Inhaltsverzeichnis
1 Einordnung und Einleitendes 1
1.1 Historie und Geographie 1
1.2 Vorherrschende Denkrichtungen jener Zeit 2
2 Die Person Friedrich List - ein vielseitiges Leben 4
2.1 Die Jugend des Friedrich Lists 4
2.2 Professor an der Universit at T ubingen 6
2.3 Der gesellschaftliche Abstieg, Flucht nach Frankreich 7
2.4 Emigration in die Vereinigten Staaten 8
2.5 Wieder in Deutschland 10
3 Das Nationale System der Politischen
Okonomie 10
3.1 Stufentheorie 11
3.2 Theorie der produktiven Kr afte 13
3.3 Lehre vom industriellen Erziehungszoll (infant-industry) 14
3.4 Regionale/Nationale wirtschaftliche Integration 16
3.5 Infrastruktur 17
3.6 Fazit: Das Nationale System der Politischen
Okonomie 18
4 Ableitungen aus Listschen Kernaussagen f ur die Gegenwart 19
4.1 Seine Voraussichten und aufgezeigten Perspektiven 19
4.2 List im zwanzigsten Jahrhundert, Bedeutung f ur Entwicklungsl ander 20
5 Kritik und Abschließendes 20
Literaturverzeichnis I
1 Einordnung und Einleitendes
Diese Seminararbeit stellt das Leben und das Werk des Friedrich List vor. Friedrich List war ein großer Journalist des Vorm¨ arz, der mit etwa 1000, inhaltlich weit gestreuten Aufs¨ atzen ein reiches journalistisches Erbe hinterl¨ aßt. So war er Redakteur oder Gr¨ under von 10 in- und ausl¨ andischen Zeitungen. So beeindruckend sein journalistisches Schaffen ist, so bewegt, vielseitig und bewunderungsw¨ urdig war sein Leben. Hierbei ist festzuhalten, dass ihm trotz seiner großen und manigfachen Leistungen, zeitlebens die ihm geb¨ uhrende Anerkennung versagt wurde. Erst einige Jahre nach seinem Freitod wurde ihm diese zuteil. Friedrich List war: Staatsrecht-professor, Beamtenkritiker, Verwaltungsreformer, Verurteilter, Wirtschaftspolitiker, Familienvater, Unternehmer, Eisenbahnpionier, Journalist und Wissenschaftler. Aus dem reichhaltigen Fundus seiner Werke soll in dieser Arbeit sein Hauptwerk “Das Nationale System der Politischen ¨ Okonomie“ detailliert vorgestellt werden, da
sich in diesem die Grund¨ uberlegungen der List‘schen Theorie wiederfinden lassen. Zuvor werden die Rahmenbedingungen der damaligen Zeit und sein Leben vorgestellt, um das Entstehen und die Bedeutung seines Schaffens und Werkes einordnen zu k¨ onnen. Anschließend werden seine Vorhersagen und Implikationen f¨ ur die Gegenwart, die sich aus seinen Theorien ergeben, kurz abgeleitet. Diese Vorhersagen resultieren aus der ¨ Uberzeugung Lists, dass neben einer politk¨ okonomischen Analyse, die Analyse der zuk¨ unftigen Entwicklungen und deren m¨ oglichst genaue Prognostizierung notwendige Bedingungen f¨ ur eine effektive ¨ Okonomie seien. An dieser
Stelle ist vorwegzunehmen, dass seine Theorien leicht ¨ ubertragbar auf die Gegenwart
sind, so dass das Kapitel 3 zum gr¨ oßten Teil unter Ber¨ ucksichtigung der aktuellen weltwirtschaftlichen Situation gelesen werden kann.
1.1 Historie und Geographie
Friedrich List lebte zwischen der Franz¨ osichen Revolution 1789 und der Deutschen Revolution von 1848. Das Heilige R¨ omische Reich Deutscher Nationen brach unter den Augen des jungen List zusammen. Um 1813 herrschten Kriege zur Befreiung vom Napoleonischen Reich. Das B¨ urgertum nahm in dieser Zeit an Bedeutung zu und ver¨ anderte das gesellschaftliche Bild der damaligen Zeit. 1815 wurde der Deutsche Bund gegr¨ undet und es kristallisierte sich besonders im intellektuellen und wohlhabenden B¨ urgertum die Hoffnung heraus, dass die einzelnen deutschen F¨ urstent¨ umer sich zu einem Nationalstaat zusammenschließen. 1 Deutschland bestand aus unz¨ ahligen Kleinst- und Mittelstaaten, welche sich durch Zollmauern abschotteten. Insgesamt wurde Deutschland von 38 Zolllinien durchzogen. So war der Handel meist nur auf der regionalen Ebene vorhanden. Unter diesen Umst¨ anden fehlte es in Deutsch-
1 Vgl.-Zeittafel- in B¨ ulow (1959), S. 106-111.
1
land an einem dynamischen wirtschaftlichen Rahmen, welcher den Anforderungen der einsetzenden Industrialisierung entsprechen konnte. Die Industrielle Revolution begann und entwickelte sich in Großbritanien mit der Erfindung der Dampfmaschine und des mechanischen Webstuhls. Anders als in Deutschland war Großbritannien nicht von inneren Zoll- und Mautlinien durchzogen und besaß zudem diverse ¨ uberseeische Besitzungen und eine gut ausgebaute
Handelsflotte. So waren bessere Rahmenbedingungen f¨ ur die einsetzende Industrialisierung gegeben und Großbritannien konnte zur f¨ uhrenden Industrie-, Handels- und Milit¨ armacht aufsteigen. Um 1840 war Großbritannien den anderen europ¨ aischen Staaten und Nordamerika auf diesen Gebieten 20 Jahre voraus. 2 List sah in der englischen Gesellschaft und Entwicklung die Vorbildfunktion f¨ ur Deutschland und entwickelte aus dieser Motivation große Teile seines Werkes. 3 In Frankreich setzte die Industrielle Revolution nicht so expansiv wie in Großbritannien ein, aber auch Frankreich war Deutschland in wirtschaftlicher und handelspolitischer Hinsicht ¨ uberlegen. Die nordamerikanischen Kolonien erhielten 1776
ihre Unabh¨ angigkeit und eine eigene Bundesverfassung. List, der sich einige Jahre in Nordamerika aufhielt 4 , ordnete den Vereinigten Staaten f¨ ur die nahe Zukunft die f¨ uhrende Stellung auf beinahe allen Gebieten zu, da List den Wohlstand einer Nation von dessen Wachstumspotential 5 abh¨ angig machte und dieses nach List in den Vereinigten Staaten gr¨ oßer ist als in Europa.
1.2 Vorherrschende Denkrichtungen jener Zeit
Im vorigen Abschnitt wurden die Ziele des Friedrich List angedeutet. Diese Ziele werden im weiteren Verlauf der Arbeit spezifiziert. Um bestimmte Ziele zu erreichen, m¨ ussen bestimmte Instrumente angewandt werden. Diese Instrumente bzw. Maßnahmen werden im 3. Kapitel vorgestellt. Um diese Maßnahmen jedoch verstehen, einordnen und ihnen eine angemessene Bedeutung zuzuordnen, m¨ ussen die vorherrschenden Theorien- und Ideengeb¨ aude der damaligen Zeit vorgestellt werden. Als Theorieger¨ uste f¨ ur sein Werk gelten drei Ideen: die physiokratische Lehre, der Merkantilismus und die klassische Theorie von Adam Smith. 6 Die Physiokratische Schule entwickelte erstmals ein zusammenh¨ angendes abstraktes Theoriegeb¨ aude der ¨ Okonomie. Der Wohlstand eines Volkes resultiert hier
aus den zur Verf¨ ugung stehenden Rohstoffen und der Landwirtschaft. Allerdings werden Schwerpunkte auf bestimmte Teilgebiete gelegt, so dass der Zusammenhang
2 Somit ordnete List Großbritannien in seiner Stufentheorie als einziges Land ein, welches die
h¨ ochste Entwicklungstufe erreicht hat. Siehe hierzu Abschnitt 3.1.
3 Hochschule f¨ ur Verkehrswesen (1989), S. 18-25.
4 Siehe hierzu Abschnitt 2.4.
5 Siehe hierzu Abschnitt 3.2.
6 Vgl. Stadt Reutlingen (1989), S. 172-178.
2
zwar besteht, aber als f¨ ur die Praxis nicht ausreichend zu deklarieren ist. Als Hauptvertreter ist hier der Franzose Quesnay zu nennen, der die Handelsfreiheit propagierte. List empfand die physiokratische Schule als praxisfern, maß ihrer aber große Bedeutung bei der Entwicklung eines zusammenh¨ angenden wirtschaftlichen Systems bei.
Der Merkantilismus hob zur Erzielung von Wohlstand das Grundprinzip des Strebens nach Geldbewegung hervor. Das Volk soll durch Im- und Export einen Handels¨ uberschuss erwirtschaften, welcher zu einem Mehrbestand von monet¨ aren Werten im Inland f¨ uhrt. 7 Zudem wurden Eingriffe des Staates zur Verbesserung der Handelsposition empfohlen, die das Produktivit¨ atswachstum beschleunigen. Gerade diese Eingriffe waren es, die den Merkantilismus List nahe brachten, da er den Wohlstand einer Nation ¨ uber ihr Produktivit¨ atspotential definierte und somit der F¨ orderung dieses Potentials große Bedeutung beimaß.
Die Klassische Theorie nach Adam Smith ist als umfangreiche theoretische ¨ okonomische Wissenschaft zu verstehen. Der Individualismus der Wirtschaftssubjekte wird hier hervorgehoben und damit begr¨ undet, dass das Streben der Einzelnen nach pers¨ onlichem Reichtum, durch dieses Streben selbst, zur Maximierung des Wohlstandes eines Volkes f¨ uhrt. Smith machte auf die sich ergebenden Vorteile einer arbeitsteiligen Gesellschaft aufmerksam und begr¨ undete dies mit den Produktivit¨ atsgewinnen aus der Spezialisierung. Die Klassische Theorie propagierte die Handelsfreiheit als optimal f¨ ur alle handelnden L¨ ander, unabh¨ angig von ihrem Entwicklungsstand und Wachstumspotential. David Ricardo erweiterte die Handelstheorie um die Theorie der komparativen Vorteile, nachder sich ¨ Okonomien auf die Produktion solcher
G¨ uter spezialisieren sollten, die sie im Vergleich zu anderen ¨ Okonomien vergleichsweise produktiver herstellen konnten. List sah dies kritisch und dynamisierte daraufhin die Handelssituation zwischen einer hoch entwickelten ¨ Okonomie und einer weniger entwickelten ¨ Okonomie und leitete daraus seine infant-industry Theorie ab. 8 Die Klassische Theorie f¨ uhrte dar¨ uber hinaus durch ihre Methodik zu einer Trennung von theoretischer Wissenschaft und praktischer Politik. Diese Trennung hielt List f¨ ur falsch und hob hervor, dass eine polit¨ okonomische Theorie notwendig sei. 9
7 Die Theorie ber¨ ucksichtigt hierbei nicht die Inflationsproblematik.
8 Siehe hierzu Abschnitt 3.1 und 3.3.
9 Dieser Notwendigkeit wird in der heutigen Makro¨ okonomik wieder zunehmends Rechnung getra-
gen durch z.B. dem Median-Voter-Modell.
3
2 Die Person Friedrich List - ein vielseitiges Le-ben
2.1 Die Jugend des Friedrich Lists
Friedrich List wurde am 6. August 1789 geboren. Er war der zweite Sohn und das achte von insgesamt zehn Kindern einer angesehenen Weißgerber-Familie aus Reutlingen. Der Vater, Johannes List, repr¨ asentierte den geachteten und wohlhabenden Zunfthandwerker, der neben seiner Gerberei, auch Obstg¨ arten, Weinberge und ein Stadthaus besaß. 10
In Lists Jugend war Reutlingen eine unabh¨ angige Reichsstadt. Oft sprach List voller Stolz davon, dass er aus einer demokratisch regierten Reichsstadt komme. Auch wenn er nicht verschwieg, dass die Reichsstadt versteinert und vermoost sei. Reutlingen war eine Stadt des Heiligen R¨ omischen Reiches, sie war klein und vom Nachbarstaat W¨ urttemberg in den Verkehrsschatten 11 gestellt, abgedr¨ angt vom Markt durch Wege- und Br¨ uckengelder sowie durch Abgaben f¨ ur die Benutzung der Verkehrseinrichtungen. Durch diese verschiedenen Faktoren wurde List gepr¨ agt. 12 Seine Familie bildete seinen B¨ urgerstolz und das Interesse f¨ ur die ¨ offentliche Verwaltung aus, da der Vater selbst politisch auf kommunaler Ebene der Stadt aktiv war und dabei die maßgebliche Bedeutung des B¨ urgertums immer wieder hervorhob. 13 Der junge Friedrich sollte ebenfalls Gerber werden. Er stellte sich jedoch als wenig geeignet f¨ ur diesen Beruf dar. Er forderte die Einf¨ uhrung von einfachen Maschinen, die alle stumpfen und schweren Arbeiten ¨ ubernehmen sollten und von dem
in einem nahegelegenen Bach fließendem Wasser angetrieben werden sollten. Er zog sich h¨ aufig von der Arbeit zur¨ uck, rauchte Pfeife und las unterhaltende B¨ ucher. Da sein Lateinlehrer ihm eine Begabung zum Schreiben best¨ atigte und sich Friedrich als Sch¨ uler mit klarem Verstand erwies, begann er nach dem erfolgreichen Abschluss der Lateinschule 1805 eine Lehre zum Schreiber im nahen Blaubeuren. 14 Nach veschiedenen k¨ urzeren Ausbildungsaufenthalten erhielt er eine Aktuarstelle im Oberamt T¨ ubingen. 15 In Ulm, wo er ebenfalls kurz verweilte, hatte List Probleme, welche die ¨ Ubertragung von zentralistischen w¨ urttembergischen Verwaltungsorganisationen auf neue Gebietsteile hatte, direkt erfahren k¨ onnen. Als er das erforderliche Examen f¨ ur eine gehobenere Position nicht machen konnte, da er noch nicht das
10 Vgl. Wendler (1996), S. XIII.
11 Reutlingen war von W¨ urtemberg und damit von Zollmauern umgeben, die dazu f¨ uhrten, dass
Reutlingen als Handelsort eher abgeschnitten war.
12 Vgl. Rehbein/Fabiunke/Wehner (1989), S. 9.
13 Vgl. B¨ ulow (1959), S. 9.
14 Vgl. Rehbein/Fabiunke/Wehner (1989), S. 10.
15 Vgl. Rehbein/Fabiunke/Wehner (1989), S. 11.
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Fabian Paetzel, 2005, Der Nationalökonom Friedlich List- Ableitungen seiner Lehre für die Gegenwart, München, GRIN Verlag GmbH
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