkung 25
15. Abkürzungsverzeichnis 26
16. Literaturverzeichnis 27
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0. Vorwort
In Mittel- und Süddeutschland, in Österreich und in der Schweiz sprechen viele Menschen auch in nicht-privaten Situationen mit einer abgeschwächten oder starken dialektalen Färbung 1 . Von Norden nach Süden (zunehmendes Nord/Südgefälle) findet der Dialekt immer mehr Akzeptant; in der Schweiz wird er auch in vielen öffentlichen Situationen gesprochen. Viele Sprachforscher teilen die Bandbreite zwischen Ortsdialekten und genormter Standardsprache in drei Schichten ein: den Ortsdialekt, eine regionale Umgangssprache und die Standardsprache.
1 Schwitalla,Johannes: Gesprochene Sprache, 2. überarbeitete Auflage, Schmidt Verlag
2003 (künftig zitiert: Schwitalla), S. 48.
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1. Sprache und Dialekt
Als bisher unbefriedigend gelten die bis zur Gegenwart andauernden Versuche Dialekt und Sprache voneinander abzugrenzen, auch ist eswohl aufgrund individuell abweichender Verhältnisse - offenbar unmöglich, hinsichtlich aller Nationalsprachen und Sprachvarietäten gemeinsam verwendbare Oberbegriffe zu finden.
Vorweg ist es notwendig einige Begriffe zu definieren, um verstehen zu können, wie sich Dialekte in das „Gesamtbild“ der Kommunikationsmittel des Menschen einfügen.
1.1. Definition: Sprache
Sprache ist ein Kommunikationsmittel des Menschen und ist gekennzeichnet durch die Verwendung arbiträrer (willkürlicher) gesprochener oder geschriebener Symbole mit festgelegter Bedeutung. Sprache lässt sich definieren als Zeichensystem zum Zweck der Kommunikation. Im weitesten Sinn werden neben den so genannten natürlichen Sprachen auch künstliche Sprachen (wie beispielsweise Welthilfssprachen oder Programmiersprachen in der EDV) sowie die Kommunikationsmittel der Tiere dazu gerechnet.
Einige Linguisten betrachten die Sprache als Form des Denkens und der Kognition. Die Frage, wie viele Sprachen auf der Welt gesprochen werden, lässt sich nicht exakt beantworten. Die Angaben schwanken zwischen 3 000 und 5 500 Einzelsprachen. Naturgemäß ist es schwierig, Dialekte von Sprachen zu unterscheiden, da die Übergänge oft fließend sind.
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Im Übrigen hängt die Antwort auch davon ab, welche Kriterien man bei der Klassifizierung der Sprachen anwendet. Bei vielen Sprachen sind die Verwandtschaftsverhältnisse noch nicht geklärt, und es besteht bei verschiedenen Sprachwissenschaftlern keine Einigkeit über die Zuordnung zu Sprachfamilien.
1.2. Definition: Hochsprache
Hochsprache ist diejenige sprachliche Varietät, die sich während der Sprachgeschichte gegenüber anderen Dialekten und Varietäten durchsetzen konnte.
Wichtigstes Kennzeichen einer Hochsprache ist die Existenz einer standardisierten schriftlichen Form. Natürliche Sprachen lassen sich unterteilen in: Hochsprache, Umgangssprache, Gemeinsprache, Dialekt, Slang und Sondersprache. In vielen Fällen wird die Hochsprache als Pendant zur Umgangssprache gesehen.
Das Aufkommen und die Erhaltung einer Hochsprache werden in vielerlei Hinsicht begünstigt: Im Rahmen von Sprachpolitik und Sprachpflege wird der häufige Gebrauch der Hochsprache in Anlehnung an die schriftsprachliche Norm gefördert. Daneben spielt auch die - künstlich geförderte - öffentliche Sprache (Sprache der Medien), die möglichst frei von dialektalen Einflüssen zu sein hat, eine Rolle.
Die Hochsprache eint zwar die Sprecher einer Landessprache, doch reicht die praktizierte Sprache der meisten Sprecher kaum an den genormten Standard heran; Hochsprache gilt zudem als künstliche Sprache.
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1.3. Definition: Gemeinsprache
Im September 1534 lag bei Hans Lufft in Wittenberg der Druck der gesamten Lutherbibel in hochdeutscher Sprachform vor.
Entsprechend den Forderungen von Renaissance und Humanismus, auf die Quellen zurückzugehen, hatte Luther eine Bibelübersetzung aus der jeweiligen Ursprache, d. h. der hebräischen und der griechischen, geschaffen. Die Qualität seiner deutschen Übersetzung sollte sich von den vorhergehenden deutschen Bibeln besonders positiv abheben, denn Luther hatte entscheidend zur Entstehung einer an der Hochsprache der sächsischen Kanzlei orientierten deutschen Gemeinsprache beigetragen. Sie zeichnete sich durch ihre Anschaulichkeit und Volkstümlichkeit aus.
1.4. Definition: Umgangssprache
Umgangssprache ist die Bezeichnung für eine Sprachvarietät in Abgrenzung zur Hoch- bzw. Standardsprache.
Obwohl der Begriff Umgangssprache oft synonym mit Dialekt gebraucht wird, kann man beide Begriffe unterscheiden. Wird zwischen der Hochsprache als allgemeiner Standardsprache in Wort und Schrift und dem Dialekt als eindeutig regional anzutreffender, geographisch einzugrenzender Varietät unterschieden, so kann man Umgangssprache im Zwischenbereich dieser Endpole einordnen. Somit werden der Umgangssprache, die lediglich als gesprochene Sprache existiert, zum Teil typische Kennzeichen eines Dialekts zugeordnet, die sich durch Besonderheiten auf allen sprachlichen Ebenen zeigen (Phonologie, Lexikon, Morphologie, Syntax und Idiomatik). Sie ist jedoch insgesamt nicht so eindeutig fassbar und weist auch nicht die lange Geschichte auf, die Dialekten normalerweise zugeschrieben wird.
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Daneben kann der Begriff Umgangssprache auch auf eine bestimmte stilistische Varietät bezogen werden. Sie ist dann die Sprache für den privateren Umgang in Situationen, wo die Benutzung der Hochsprache als unangemessen empfunden würde.
1.5. Definition: Dialekt
Dialekt ist die regionale Variante einer Sprache, die sich auf verschiedenen sprachlichen Ebenen, vor allem aber in der Aussprache und im Wortschatz, von der Standardsprache unterscheidet. Dialekte weisen ein ebenso großes Maß an Regelmäßigkeit und an Eignung als Kommunikationsmittel auf wie Hochsprachen. Doch gibt es meist keine schriftsprachliche Normierung der Orthographie und der Grammatik. Oft entwickelte sich der schriftliche Standard einer Sprache aus einem gesprochenen Dialekt, der von einem oder mehreren Schriftstellern verwendet wurde. Der hochdeutsche Dialekt, in dem Martin Luther die Bibel übersetzte, wurde zum Standarddeutsch.
In der Regel ist es schwierig oder unmöglich, zwischen einzelnen Dialekten oder zwischen Hochsprache und Dialekt eine scharfe Grenze zu ziehen. Die wechselseitige Verstehbarkeit zwischen Sprechern verschiedener Dialekte ist vielfach nur teilweise möglich. Wenn die gesprochenen Varianten über eine gemeinsame Schriftsprache verfügen, kann man davon sprechen, dass sie Dialekte ein und derselben Sprache sind.
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Claudia Nickel, 2005, Deutsche Dialekte im Allgemeinen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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