Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. III
Abk ürzungsverzeichnis IV
A. Einleitung 1
I. Allgemeine Einleitung 1
II. Historischer Überblick. 2
1. Ostsiedlung. 2
2. Reconquista und Repoblacion. 3
B. Hauptteil 4
I. Die Ostsiedlung in der Mark Brandenburg 4
1. Ostsiedlung: Gründung von Dörfern und Städten. 4
2. Ethnische Bevölkerungsstruktur in Brandenburg vor und nach der Ostsiedlung 8
3. „Gesetzbücher“ und Register in der Mark Brandenburg 11
II. Reconquista und Repoblacion 12
1. Die Rolle von Dörfern und Städten bei der Repoblacion. 12
2. Bevölkerungsstruktur im Zuge der Repoblacion 13
3. Landbücher und Register auf der Iberischen Halbinsel 15
C. Schluss / Beurteilung 17
D. Anhang 18
Literaturliste 18
1. Quellenausgaben, -sammlungen -kommentare 18
2. Sekundärliteratur 18
III
A. Einleitung
I. Allgemeine Einleitung
Robert Bartlett zeigt in seinem Buch „The Making of Europe“ 1 interessante Parallelen in der europäischen, mittelalterlichen Geschichte 2 auf. Bei der Lektüre des Buches wird deutlich, dass es sich bei der Gründung der Kreuzfahrerstaaten, der Anglo-Normannischen Expansion in Wales und Irland, der Eroberung Siziliens durch Normannen, der Reconquista und der deutschen Ostsiedlung und -expansion nicht um isolierte Ereignisse handelte, sondern sehr viele Gemeinsamkeiten bestanden. Auch andere Autoren sehen Ähnlichkeiten der Siedlungsprozesse bei der Ostsiedlung und der Repoblacion im Zuge der Reconquista. 3 Bartletts Hauptthese, dass die Zeit zwischen 950 und 1350 eine „Europäisierung Europas“ brachte und somit die Geburt Europas als Idee war, wurde vom Autor dieser Hausarbeit bereits in einem Referat im Rahmen des Proseminars „Die Reconquista“ dargestellt und soll hier nicht diskutiert werden. Der Autor fand es interessant, anhand zweier Großereignisse der mittelalterlichen Geschichte Europas - der Reconquista und der Ostsiedlung - zu untersuchen, inwieweit Bartletts These verifiziert werden kann und es tatsächlich Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede gibt.
Der Autor geht von der These aus, dass die Reconquista planmäßiger - im Sinne von geregelter und geordneter - ablief, als die deutsche Siedlung in Ostmittel- und Osteuropa. Hierzu soll untersucht werden, welche Rolle Dörfer und Städte hatten und wie die Bevölkerungsstruktur der eroberten Gebiete war. Außerdem wird die Rolle von Registern sowie die Existenz von Gesetzesbüchern oder -sammlungen kurz dargestellt.
Geografisch beschränkt sich diese Hausarbeit im Bereich Ostsiedlung auf die spätere Mark Brandenburg. Benachbarte Gebiete wie Mecklenburg, Pommern und die Lausitz werden teilweise beispielhaft erwähnt, ohne näher untersucht zu werden. Ebenso wird die
1 Bartlett, Robert (Bartlett 1994): The Making of Europe: conquest, colonization and cultural change 950 -1350. London u.a., 1994.
2 Als Zeitraum der mittelalterlichen Geschichte benutzt der Autor die von Goetz (Goetz 2000, S. 32) vorgeschlagene Epoche von 500 bis 1500. Die wissenschaftliche Diskussion um die genauen Epochengrenzen wurde für diese Arbeit nicht vertieft, da lediglich der Zeitraum von 800/900 bis 1400 betrachtet werden soll und folglich der Streit um die genauen Epochengrenzen für die vorliegende Arbeit nicht relevant ist.
3 Piskorski, JbGMOD 40, 1991, 37 mwN.
1
Betrachtung der Reconquista geografisch auf das heutige Spanien - und dort wiederum im wesentlichen auf Kastilien-León - beschränkt. Die Entwicklung Portugals wird nicht zum Gegenstand der Untersuchung. Andere spanische Gebiete wie Navarra, Aragon - die ehemalige Spanische Mark des Frankenreiches, das heutige Katalonien - werden, wenn nur am Rande behandelt, um Unterschiede sowie Parallelen zu Kastilien-León aufzuzeigen.
II. Historischer Überblick
1. Ostsiedlung 4
Beim Begriff der „deutschen Ostsiedlung“ handelt es sich um einen historiographischen Begriff für den Prozess der Besiedlung und Akkulturation ehemals slawischer, baltischer oder ungarischer Gebiete östlich der Reichsgrenze. Getragen wurde diese Besiedlung hauptsächlich durch Bauern, aber auch Handwerker und Kaufleute zogen in neu gegründete Städte östlich der Elbe. In der Hauptphase der Ostsiedlung - von der Mitte des 12. bis zum Ende des 14. Jahrhunderts - wurde der deutsche Siedlungs- und Sprachraum um mehr als ein Drittel vergrößert. 5 Problematisch am Begriff „deutsche Ostsiedlung“ - weswegen als Kapitelüberschrift Ostsiedlung gewählt wurde - ist, dass an diesem Prozess neben deutschen Siedlern auch u.a. Flamen, Reichsromanen, Dänen und vor allem auch die einheimische Bevölkerung - im Gebiet zwischen Elbe und Oder waren es slawische Stämme - beteiligt waren. Sowohl in der neueren deutschen Geschichtsschreibung, als auch in der polnischen und tschechischen Historiographie setzen sich zunehmend die Begriffe „Kolonisation zu deutschem Recht“ bzw. „deutsche Kolonisation“ durch.
Einen über diese Begriffserklärung hinausgehenden Überblick der Ostsiedlung zu geben ist schwierig - und im Rahmen einer Einleitung zu einer Proseminararbeit beinahe unmöglich -, da dieser Prozess in verschiedenen geografischen Räumen, wie dem Elbe-Oder-Gebiet, Polen, Schlesien, Böhmen, Ungarn, Ostpreußen, Baltikum und Siebenbürgen sehr unterschiedlich abgelaufen ist. Im wesentlichen gab es drei - je nach Gegend verschiedene - Initiatoren dieses Siedlungsprozesses. Zum einen riefen innerhalb des Heiligen
4 Der historische Überblick zur deutschen Ostsiedlung wurde hauptsächlich mit Hilfe von Dralle 1991, Assing 1997 u. des Art. „Deutsche Ostsiedlung“ im LexMA angefertigt; LexMA VI, 1545-1546.
5 LexMA VI, 1545.
2
Römischen Reiches deutsche (Brandenburg, Sachsen) und slawische Landes- und Grundherren (Mecklenburg, Rügen) mit Genehmigung des Kaisers/Königs Siedler in ihre jeweiligen Herrschaftsbereiche. Zum zweiten gab es slawische und ungarische Herrschersowie geistliche und weltliche Grundherren - (Böhmen, Mähren, Polen, Ungarn), die zwecks Inwertsetzung, Herrschaftsfestigung und Modernisierung ihres Staatswesens deutsche Siedler anwarben. Und zum dritten - in gewisser Weise ein Sonderfall - gab es den Deutschen Orden, einen geistlichen Ritterorden, der die Eroberung großer Gebiete im Baltikum zwecks Heidenmission betrieb und zur Herrschaftsfestigung ebenfalls deutsche Siedler anwarb.
2. Reconquista und Repoblacion 6
Die mittelalterliche Reconquista wurde ideologisch damit begründet, dass die Herrschaft der Muslime zu Unrecht durch die Vernichtung des westgotischen Königtums entstanden sei. Die Forschung streitet darüber, ob es sich hierbei um Goticismus oder Neogoticismus handelt, also ob die christlichen spanischen Reiche tatsächlich aus den Resten des westgotischen Königtums entstanden waren oder ob diese Verbindung nur konstruiert war. Diese Ideologie der Rückeroberung zu Unrecht besetzten Gebietes unterscheidet die Reconquista von der deutschen Expansion östlich der Elbe, da die slawischen Fürsten und Bewohner grundsätzlich von den Deutschen nicht als unrechtmäßige Besitzer gesehen wurden. Folglich ist ein Vergleich von Rückeroberungs-Ideologien nicht möglich. Daher wird im Rahmen dieser Arbeit nicht näher darauf eingegangen, ob es sich um Goticismus oder Neogoticismus handelte.
Als Beginn der Reconquista wird gewöhnlich der Sieg von Covadonga (vor 722) angesehen, obwohl die Historizität dieses Ereignisses nicht gesichert ist, da die Quellenlage hierzu sehr problematisch ist. Erste nennenswerte und belegbare Ereignisse sind die Eroberungen von Alfonso I. und Alfonso II. in Galicien und Kastilien. Zwischen der Mitte des 9. und dem Anfang des 10. Jahrhunderts gelingt dann die Grenze - wobei Grenze im Bereich der mittelalterlichen Geschichte ein schwieriger Begriff ist, wie Le Goff treffend darstellt 7 - bis zum Duero bzw. bis nach Porto vorzuschieben.
6 Der historische Überblick zur Reconquista wurde mit Hilfe von Lomax 1980, Vones 1993 und des Artikels „Reconquista“ im LexMA (LexMA VII, 527-531) angefertigt.
7 Le Goff 2004, S.16-17.
3
Arbeit zitieren:
Thomas Keller, 2005, Reconquista und Ostsiedlung - ein Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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