Inhaltsverzeichnis
1. Welche Probleme kennzeichnen aktuell den deutschen Arbeitsmarkt und welche
Ans ätze zur Verbesserung gibt es?
1.1 Einleitung
1.2 Probleme des deutschen Arbeitsmarktes
1.3 Konzepte zur Verbesserung der Situation
1.4 Fazit
2. Inwieweit wirkt die Sozialpolitik Deutschlands auf die Wirtschaft und die
ökonomische Entwicklung des Landes ein?
2.1 Einleitung
2.2 Der Einfluss der Sozialpolitik auf die Wirtschaft und die ökonomische Entwicklung
2.3 Die Grenzen des sozialpolitischen Einflusses auf die Wirtschaft
2.4 Fazit
3. Welche Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik verfolgt die EU und wie wirkt sich
diese auf die BRD aus?
3.1 Einleitung
3.2 Die Entwicklung innerhalb der EU im Bereich der Arbeitsmarktpolitik
3.3 Der Einfluss der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik der Europäischen Union auf
die Mitgliedstaaten
3.4 Zusammenfassung und Ausblick
4. Quellenverzeichnis
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1. Welche Probleme kennzeichnen aktuell den deutschen Arbeitsmarkt und
welche Ansätze zur Verbesserung gibt es?
1.1 Einleitung
Ein wesentlicher Grundgedanke der Erwerbsgesellschaft besteht darin, dass die Menschen ihre Existenz über (Erwerbs-)Arbeit sichern sollen.
Bei der Beschreibung des Arbeitsmarktes haben es Bonß und Ludwig-Mayerhofer so formuliert, dass „der Arbeitsmarkt eine zentrale Instanz zur Zuteilung von sozialen Positionen, Entfaltungsmöglichkeiten und gesellschaftlichem Status bildet, auf dem die Besitzer von Arbeitskraft um Arbeitsplatz und Einkommenschancen konkurrieren“ (vgl. Bonß und Ludwig Mayerhofer, S.109).
Innerhalb der letzten ungefähr zwanzig Jahre hat sich jedoch ein Wandel auf dem deutschen Arbeitsmarkt vollzogen. Die aktuelle Situation stellt sich so dar, dass der Arbeitsmarkt durch diverse Probleme gekennzeichnet ist.
In einem ersten Schritt dieser Ausarbeitung soll daher skizziert werden, welche Probleme auf dem deutschen Arbeitsmarkt vorliegen und dargestellt werden, welche Ursachen und Deutungsmuster es dafür gibt. Im Anschluss daran werden verschiedene Konzepte zur Verbesserung der Situation vorgestellt.
1.2 Probleme des deutschen Arbeitsmarktes
Das zentrale und von der breiten Öffentlichkeit am meisten beachtete Problem des Arbeitsmarktes in Deutschland ist mit Sicherheit die große Anzahl an Arbeitslosen. Zwar sind die Zahlen innerhalb des Jahres 2005 von Februar bis November stetig gesunken, jedoch ist die Arbeitslosenzahl mit ca. 4.531.200 arbeitslos gemeldeten Bürgern immer noch auf einem sehr hohen Niveau (Vgl. Statistisches Bundesamt).
Nicht enthalten ist in diesen Angaben jedoch die sogenannte „Stille Reserve“, dass heißt Personen, die der Ansicht sind, auf dem Arbeitsmarkt keine ihren Vorstellungen entsprechende Beschäftigung zu finden und sich daher vom Arbeitsmarkt zurückziehen. Wie groß der Umfang dieser „Stillen Reserve“ ist, ist relativ schwer festzustellen, allerdings müsste bei ihrer Berücksichtigung die Arbeitslosenzahl stark nach oben korrigiert werden.
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Bei der Betrachtung der Ursachen der Arbeitslosigkeit kann man festhalten, dass es unterschiedliche Ansätze und Deutungsmuster gibt, die aber laut des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung jeweils „kein allgemein akzeptiertes, in sich geschlossenes Erklärungsmodell“ liefern (vgl. Bonß und Ludwig-Mayerhofer, S.126). Ein erster Ansatz konzentriert sich auf die ökonomische Sichtweise. Arbeitslosigkeit wird hier als ein Marktproblem beschrieben, das auf unzulängliche Anpassungsprozesse zwischen Arbeitskräfteangebot- und nachfrage zurückzuführen ist (vgl. Heise, S.57). Es werden hier verschiedene Gründe für diese Anpassungsschwierigkeiten geliefert, sowie unterschiedliche Formen von Arbeitslosigkeit vorgestellt.
Wichtig ist hier die Unterscheidung verschiedener Formen von Arbeitslosigkeit, nämlich der friktionellen, der saisonalen, der konjunkturellen und der strukturellen Arbeitslosigkeit. „Sie setzen alle unterschiedliche Verursachungskomplexe innerhalb des Marktgeschehens voraus“ (vgl. Bonß und Ludwig-Mayerhofer, ebd.)
Friktionelle Arbeitslosigkeit bezieht sich auf den Übergang von einem Beschäftigungsverhältnis zu einem neuen. Der Begriff der saisonalen Arbeitslosigkeit bezeichnet den saisonbedingten Rückgang von Beschäftigungsverhältnissen, beispielsweise innerhalb der Baubranche während des Winters. Unter konjunktureller Arbeitslosigkeit hingegen wird die Reaktion auf wirtschaftliches Wachstum oder eben das Ausbleiben des selbigen verstanden, während strukturelle Arbeitslosigkeit vor allem den sektoralen Wandel der Wirtschaft berücksichtigt (z.B. von der Industriegesellschaft zur
Dienstleistungsgesellschaft).
Im Gegensatz dazu legen soziologisch ausgerichtete Deutungsmuster ihr Augenmerk zumeist darauf, welche Zusammenhänge es zwischen der Arbeitslosigkeit und bestimmten Merkmalen der Betroffenen, wie z.B. Bildung, Beruf, Alter und Geschlecht, vorliegen. Eine Gruppe, deren Anteil an der Arbeitslosigkeit deutlich über dem Durchschnitt liegt, ist die der ausländischen Bevölkerung (vgl. Boeckh u.a., S.199). Ursachen hierfür sind vor allem mangelnde Sprachkenntnisse und ein geringes Qualifikationsniveau.
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Eine weitere Gruppe, die in besonderem Maße im Fokus der Öffentlichkeit steht, sind die jungen Menschen unter 25, da ihr Anteil an den Arbeitslosen in den letzen Jahren weiter gestiegen ist (vgl. Statistik der Bundesanstalt für Arbeit 2004, in Boeckh u.a., S.199). Für junge Menschen stellt, mehr als in allen anderen europäischen Ländern, der Abschluss und der Bildungsstand das vornehmliche Kriterium für einen erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben dar. Demzufolge stehen viele von ihnen allein schon vor der Schwierigkeit, überhaupt einen Ausbildungsplatz zu erhalten und selbst dieser bietet dann keine Garantie mehr auf eine darauf folgende Anstellung.
Ein weiteres Problem, dass sich nicht so stark in den Kontext der soziologischen Deutungsmuster integrieren lässt, aber dennoch von großer Bedeutung ist, ist die Situation der Langzeitarbeitslosen. Ihre Chancen, überhaupt wieder einen Arbeitsplatz zu finden, sinken insbesondere dadurch, dass sich mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit auch das Qualifikationsniveau reduziert (vgl. Boeckh u.a., S.201).
Weiterhin beschäftigt sich ein dritter Ansatz mit der Rolle des Sozialstaates innerhalb des Arbeitslosenproblems und seiner möglichen Verantwortung. In diesem Kontext kommen hauptsächlich neoliberale Ansichten zum Tragen, die sich grundsätzlich für eine stärke Zurückhaltung des Staates aus dem Arbeitsmarkt einsetzen und vielmehr „eine Privatisierung des Beschäftigungsrisikos fordern“ (vgl. Berthold & Schmidt 1997 in Bonß und Ludwig-Mayerhofer, S.129).
Sie führen hierfür vor allem die Argumente an, dass z.B. zu hohe Lohnnebenkosten eine zu hohe Kostenbelastung für die Unternehmer darstellen würden und so die Entstehung neuer Arbeitsplätze verhindern. In Ergänzung dazu würden sozialstaatliche Unterstützungen eher dazu führen, dass den Arbeitslosen der Anreiz zur Arbeitssuche genommen wird (Vgl. Bonß und Ludwig-Mayerhofer, S.129).
Zudem hat sich innerhalb der letzten Jahre ein Wandel auf dem Arbeitsmarkt vollzogen, der sicherlich von manchen als problematisch angesehen und als Rückgang oder Krise des „Normalarbeitsverhältnisses“ beschrieben wird.
Unter einem solchen „Normalarbeitsverhältnis“ ist eine unbefristete Vollzeit-Stelle zu verstehen, die in den meisten Fällen auf 35 bis 40 Stunden pro Woche angelegt ist (vgl. Bonß und Ludwig-Mayerhofer, S.120).
Zudem wird davon ausgegangen, dass sich mit zunehmendem Arbeitsalter auch das Einkommen erhöht.
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Die aktuelle Situation stellt sich nun jedoch so dar, dass solche Arbeitsverhältnisse zurückgehen und Teilzeitstellen und zeitlich begrenzte Arbeitsverträge sich immer weiter ausbreiten. Eine Ursache liegt sicherlich darin, dass die Unternehmer aufgrund der momentanen wirtschaftlichen Situation und der kaum vorauszusagenden zukünftigen Entwicklung ihre Angestellten nicht zu lange an ihr Unternehmen binden möchten, da deren Stellung dann in den meisten Fällen durch den (tariflichen) Kündigungsschutz gesichert wäre. Auf der anderen Seite sind die Arbeitssuchenden natürlich an einem möglichst langfristigen Kontrakt interessiert, weil sie dann Planungssicherheit haben. Mit einem Teilzeitgehalt wird es nämlich so gut wie unmöglich, den Unterhalt für eine Familie zu erwirtschaften. Auch eine „ausreichende“ Rente ist erst nach ca. 40 Jahren Vollbeschäftigung zu erreichen.
1.3 Konzepte zur Verbesserung der Situation
Für die Verbesserung der Situation, also vornehmlich für die Senkung der Arbeitslosenzahlen, gibt es nun unterschiedliche Ansätze und Konzepte.
Laut Boeckh u.a. lassen sich aus der Funktionslogik des Arbeitsmarktes zwei generelle Ansätze zur Bewältigung der Arbeitslosigkeit ableiten, nämlich die Regulation des Arbeitskraftangebots und die der Arbeitskraftnachfrage (vgl. Boeckh u.a., S.190). Erstere ist vor allem darauf ausgerichtet, das Potential an Erwerbspersonen zu verkleinern. Eine Maßnahme zur Erreichung dieses Ziels, die in den 1970er Jahren entwickelt wurde, ist die Beschränkung der Zuwanderung. Auch heute, im Zuge der EU-Erweiterung und der vielen „billigen“ Arbeitskräfte, die es von Osteuropa nach Deutschland zieht (auch die Visapolitik der Regierung spielt hier eine Rolle; Beispiel Ukraine), ist dieses Thema durchaus noch aktuell.
Im Gegensatz dazu forciert die Regulation der Arbeitskraftnachfrage besonders Maßnahmen, die dazu geeignet sind, das vorhandene Arbeitsvolumen auf eine größere Anzahl von Beschäftigten zu verteilen und neue Beschäftigungschancen zu schaffen (vgl. Boeckh u.a., S.191).
Wesentliche Faktoren sind in diesem Zusammenhang die Stimulierung des Wirtschaftswachstums, Arbeitszeitverkürzungen oder die Unterstützung neuer Formen gesellschaftlicher Arbeit.
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Arbeit zitieren:
Björn Steinhardt, 2006, Die Sozialpolitik der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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