2
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 4
2. Die Konvergenzthese im Fokus der Wissenschaft 6
2.1 Zum Begriff der Konvergenz 6
2.2 Studien pro Konvergenz 7
2.3 Studien contra Konvergenz 9
2.4 Kritische Stellungnahme zu den Studien 11
3. Konvergenz aus Zuschauerperspektive 13
4. Medienpolitische Instrumentalisierung der Konvergenzthese 15
5. Resümee, Stellungnahme und Ausblick 18
6. Quellenverzeichnis 21
3
„ Die Problematik liegt offenbar weniger in der
Konvergenzthese selbst als im wissenschaftlichen
und medienpolitischen Umgang mit ihr. “ 1
1 Krüger, Udo Michael: Zur medienpolitischen Instrumentalisierung der Konvergenzthese von Heribert Schatz. In: Abromeit, Heidrun / Nieland, Jörg-Uwe / Schierl, Thomas / Werthes, Sascha / Schatz, Heribert: Politik, Medien, Technik. Festschrift für Heribert Schatz. Wiesbaden 2001, S. 204.
4
1. Einleitung
Die aktuellen innenpolitischen Geschehnisse um die voraussichtliche Bundestagswahl im September nähren nicht nur die Hoffnung mancher Bürger auf „Besserung“, sondern treiben schon jetzt die Konjunktur zumindest einer deutschen „Branche“ an. Es geht um die politischen Informationssendungen bzw. Fernsehnachrichten, die traditionell gerade zu Wahlzeiten erheblich an Bedeutung gewinnen. Die Vermittlung von Information durch die Medien ist besonders während derartiger Partizipationsprozesse der Bürger gefordert, bildet sie doch eine Grundlage für die politische Meinungs- und Willensbildung und damit für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaftsordnung.
Berücksichtigt man, dass zumindest das öffentlich-rechtliche Fernsehen „die größte Reichweite, die höchste Glaubwürdigkeit und die größte zugesprochene Kompetenz für die Vermittlung von Informationen“ 2 im intermediären Vergleich besitzt, dann kann man die Bedeutung der entsprechenden Nachrichtenformate wohl kaum überschätzen. Aber das (Fernseh-)Bild wird getrübt: Denn nicht wenige wissenschaftliche Studien behaupten, dass „Politik […] offensichtlich immer seltener Gegenstand von Nachrichten [wird]“ 3 bzw. dass „Sensation wichtiger ist als politische Relevanz“ 4 . WOLFGANG DONSBACH und KATRIN BÜTTNER konstatieren, dass selbst das öffentlich-rechtliche ZDF innerhalb seiner Nachrichtenformate deutliche Boulevardisierungs-tendenzen offenbart und sich damit an die privaten Sender anpasst. 5 Auch die ARD bleibt von ähnlicher Kritik nicht gänzlich verschont. 6 Die Rede ist von der so genannten Konvergenzhypothese, nach der sich die Programme der öffentlich-rechtlichen und der privaten Anbieter immer weiter angleichen. Nicht umsonst gerät vor allem das Genre „politische Information“ ins Zentrum dieser Hypothese, schließlich bildet es unbestritten, wie oben exemplarisch dargestellt, einen essentiellen Bestandteil des verfassungsrechtlich gebotenen Grundversorgungsauftrags des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Der eindeutige Nachweis von Konvergenz, wobei bezüglich der Relevanz verschiedener Konvergenzformen im Folgenden noch differenziert werden muss, würde den öffentlich-rechtlichen Sendern ein erhebliches Legitimationsdefizit bescheren und sie womöglich ihrer gesonderten Gebührenfinanzierung berauben.
2 Donsbach, Wolfgang / Büttner, Katrin: Boulevardisierungstrend in deutschen Fernsehnachrichten. In: Publizistik, 1/2005, S. 21.
3 Ebd., S. 35.
4 Brosius, Hans-Bernd: Politikvermittlung durch Fernsehen. Inhalte und Rezeption von Fernsehnachrichten. In: Klingler, Walter / Roters, Gunnar / Zöllner, Oliver: Fernsehforschung in Deutschland. Themen, Akteure, Methoden. Baden-Baden 1998, S. 296.
5 Vgl. Donsbach / Büttner, a.a.O., S. 35.
6 Vgl. Bruns, Thomas / Marcinkowski, Frank: Konvergenz Revisited. Neue Befunde zu einer älteren Diskussion. In: Rundfunk und Fernsehen, 4/1996, S. 476.
5
Dass bis dato solche Entwicklungen ausgeblieben sind, hängt vor allem mit den widersprüchlichen Befunden innerhalb der Forschung zusammen: Genauso wie Studien existieren, die Konvergenz eindeutig nachgewiesen haben wollen, gibt es jedoch auch welche, die das Gegenteil behaupten. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die empirischen Untersuchungsergebnisse zum Spielball der Programmanbieter geworden sind: Je nach Intention wird die Konvergenzthese in die eine oder andere Richtung „zurechtgebogen“, dabei ist es schwierig den Überblick über die Argumentationsgänge der Verantwortlichen zu behalten.
In der vorliegenden Arbeit soll es darum gehen, das viel beackerte Feld der Konvergenzforschung hinsichtlich der Untersuchungsergebnisse zu strukturieren, um anschließend einen kritischen Blick auf die medienpolitische Debatte werfen zu können. Dafür bedarf es zu Beginn einer Begriffsklärung von Konvergenz, die ein grundlegendes Verständnis für die späteren Betrachtungen ermöglicht. Der kurzen Darstellung der unterschiedlichen wissenschaftlichen Positionen zur Konvergenzhypothese folgt eine kritische Zusammenfassung der empirischen Untersuchungen. Hinsichtlich einer umfassenden Beurteilung der Konvergenzentwicklungen ist es zudem erforderlich, auch die Rezipientenseite mit einzubeziehen. Nach einer umfassenden Darstellung der medienpolitischen Instrumentalisierung der Konvergenzthese schließt das abschließende Resümee, in dem zu der Thematik Stellung bezogen und eine Prognose für die Zukunft gewagt wird, die Arbeit ab.
Grundlegende Quellen für die folgenden Ausführungen sind Veröffentlichungen aus diversen Fachzeitschriften und der Fachliteratur, wobei insbesondere die Publikationen von HERIBERT SCHATZ, NIKOLAUS IMMER, FRANK MARCINKOWSKI, UDO-MICHAEL KRÜGER, BARBARA PFETSCH und KLAUS MERTEN zu nennen sind. Was die medienpolitische Herangehensweise an das Thema anbelangt, dienten auch einige Zeitungsartikel aus der tagesaktuellen Presse als Quelle.
6
2. Die Konvergenzthese im Fokus der Wissenschaft
Zwar ist das Thema Konvergenz von Informationssendungen Untersuchungsgegenstand zahlreicher Studien, aber wie eingangs erwähnt, liefern die Forscher teils widersprüchliche Ergebnisse. Dies liegt unter anderem daran, dass einige Untersuchungen aufgrund noch zu thematisierender Motive auf einem nicht eindeutig differenzierten Begriff von Konvergenz basieren.7 Bevor die konträren Positionen der Wissenschaft dargestellt und diese anschließend kritisch beleuchtet werden können, sollte geklärt sein, welche Konvergenzformen existieren und wie ihre medienpolitische Relevanz einzuschätzen ist.
2.1 Zum Begriff der Konvergenz
Unter Konvergenz versteht man im Allgemeinen den „Prozess einer Distanzverringerung […] zwischen zwei Beobachtungsobjekten innerhalb eines bestimmten Zeitraums“8. Schatz, Immer und Marcinkowski, die die Konvergenzthese im Jahr 1989 nach einer vergleichenden Struktur- und Inhaltsanalyse von öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern in den vier Kabelpilotprojekten veröffentlichten9, definierten Konvergenz der Fernsehprogramme ursprünglich als einen strukturellen, inhaltlichen und qualitativen Angleichungsprozess der zuschauerstärksten Vollprogramme. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Forscher einen Prozess beidseitiger Annäherung beschreiben und nicht wie Merten einen gerichteten Konvergenzprozess seitens der öffentlich-rechtlichen Fernsehanbieter als
untersuchungsleitend annehmen. Für die medienpolitische Sichtweise ist zweifelsohne neben den Richtungen von Konvergenzprozessen entscheidend, auf welcher Ebene derartige Entwicklungen zu beobachten sind. Einerseits untersuchen Programmstrukturanalysen die Anteile und Sendeplätze verschiedener Genres und Sendungsformen am Gesamtprogramm, andererseits bietet sich eine Abstraktionsebene tiefer die Möglichkeit der Untersuchung bzw. des Vergleichs der inhaltlich-qualitativen Ebene einzelner Sendungen.10 In der medienpolitischen Diskussion eher nebensächlich behandelt wird die Untersuchung der präsentativen Ebene einzelner Sendungen, wobei sie z.B. im Hinblick auf die Zunahme filmischer Beiträge und damit verbunden auch von Gewaltdarstellungen in Informationssendungen vor allem medienpsychologisch relevant erscheint.11
7 Vgl. ebd., S. 463.
8 Krüger, Udo Michael: Zum Stand der Konvergenzforschung im dualen Rundfunksystem. In: Klingler, Walter / Roters, Gunnar / Zöllner, Oliver: Fernsehforschung in Deutschland. Themen, Akteure, Methoden. Baden-Baden 1998, S. 154.
9 Vgl. Schatz, Heribert / Immer, Nikolaus / Marcinkowski, Frank: Der Vielfalt eine Chance? Empirische Befunde zu einem zentralen Argument für die „Dualisierung“ des Rundfunks in der BRD. In: Rundfunk und Fernsehen, 1/1989, S. 5-24.
10 Vgl. Hohlfeld, Ralf: Fernsehprogrammanalyse, Formen, Einsatzmöglichkeiten und Reichweite. In: Klingler, Walter / Roters, Gunnar / Zöllner, Oliver: Fernsehforschung in Deutschland. Themen, Akteure, Methoden. Baden-Baden 1998, S. 201. 11 Vgl. Stawski, Dominik: Brandstifter Tagesschau? Eine Untersuchung zur Wirkung realer Gewaltdarstellungen in den Medien. Seminararbeit. Eichstätt 2004, S. 13.
Arbeit zitieren:
Dominik Stawski, 2005, Was ist was: Problem einer Unterscheidung? Eine wissenschaftliche Untersuchung zur Konvergenz politischer Informationssendungen im deutschen Fernsehen., München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
"Das Fernsehen hat uns ein Leben lang attackiert - jetzt schlage...
Kunst - Computerkunst, Medienkunst
Hausarbeit, 38 Seiten
Von der Information zur Unterhaltung
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Seminararbeit, 18 Seiten
Jugendliche als Zielgruppe - Jugendszenen als Ansatzpunkt für das Mark...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Infotainment und seine Auswirkungen auf die Rezipienten
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Seminararbeit, 23 Seiten
Der moderne Dichter in vormoderner Gesellschaft - Zur Position des Pr...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Infotainment als Wettbewerbsstrategie - Unterhaltungselemente in den H...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Hausarbeit (Hauptseminar), 41 Seiten
Alternative Musiksendungen in Deutschland
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Seminararbeit, 17 Seiten
Ernst Cassirers Sprachphilosophie
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hausarbeit, 14 Seiten
Qualität im Deutschen Reisejournalismus
Untersuchung von Qualitätskrit...
Medien / Kommunikation - Printmedien, Presse
Magisterarbeit, 162 Seiten
Qualitätsmanagement im öffentlich-rechtlichen Rundfunk
Schlüssel zum Erfolg?
Medien / Kommunikation - Forschung und Studien
Seminararbeit, 23 Seiten
Wahrnehmungsmöglichkeiten von ...
Hausarbeit, 23 Seiten
Anwendungsbereiche sowie Stärken und Schwächen von Online-Befragungen
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Seminararbeit, 14 Seiten
Triumph der Freiheit: Neue Medienkritik online
Der Medienjournalismus hat als...
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Essay, 14 Seiten
Dominik Stawski hat den Text Was ist was: Problem einer Unterscheidung? Eine wissenschaftliche Untersuchung zur Konvergenz politischer Informationssendungen im deutschen Fernsehen. veröffentlicht
Dominik Stawski hat einen neuen Text hochgeladen
Ausbildungsfähigkeit im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Politik u...
Elisabeth Schlemmer, Herbert Gerstberger
Wissenschaft, Politik, Verfassungsgericht
Aufsätze von Ernst-Wolfgang Bö...
Ernst-Wolfgang Böckenförde, Dieter Gosewinkel
Technik und angewandte Wissenschaften. Italienisch-Deutsch
Rund 82 000 Fachbegriffe und 1...
Zanichelli, Aribert Schlegelmilch
Politik - Deutsch, Deutsch - Politik: Aktuelle Trends und Forschungser...
Beiträge zur 6. Fachtagung des...
Josef Ferdinand Haschke, André Michael Moser
0 Kommentare