Inhalt
Vorwort Seite 11
Dank Seite 13
Jacqueline Auriol
Sie durchbrach als erste Frau
die Schallmauer
Seite 15
Maryse Bastié
Die Fliegerin
die acht Weltrekorde brach
Seite 19
Elly Beinhorn
Deutschlands Meisterfliegerin
Seite 23
Madeleine Sophie Blanchard
Die erste
professionelle Luftschifferin
Seite 29
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Hélène Boucher – Bessie Coleman
Biographien von Fliegerinnen im Internet Seite 95 Literatur Seite 99 Bildquellen Seite 100
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Vorwort
Königinnen der Lüfte
Die Französin Jacqueline Auriol flog als erste Frau schnel- ler als der Schall. Sie und die Amerikanerin Jacqueline Cochran erkämpften sich abwechselnd den Ruf, die „schnellste Frau der Welt“ zu sein. Die Deutsche Hanna Reitsch wurde erster weiblicher Flugkapitän, flog als erste Frau einen Hubschrauber und stellte mehr als 40 Rekorde aller Klassen und Flugzeugtypen auf. Ihre Landsmännin Elly Beinhorn führte ein legendenumwobenes Leben und prägte die sportlichen Anfänge der Fliegerei. Die Russin Valentina Tereschkova war die erste Frau im Weltall. Diesen und anderen „Königinnen der Lüfte“ aus aller Welt ist das gleichnamige Taschenbuch gewidmet. Es berichtet nicht nur von strahlenden Erfolgen, sondern auch von schmerzlichen Ereignissen. Bei Abstürzen verloren die Pilotinnen Maryse Bastié, Amelia Earhart, Christa McAuliffe und Melitta Gräfin Schenk von Stauffenberg sowie die Ballonfahrerin Madeleine Sophie Blanchard ihr Leben. Ergänzt wird das Buch durch eine Liste weiterer berühmter Fliegerinnen und Ballonfahrerinnen.
Die Biographien der „Königinnen der Lüfte“ stehen auch in meinem Taschenbuch „Superfrauen 4 – Wirtschaft und Verkehr“.
Ernst Probst, im Januar 2002
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Dank
Für Auskünfte, kritische Durchsicht von Texten (Anmerkung: Etwaige Fehler gehen zu Lasten des Verfassers), mancherlei Anregung, Diskussion und andere Arten der Hilfe danke ich herzlich:
Eric G. Ackermann, Special Collections, University Libraries, Virginia Tech, Blacksburg Werner Baumbauer, Mackenrodt Werner Bittner, Deutsche Lufthansa AG, Public Relations Dienste, Firmenarchiv, Köln Deutsche Lufthansa AG, Public Relations Dienste, Firmenarchiv, Köln Harald Enteneuer, Bundesgeschäftsführer, Deutscher Luftwaffenring e. V., Bonn Sandra Friedrich, Lufthansa CityLine GmbH, Unternehmenskommunikation, Köln Bette Davidson Kalash, Jesse Davidson Aviation Archives Luftfahrt-Bundesamt, Braunschweig Alois Maiburg, Architekt, Wesseling Irmtrud Meyer, Diplom-Bibliothekarin, Bonn Maurice G. Meyer, Conseilleur Honoraire Extérieur de la France, Straßburg Bernd Neu, Archivar, Ingelheim Doris Probst, Mainz-Kostheim
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Sonja Probst, Johannes Gutenberg-Universität Mainz Stefan Probst, Mainz-Kostheim Norman G. Richards, Archives Reference Team, Smithsonian National Air and Space Museum, Washington Professor Dr. med. Bernd Rosemeyer, München Wolf-Dieter Schaller, Flughafen Frankfurt Main AG Karl-Dieter Seifert, Berlin Sabine Trube, Flugkapitän, Neuss Hannelore Zapf, Condor Flugdienst GmbH, Kelsterbach
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D ie erste Frau der Welt, die schneller als der Schall
flog, war die französische Pilotin Jacqueline Auriol (1917–2000), geborene Jacqueline Marie-Thérèse Su- zanne Douet. Sie stellte einige Weltrekorde auf, war mehrfach „die schnellste Frau der Welt“ und galt international als eine der besten Pilotinnen.
Jacqueline Marie-Thérèse Suzanne Douet wurde am 5. November 1917 in Challans Vendée als Tochter eines Holzhändlers geboren. Sie besuchte die Institution „Blanche-de-Castille“ in Nantes sowie die Pariser Schulen „Notre-Dame-de-Sion“ und „École du Louvre“.
Im Februar 1938 heiratete die 20-Jährige Paul Auriol (1918–1992), den Sohn des späteren Präsidenten der französischen Republik. Aus dieser Ehe gingen 1938 der Sohn Jean-Claude und 1941 der Sohn Jean-Paul hervor.
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1947 begegnete die 29-Jährige bei einem Diner im Präsidentenpalais dem französischen Flieger Raymonde Guilleaume. Er schwärmte: „Beim Fliegen bleibt alles am Boden zurück. Es gibt nur zwei Dinge dort oben: Leben und Tod“. Seine Worte fielen bei der zweifachen Mutter auf fruchtbaren Boden. Denn die High Society und Repräsentationspflichten an der Seite ihres Mannes, der als Sekretär seines Vater arbeitete, füllten sie nicht aus. Die Kinder sind bereits dem Babyalter entwachsen gewesen.
Ihr Gatte, der früher selbst Kampfflieger gewesen war, zeigte sich von der Idee Jacquelines begeistert, der Schwiegervater dagegen weniger. Als sich zeigte, dass Jacqueline eine große Begabung für die Fliegerei besaß, ließ sie sich auch im Kunstflug ausbilden. Zwischen 1948 und 1954 erwarb sie sechs verschiedene Pilotenscheine für sämtliche Flugzeugtypen, auch für Segelflugzeuge. Auf- grund ihres fliegerischen Könnens konnte sie bald als Einfliegerin und Testpilotin arbeiten.
Im Juli 1949 startete Jacqueline Auriol als einzige Frau unter 20 männlichen Kunstfliegern. Nach diesem Auftritt als tollkühne Luftakrobatin verlieh man ihr den Spitzna- men „La Lionne“ („die Löwin“). Eine Woche später stürzte Jacqueline als Co-Pilotin in einem Wasserflugzeug in die Seine. Sie überlebte das Unglück, erlitt aber schwere Gesichtsverletzungen. Danach musste sie eine Stahlmaske tragen, monatelang flüssig ernährt werden und fast anderthalb Jahre in Kliniken verbringen. Selbst ihre eigenen Kinder erkannten sie nicht mehr.
Um sich von den Unfallfolgen abzulenken, studierte die ans Bett gefesselte und entstellte Jacqueline Auriol eifrig Aeronautik, Algebra und Trigonometrie. In den USA
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gelang es Schönheitschirurgen, innerhalb von drei Jahren mit 22 Eingriffen das ehedem liebreizende und photogene Gesicht wiederherzustellen. Später erzählte Jacqueline, sie sei sich zwölf Jahre lang beim Blick in den Spiegel fremd vorgekommen.
Gleich nach ihrer letzten Operation in den USA absolvierte Jacqueline Auriol ihr Diplom als Hubschrauberpilotin. Nach ihrer Gesundung wollte sie den von der amerikani- schen Fliegerin Jacqueline Cochran (um 1906–1963), einer Freundin von ihr, gehaltenen Geschwindigkeitsre- kord für Frauen brechen. Dieses Vorhaben gelang ihr am
13. Mai 1951 auf dem Flugplatz Villacoublay bei Paris mit
einem „Vampire“-Düsenjäger: Mit 818,181 km/h wurde sie die „schnellste Frau der Welt“.
Der amerikanische Präsident Harry Spencer Truman (1884–1972) verlieh Jacqueline Auriol im November 1952 im „Weißen Haus“ in Washington die „Internationale Hermon-Trophäe“ für hervorragende fliegerische Leistun- gen. Zwei Monate vorher hatte sie in Frankreich aus gleichem Anlass das „Kreuz der Ehrenlegion“ erhalten. Im Dezember 1952 glückte Jacqueline Auriol ein neuer Weltrekord für Frauen: Mit einer „Mistral 76“ erreichte sie zwischen Avignon und Istres über 100 Kilometer Flugstrecke eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 856 km/h. Damals wurde Jacqueline Auriol und Jacqueline Cochran abwechselnd der Ehrentitel „schnellste Frau der Welt“ verliehen.
Im August 1953 durchbrach Jacqueline Auriol mit einem Düsenjäger des Tpys „Mystère“ die Schallmauer (Mach 1): Sie erreichte 1195 km/h. Ein neuer Geschwindigkeits- Weltrekord für Frauen folgte im Juli 1955: Nun überbot Jacqueline Auriol mit einem Düsenjäger vom Typ
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„Mystère IV“ mit 1200 km/h den Rekord von Jacqueline Cochran.
Mitte der 1950-er Jahre besaß der Titel „Schnellste Frau der Welt“ nur noch repräsentative Bedeutung. Denn vom
1. Juli 1955 bis Anfang 1956 hatte der „Internationale
Luftsportverband“ den Geschwindigkeits-Weltrekordtitel für Frauen abgeschafft.
Im August 1959 übertraf Jacqueline Auriol ihre eigene Bestleistung vom Juli 1955 deutlich: Sie schaffte mit einem Düsenjäger vom Typ „Mirage III“ eine Rekordge- schwindigkeit von 2150 km/h. Der Flug fand über dem Flughafen Istres statt. Drei Jahre später, am 22. Juni 1962, brach Jacqueline mit einem neuen französischen Düsenjä- ger, dem „Mistral III“, mit 1849 km/h erneut den internationalen Schnelligkeitsrekord für Frauen über eine Strecke von 100 Kilometern.
Mit einer „Mirage III-R“, glückte Jacqueline Auriol am 14. Juni 1963 in Istres ein neuer Rekord. Dabei erreichte sie 2038,7 km/h. 1964 gelang ihr ein weiterer Rekord. Nach ihrem folgenschweren Absturz vom Juli 1949 absolvierte Jacqueline Auriol unfallfrei noch mehr als 4000 Flugstunden. Sie rauchte und lachte gerne und war auf ihren ältesten Sohn stolz, der bereits im Alter von 17 Jahren seinen Pilotenschein erworben hat. Die „Süddeut- sche Zeitung“ bescheinigte ihr nach einem Auftritt beim „Internationalen Flugtag 1956“ in München-Riem, in ihren Augen liege jener Blick, der manchmal aus fernen Weiten zurückzukehren scheine, der Blick der besessenen Fliegerin.
Die „schnellste Frau der Welt“ starb am Abend des 11. Februar 2000 im Alter von 82 Jahren in ihrer Pariser Wohnung.
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brach
F rankreichs berühmteste Fliegerin war Maryse Bastié
(1898–1952), geborene Bombec. Sie erwarb 1928 als erste Französin den Führerschein für Passagierflugzeuge und stellte in den 1930-er Jahren acht Weltrekorde auf. 1952 kam die tüchtige Pilotin bei einem Flugzeugunglück ums Leben. Zu ihren Lebzeiten bezeichnete man sie als „Sprinterin der Luft“ und „Dauerläuferin am Firmament“. Maryse Bombec wurde am 27. Februar 1898 als eines von acht Kindern der armen Eheleute Joseph Bombec und Céline Filhollaud in Limoges geboren. Nach dem Verlassen der Schule arbeitete sie in einer Schuhfabrik. Am 11. Februar 1915 heiratete die 16-Jährige den Porzellanmaler Baptiste Gourinchas, von dem sie später geschieden wurde.
Am 22. Mai 1922 schloss Maryse Gourinchas ihre zweite
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Ehe mit dem entlassenen Fliegerleutnant Louis Bastié (1897–1926), mit dem sie zunächst ein Schuhgeschäft führte. Später wurde ihr Mann Testpilot in Bordeaux- Merignac. Er stürzte im Oktober 1926 während eines Probefluges vor ihren Augen tödlich ab.
Durch ihren Gatten begeisterte sich auch Maryse Bastié für die Fliegerei. 1925 erwarb sie den Pilotenschein und 1928 den Führerschein für Passagierflugzeuge. Mit ihren letzten Ersparnissen kaufte sie ein gebrauchtes kleines Flugzeug, das sie liebevoll „Trottinette“ („Radelrutsch“) nannte.
1929 wollte Maryse Bastié den Weltrekord im Dauerflug brechen, doch die in Rußland geborene und in Frankreich lebende Pilotin Lena Bernstein (1906–1932) blieb kurz darauf noch länger mit ihrer Maschine in der Luft als sie. 1930 erkämpfte sich Maryse in 22 Stunden und 40 Minuten mit ihrem 40 PS starken deutschen Leichtflug- zeug des Typs „Klemm 251a“ die Urkunde für den „Internationalen Rekord in geschlossener Bahn“.
Im September 1930 triumphierte sie über Lena Bernstein, als sie mit ihrem Klemm-Leichtflugzeug 37 Stunden und
55 Minuten flog, ohne zu tanken.
Mit einem Direktflug von Paris über Nishnij nach Nowgorod stellte Maryse Bastié im Juni 1931 den bis dahin von Lena Bernstein gehaltenen Frauenweltrekord sowie den absoluten Weltrekord für Kleinflugzeuge auf. 1932 verlieh ihr die „Internationale Flieger-Liga“ den offiziellen Weltmeistertitel für Frauen.
Maryse Bastié krönte ihre fliegerische Leistung im Dezember 1936, als sie durch Nebel und Wetterwolken von Dakar in Westafrika über den Südatlantik nach Natal in Brasilien flog. Dabei war sie zwölf Stunden unterwegs
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und erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 260 km/h. Für diesen Ozeanflug hatte ihr der französische Luftfahrtminister die „Caudron Simoun“ zur Verfügung gestellt. Nach der triumphalen Heimkehr verlieh er ihr 1937 den Titel eines „Offiziers der Ehrenlegion“. Im Sommer 1937 flog Maryse zusammen mit einer Pilotin namens Tillier von Paris nach Krasnojarsk und zurück. Ihren Lebensunterhalt verdiente Maryse Bastié zunächst als Testpilotin bei einer französischen Flugzeugbaufirma, später betrieb sie eine eigene Pilotenschule.
Im Zweiten Weltkrieg meldete sich Maryse Bastié freiwillig als Pilotin zu den Luftstreitkräften. Sie konnte aber als Frau wegen der damaligen Bestimmungen nicht angenommen werden und wurde statt dessen Fahrerin eines Ambulanzwagens. 1940 starb ihr einziger Sohn als Soldat in Tunis. Daraufhin schloss sie sich der französi- schen Widerstandsbewegung („Résistance“) an. 1945 beförderte man sie zum Kapitän der Luftstreitkräfte.
Maryse Bastié verlor am 6. Juli 1952 im Alter von 54 Jahren bei einem großen Sommer-Flugmeeting auf dem Flugplatz von Bron bei Lyon ihr Leben. Sie wurde nach dem Absturz ihres zweitmotorigen Transportflugzeuges „Nord 2501“ unter den Trümmern begraben und erschla- gen. Auch ihre Besatzung starb.
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Quote paper:
Ernst Probst, 2001, Königinnen der Lüfte, Munich, GRIN Publishing GmbH
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DOI
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