Inhaltsverzeichnis
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I. Einleitung
1
II. Grundlagen
1. Begriffsklärung: Genre 2
2. Begriffsklärung: Soap Opera 2
3. Beschreibung eines Screeningverfahrens 3
III. Die Soap Opera
1. Die Geschichte der Soap Operas: Vom Radio ins 4
Fernsehen.
2. Daily Soaps in Deutschland 6
3. Eigenschaften einer Daily Soap 7
3.1 Die deutsche Daily als kommerzielles und ju- 7
gendorientiertes Format
3.2 Einordnung von „Verbotene Liebe“ anhand 9
der Genremerkmale nach Brown
Verbotene Liebe: Die Analyse IV. 13
1. Der Inhalt der Handlungsstränge 13
2. Screening
2.1 Vorgehensweise und Datenerfassung 15
2.2 Screening: Alter 16
2.3 Screening: Geschlecht 20
2.4 Screening: Ethnie 29
2.5 Screening: Soziale Schicht 31
Schlussbetrachtungen V. 35
VI. Quellenverzeichnis
1. Literaturliste 38
2. Internetquellen 39
3. Sonstige Quellen 39
VII. Anhang
1
I. Einleitung
Im Zuge der Einführung des dualen Rundfunksystems in Deutschland sind die Fernsehzuschauer mit vielen neuen Programmformen konfrontiert worden. Nur wenige konnten sich dauerhaft etablieren. Eine davon ist die Daily Soap, das alltagsorientierte und alltäglich ausgestrahlte kleine Melodram. Seitdem sind Daily Soaps ein fester Bestandteil im Programm von ARD und RTL. Im Unterschied zu anderen Ländern zeichnen sich Daily Soaps in Deutschland durch einen festen Sendeplatz und eine ganz bestimmte Zielgruppe aus: Deutsche Daily Soaps sind jugendorientierte Vorabendserien. 1
Durch ihre Jugendorientiertheit sind die Soaps zu einem für die werbetreibende Wirtschaft besonders attraktiven Produkt geworden. Zeitgleich spielen die Soaps so auch eine wichtige Rolle für die Fernsehanstalten, die versuchen, einen möglichst großen Teil an Werbeeinnahmen für sich verbuchen zu können. 2
Diese beiden Punkte sind sicherlich entscheidend für die Entwicklung und Ausdifferenzierung der deutschen Form der Soap Opera, die durchaus Parallelen zu anderen Typen dieses Genres aufweist. Diese Punkte sollen im dritten Kapitel der Arbeit ergründet werden: Nach einer Einführung in die Geschichte der Soaps, die zunächst den Schritt vom Radio in das Fernsehen vollzogen haben, soll auf die Entwicklungsphase der deutschen Dailies eingegangen werden. Dabei wird zunächst heraus gestellt, was sie als kommerzielles und jugendorientiertes Format qualifiziert, bevor formale Eigenheiten der deutschen Soaps am Beispiel von „Verbotene Liebe“ herausgestellt werden.
Nach der Erläuterung der geschichtlichen und formalen Hintergrunde folgt der eigentliche Teil der Arbeit:
Gerade im Hinblick auf die Jugendorientierung der deutschen Daily Soaps soll in Kapitel IV im Rahmen eines Screenings am Beispiel der ARD-Soap „Verbotene Liebe“ analysiert werden, wie unterschiedliche Altersgruppen, Frauen und Männer und ethnische und soziale Gruppen präsentiert werden. Dabei werden sowohl qualitative und quantitative Kriterien angewendet. „Verbotene Liebe“ ist als eine der vier aktuell in Deutschland ausgestrahlten Daily Soaps ausgewählt worden. Das besondere an ihr ist, dass die Soap, ebenso wie die beiden RTL-Soaps „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und „Unter Uns“, von der Produktionsfirma Ufa Grundy hergestellt, jedoch in der öffentlich-rechtlichen ARD ausgestrahlt wird. 3
1 Vgl. Mattusch und Hallenberger (1998), in: Koukoulli (1998), S. 9f
2 Vgl. Machenbach (2000), S. 51 und Koukoulli (1998), S. 63
3 Vgl. Göttlich (2000), S. 32
2
Das Screening in Kapitel IV soll aufdecken, ob in der Serie einzelne gesellschaftliche und soziale Gruppen durch die Form ihrer Darstellung ausgrenzt oder zu einer Festigung bestehender Vorurteile und stereotyper Verhaltensweisen beitragen könnte. Dies geschieht aufgeschlüsselt nach Alter, Geschlecht, ethnischer und sozialer Zugehörigkeit.
Zunächst wird in Kapitel II aber mit der Klärung von grundlegenden Begriffen und der Beschreibung eines Screeningverfahrens begonnen.
II. Grundlagen
1. Begriffsklärung: Genre
Ein Genre stellt eine Formel dar, die ein Fernsehprogramm in einzelne Gruppen unterteilt. Diese Gruppen von unterschiedlichen Fernsehsendungen haben Gemeinsamkeiten in Form von Themenkomplexen, Erzählstrukturen und Stilformen. 4
Angewendet oder zum Teil auch variiert werden die Konventionen eines Genres von jeder Fernsehsendung, die diesem Genre zugeordnet ist. Bei der Analyse eines Genres muss zwischen etablierten Strukturen und der besonderen Anwendung der Genrekonventionen auf eine Fernsehsendung unterschieden werden. 5 Ein Genre ist folglich kein statischer Regelkatalog, vielmehr ist die „Entwicklung der Serienform [...] wie jede Gattungs- und Genreentwicklung als dynamische sich verändernde zu begreifen.“ 6
2. Begriffsklärung: Soap Opera
Der Begriff „Soap Opera“ wurde wahrscheinlich Ende der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts durch das Magazin Variety ins Leben gerufen. Ihren ersten Teil des Namens hat die Soap Opera ihren anfänglichen Sponsoren zu verdanken. Allen voran Seifenfabrikanten und Waschmittelproduzenten wie Procter & Gamble, Colgate-Palmolive und Lever Brothers. 7 Der Begriff Soap Opera stellt im Zusammenhang mit dieser Serienform offensichtlich eine ironische Anspielung auf ihren Ursprung und ihre Minderwertigkeit gegenüber der Kunstform Oper dar.
4 Vgl. Feuer (1987), S. 138; zitiert in: Wiegard (1999), S. 6
5 Vgl. Ang (1986), S. 66; zitiert in: Wiegard (1999), S. 6
6 Vgl. Hickethier (1991); S. 8, zitiert in: Wiegard (1999), S. 14
7 Vgl. Allen (1985), S. 8 und Wiegard (1999), S. 9; siehe auch Kapitel III.1: Die Geschichte der Soap Operas: Vom Radio ins Fernsehen.
3
Der Name und das damit verbundene negative Image von Soap Operas hat sich bis heute gehalten, obwohl die Mehrzahl der heute produzierten Soap Operas Auftragsproduktionen von unabhängigen Gesellschaften und nicht von Waschmittelfabrikanten sind. 8 In den USA wird zwischen Daytime- und Prime-time-Soap Operas unterschieden. 9 Daytime Soaps werden wochentäglich zwischen Vor- und Nachmittag ausgestrahlt, während die Primetime-soaps ein Mal pro Woche am Abend ausgestrahlt werden.
Gemeinsamkeiten der beiden Subtypen des Genres beziehen sich vor allem auf die Erzählstruktur. 10 Die diesbezüglich typischen Eigenschaften einer Soap werden in Kapitel III.3.2 am Beispiel von „Verbotene Liebe“ genauer erläutert.
In Deutschland hat sich seit Beginn der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine spezielle Form der Soaps entwickelt: Die deutschen Daily Soaps. Auf Charakteristika dieser Ausprägungen des Genres wird im Rahmen dieser Arbeit an verschiedenen Stellen noch genauer eingegangen.
In dieser Arbeit werden für Daily Soap synonym die Begriffe Seifenoper, Soap, Daily u.ä. verwendet.
3. Beschreibung eines Screeningverfahrens
Screenigverfahren können als eine systematische Beobachtung von Medien verstanden werden, mit dem Ziel einer Verbesserung der Mediendarstellung. Als Kriterien gelten die öffentlichen Aufgaben 11 der Medien, die einer diskriminierenden Darstellung in den Medien entgegen wirken sollen.
Screeningverfahren sind demnach systematische Alltagsbeobachtungen mit qualitativen und quantitativen Methoden. Entwickelt worden sind Screeningmodelle für Programmmacher und Medienprofis mit dem Ziel, den Blick für Defizite in der Mediendarstellung zu schulen. Ferner soll nicht nur auf Mängel verwiesen, sondern es sollen auch Veränderungen herbei geführt werden.
Ein Screening wird wie folgt durchgeführt: Nach der Sichtung eines Films oder von Serienfolgen, wie im Fall dieser Arbeit, folgt einer Überprüfung des Gesehenen nach Qualitätskriterien und -erwartungen. Die Überprüfung erfolgt wie mit einer Art Fliegengitter oder Sieb und greift auffällige Aspekte in der Mediendarstellung auf. Es wird so auf vorurteilsbehaftete und stereotype Darstellungsweisen verwiesen, die sexistisch oder rassistisch sein können oder Personen aufgrund ihres Alters bzw. ihrer sozialen Schichtzugehörigkeit diskriminieren. 12
8 Vgl. Wiegard (1999), S. 9
9 Viele dieser Serien wurden und werden auch in der Bundesrepublik ausgestrahlt; vgl. dazu u.a. Luchting (1995)
10 Vgl. u.a. Wiegard (1999), S. 9ff
11 siehe dazu u.a. Meyn (2001), S. 149ff
12 siehe zu Screeningverfahren: Screnning Gender, Arbeitsgrundlage des Seminars „Medienanalyse und Screeningverfahren: Geschlecht, Alter,
Ethnie, soziale Schicht“ von PD Dr. Elisabeth Klaus im Sommersemester 2001 an der Universität Göttingen und Wiegard (1999), S. 50ff
4
III. Die Soap Opera
1. Die Geschichte der Soap Operas: Vom Radio ins Fernsehen.
Die Geschichte der Soap Operas als Fernsehserie reicht zurück bis in die Anfangsphase des amerikanischen Radios. Einhergehend mit dem Start des kommerziellen Rundfunksystems in den USA entstanden Anfang der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts die ersten Radio Soap Operas. In den Vereinigten Staaten wurden diese Radioserien schnell zu beliebten Instrumenten des Kampfs um Hörer und Werbekunden. Die Finanzierung der Radiosendungen übernahmen Unternehmen, die sie als Werbevehikel für ihre Produkte nutzten. Der Waschmittelhersteller Procter & Gamble wurde bald der eifrigste Sponsor der täglich für 15 Minuten ausgestrahlten Radioserien. 13
Die beworbenen Produkte wurden in der Anfangszeit zunächst direkt in die Handlung einer Geschichte integriert. Die Heldin 14 einer Geschichte servierte beispielsweise die Suppe eines Spon-sor, bevor sie mit dem Spülmittel eines anderen Sponsors das Geschirr abwusch. Erst mit der schrittweisen Einführung der Werbeunterbrechungen wurde die Werbung von der eigentlichen Handlung getrennt. 15
Mit zunehmender Ausbreitung des Fernsehens in den USA nahm die Zahl der Radiohörer und somit auch die Attraktivität der Radiosoaps bei den Werbekunden ab. Folglich wurden die letzen Radioserien, trotz massiver Proteste der Zuhörer, im Jahr 1960 eingestellt. Einige von ihnen schafften aber den Sprung vom Radio ins Fernsehen. 16
Bereits seit 1946 wurde in den USA damit experimentiert, das Konzept der Soap Operas vom Radio ins Fernsehen zu übertragen. 17 Die eigentliche Ära der Fernsehsoaps beginnt für die So-apforscher aber am 3. September 1951, als CBS 18 mit der Ausstrahlung von „Search for Tomorrow“ 19 begann. Die Sendung blieb für insgesamt 35 Jahre im Programm. 20 „The Guiding Light“ (in Deutschland: „Springfield Story“) war im Jahr 1952 die erste Radiosoap, der der Sprung ins Fernsehen gelang. Das besondere daran war, dass die Sendung zeitversetzt sowohl im Fernsehen, als auch im Radio ausgestrahlt wurde. Das die Sendung finanzierende Unternehmen, einmal mehr Procter & Gable, wollte so verhindern, dass die vier Millionen Radiohörer plötzlich als mögliche Kunden für ihre Produkte verloren gingen, wenn die Sendung den Schritt ins Fernsehen auf ein Mal vollzöge. Für die Hörfunk- und die Fernsehversion wurden die selben Schauspieler und das selbe Skript verwendet.
13 Vgl. Frey-Vor (1990) S. 488f
14 Hausfrauen stellten damals die Hauptzielgruppe der Soaps dar, siehe unten.
15 Vgl. Koukoulli (1998), S. 53
16 Vgl. Frey-Vor (1990), S. 490
17 Vgl. Buckman (1984), zitiert in Frey-Vor (1990), S. 490
18 Später wurde die Soap jedoch von NBC ausgestrahlt.
19 Zwischen 1989 und 1991 wurde die Soap bei Tele 5 unter dem Namen „Handerson“ ausgestrahlt; vgl. Luchting (1995), S. 93
20 Vgl. Koukoulli (1998), S. 54
5
Bereits Ende 1953 verfolgten 3,5 Millionen Menschen die Sendung im Fernsehen, während noch 2,6 Millionen die Radioversion hörten. 21
So erfolgreich waren aber bei weitem nicht alle Soap Operas, die im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Zwischen 1950 und 1960 wurden 41 Soap Operas produziert. Davon konnten sich allerdings lediglich sechs über einen längeren Zeitraum behaupten. Diese wurden dann aber zum Teil sogar bis in die 80er Jahre des vergangen Jahrhunderts ausgestrahlt. 22
Mit der Ausstrahlung von „Dallas“ 23 begann Ende der 70er Jahre einen neue Ära von Seifenopern. Die Soaps sollten nun auch für das Abendprogramm attraktiv gemacht werden. Gegenüber dem eher moralischen und harmonischen Gesamteindruck der tagsüber ausgestrahlten Daytime Soaps, überwogen in „Dallas“ die Aufregung, Spannung und das vermeintlich Unmoralische. Durch diese Umorientierung und die damit einher gehende massenmediale Vermarktung wurden im Zusammenhang mit dem „Dallas“-Erfolg neue Zuschauergruppen für die abendlichen Seifenopern gewonnen. 24 Denn zunächst folgten in den 50er, 60er und 70er Jahren vor allem Hausfrauen den tagsüber ausgestrahlten Soap Operas, da sie aufgrund der traditionellen Rollenverteilung als Zuschauerinnen zu dieser Tageszeit in betracht kamen. 25 Im Abendprogramm zählten dann auch vermehrt Studenten, berufstätige Frauen und Männer zu den regelmäßigen Rezipienten. 26
Der ARD bescherte „Dallas“ so große Quotenerfolge, dass das ZDF zwei Jahre später mit der Konkurrenzserie „Dynasty“ („Der Denver-Clan“) nachzog. 27 Als unmittelbare Reaktion auf den Erfolg der US-Serien in Deutschland kann die Produktion der ZDF-Serie „Die Schwarzwaldklinik“ gesehen werden, an welche selbst wiederum Serien wie „Erbe der Guldenburgs“ oder „Rivalen der Rennbahn“ anknüpften. 28
Mit dem Start von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ bei RTL begann 1992 das Zeitalter von eigenproduzierten, täglichen ausgestrahlten deutschen Seifenopern, den so genannten Daily Soaps. 29 Auf diese neue Seriengattung, zu der auch die zu untersuchende Serie „Verbotene Liebe“ zählt, soll im nächsten Abschnitt genauer eingegangen werden.
21 Vgl. Allen (1985), S. 125
22 Vgl. Barnuw (1982), zitiert in: Frey-Vor (1990), S. 9.
23 ab 2. April 1978 bei dem US-Sender CBS und ab 30. Juni 1981 in der ARD, vgl. auch Wiegard (1999), S. 14
24 Vgl. Koukoulli (1998), S. 55
25 Vgl. Wiegard (1999), S. 11
26 Vgl. Koukoulli (1998), S. 55
27 Vgl. Mikos (1997), S. 18
28 Vgl. Hickethier (1991), S. 26f; zitiert in: Koukoulli (1998), S. 55
29 Vgl. Koukoulli (1998), S. 55f
6
2. Daily Soaps in Deutschland
Begonnen hat die Ära der deutschen Daily Soap mit dem Start von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ am 11. Mai 1992. Nach mehr als zehn Jahren im Programm sind bereits über 2500 Folgen dieser ersten deutschen Daily Soap augegestrahlt worden. 30
„GZSZ“ 31 wurde anfangs von Kritikern allerorten mit Hohn und Spott bedacht. Die Dialoge wirkten hölzern, mitunter wie gehäkelte Sinnsprüche, und wurden mit unangebrachtem Pathos vorgetragen. 32 Doch aller Kritik zum Trotz und ungeachtet anfänglicher Startschwierigkeiten und zunächst schlechter Quoten, ist „GZSZ“ bis heute im Programm und ein großer wirtschaftlicher Erfolg für RTL. So trug „GZSZ“ allein im Jahr 2001 mit geschätzten 80 Millionen Euro einen großen Teil zum 361 Millionen Euro betragenden Vorsteuergewinn der RTL-Group bei. 33 Ob des großen wirtschaftlichen Erfolges ließen Nachahmer nicht lange auf sich warten. RTL selbst schickte im November 1994 mit „Unter Uns“ die zweite deutsche Daily Soap ins Rennen. Die ARD zog Anfang Januar 1995 mit „Verbotene Liebe“ und „Marienhof“ 34 nach. Auch andere Sender versuchten Daily Soaps in ihr Programm zu integrieren, doch nur die beiden RTL-Soaps und die Produktionen der ARD konnten sich bis heute im Programm halten. Das ZDF, SAT.1, ProSieben und RTL2 scheiterten mit ihren Soapprojekten. 35
Die Entwicklung und Verbreitung der deutschen Seifenoper ist eng verknüpft mit dem Engagement der australischen Produktionsfirma Grundy Worldwide 36 in Deutschland. Die Firma produziert drei der vier aktuell ausgestrahlten Seifenopern: „GZSZ“ wird genauso von der Grundy UfA TV Productions GmbH 37 produziert, wie „Unter Uns“ und die zu analysierende Soap „Verbotene Liebe“. Einzig „Marienhof“ wird von der Münchner Firma Bavaria Film GmbH hergestellt. 38
Alle drei von Grundy Ufa produzierten Soaps basieren auf Formaten, die aus Australien übernommen wurden. 39 „The Restless Years“ diente als Vorbild für „GZSZ“ und ihr niederländisches Soap-Äquivalent „Goede tijden, slechte tijden“ 40 . Der australische Vorgänger von „Verbotene Liebe“ heißt „Sons and Daughters“ und die Grundkonstellation für „Unter Uns“ wurde von der ebenfalls australischen Serie „Under one Roof“ übernommen. Bei „Unter Uns“ wurde jedoch von Anfang an lediglich der grundsätzliche Inhalt für die deutsche Ausgabe beibehalten,
30 Vgl. Klawitter (2002), S. 108
31 Wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ abkürzend genannt wird; vgl. dazu Gehrs und Tuma (2000), S. 108
32 Vgl. Radler (1995), S. 33f
33 Vgl. Klawitter (2002), S. 108f
34 Marienhof wurde bereits seit 1992 im ARD-Vorabendprogramm ausgestrahlt; vor dem „Umbau“ zur Daily Soap allerdings nur zwei Mal wö-
chentlich, vgl. auch Göttlich (2000), S. 33
35 Vgl. Göttlich (2000), S. 32ff und Gehrs und Tuma (2000), S. 188ff
36 seit 1995 Tochter von Pearson Television und seit April 2000 zusammen mit CLT/UfA Teil eines neuen Unternehmens
37 wie das Unternehmen heute heißt, vgl. auch Presseheft „Verbotene Liebe“ (2001), S. 5
38 Vgl. Göttlich (2000), S. 32f
39 Vgl. Koukoulli (1998), S.63
40 „Goede tijden, slechte tijden“ wird seit 1990 in den Niederlanden von RTL 4 ausgestrahlt; vgl. auch Moran (1998), S. 123
7
während bei „GZSZ“ und „Verbotene Liebe“ in der jeweils ersten Staffel die Drehbücher stark an den australischen Vorbildern orientiert waren. 41
Bei diesen drei Produktionen waren vor allem im ersten Jahr australische Autoren damit befasst, die Grundregeln der Daily-Soap-Produktion in alle Produktionsebenen zu vermitteln. 42 „Learning by doing“ war das Motto der Produzenten. Die täglich abverlangten knapp 25 Minuten Produktionsausstoß bedeuteten mindestens eine Verdreifachung des bis dato in Deutschland bekannten Durchschnitts einer eingespielten Serienproduktion. Der so entstehende Zeitdruck hatte zur Folge, dass weniger auf die Qualität der produzierten Minuten, als auf Schnelligkeit und die Erfüllung des erwarteten Produktionspensums geachtet wurde. 43
Die tägliche Ausstrahlungsfolge und die ökonomischen, produktionstechnischen und logistischen Bedingungen der Soap-Opera-Produktion haben so einen Einfluss auf Inhalt und Umsetzung der Daily Soaps. Im nächsten Abschnitt soll nun genauer auf die typischen Eigenschaften einer täglichen, deutschen Seifenoper eingegangen werden.
3. Eigenschaften einer Daily Soap
In Fachkreisen herrscht keine Einigkeit über eine genaue Abgrenzung der Eigenschaften der deutschen Daily Soaps. 44 Verschiedene Autoren verweisen im bezug auf die Besonderheiten der Seifenopern auf ihre eindeutig kommerzielle und jugendorientierte Ausrichtung. Auf dieses Phänomen soll im nächsten Abschnitt eingegangen werden, bevor im darauf folgenden Abschnitt geklärt werden soll, ob die zu analysierende Daily Soap „Verbotene Liebe“ den von Mary Ellen Brown herausgearbeiteten Charakteristika des Genres entspricht.
3.1 Die deutsche Daily als kommerzielles und jugendorientiertes Format
Als „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ 1992 startet, geht es zunächst darum, in Deutschland ein eigenproduziertes Format auf Dauer im Programm zu etablieren. Noch zu neu sind die Anforderungen täglich knapp 25 Minuten sendefähiges Material zu produzieren. 45 Dabei will RTL nach 100 Folgen über genügend Know-how verfügen, um diesen Anforderungen gewachsen zu sein. 46
41 Vgl. Göttlich (2000), S. 33 und Koukoulli (1998), S.64
42 Vgl. Göttlich (2000), S. 33
43 Vgl. Radler (1995), S. 34
44 Vgl. Koukoulli (1998), S. 49ff
45 Vgl. Göttlich (2000), S. 33f
46 Vgl. Luchting (1995), S. 108
Arbeit zitieren:
Oliver Hedderich, 2002, Screening Soaps: Alter, Geschlecht, ethnische und soziale Zugehörigkeit in "Verbotene Liebe", München, GRIN Verlag GmbH
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