Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Zeit der Narration - wann wird erzählt? 6
2. Narrative Ebenen- wo wird erzählt? 9
3. Person - wer erzählt? 11
3.1. Funktion des Erzählers 13
3.2. Subjekt und Adressat des Erzählens - wem wird erzählt? 14
4. Fazit. 16
2
Einleitung
In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich Gérard Genettes „discours du recit“, wobei ich meinen Schwerpunkt auf seine erzähltheoretischen Überlegungen legen werde. Genettes Werk ist in der Literaturwissenschaft allgemein bekannt und weit verbreitet. Da seine Ansichten aber auch sehr komplex und breit gefächert sind, beschränke ich mich in dieser Ausarbeitung auf bestimmte Aspekte seiner Theorie. Genauer möchte ich auf seine Ausführungen zur narrativen Instanz eingehen, demnach auf die Kategorie „Stimme“, mit dem Hauptaugenmerk auf der Idee der narrativen Ebenen. In diesem Zusammenhang stellen sich folgende Fragen: Wann wird erzählt? Wo wird erzählt? In welchem Maße ist der Erzähler am Geschehen beteiligt? Wer erzählt wem?
Ziel dieser Arbeit ist es, in den folgenden Kapiteln, Antworten auf diese Fragen zu finden. „(...)wir wollen im folgenden unter der Kategorie Stimme all die Probleme behandeln, die den Akt des Erzählens und damit neben der Person des Erzählens auch das Verhältnis von Erzähler/ Hörer betreffen.“ 1 Doch der Reihe nach. Zunächst soll der Begriff Erzählung definiert werden. „Wir benutzen das Wort (...) normalerweise ohne uns um seine Zweideutigkeit zu kümmern, manchmal ohne sie zu bemerken(...) “ 2 Es herrscht weitgehend Übereinstimmung darüber, dass Gerard Genette das bislang differenzierteste und komplexeste Analysemodell für die Zeitstruktur in erzählenden Texten vorgelegt hat. Seine Terminologie ist, wie eben erwähnt, sehr komplex und im ersten Moment ungewohnt und schwierig zu lesen. Da seine Begriffe aber außerordentlich präzise sind, haben sie sich in der internationalen Erzählforschung durchgesetzt. Genette unterscheidet drei für die Erzähltextanalyse wichtige Aspekte: Die histoire (Geschichte) bezeichnet die Folge von Ereignissen, die Gegenstand des recit (der Erzählung) sind.
1 M. Martinez S.68.
2 Gerard Genette S.15.
3
Hinzu kommt die Narration (Narration oder der Akt des Erzählen) selbst. Doch vor allem sind es deren Beziehungen untereinander, die Genette interessieren: zwischen Erzählung und Geschichte zum einen (recit/histoire), zwischen Erzählung und Erzählen (recit/narration).zum anderen.
Ferner differenziert er noch einmal Zeit, Modus und Stimme als zusätzliche konstitutive Elemente des Erzählens. Darauf werde ich zu einem späteren Zeitpunkt explizit eingehen. Verallgemeinernd kann man sagen, dass sich ein narrativer Text aus zwei Ebenen zusammensetzt, die beide eng miteinander verbunden sind. Dabei handelt es sich um die eben erwähnte histoire (Geschichte), die eine Abfolge von Ereignissen repräsentiert, und um den discours (Text) der eine Abfolge von Zeichen ist. „In einem ersten Sinn- der heute im gewöhnlichen Gebrauch am evidentesten und zentralsten ist, bezeichnet Erzählung die narrative Aussage, den mündlichen oder schriftlichen Diskurs (discours), der von einem Ereignis oder einer Reihe von Ereignisse berichtet. In einem zweiten, (...) Sinn bezeichnet Erzählung die Abfolge der realen oder fiktiven Ereignisse, die den Gegenstand dieser Rede ausmachen, und ihre unterschiedlichen Beziehungen zueinander(...)“. 3
Die fundamentale Opposition besteht also zwischen der Ebene der histoire, die ein fiktives oder reales Geschehen bezeichnet (das Was der Darstellung), und der Ebene des dicours, in der das Geschehene sprachlich dargestellt wird (das Wie der Darstellung). Hierbei handelt es sich um eine zentrale Kategorie, um eine der wesentlichsten Unterscheidungen innerhalb der Erzähltheorie, deren Geschichte zum Teil verworren ist, aber eine lange Tradition aufweist. Durch die Dominanz strukturalistischer Betrachtungsweisen hat sich das Oppositionspaar: histoire/dicours jedoch durchgesetzt und wurde innerhalb dieser Tradition von Genette in Hinsicht auf seine Erzähltheoretische Analyse weiter ausdifferenziert.
3 Gerard Genette S.15.
4
Natürlich hält auch Genette am Begriff histoire fest, ersetzt aber den Zweiten: disours, indem er ihn in recit ( Erzählung: narrativer Text) und narration (Akt des Erzählens) unterteilt. „In einem dritten Sinn, der wahrscheinlich der älteste ist, bezeichnet Erzählung noch ein anderes Ereignis: diesmal nicht mehr das, von dem erzählt wird, sondern das, das darin besteht, das jemand erzählt: den Akt der Narration selber.“ 4
Da diese Begriffe und die unterschiedlichen Herangehensweisen so verschieden sind, entsteht leicht der Eindruck, als sei von mehreren, differenzierten Dingen die Rede. Tatsächlich sind die jeweiligen Begriffe nicht deckungsgleich und untereinander austauschbar, aber dennoch haben alle eine gemeinsame Basis.
Die Basis meiner Arbeit ist, allen in der Einleitung gestellten Fragen nachzugehen und sie zu beantworten. Dies soll der Ausgangspunkt meiner gesamten Ausarbeitung sein. Dabei werde ich mich hauptsächlich mit der Kategorie „die Stimme“ beschäftigen, die „(...) ein Aspekt der verbalen Handlung ist, sofern diese in ihren Beziehungen zum Subjekt betrachtet wird.“ 5 Sie stellt daher eine wichtige Gruppe der Analyse dar. Hierbei steht die Frage: „Wer spricht?“ im Mittelpunkt. Genette unterteilt sie in mehrere Aspekte, nämlich: Zeit der Narration, narrative Ebene und Person. Diese Punkte möchte ich den folgenden Kapiteln explizit veranschaulichen.
4 Gerard Genette S.15.
5 Gerard Genette S.153.
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Arbeit zitieren:
2005, Genettes Erzählung 'discours du recit' und die Kategorie "Stimme", München, GRIN Verlag GmbH
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