Inhalt Seite
0. Einleitung 4
1. Jolo redet über Frauen 5
1.1. Wie redet Jolo über die Frauen, die ihm nahe stehen? 5
1.1.1. April 5
1.1.2. Barbara Nussmann 9
1.1.3. Miranda Magrebrachehel 11
1.1.4. Tante Herta 13
1.1.5 Jutta 14
1.2. Wie redet Jolo über die Frauen, die er nur oberflächlich kennt? 16
1.2.1. Julia Gormon 16
1.2.2. Julia zwo 17
1.3. Welche allgemeinen Richtschlüsse zieht Jolo von dem 18
Verhalten der Frauen, auf die Jugend?
2. Jolo redet mit Frauen 19
2.1. Wie redet Jolo mit den Frauen, die ihm nahe stehen? 19
2.1.1. April 19
2.1.2. Barbara Nussmann 20
2.1.3. Miranda Magrebrachehel 21
2.1.4. Tante Herta 22
2.1.5. Jutta 23
2.2. Wie redet Jolo mit den Frauen, die er nur oberflächlich kennt? 23
2.2.1. Julia Gormon 24
2.2.2. Julia zwo 24
3. Welche aktuellen Männer- und Frauenklischees greift Jolo auf 25
und wie steht er zu ihnen?
3.1. Männer erkennen nicht, wenn eine Frau mit ihnen flirtet 25
3.2. Die moderne Frau sucht bei Wahrsagern und Astrologen Antworten 25
f ür ihre weibliche Intuition
3.3. Frauen können besser reden als Männer 26
2
3.4. Frauen reden um Stress abzubauen, Männer werden von redenden 26
Frauen gestresst
3.5. Frauen träumen von Liebe und Romantik 26
3.6. Männer reden nur, wenn sie verliebt sind 27
3.7. Männer müssen immer fremdgehen und können nicht monogam 27
sein
3.8. Männer treffen sich gerne gemeinsam in Clubs 27
3.9. Männer lehnen Therapeuten ab 28
3.10. Männer achten bei Frauen auf Äußerlichkeiten 28
3.11. Männer reden nicht beim Sex 28
3.12. Männer können nicht „Ich liebe dich“ sagen 28
4. Schluss 29
Literaturverzeichnis 30
3
0. Einleitung:
Diese Seminararbeit befasst sich mit der Fragestellung, ob der Protagonist Johannes Lohmer, hier kurz „Jolo“ genannt in Joachim Lottmanns Die Jugend von heute bei seinen Beschreibungen der Frauen, mit denen er im Laufe der Handlung agiert, zuverlässig ist oder ob Jolo bedeutende Unterschiede macht, bei dem was er über und was er gegenüber diesen Frauen äußert. Insgesamt lässt Joachim Lottmann seinen Protagonisten rund 50 Frauen vorstellen, mit denen er im Verlauf des Handlungsgeschehens auf unterschiedliche Weisen in Kontakt tritt. Diese Frauen lassen sich grob in vier Kategorien einteilen: 1. Frauen, die Jolo nahe stehen.
2. Frauen, die für Jolos Neffen Elias eine Bedeutung haben. 3. Frauen, die Elias Jolo als Bekanntschaften vorstellt. 4. Frauen, die Jolo am Rande erwähnt.
Für die Untersuchung dieser Seminararbeit sind jedoch nur jene Frauen, welche Jolo oder Elias nahe stehen, von Bedeutung, als da wären Jolos Freundin April, Elias Mutter Barbara Nussmann, Jolos Schwarm Miranda Magrebrachehel, Jolos Tante Herta, Jolos Exfreundin und neue Geliebte Jutta, sowie Elias „Traumfrauen“ Julia Gormon und Julia zwo. Ich beschränke mich auf diese sieben Frauen, da sie diejenigen sind, von denen Jolo in direkter und indirekter Weise berichtet, worüber er mit ihnen spricht und welches die eventuellen Konsequenzen daraus sind. Jolos Exfrau Beate lasse ich bewusst bei dieser Untersuchung außen vor, da Jolo nur einmal kurz erwähnt, dass er sie an Heiligabend angerufen habe. Ich werde zunächst hervorheben, wie Jolo über die Frauen, die ihm und seinem Neffen nahe stehen spricht und welche Rückschlüsse er von dem Verhalten der Frauen auf die gesamte Jugend zieht. Im Anschluss daran werde ich näher auf die Äußerungen eingehen, die Jolo diesen Frauen gegenüber macht. Zuletzt werde ich zeigen, ob der Autor in seinem Werk aktuelle Männer- und Frauenklischees aufgreift und wie er diese umsetzt.
4
1. Jolo redet über Frauen
Wenn Jolo über Frauen redet, fällt dem Leser zuerst einmal auf, dass Jolo sehr stark auf Äußerlichkeiten fixiert zu seien scheint. Jolo beschreibt als erstes immer, dass Aussehen einer Frau und vergleicht dabei ihren Körperbau und ihr Auftreten mit allgemein bekannten Schauspielerinnen oder Sängerinnen. Betrachten wir uns einmal näher, ob Äußerlichkeiten für Jolo tatsächlich so wichtig sind, wie es auf dem ersten Blick den Anschein macht.
1.1. Wie redet Jolo über die Frauen, die ihm nahe stehen?
Wenn es um die Beschreibung des äußeren Erscheinungsbildes derjenigen Frauen geht, die Jolo nahe stehen, dann gerät dieser im Allgemeinen regelrecht ins Schwärmen. Da wird die „ganz besondere alte Kölner Freundin“ 1 April als eine „gewisse klare Schönheit“ 2 beschrieben und sein Schwarm Miranda Magrebrachehel sei so perfekt schön, dass man sie „als Königin in einem Herrder-Ringe-Clip auftreten lassen“ 3 könne. Aber schauen wir uns doch der Reihe nach an, was Jolo über jede dieser Frauen einzeln zu sagen hat.
1.1.1. April
April ist „die Frau an seiner Seite“ 4 , wie sie sich selber in Wien seinen Freunden gegenüber vorstellt. Und sie ist eine derjenigen Frauen, bei denen Jolo ins Schwärmen gerät, wenn er über sie spricht.
Mit diesen Worten stellt Jolo April zum aller ersten Mal vor. Die Vorstellung umfasst ca. zwei Seiten des Buches. Er beschreibt ihr Äußeres und dass er bereits in seiner Jugend schon einmal mit ihr zusammen gewesen sei. Sie hätten in den 1980er Jahren die Sommer zusammen in Grottamare, den Ort seiner Kindheit verbracht. Damals sei sie „naiv, liebevoll und natürlich“ 6 gewesen. Jetzt ist Jolo nach 15 Jahren 7 erneut mit ihr zusammen - und das nun schon seit acht
1 Vgl. Lottmann, S. 15
2 Vgl. Lottmann, S. 15
3 Vgl. Lottmann, S. 45
4 Vgl. Lottmann, S. 236
5 Vgl. Lottmann, S. 15
6 Vgl. Lottmann, S. 15
7 Vgl. Lottmann, S. 15
5
Jahren 8 . Mittlerweile habe April mehrere Jahre in New York 9 gelebt - und arbeite auch immer noch dort 10 - und aus dem jungen, naiven Mädchen sei eine 36jährige 11 , „gnadenlos erfolgreiche Fotokünstlerin mit eigener Agentur, eigenem Pferd und eigener Eigentumswohnung“ 12 geworden. So dass Jolo zu bedenken gibt, dass er sie niemals wieder hätte lieben können, wenn er sich nicht daran erinnern würde, wie sie früher gewesen sei 13 . Welche Zeit Jolo nun aber genau mit „früher“ meint, bleibt ungewiss. Denn Jolo sagt nur, er sei nach 15 Jahren wieder mit April zusammen und als sie wieder zusammen kamen, war sie bereits 28 Jahre alt. Nun ist fraglich, ob Jolo bei den besagten 15 Jahren vom aktuellen Datum zurück rechnet, oder von dem Datum, als sie wieder zusammen gekommen sind. Rechnet Jolo vom aktuellen Datum zurück, so war April damals 21 Jahre alt. Rechnet er von dem Tag zurück, als sie wieder zusammen kamen, so war sie damals gerade 13 Jahre alt. Das würde zwar erklären, weshalb Jolo sie als „naiv, liebevoll und natürlich“ in Erinnerung hat, lässt aber auch die berechtigte Frage zu, was Jolo dann damit meint, wenn er sagt, dass er damals mit ihr zusammen war. Zumal er zu dieser Zeit 25 Jahre alt gewesen war! Der Leser wird im Unklaren darüber gelassen in welcher Beziehung der 25-jährige Jolo wohl zu der 13-jährigen April gestanden haben könnte. Der Hinweis Jolo habe April in ihrer ersten Beziehung gebeten, sie nach dem Mauerfall zu besuchen 14 , lässt jedoch darauf schließen, dass Jolo wohl doch vom aktuellen Datum 15 Jahre zurück rechnet, wenn er von seiner ersten Beziehung zu April spricht. Denn der Mauerfall liegt ziemlich genau 15 Jahre zum aktuellen Datum hin zurück. Aber Jolo liebt nicht nur Aprils äußeres Erscheinungsbild, sondern weiß auch ihre inneren Werte sehr zu schätzen. Er glaubt, April sehe in ihm seine wahre Größe, die selbst er nicht kenne 15 . Wenn sie ihn ansehe, dann intensiv und ohne dabei aufdringlich zu sein. Sie sei für die Sache interessiert, aber bliebe vornehm zurückhaltend 16 . April sei immer an seiner Seite, wenn er sie brauche und lese ihm jeden Wunsch von den Augen ab 17 .
8 Vgl. Lottmann, S. 247
9 Vgl. Lottmann, S. 15
10 Vgl. Lottmann, S. 256
11 Vgl. Lottmann, S. 247
12 Vgl. Lottmann, S. 16
13 Vgl. Lottmann, S. 15
14 Vgl. Lottmann, S. 231
15 Vgl. Lottmann, S. 16
16 Vgl. Lottmann, S. 15
17 Vgl. Lottmann, S. 16
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Die Freundin scheine ihn wirklich zu lieben, denn sie verzeihe ihm jeden Fehler und lächle über seine Frauengeschichten. Sie bliebe dabei sogar noch verführerisch 18 . „So eine Frau musste man erst einmal finden!“ 19 Des Weiteren sagt Jolo, dass er sich jedes Mal, wenn ihm klar werde, welchen Schatz er da besäße frage, was er mit einer perfekten Frau solle und dann deswegen wieder abreise oder gar nicht erst zu ihr nach Köln hinfahre 20 .
Dass April aber wohl doch nicht so perfekt ist, wie er sie hier auf den ersten Blick vorstellt, wird sehr schnell deutlich. Jolo erwähnt scheinbar ganz beiläufig, andere Leute verstünden nicht, dass sie ihn noch einmal liebe, weil sie in New York so erfolgreich geworden sei. Schon allein die Aussage, sie sei dort zu einer „arroganten Manhatten-Lady verkommen“ lässt das durchscheinen. Weiterhin schiebt Jolo ganz zufällig die Bemerkung „Und was immer man gegen sie vorbringen konnte“ ein. Kurz darauf erwähnt er, dass es ihn nicht störe, dass sie zu Geschäftsleuten schneidend und hart sein könne 21 . Auffallend ist auch, dass Jolo Elias gegenüber erwähnt, er liebe April, obwohl sie bereits 28 Jahre alt war, als sie zusammen kamen 22 . Denn wie im Verlaufe des Buches immer wieder durchscheint, findet Jolo junge Frauen nicht nur äußerlich ansprechender, sondern es fällt ihm auch leichter mit ihnen zu kommunizieren 23 . Obwohl Jolo dem Leser immer wieder versichert, er liebe seine Freundin April, spricht er von ihr immer nur als „die April“, „die Freundin“ oder „meine Freundin“. Jolo erwähnt kein einziges Mal Aprils Nachnamen - während er dieses bei seinem neuen Schwarm Miranda Magrebrachehel gleich zweimal auf einer Seite 24 tut. Hierauf werde ich aber an späterer Stelle noch einmal näher eingehen. An einer späteren Stelle im Buch blickt Jolo auf seine frühere Beziehung mit April zurück und auch dort beschreibt er sie alles andere als so perfekt, wie er sie zu Beginn vorstellt. Damals habe er gewollt, dass sie ihn nach dem Mauerfall in Berlin besuche, was sie strikt abgelehnt habe, weil er ihr nicht den Grund dafür nennen konnte, den sie gerne hören wollte. So sagte sie ihm, sie wolle ihrem Hund die lange Reise nicht zumuten. Es erschien Jolo, als sei ihr der Hund wichtiger als er gewesen. Wenn er in Berlin war, hasste er sie dann dafür, dass sie
18 Vgl. Lottmann, S. 16
19 Vgl. Lottmann, S. 16
20 Vgl. Lottmann, S. 16
21 Vgl. Lottmann, S. 15-16
22 Vgl. Lottmann, S. 63
23 Vgl. Lottmann, S. 145, 205
24 Vgl. Lottmann, S. 39
7
ihn zwang, einen Psychiater aufzusuchen, da sie der Meinung war, er sei verrückt und hätte die falschen Ideale. Aus Liebe zu ihr, habe er sie trotzdem in Köln besucht und sagt die Beziehung hätte unter alledem gelitten, wäre aber nicht daran zerbrochen 25 .
Schauen wir uns nun aber einmal an, wie Jolo aktuell über seine Freundin April spricht, als er sie tatsächlich in Köln besucht. Gleich zu Beginn der Passage erwähnt Jolo, April sei „meistens zickig“ 26 . Er schlafe zwar mit ihr, aber sie gingen pausenlos ins Kino, da sie „zum Glück“ haargenau den Selben Filmgeschmack hätten 27 und in Köln nicht so viel los sei wie in Berlin 28 . Jolo beschreibt den „halböffentlichen Raum“ Kino für sie beide als ideal, da sie sich dort „wie junge Affen“ umklammern und gemeinsam nach vorne auf die Leinwand gucken würden 29 . Obwohl sich diese Beschreibung seines Aufenthaltes bei April in Köln alles andere als glücklich verliebt anhört, behauptet Jolo an einer späteren Stelle seinen Freunden gegenüber mit April ginge es sowohl in der Liebe, als auch in der Wildheit immer bergauf. Deshalb steigere er sich in die Idee hinein, sie sei schon immer sein definitives Glück gewesen 30 .
Als Jolo mit Jutta in Zürich ist, erwähnt er dann dem Leser gegenüber auf dem Kongress, dass er seine Freundin vermisse, weil es ihm mit ihr zusammen nie etwas ausmache öffentliche Veranstaltungen zu betreten und er sich mit ihr in jeder Lage wohl fühle. Deshalb fragt er sich plötzlich, ob April vielleicht „die Richtige“ sei, von welcher Elias immer spreche 31 . Weil Jolo April so sehr vermisst nimmt er sie mit, als er zu Freunden nach Wien eingeladen wird. Dort beschreibt er sie als seine liebe Freundin 32 , die er auch von Tag zu Tag mehr liebe und sich dabei herrlich erwachsen fühle 33 . In Wien treffen beide eine Jugendfreundin von Jolo, welche Jolo als „einfach umwerfend, eine phantastische Frau sozusagen, wirklich hammermäßig“ beschreibt. Jolo berichtet, April und die Jugendfreundin seien sehr gegenteilig. Beide wären erst 36 Jahre alt, jedoch wirke die Jugendfreundin älter, während April jünger aussehe. April und die Jugendfreundin wirken wie Mutter und Tochter auf Männerfang, obwohl April nie auf Männer
25 Vgl. Lottmann, S. 231
26 Vgl. Lottmann, S. 124
27 Vgl. Lottmann, S. 126
28 Vgl. Lottmann, S. 124
29 Vgl. Lottmann, S. 126
30 Vgl. Lottmann, S. 183
31 Vgl. Lottmann, S. 213
32 Vgl. Lottmann, S. 234
33 Vgl. Lottmann, S. 243
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