1. Einleitung
Die Binnenmigration wird allgemein definiert als die Verlagerung des Wohnortes innerhalb eines bestimmten Gebietes oder einer Region. Dabei unterscheidet man je nach Distanzüberwindung in kleinräumige, zwischen Städten und ihren Umland (Suburbanisierung), und großräumige Wanderungen, über Kreisgrenzen hinweg. Stadt-Umland-Wanderungen sind meist ohne Arbeitsplatzwechsel verbunden. Die Gründe liegen überwiegend im Bereich von Preisdifferenzen bei den Wohnungsmieten oder beim Bauland und betreffen vornehmlich Familien. Migrationen, bei der die Personen dagegen größere Entfernungen zurücklegen, haben in der Regel einen Arbeitsplatzwechsel zur Folge. In der Abbildung 1 wird deutlich, dass je geringer die zu überwindende Distanz ist, umso häufiger finden Wanderungen statt.
Daraus lässt sich ableiten, dass Menschen versuchen großräumige Wanderungen zu vermeiden, so dass starke Wanderungsmotive vorliegen müssen, die sie bewegen ihren Herkunftsort zu verlassen. Die nachfolgenden Ausführungen sollen die Motive für großräumige Wanderungen näher beleuchten.
2. Binnenwanderungsströme in Deutschland
Die regionale Entwicklung in Westdeutschland war bis zur Wiedervereinigung durch ein ausgeprägtes Süd-Nord-Gefälle gekennzeichnet. Grundlage dafür waren die Herausbildungen von Unternehmensagglomerationen in Mitte- und Süddeutschland, welche in Norddeutschland große Bevölkerungsteile abwandern ließen.
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Die in Abbildung 2 gezeigten Binnenwanderungsbewegungen in dem Zeitraum von 1950-1989 verdeutlichen die großen Wanderungsverluste der norddeutschen Regionen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung setzte eine großräumige Ost-West-Wanderung ein, bei der die neuen Bundesländer in den Jahren 1989-2001 ca. 8% ihrer Einwohner verloren. Die Wanderungsstatistik in Abbildung 3 lässt in den ersten Jahren einen starken negativen Trend Ostdeutschlands gegenüber Westdeutschland erkennen, welcher sich aber allmählich abflacht. In den letzten Jahren konnte aber wieder eine verstärkte Abwanderung beobachtet werden.
Nach Schlömer (2004, S.106) werden zwei Phasen in dem Zeitraum von 1991-2000 sichtbar. So erfolgten in den Jahren 1991-1995 starke Wanderungen von den neuen Bundesländern in die räumlich nächstliegenden alten Bundesländer. Dabei kristallisierte sich neben Nordhessen und Oberfranken vor allem ein Kernraum in Norddeutschland mit Hamburg als Zentrum heraus.
Es fällt auf, dass in dieser Phase die dicht besiedelten Regionen, wie Nordrhein-Westfalen, Ruhrgebiet und das Rhein-Main-Gebiet, geringer präferiert werden, so dass
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die Auswahl der Migranten nach den Zielgebieten, nicht nach der, bezüglich Arbeitsmarkt attraktivsten Region, gewählt wurde.
Die zweite Phase von 1996-2000 brachte dagegen eine stärkere Ausdifferenzierung hinsichtlich der Zielregionen. Als neuer Schwerpunkt ist Oberbayern mit dem Zentrum München zu nennen, aber auch die Regionen Stuttgart, Rhein-Main und Köln wurden stärker bevorzugt. Die ökonomische Restrukturierung, welche vor allem von den altindustriellen Verdichtungsräumen wie dem Ruhrgebiet , dem Saarland, aber auch ländlichen Regionen wie Oberfranken, ausging, brachte für die süddeutschen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg sowie Südhessen, weitere Wanderungsgewinne, da sich hier bedingt durch wirtschaftliches Wachstum, eine geringe Arbeitslosigkeit und eine günstige Beschäftigungslage konzentrierten.
In Abbildung 4 werden die Binnenwanderungssalden in dem Zeitraum von 1991-2003 aufgezeigt. Dabei wird deutlich, dass Ostdeutschland verstärkt Bevölkerungsteile nach Süddeutschland verliert, aber auch Norddeutschland, mit Hamburg als Anziehungspunkt, kann Bevölkerungsgewinne aus Ostdeutschland verzeichnen. Eine Studie von Eckey und Schumacher (2002, S.39), die Divergenz und Konvergenz zwischen den Regionen Deutschlands untersucht, kam zu dem Ergebnis, dass langfristig zwischen den neuen und den alten Bundesländern eine Konvergenz zu beobachten ist, wobei die Schnelligkeit dieses "Zusammenwachsens" von der wirtschaftlichen Situation abhängt. Dabei macht sie deutlich, dass "in Zeiten guter Konjunktur die räumlichen Unterschiede geringer >werden@, um in tiefkonjunkturellen Zeiten wieder anzuwachsen". Das bedeutet, dass "Konjunktureinbrüche vor allem strukturschwache Wirtschaftsräume >treffen@".
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3. Historische Betrachtung
Bei der Betrachtung der Ost-West-Wanderung sind einige historische Besonderheiten hinsichtlich der Entwicklung beider deutscher Staaten, als Grundlage für nachfolgende migrationstheoretische Erklärungsansätze, zu beachten. So waren westdeutsche Unternehmen den marktwirtschaftlichen Gesetzen unterworfen, bei dem der Preis zu einem Interessenausgleich zwischen Angebot und Nachfrage führt. In dem planwirtschaftlichen System Ostdeutschlands hingegen legte der Staat die produzierende Menge und den zu zahlenden Preis fest. Güter wie Grundnahrungsmittel wurden staatlich subventioniert und zu einem geringeren Preis angeboten als der, der sich marktwirtschaftlich ergeben hätte. Dies führte zu staatlichen Verlusten. Die mit der Wiedervereinigung eingeleitete "Transformation einer Plan- in eine funktionierende Marktwirtschaft und die Integration in die westdeutsche wie weltweite Ökonomie" (Gans, P. 2004, S.4), offenbarte, dass die meisten ostdeutschen Industrieunternehmen unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht wettbewerbsfähig waren. Als Gründe, welche für das beschleunigte Zusammenbrechen der ostdeutschen Industrie
verantwortlich gemacht werden können, sind die plötzliche Aufwertung der Währung, die unter anderem den Absatz mit den ehemaligen Ostblockstaaten zum Erliegen brachte, der Nachfrageeinbruch von DDR-Produkten, niedrige Produktivität und unflexible Wirtschaftseinheiten, aufzuführen. Erschwerend für den Aufbau neuer
Wirtschaftsstrukturen kamen noch unklare Eigentumsverhältnisse, Rechtsunsicherheit, eine marode Infrastruktur, Fehlen geeigneter Gewerbeflächen sowie Altlasten, deren Sanierung mit hohen Kosten verbunden waren, hinzu. Die Folgen waren Beschäftigungsabbau in fast allen Branchen, hohe Arbeitslosigkeit, besonders in industriell mono-strukturierenden Regionen, und ein fehlender Besatz mit neuen Produktionsstätten. Der kurzzeitige Aufschwung nach der deutschen Einheit war getragen durch große staatliche Förderprogramme, die vor allem in der Bauindustrie zu neuer Beschäftigung führten. Auch der Dienstleistungssektor konnte zur teilweisen Kompensation der verlorenen Industriearbeitsplätze beitragen.
4. Makroökonomische Erklärungsansätze Räumliche Disparitäten
Die Entwicklung von Agglomerationszentren beeinflusst im starken Maße die Wanderungsbewegungen der Individuen. Diese Phasen, welche gekennzeichnet sind von technologischen Neuerungen, politischen Entscheidungen und marktwirtschaftlichen Verhaltensweisen, können für Regionen negative Auswirkungen haben.
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Arbeit zitieren:
Sven Börner, 2005, Binnenmigration in Deutschland - ökonomische Ursachen und Folgen, München, GRIN Verlag GmbH
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