Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Das internationale Währungssystem 4
2.1 Definition und Abgrenzung 4
2.2 Historische Entwicklung 5
2.2.1 Der internationale Goldstandard (1870-1914) 6
2.2.2 Die Zwischenkriegsjahre (1918-1939) 8
2.2.3 Das System von Bretton-Woods (1944-1973) 9
2.2.4 Flexiblere Wechselkurse und regionale Währungssysteme 12
3 Der internationale Dollarstandard 16
3.1 Funktionen einer internationalen Währung 16
3.1.1 Transaktionsmedium 17
3.1.2 Recheneinheit 18
3.1.3 Wertaufbewahrungsmittel 21
3.2 Zwischenfazit 22
4 Die ostasiatischen Volkswirtschaften im internationalen Währungssystem 24
4.1 Informelle Wechselkursbindungen 24
4.2 Der ostasiatische Dollarstandard 27
4.3 Der Yen, Keil im Dollarblock 28
4.4 Exogene Schocks und die chinesische Dollarbindung 30
5 Wachsende Ungleichgewichte 38
5.1 Gefahren aus den Ungleichgewichten 38
5.2 Neues Bretton-Woods, moderner Merkantilismus oder gefangen im
Dollarstandard ? 40
5.3 Auswirkungen 44
6 Epilog 50
Literaturverzeichnis 53
III
Verzeichnis der Abbildungen
Abbildung 2
Abbildung 3
Abbildung 4
Abbildung 5
Abbildung 6 Verzeichnis der Tabellen
Tabelle 2 Tabelle 3
Tabelle 4
Tabelle 5
Tabelle 6
Tabelle 7
Tabelle 8 Verzeichnis der Kästen
Kasten 2
Kasten 3 Anhänge
B Wechselkurse der ostasiatischen Währungen zum Dollar
C Rechnungen zum Modell
D Skandinavisches Modell Verzeichnis der wichtigsten Abkürzungen
BIP: Bruttoinlandsprodukt
BIZ: Bank für internationalen Zahlungsausgleich
Dollar: US-Dollar
EWU: Europäische Währungsunion
EZB: Europäische Zentralbank
FED: Federal Reserve Bank
IWF: Internationaler Währungsfond
PBC: People`s Bank of China
IV
Einleitung
Die währungspolitischen Gegebenheiten eines Währungsraumes stehen meist weniger im Fokus des öffentlichen Interesses, als beispielsweise die Teuerungsrate oder die Entwicklung der Arbeitslosenquote. Dabei wird unterschätzt, welch zentrale Rolle der Ausgestaltung der weltweiten Wechselkursregime für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung von Ländern zukommen kann. In der Vergangenheit bildete die Architektur des internationalen Währungssystems schon häufig den Rahmen für den weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte. So trug der mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 einhergehende Abwertungswettbewerb und der daraus resultierende Kollaps des internationalen Handels mit dazu bei, dass den nationalistischen Bewegungen in Europa der Boden bereitet wurde. Im Gegenzug bildeten die durch internationale Koordination geschaffenen Festkurssysteme nach dem 2. Weltkrieg den Rahmen dafür, dass Wohlstand geschaffen und damit der Friede zwischen den Erbfeinden gefestigt werden konnte.
Heute steht die Welt und mit ihr das internationale Währungssystem vor einer gravierenden Verschiebung der weltwirtschaftlichen Kräfteverhältnisse. Mit China an der Spitze haben sich die rasant wachsenden Volkswirtschaften in Ostasien angeschickt, das neue Gravitationszentrum im internationalen Handel zu bilden. Viele der exportorientierten Volkswirtschaften in Ostasien haben den Wandel vom Nettoschuldner zum Nettogläubiger vollzogen. Kämpften sie früher gegen eine Abwertung der heimischen Währung - um beispielsweise die Last der in Fremdwährung aufgenommenen Kredite nicht zu vergrößernwehren sie sich heute gegen hohen Aufwertungsdruck. Ein Grund ist sicherlich, dass der Wechselkurs zwischen den Ländern auch weiterhin nicht nur Mittel zum Zweck, eben beim Austausch von Gütern über Währungsgrenzen hinweg, sondern auch eine Waffe im Kampf um internationale Marktanteile bleibt. Denn auch nach der Asienkrise sind eng zum Dollar gemanagte Wechselkurse die beliebteste währungspolitische Strategie in der Region. Wie heftig gegen Aufwertungen interveniert werden muss, lässt sich am starken Wachstum der Währungsreserven vieler ostasiatischer Länder ablesen. Verblüffend ist die Situation auch deshalb, da die angekauften Dollar meist in US-Staatspapieren angelegt werden und somit zu einem großen Teil die riesigen Defizite der Vereinigten Staaten finanzieren. Diese relativ armen Länder haben sich zum Kreditgeber des reichsten Landes der Welt entwickelt.
1
Das stete Wachstum der Defizite in der US-Leistungsbilanz nährt indes Ängste vor weltweiten Konjunktur- und Wechselkursrisiken. 1 Europa fürchtet einen Einbruch des Dollars gegenüber dem Euro, wodurch der Export als letzte Konjunkturstütze ebenfalls bedroht wäre. Die Länder mit großen Dollarreserven müssten im Falle einer Dollarschwäche gewaltige Verluste ihrer Bestände hinnehmen. Dennoch, oder gerade deshalb, kaufen diese Länder auch weiterhin die relativ niedrig verzinsten US-Staatstitel, wodurch die USA in der außergewöhnlichen Lage sind, billige Kredite in ihrer eigenen Währung aufzunehmen. Die aktuelle Dynamik im internationalen Währungssystem, d.h. vor allem die Akkumulation von Währungsreserven, Kapitalströme und Wechselkursbewegungen, wird maßgeblich durch die Entwicklung der ostasiatischen Volkswirtschaften beeinflusst. 2 Entscheidend für eine krisenfreie Zukunft wird die richtige Gestaltung ihrer Wechselkurspolitik untereinander und in Verbindung mit dem Rest der Welt sein. Doch zunächst einmal muss insbesondere vor dem Hintergrund einer geringen internationalen Koordination verstanden werden, aus welch komplexem Zusammenspiel die heutige Situation hervorgeht und wo ihre Gefahren liegen. Es ist daher Ziel der vorliegenden Arbeit,
- einen Einblick in die zugrundeliegenden Mechanismen des internationalen Währungssystems zu geben sowie
- vor diesem Hintergrund die währungspolitischen Strategien der ostasiatischen Länder aufzuzeigen und
- Bezug zu den Ursachen und Auswirkungen der entstandenen Ungleichgewichte herzustellen.
Dazu wurde folgende Aufteilung vorgenommen:
Abschnitt 2 gibt zunächst einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen des internationalen Währungssystems seit dem internationalen Goldstandard. Dabei stehen weniger historische Details, als vielmehr die Funktionsweise sowie Gründe des Scheiterns der einzelnen Epochen im Fordergrund. Abschnitt 3 beleuchtet die Rolle und Bedeutung des US-Dollar als wichtigste internationale Währung im Weltwährungssystem. Die hieraus gewonnen Erkenntnisse werden in Abschnitt 4 angewandt, um ein Verständnis dafür zu bekommen, wie und vor welchem Hintergrund die ostasiatischen Länder währungs-
1 vgl.Bundesbank (2005).
2 vgl. DFG (2003), S.2.
2
politisch agieren. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen und politischen Größe, aber auch ihrer Unterschiede, kommt China und Japan dabei eine besondere Bedeutung für diese Region zu. Unter Abschnitt 5 kann nun an die aktuelle Diskussion über die Ursachen sowie die Auswirkungen der wachsenden außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte angeknüpft werden. Es ist nun möglich, das komplexe Zusammenspiel dieser Länder untereinander und im internationalen Kontext vor dem Hintergrund währungs- und geldpolitischer Probleme zu diskutieren.
3
2 Das internationale Währungssystem
In der englischsprachigen Literatur gibt es eine Vielzahl von Bezeichnungen für das internationale Währungssystem. So wird abwechselnd vom International Currency System, Exchange Rate System, Financial System, meist aber vom International Monetary System gesprochen. Im Englischen wie im Deutschen haben die Bezeichnungen allerdings gemein, dass zunächst der trügerische Eindruck eines einheitlichen Systems vermittelt wird. Dies dürfte auf die Zeiten internationaler Festkurssysteme wie dem Goldstandard oder dem System von Bretton-Woods zurückzuführen sein. Seit den siebziger Jahren geht der Trend allerdings weg von festen Wechselkursen hin zu sogenannten intermediären Regimes. So zeigt sich das derzeitige internationale Währungssystem bei weitem nicht so einheitlich wie die Bezeichnung vermuten lässt. Vielmehr setzt es sich aus einer Kombination verschiedener Systeme zusammen. 3 Somit bilden alle Wechselkursregime, vom flexiblen über die intermediären bis hin zu festen Wechselkursbindungen, das internationale Währungssystem.
2.1 Definition und Abgrenzung
Die Deutsche Bundesbank definiert das internationale Währungssystem als „System von Regeln der internationalen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Währungspolitik“. 4 Des Weiteren heißt es: „Wesentliche Teile dieses Regelwerkes betreffen die Ordnung des internationalen Zahlungs- und Kapitalverkehrs, die grundsätzliche Art der Wechselkursbildung, die Wahl der Reservewährung und auf längere Sicht die Bereitstellung internationaler Liquidität der beteiligten Nationen“. 5
Für die 184 Mitgliedsländer des Internationale Währungsfonds (IWF) wird dieser Regelrahmen durch den Artikel IV des IWF-Übereinkommens gebildet. In diesem Übereinkommen verpflichten sich die Mitgliedsländer zu Verhaltensregeln, auf deren Basis jedes Land sein Wechselkursregime frei wählen kann. Im Zentrum dieser Regeln steht die Erkenntnis, dass die Wechselkurspolitik eines Landes auch die Interessen der übrigen Mitglieder berührt. Aus diesem Grund müssen die Mitgliedsländer eine Wirtschafts- und
3 vgl. BIZ (2005), S. 106.
4 Deutsche Bundesbank (2005b).
5 Deutsche Bundesbank (2005b).
4
Währungspolitik betreiben, die auf ein geordnetes Wirtschaftswachstum bei angemessener Preisstabilität ausgerichtet ist. Wechselkursmanipulationen, die eine Anpassung der Zahlungsbilanz verhindern, sind untersagt. Im Folgenden wird allerdings schnell deutlich, dass der große Interpretationsraum einiges an Konfliktpotential birgt. Nicht gleichgesetzt werden kann das internationale Währungssystem mit dem internationalen Finanzsystems. Letzteres bildet den Rahmen, in welchem sich die Trans-formation von internationalem Kreditangebot- und nachfrage abspielt. Im Mittelpunkt stehen daher der Staat, die Banken (Finanzintermediäre), die Unternehmen, der private Sektor sowie die Art und Weise, wie deren Zusammenspiel organisiert ist. Wichtig ist allerdings, dass beide Systeme auch unter Stress, d.h. bei außergewöhnlicher Belastung funktionieren. Ansonsten birgt die wechselseitige Abhängigkeit die Gefahr schwerer Finanzkrisen. 6
2.2 Historische Entwicklung
Handel über (Währungs-) Grenzen hinweg gibt es schon seit vielen Jahrhunderten. 7 Allerdings ermöglichte erst der technische Fortschritt in den Kommunikations- und Transporttechnologien einen zunehmend internationalen Handel. Dabei stellen die immer größer werdenden Handelsströme zwischen Nationen enorme Anforderungen an die Belastbarkeit und die Effizienz der gesamten internationalen Finanzarchitektur. Es scheint sinnvoll, die geschichtliche Betrachtung des internationalen Währungssystems mit dem internationalen Goldstandard im 19. Jahrhundert zu beginnen. Zu dieser Zeit wurde die Eisenbahn erfunden und die Dampfmaschine technisch verbessert. Beide trugen maßgeblich zur Entwicklung der industriellen Revolution bei. Diese Epoche war der Beginn einer Entwicklung, die ab den 1970er Jahren in die Globalisierung überging. Im Folgenden soll ein Überblick über die wechselhafte Architektur des Weltwährungssystems gegeben werden. Weniger die historischen Details als vielmehr die Vor- und Nachteile sowie Gründe des Scheiterns sollen hierbei im Zentrum des Interesses liegen.
6 So zeigt eine Untersuchung von Kaminsky und Reinhart (1999), dass auf eine Bankenkrise zu 46 Prozent
auch eine Währungskrise folgt.
7 vgl. Eichengreen (2000).
5
2.2.1 Der internationale Goldstandard (1870-1914)
Unter einem Goldstandard fixiert jedes Land den Preis seiner Währung gegenüber dem Goldpreis, indem es sich bereit erklärt, bei Bedarf inländisches Geld gegen Gold einzutauschen, um den offiziellen Preis zu verteidigen. 8 Dies hat zur Folge, dass die Wechselkurse sämtlicher am Goldstandard teilnehmenden Länder untereinander fest sind. England war im Jahre 1819 das erste Land, das sich zu diesem Schritt entschloss. Aus unterschiedlichen Gründen folgten der damaligen Supermacht bis zur Jahrhundertwende zahlreiche Nationen und gaben dadurch dem Goldstandard internationalen Charakter. 9 Im Vergleich zu einem normalen Reservewährungssystem besitzt der Goldstandard einige herausragenden Vorteile.
Zum einen muss jedes Land Gold als offizielle Reserve halten, wodurch es nicht zum Problem der „N-ten“ Währung
kommen kann (s. Kasten 1). Dies erhöht die
Glaubwürdigkeit des Systems, da (theoretisch) kein Land eine be-vorzugte Stellung einnimmt. Ein weiteres Charakteristikum des Goldstandards ist der Goldautomatismus, auch „Hume-Mechanismus“ genannt. 10 Das endogene Geldangebot im Gold-standard führt zu einem Mechanismus, der ständig auf ein simultanes gleichgewicht
hinwirkt: 11 Ein Defizit in der Leistungsbilanz, sprich höhere Importe als Exporte, muss bezahlt werden und führt daher zum Abfluss von Gold an das Ausland. Hierdurch verringert
8 vgl. Krugman/Obstfeld (2004), S. 654.
9 vgl Eichengreen/Sussman (2000), S.20.
10 Benannt nach dem schottischen Philosophen David Hume.
11 vgl. Burda/Wyplosz (2001), S. 611.
6
sich die Geldmenge im Inland, was zu höheren Zinsen und tendenziell zu sinkenden Preisen (bzw. niedrigerer Inflationsrate) führt. Bei festem nominalem Wechselkurs wertet daher der reale Wechselkurs ab, das Land wird wettbewerbsfähiger wodurch sich sein Leistungsbilanzdefizit verringert. Im Ausland spielt sich der spiegelbildliche Prozess ab. Der Goldzufluss erhöht die Geldmenge, die Zinsen sinken, die Preise steigen (relativ zum Ausland), der reale Wechselkurs wertet auf, die Wettbewerbsfähigkeit sinkt und die Exporte werden gedämpft. Die vielleicht bedeutendste Eigenschaft des Goldstandards ist aber, dass einer expansiven Geldpolitik Grenzen gesetzt sind. Bei einer Ausweitung der Geldmenge (Verringerung des Deckungsgrades) erhöhen sich zwar kurzfristig die Preise, langfristig pendelt sich das Preisniveau jedoch wieder auf seinem ursprünglichen Niveau ein. Grund hierfür ist, dass das gestiegene Preisniveau die Wettbewerbsfähigkeit verringert, die Importe relativ stärker steigen als die Exporte und tendenziell ein Leistungsbilanzdefizit entsteht. Letzteres führt zu einer Abnahme der Goldbestände was die Geldmenge verringert und das Preisniveau senkt. Daher wird die Preisniveauentwicklung eines Landes weniger von politischen Interessen beeinflusst, als vielmehr von Produktivitätssteigerungen, der Entdeckung neuer Gold-vorkommen sowie dem Goldverschleiß. Der Inflation werden natürliche Grenzen gesetzt. Auch wenn die oben genannten Mechanismen teilweise umgangen werden konnten, war der Goldstandard zu seiner Zeit ein modernes und äußerst effizientes Währungssystem. Ein hohes Beschäftigungsniveau, niedrige Inflationsraten sowie die Sicherheit aus festen Wechselkursen sorgten dafür, dass der Übergang ins zwanzigste Jahrhundert meist geprägt war von wirtschaftlicher Stabilität. 12 Dennoch gibt es einige Gründe dafür, dass der Goldstandard heute keine ernstzunehmende Alternative mehr darstellt. Große Anpassungsschwierigkeiten können entstehen wenn, wie oben beschrieben, ein gestiegenes Preisniveau wieder sinkt. Diese Deflation tritt vor allem dann auf, wenn der Anpassungsprozess länger dauert und von den Marktteilnehmern nicht antizipiert wird. Heutzutage herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass das Ziel eine niedrige, positive Preissteigerungsrate ist aber strikt vermieden werden sollte, dass das Preisniveau als ganzes sinkt, da eine solche Entwicklung zur Arbeitslosigkeit beiträgt. Ein weiteres Problem ist die Unbeständigkeit in der Goldförderung. Da im Zuge wirtschaftlichen Wachstums die Geldmenge ebenfalls wachsen muss, wäre ein stete
12 s. Abbildung A1 (Anhang).
7
Entdeckung und Exploration neuer Goldvorkommen unerlässlich. 13 In bestimmten Situationen kann es zudem sinnvoll sein, der Volkswirtschaft vermehrt Liquidität zur Verfügung zu stellen, um einen Abschwung oder gar eine Finanzkrise zu vermeiden. Allerdings waren es in erster Linie die geldpolitischen Einschränkungen, die zur Abkehr vom reinen Goldstandard führten. Denn mit Beginn des ersten Weltkrieges konnten und wollten die politischen Spitzen der Länder nicht mehr auf den exzessiven Gebrauch der Notenpresse verzichten. Seine engen geldpolitischen Grenzen wurden dem Goldstandard zum Verhängnis. Die folgenden Erfahrungen mit hohen Inflationsraten wirken allerdings bis heute in den geldpolitischen Überlegungen in Theorie und Praxis nach.
2.2.2 Die Zwischenkriegsjahre (1918-1939) - Gold-Devisen-Standard
Nach Ende des Krieges war die Sehnsucht nach Stabilität groß. Die USA kehrten 1919 als erstes Land zum Goldstandard zurück und viele weitere folgten. Recht schnell wurde klar, dass der weltweite Goldbestand sowie das Goldangebot nicht ausreichen würden, um die künftige Nachfrage nach Reserven zu befriedigen. Daher wurde ein eingeschränkter Gold-Devisen-Standard beschlossen. Kleinere Länder konnten demnach auch Währungen von großen Ländern (deren Währung durch Gold gedeckt war) als Reserven halten. 14 Dennoch wurden dem System die begrenzte Verfügbarkeit des Rohstoffes Gold, sowie falsch bewertete Währungen zum Verhängnis.
1931 lies Großbritannien eine Abwertung seiner überbewerteten Währung zu, um den Abfluss an Gold zu stoppen. Immer mehr Länder folgten diesem Beispiel, wodurch ein Abwertungswettbewerb im Kampf um Wettbewerbsfähigkeit in Gang gesetzt wurde. Des Weiteren wurden Importzölle eingesetzt, um eine Handelsumlenkung zugunsten heimischer Erzeugnisse zu generieren. Die Weltwirtschaftskrise dauerte zu diesem Zeitpunkt schon zwei Jahre an und viele Länder versuchten mittels einer solchen „Beggar-thy-neighbour-Politik“, die eigene Rezession in das Ausland abzuschieben.
13 Angemerkt sei, dass auch hier der Mechanismus funktioniert, wenn auch sehr langsam. Weitet sich die
Weltwirtschaft aus, so können bei konstantem Geldangebot die Güterpreise sinken (Deflation!). Dies führt zu
einem Anstieg des Goldpreises, wodurch es lohnenswerter wird, Gold zu suchen. Steigt das Goldangebot, so
sinkt der Goldpreis und das Preisniveau kehrt wieder in die Nähe seines Ausgangswertes zurück.
14 vgl. Krugman/Obstfeld (2004), S. 693.
8
Abbildung 1 zeigt, wie diese protektionistischen Maßnahmen den internationalen Handel beinahe zum erliegen brachten.
Im Verlauf der zehnjährigen Weltwirtschaftskrise sagten sich die meisten Länder vom Goldstandard los. Die Flucht in den Protektionismus
wurde zum vorherrschenden Phänomen, wodurch der Welthandel zum erliegen kam.
Quelle: Kindleberger (1973).
Da nun die Gewinne aus dem Außenhandel wegfielen, kam die wirtschaftliche Erholung der Länder nur schleppend voran. Die hohe Arbeitslosigkeit vieler Nationen öffnete den radikalen, populistischen Kräften die Tore. Diesen Zusammenhang sowie die Erfahrungen des 2. Weltkrieges vor Augen, wurde 1944 in Bretton-Woods über eine neue Architektur des internationalen Währungssystems verhandelt.
2.2.3 Das System von Bretton-Woods (1944-1973) - Gold-Dollar-Standard
Nach dem 2. Weltkrieg hielten die USA 70 Prozent der weltweiten Goldbestände. 15 Es war daher klar, dass zur Aufrechthaltung eines reinen Goldstandards die weltweiten Goldreserven zu heterogen verteilt waren. Dennoch war man bemüht, die dem Goldstandard innewohnende Stabilität weiterhin zu nutzen.
Die USA banden als einzigstes Land ihre Währung an Gold. Sie verpflichteten sich, zum Preis von 35 Dollar je Feinunze, Gold gegen Dollar zu tauschen. Die übrigen Teilnehmerländer fixierten ihren Wechselkurs zum Dollar und waren verpflichtet, diesen innerhalb einer Bandbreite von +/- 1% zu verteidigen. Somit entstand ein dreistufiges System fester Wechselkurse (Abbildung 2). Da zu diesem Zeitpunkt der Dollar als einzige Währung vollständig konvertibel war, akkumulierten die Länder große Dollarreserven. Der
15 vgl. Krugman/Obstfeld (2004), S. 617.
9
Greenback wurde zur Reservewährung des Systems und legte das Fundament für seinen heutigen Status als Weltwährung.
Quelle: Burda/Wyplosz (2001).
Anders als beim reinen Goldstandard kam es nun zum N-1 Problem. Der Dollar war die N-te Währung, in der die übrigen N-1 Währungen definiert wurden. Die USA waren von vorn herein der Hegemon des Systems. Die übrigen Länder mussten in geldpolitischem Gleichschritt folgen. Diese Architektur trug der Tatsache Rechnung, dass mit dem Ende des zweiten Weltkrieges die Vereinigten Staaten die wirtschaftliche Führungsrolle vollständig von Großbritannien übernommen hatten. New York löste London als wichtigste Finanzmetropole ab.
Unter diesem System gelang es, die Weltwirtschaft auf einen stabilen Wachstumspfad zu führen. Die vom Krieg total zerstörten Volkswirtschaften Deutschlands und Japans erlebten, auch aufgrund der festen Wechselkurse, wahre Wirtschaftswunder. Den politischen Entscheidungsträgern war es gelungen trotz der bitteren Ereignisse zu erkennen, dass nur in verstärkter wirtschaftlicher Zusammenarbeit der Schlüssel zu Wohlstand und Frieden liegen kann.
Die Konvertibilität der Währungen im Bretton-Woods-System war mit Ausnahme der USA auf Leistungsbilanztransaktionen beschränkt. Die Beschränkungen in der Kapitalbilanz sollten verhindern, dass private Kapitalflüsse aus spekulativen Gesichtspunkten zu Spannungen im System führten. Erst 1958 wurden die Währungen der meisten europäischen Länder vollständig konvertibel. Aufgrund der erhöhten Mobilität des privaten Kapitals kam den Erwartungen der Marktteilnehmer nun zentrale Bedeutung zu. Nur solange die makroökonomische Entwicklung der beteiligten Länder keine Unterschiede in der Geldpolitik verlangte, konnten spekulative Kapitalbewegungen vermieden werden. Es kam aber zu ungleichmäßigen Entwicklungen, aufgrund derer das nötige Vertrauen an verschiedensten Fronten nicht dauerhaft aufrechterhalten werden konnte: Einige Länder
10
Arbeit zitieren:
Diplom-Volkswirt Wolf Friedle, 2006, Die ostasiatischen Volkswirtschaften und das internationale Währungssystem, München, GRIN Verlag GmbH
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