Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
2
0. Vorbemerkungen Vorbemerkungen
3
1. Einleitung
3
2. Die Darstellung Tobits in der Exposition der Erzählung (1 3-2 14) 4
2.1. Einordnung in die Gesamtkomposition des Buches und
Gliederung
4
2.2. Allezeit im Angesicht Gottes eine paradigmatische
Lebensgeschichte 5
2.3. Der historische Hintergrund der Erzählung
6
2.4. Innerbiblische Bezüge
7
2.5. Eine jüdisch-exilische Erzählperspektive
8
2.6. Eine veritable Krise (2 11-14)
9
3. Zusammenfassung
10
4. Relevanz
12
Bibliographie
13
Abkürzungsverzeichnis
Die in dieser Arbeit verwendeten Abkürzungen richten sich nach:
SCHWERTNER SIEGFRIED N Internationales Abkürzungsverzeichnis für Theologie und
Grenzgebiete Zeitschriften Serien Lexika Quellenwerke mit bibliographischen Angaben
(IATG 2 ) Berlin New York: De Gruyter 2 1992.
2
„Allezeit im Angesicht Gottes“ – „Auf Wegen der Treue und in Gerechtigkeit“
0. Vorbemerkungen
Die Termini „Apokryphen“ oder „deuterokanonische Schriften“ bezeichnen einen in seiner Gesamtheit nicht mit letzter Sicherheit abzugrenzenden Textkorpus aus der spätjüdischen bzw. vorchristlichen Ära, der in der Römisch Katholischen Kirche und den Ostkirchen weitgehend Eingang in den Kanon fand, nicht aber im Judentum und den Kirchen der Reformation. Die Bezeichnung „Apokryphen“, wörtlich „verborgene Schriften“, ist an sich irreführend, denn keine von ihnen enthält irgendeine Art von Geheimlehre, die nur Eingeweihten zugänglich wäre, und auch Luther fand noch, dass sie „uns Christen auch nützlich und gut zu lesen“ 1 wären.
Abgesehen von der Frage der Kanonizität aber entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten wieder ein gesteigertes Interesse an der Erforschung der Schriften „zwischen den Zeiten“. Viele dieser Werke geben Einblick in den damaligen Lebensalltag der jüdischen Diaspora und wurden, allen voran Ben Sira, aus der Vergessenheit geholt, um Situation und Herausforderungen des Judentums an der Schwelle zur Zeitenwende besser verstehen zu können.
1. Einleitung
Man kann den Exegeten die redliche Mühe nicht absprechen, mit der im Laufe der Auslegungsgeschichte versucht wurde, das Buch Tobit gattungskritisch einzuordnen. Von einer Familien- und Volksgeschichte, einem Entwicklungs- oder Erziehungsroman, einer Legende oder Lehrerzählung, einem Märchen oder einer Novelle ist hier die Rede, um nur einige Varianten zu nennen. 2 Kaum eine wird dem Werk des jüdischen Autors – und das wäre auch schon alles, was sich mit Sicherheit über ihn sagen lässt – in seiner Gesamtheit gerecht. Die vorliegende Untersuchung beschränkt sich auf den Prosateil der Exposition der Erzählung, einer persönlichen Rückschau des „Titelhelden“ auf sein bisheriges Leben, welche jedoch wesentlich mehr fundiert, als sie auf den ersten Blick preisgibt.
1 RABENAU, Studien, 1.
2 Ausführliche Studien zur Gattungsfrage finden sich z.B. bei: DESELAERS, Tobit 261-279.
3
2. Die Darstellung Tobits in der Exposition der Erzählung (1,3-2,14)
2.1. Einordnung in die Gesamtkomposition des Buches und Gliederung
Die Exposition (1,2-3,6) bildet zusammen mit dem Epilog (14,1-15) den Rahmen für die Schilderung der Erlebnisse des Tobias, den Hauptteil der Erzählung (4,1-13,18). Nach dem Buchtitel (1,1-2) beginnt Tobit mit einer Summe seines Lebens(ideals) in 1,3 die Erzählung in der ersten Person, blickt sodann zurück auf sein bisheriges Leben und schließt seinen Bericht mit einem Gebet (3,1-6) ab. Die Rückschau ist inhaltlich und formal gegliedert durch ein immer wiederkehrendes kai ote [1,4(2x).9.10b.12.15.19b; 2,7b.13], ein tote [1,22] und drei Zeitbestimmungen [2,1.9.11].
In auffallender Parallelität dazu schildert uns anschließend der Erzähler die Situation Saras im entfernten Ekbatana; die gleichzeitige Erhörung durch Gott, und die für beide in Aussicht gestellte Wendung des Schicksals lässt die Erzählstränge in 3,16f zusammenlaufen. 3
3 Vgl. ENGEL, Tobit 279f.
4
2.2. „Allezeit im Angesicht Gottes” – eine paradigmatische Lebensgeschichte
Von Anfang an lässt der Verfasser des Buches keine Zweifel aufkommen, worum es ihm geht: Gleich zu Beginn der Selbstvorstellung Tobits in 1,3 gibt dieser sein Lebensideal summarisch in erster Person kund. Diese Erzählweise ist in der Antike nicht unüblich, sie nimmt die Geschichte gleichsam aus der Verantwortung des Autors, der dadurch nur zum Tradenten des O-Tones wird. 4 Drei gewichtige Leitworte sind in die summa des Tobit eingearbeitet: „Wege der Treue/Wahrheit“ (odoi alhqeiaj), „Gerechtigkeit(serweise)“ (dikaiosuneh/ai) und „Werke der Barmherzigkeit tun“ (elehmosunas poiein), welche im Fortgang der Erzählung immer weiter veranschaulicht werden. Sie charakterisieren primär das Handeln Gottes am Menschen (vgl. 3,2) und beschreiben so auch die folgerichtige Verhaltensantwort des Menschen auf solch empfangene Gottesgabe. Das Gewicht des zentralen Gedankens der elehmosunh, der - gut katholisch gesagt – guten Werke als Manifestation des rechten Gottesverhältnisses 5 , zeigt sich auch an der Häufigkeit des Begriffes (32x in der LXX, davon 20x im [relativ kleinen] Buch Tobit) und seiner Positionierung an zentralen Stellen. 6
In einer Rückschau auf sein bisheriges Leben schildert Tobit nun konkret, wie er sich mühte, auf den Wegen Gottes zu wandeln, dies in Werken der Barmherzigkeit zu manifestieren und welche Gerechtigkeitserweise er dafür erfahren durfte:
Nachdem sich das ganze Geschlecht seines Stammvaters vom Tempel in Jerusalem losgesagt hatte und alle Stämme dem Stierbild des Baal opferten (1,5), muss er als einzig Übriggebliebener die Wallfahrten (1,6) nach Jerusalem antreten (vgl. dazu aber 5,14). Streng nach den Vorgaben der Schrift leistet er die entsprechenden Zehnten an Priester, Leviten, Witwen und Waisen (1,6-8) und heiratet streng nach dem Grundsatz der Endogamie eine Frau aus seinem Geschlecht (1,9).
Wiederum als einziger, so scheint es, hielt er sich im Exil an die überlieferten Speisegebote seines Volkes, erfährt deshalb die Zuwendung Gottes, erlangt eine angesehene Stellung am assyrischen Hof und bringt es zu respektablem Wohlstand. 7 Er sorgt sich um Hungernde und Nackte und kümmert sich um die Toten aus seinem Volk, denen ein Begräbnis verwehrt wäre (1,17) – auch unter widrigen Umständen (vgl. 1,15).
4 Vgl. MOORE, Tobit 105.
5 Dass davon ausgehend das Buch Tobit in der katholischen Tradition vielfach der zeitgenössischen Frömmigkeit entsprechend interpretiert wurde (z.B. Calmet 1722), braucht hier nicht näher erläutert zu werden. 6 Vgl. ENGEL, Tobit 286.
7 Ähnliche Paradebeispiele jüdischer Frömmigkeit liefern auch Daniel oder Mordechai. Die Summe von 10 Silbertalenten entspricht stattlichen 342 kg, vgl. DOMMERSHAUSEN, Engel, 5.
5
Quote paper:
Johannes Fraiss, 2005, "Allezeit im Angesicht Gottes" - "Auf Wegen der Treue und in Gerechtigkeit". Eine Untersuchung von Tob 1,3-2,14, Munich, GRIN Publishing GmbH
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