Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S. 1
2. Wirtschaftsstil, Wirtschaftskultur S. 1
3. Geschichtlicher Hintergrund S. 3 3.1. Die Herrschaft der Mauren S. 3 3.2. Reconquista und Inquisition der „Reyes Católicos“ S. 4
3.3. Der Bürgerkrieg und die Diktatur Francos S. 7 3.4. Übergang zur Demokratie S. 10
4. Spanien heute S. 12 4.1. aktuelle Zahlen
5. Wirtschaftskultur Spaniens S. 14
5.1. Die katholische Religion und das hidalgo-Ideal S. 14 5.2. Das Individuum und die Familie S. 15
5.3. Passivität des spanischen Bürgertums S. 16 5.4. Der Autonomiestaat – regionale Unterschiede S. 17
6. Fazit S. 17 Anhang Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Spanien – Toreros, Flamenco, Siesta, Paella, Mallorca, Fiesta.
Das sind die üblichen Bilder, die wir „Rest-Europäer“ von Spanien haben. Spanien, ein Land das weiß zu feiern und das Leben zu genießen. Mit sehnsüchtigen Blicken schauen wir auf dieses Lebensfreude aussprühende Land und flüchten vor unserem Alltagsstress in den sonnigen Süden, der uns 100 % Sonne garantiert. Wir sind fasziniert von ihren Bräuchen und Traditionen, wie viele Ausländer versuchen sich nicht jährlich beim öffentlichen Stierkampf von Pamplona, und versuchen einen kleinen Funken des Magischen, das diese umgibt zu erhaschen.
Doch gleichzeitig belächeln wir die langsame Arbeitsweise der Menschen, die sehr humanen Geschäftszeiten, die im Sommer sogar Zeit für ein Schläfchen lassen, und die etwas rückständigen Technologien und Lebensweisen. In Spanien wimmelt es noch von kleinen Kramsläden, Markthallen, Handwerkbetrieben, etc. und das trotz Globalisierung in aller Munde? Wieso ist Spanien so verschieden? Liegt es wirklich am Klima, wie einem vor allem in Südspanien immer wieder versichert wird. (Wer möchte schon bei 50 Grad im Schatten mittags um 16.00 Uhr arbeiten? Oder wer kann nachts bei 35 Grad schlafen? Da muss man eben die ganze Nacht über tanzen gehen, oder sich von Balkon zu Balkon unterhalten.) Oder hat dieser Unterschied, der nicht nur in den allgemein bekannten Klischees Spaniens vorhanden ist, tiefgreifendere Gründe?
Ein Blick auf die spanische Wirtschaftskultur erklärt einige Besonderheiten Spaniens und hilft dabei den Mythos des immer sonnigen, gutgelaunten Spaniens zum Teil zu Lüften und näher verstehen zu können.
2.Wirtschaftsstil, Wirtschaftskultur
Die traditionelle Wirtschaftsstilforschung, die eher eine Beschreibung der vorhandenen Produktionsfaktoren, -abläufe, etc. war, hat ihr Ende mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Zuvor wurde hauptsächlich zwischen Markt- und Planwirtschaft unterschieden und einzelne Wirtschaftsstile nach Kriterien dieser beiden Wirtschaftsstile beschrieben.
Mit dem Ende der Sowjetunion kommt es nun zu einer neuen Richtung der Wirtschaftskulturforschung, die wesentlich komplexer ist. Sie beschränkt sich nicht nur auf die rein strukturelle Betrachtung von Wirtschaft und deren Form, sondern bezieht die wechselseitige Beziehung zwischen und Kultur in ihre Analyse mit ein.
Ein Wirtschaftssystem kann nicht abgegrenzt von seinem kulturellen Kontext, in dem es entstanden und eingebettet ist, betrachtet werden. „Ökonomisches Handeln wird demnach nicht aus seinem sozialen Kontext herausgelöst, sondern als integrierter Teilbereich der gesamten Gesellschaft gesehen.“ 1 Diese Art der Herangehensweise an Wirtschaftskulturen ist jedoch nicht neu. So ist schon bei Max Weber der interdisziplinäre Ansatz zu finden. Dieser kann somit praktisch als der Begründer der Wirtschaftskulturforschung bezeichnet werden.
Max Weber versuchte einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Verhaltensweisen und religiösen Normen herzustellen. Und fand diesen im Protestantismus, insbesondere im Calvinismus. Auf Max Webers religions-soziologische Studien baut Alfred Müller-Armack auf. 2 Sein Ziel war es die geistigen Ursprünge der abendländischen Wirtschaft zu ergründen, und charakteristische Merkmale herauszuarbeiten. Er unterscheidet dabei grundsätzlich zwischen protestantischen und katholischen Ländern, die im Zeitraum vom 16. bis zum 18. Jahrhundert völlig unterschiedliche ökonomische Entwicklungen durchmachten. Dabei bleiben die katholischen Länder, unter die auch Spanien fällt, „einem Konservatismus verhaftet, der die Entfaltung der wirtschaftlichen Kräfte behindert und Bauern- und Handwerkertum begünstigt.“ 3
Um die wechselseitigen Beziehungen zwischen Kultur und Wirtschaft näher betrachten zu können. Betrachten Klaus Dorner und Rainer Klump zunächst die Kultur: „ein […] System von Wertefeldern, welche Handlungsspielräume abstecken und Handlungsrichtlinien vorgeben, die als sinnvoll erlebt werden. ’Kultur leistet also Steuerungsarbeit im Prozess der Evolution eines Systems.’ Die Steuerung erfolgt partiell über die Internalisierung von Wertvorstellungen.“ 4 Die Werte, die eine Kultur vermittelt und generiert, sind demnach ausschlaggebend. Sie steuern das Verhalten von Menschen. Werte entwickeln sich allmählich. Sie werden von Geschichte, Religion und Tradition geprägt und konstituieren sich in Strukturen, Verhaltensnormen, Maximen und Institutionen. Der Mensch erlernt sie im Laufe seiner Sozialisation, in dem er sie über seine Umwelt
1 Zitiert in Ludwig (1988) S.1
2 vgl. Ludwig (1988) S. 3 ff.
3 zitiert in ebd., S. 7.
4 zitiert in ebd., S.40.
internalisiert. 5 Dieser Lernprozess erfolgt in mehreren Schritten, zuerst im familiären Umfeld und schließlich durch andere Institutionen wie Schule, Kirche, Unternehmen.
Ich möchte in dieser Arbeit die Wirtschaftskultur Spaniens darlegen. Dabei möchte ich vor allem auf historische Begebenheiten, aus denen Spaniens Wirtschaftskultur sich entwickelt hat, eingehen. Hierbei sind vor allem die sieben Jahrhunderte währende Maurenherrschaft, die Rückeroberung durch die „katholischen Könige“ und die Zeit Francos nennenswert. Wobei letztere eher ein Manifest, der sich bis dahin herausgebildeten spanischen Wirtschaftskultur darstellt.
3. Geschichtlicher Hintergrund
Die Geschichte Spaniens unterscheidet sich in einigen Bereichen von der anderer westeuropäischer Staaten. So kommt es in Spanien im 16. Jahrhundert nicht zu einer Reformation und auch im Mittelalter nimmt Spanien eine Sonderstellung ein.
3.1. Die Herrschaft der Mauren
Die über sieben Jahrhunderte währende Herrschaft der Mauren beginnt im Jahre 711 mit dem Angriff von Süden her. 756 wird das selbstständige Emirat von Córdoba gegründet, welches 929 zum Kalifat ernannt wird. Das Reich der Mauren hält bis in das Jahr 1492 an.
Während dieser Zeit herrscht eine kulturelle Mischung verschiedener Kulturen und Religionen. Es leben Christen, Juden und Moslems miteinander und werden geduldet. Dies führt zu einem regen kulturellen Austausch.
Sowohl die Juden als auch die Moslems tragen dazu bei, dass die Wirtschaft in Spanien floriert. Durch die Anwendung innovativer maurischer Bewässerungstechniken und die Einführung neuer Kulturpflanzen 6 , verbessert sich der Stand der Agrarwirtschaft Spaniens deutlich. Außerdem wird ein Halbpachtsystem eingeführt, das den Bauern, die als freie Menschen mit einklagbaren Rechten anerkannt werden, mindestens die Hälfte der Ernte zuspricht und somit eine effizientere Bewirtschaftung der Felder garantiert. 7 Auch im Bereich der Industrie kommt es zu Erneuerungen, so werden neue Techniken wie die Papierherstellung und das Gerben von den Mauren überliefert und eingeführt, und ab Mitte des 10. Jahrhunderts wird der Bergbau aufgenommen.
5 vgl. ebd.
6 z.B. Reis, Bananen, Baumwolle, Zitronen, Zuckerrohr.
Insgesamt kann man sagen, dass sowohl die Wirtschaft als auch das soziale, kulturelle Leben während der Maurenzeit florierte und sich die gesellschaftliche Entwicklung, bedingt durch den überaus ertragreichen Austausch der drei Kulturen, im Vergleich zum restlichen Europa auf einem sehr hohen Niveau befand.
Trotz 700 Jahre maurischer Herrschaft kam es jedoch nicht zu einer nationalen Einheit, was hauptsächlich auf die anhaltenden religiösen und moralischen Unterschiede zurückzuführen ist. Diese nicht vorhandene Einheit erleichterte erheblich die Vertreibung der Juden und Mauren im Zuge der Reconquista und darauf folgenden Inquisition.
3.2. Reconquista und Inquisition der „Reyes Católicos“
Die Reconquista 8 begann schon im 8. Jahrhundert, erlangte jedoch erst im Jahre 1031 ihre volle Widerstandskraft. Sie verkörpert eine ständige allmähliche Rückeroberung des südlichen Teils Spaniens vom Norden her und kann somit eher als Kolonisation angesehen werden. Im Jahre 1469 schließlich wurden mit der Heirat von Isabella I von Kastilien und Ferdinand II von Aragon die Kräfte vereint, und es fiel mit Granada 1492 das letzte maurische Reich.
Das Hauptziel der Reconquista war die Rückgewinnung des Landes und Verbreitung des christlichen Glaubens, welche ihren Ausdruck in der späteren Inquisition fand. Durch geographische und zeitliche Unterschiede bei der Rückeroberung entwickelte sich eine regionale Unterscheidung und Abgrenzung, die sich im Laufe der Jahre zum Teil verstärkt und in der heutigen Struktur Spaniens immer noch sichtbar ist.
Die Hochzeit der „katholischen Könige“, wie sie der Papst nannte 9 , setzte den Grundstein zum spanischen Gesamtstaat. Mit der Herrschaft der „Reyes Católicos“ beginnt eine lange Epoche, die bis in das 20. Jahrhundert hineinreicht. Sie ist vor allem geprägt durch ökonomischen Stillstand und geistige Isolation.
Vor allem die Einführung der Inquisition im Jahre 1483 stärkte das Königspaar in ihrer Macht über den Adel und das Volk. Aber auch ihre Erfolge in Bezug auf Eroberungen neuen Landes verhalfen ihnen zu Ruhm und Ansehen. Im Auftrag Isabellas entdeckte Kolumbus 1492 Amerika, was die Gründung des spanischen Kolonialreiches nach sich zog. Ferdinand hingegen erwarb die Kanarischen Inseln, 1504 das Königreich Neapel und eroberte Obernavarra. Jedoch ist für die Reconquista kennzeichnend, dass hauptsächlich der gemeinsame Glaube die Kräfte gegen die maurischen Herrscher vereinte.
7 Hier ist ein deutlicher Unterschied zu dem zu dieser Zeit üblichen Sklaventum bzw. Leibeigenschaft zu sehen.
8 auf deutsch: Rückeroberung
9 vgl. Ludwig (1988), S. 69.
Arbeit zitieren:
Regine Mayer, 2005, Die Wirtschaftskultur Spaniens, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Theorie der Phillips-Kurve: Zur Rolle der Erwartungsbildung im mak...
VWL - Makroökonomie, allgemein
Hausarbeit, 20 Seiten
Regine Mayer hat den Text Die Wirtschaftskultur Spaniens veröffentlicht
Regine Mayer hat einen neuen Text hochgeladen
Spanien. Kulinarische Streifzüge
Mit 72 Rezepten
Erika Casparek-Türkkan, Hans Joachim Döbbelin
Wirtschaftskultur und Institutionen im Osmanischen Reich und der Türke...
Ein Vergleich institutionenöko...
Heiko Schuß, Dieter Weiß, Steffen Wippel
Hotels und Landgasthäuser mit Charme in Spanien 2009
460 Adressen und Straßenkarten
Michelle Gastaut, Laurent Jacobi, Inge Hanneforth
Das Bewerbungshandbuch für Europa
Effektive Strategien für die A...
Dirk Neuhaus, Karsta Neuhaus
0 Kommentare