Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung
2
2. Begriffliche Ausgangslage
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3. Jan Nederveen Pieterse: Hybridität als globale Melange
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Der Autor und sein Hybridbegriff 4
Beispiele der Hybridbildung 5
Globalisierung und Hegemonie 7
Kritik 8
4. Hybridbildung als Kategorie des politischen Widerstands
9
Von der Postmoderne zum Postkolonialen Diskurs 9
Der Westen und der Rest 10
Das hybride Subjekt und die Funktion der Hybridbildung 14
Kritik der Postkolonialen Theorie 16
5. Zusammenfassung, Ausblick und persönliche Reflektion
17
Hybridität als Projekt der Zukunft 17
Persönliche Stellungnahme und Bewertung 19
6. Literatur
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1. Einleitung
Die Erfassung, Definition und Deutung des Prozesses der Globalisierung mit einhergehender kultureller Vermischung und Hybridbildung ist einer der dominanten Diskurse und größten Herausforderungen der zeitgenössischen theoretischen Wissenschaft, er durchzieht verschiedenste Disziplinen in unterschiedlicher Ausgestaltung. Im postkolonialen Zeitalter der technologischen Hochentwicklung hat sich der Prozess der Loslösung von räumlichen Bindungen radikal beschleunigt, regionale Entwicklungen lösen globale Wechselwirkungen aus und weltweite Migration findet in zuvor nie gekanntem Ausmaß statt. Heutzutage kann fast ohne Zeitverzögerung global kommuniziert werden, Wirtschaftsunternehmen können ohne nationalstaatliche Beschränkungen expandieren und institutionelle Netzwerke verschiedener Interessensausrichtung gewinnen an Macht als Alternative zu den nationalen Regierungen.
Die genannten Prozesse führen eindeutig feststellbar zu Veränderungen der Konstitution von Gesellschaften und somit der Referenzsysteme, anhand derer die einzelnen Individuen ihre Identität ausbilden. Diese Veränderungen sind das Hauptaugenmerk der Sozial- und Gesellschaftswissenschaften bei der Analyse von Globalisierung, sowie auch die Frage, ob alternativ eine globale Gesellschaft als Referenzsystem für alle entsteht. Bis ins Zeitalter der Moderne mit der Hochzeit des Nationalstaates und auch noch heute war und ist sowohl die kollektive Identität einer Gesellschaft, als auch die individuelle, welche sich am Kollektiv ausrichtet, immer verbunden mit einer territorialen Zuordnung von Heimat und Herkunft. Auch werden bis heute weitere essentielle Kriterien der Zugehörigkeit definiert und reproduziert, wie ethnische Zugehörigkeit anhand von Körpermerkmalen und Sprache oder auch typische Sitten und Gebräuche, nach denen Individuen als Gesellschaftsmitglieder oder nicht eingeordnet werden. Eine solche Konstruktion schließt immer auch eine Definition dessen mit ein, was eben nicht dazugehört, also „anders“ ist. In der postkolonialen Gesellschaft scheint eine derartige Selbstkonstruktion anhand von Abgleichung vermeintlich essentieller Merkmale nicht mehr möglich zu sein, oder zumindest greifen die herkömmlichen Unterscheidungskategorien nicht mehr.
Die gesellschaftswissenschaftliche Theorie ist aufgrund dieses Wandels gezwungen, zunächst einmal die Machtkonstellationen zu untersuchen, die jenen genannten
Selbstunterscheidungskatalog hervorgebracht haben. Aus welchen Gründen haben sich bestimmte Interessensformationen durchgesetzt und inwieweit zeigt sich ihre Dominanz gegenüber anderen. Weiterhin ist es Aufgabe der Wissenschaft, den neuen globalen
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Gegebenheiten angemessene Alternativen aufzuzeigen zu diesem überkommenen Modell, wie könnte gesellschaftliche und individuelle Identitätskonstruktion heute stattdessen aussehen, und alte hegemoniale Strukturen aufgebrochen werden.
Im vorliegenden Aufsatz soll der derzeitige Diskurs zu Hybridbildung und Globalisierung anhand einiger ausgewählter Autoren vorgestellt werden, welche unterschiedlichen Richtungen und Perspektiven er bietet. Auch der in diesem Zusammenhang immens wichtige Postkolonialismus als theoretischer Ansatz soll erläutert werden bzw. dessen Weiterentwicklung von und Abgrenzung zur Theorie der Postmoderne.
2. Begriffliche Ausgangslage
Bevor wir die theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema genauer analysieren, ist es notwendig, die Terminologie des Untersuchungsgegenstandes einzugrenzen. Globalisierung lässt sich auf den einfachsten Nenner gebracht als Intensivierung weltweiter Beziehungen jeglicher Art und durch erhöhte Mobilität zunehmende Loslösung der Menschen von räumlichen Territorien beschreiben.
Für den Begriff der kulturellen Hybridbildung lassen sich grob zwei unterschiedliche Betrachtungsansätze herauskristallisieren:
1. Hybridität als Vermischung von Kulturen. Der Begriff ist angelehnt an eine Kategorie aus der Biologie, welche die Verschmelzung von ursprünglich abgetrennten Einheiten bezeichnet. In der Sozialtheorie hat er sich in der Übertragung auf die Vermischung von Kulturen bzw. deren Elementen etabliert, der Diskurs über den Prozess der kulturellen Hybridisierung hat spätestens seit Mitte der Neunziger Jahre große Bedeutung innerhalb dieser Disziplin erlangt. Im Zuge dieses Diskurses haben sich weitere Begriffe zur Beschreibung kultureller Vermischung herausgebildet, wie die an das historische Beispiel der Karibik und Lateinamerikas angelehnte Bezeichnung Kreolisierung oder das englische Wort Crossover. In der intellektuellen Debatte hat der Begriff Hybrid jedoch das größte Gewicht. Rowe und Schelling definieren kulturelle Hybridbildung als „Prozess, in dem sich Sitten, Gebräuche und Praktiken voneinander und aus ihrem Bedeutungszusammenhang lösen und sich mit anderen Elementen neu zusammensetzen, um einen neuen Bedeutungszusammenhang zu repräsentieren.“(nach Nederveen Pieterse 1998:94)
Ein anschauliches Beispiel für ein solches Hybrid liefert Benjamin Marius Schmidt (vgl. Schmidt 2000): Für ihn stellt moderne DJ-Kultur und Musik ein Musterbeispiel der Vermischung von Kulturelementen dar. Der DJ benutzt Elemente verschiedener
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musikalischer Stile, man spricht hier von samples, loops und cuts, und setzt sie neu zusammen. Obwohl in vielen Fällen die Herkunft solcher Versatzstücke nachvollziehbar ist, gibt er ihnen einen neuen musikalischen Zusammenhang, so dass sie dem Original weder in Rhythmus, Tempo oder Atmosphäre gleichen. Durch die Anordnung der Elemente in einem anderen akustischen Sinnzusammenhang wird also aus alten Teilen neue Musik geschaffen. Dieses Beispiel aus der Kunst kann als Vorbild dienen für gesamtkulturelle Vermischung in einer globalisierten Welt, in der durch Überlappung kultureller Referenzsysteme neue entstehen.
2. Hybridbildung als Instrument des politischen Widerstands. Diese Sichtweise widerspricht nicht dem ersten Ansatz, auch hier bezeichnet der Begriff eine Art Vermischung, es wird jedoch ein deutlich anderer Schwerpunkt der Betrachtung gesetzt. Die Auffassung von Hybridität als Medium der Subversion wurde geprägt durch den sog. Postkolonialen Diskurs, dem sich eine Reihe von Autoren zum vorliegenden Thema verschrieben haben. (vgl. Hall, Bhabha, Papastergiadis, Ha, Terkessidis)
Wie bereits angesprochen, schließen sich die beiden Betrachtungsweisen nicht aus, in vielen Veröffentlichungen gehen sie miteinander einher. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Schwerpunktsetzung bei der Analyse des Untersuchungsgegenstandes lassen sie sich jedoch klar voneinander trennen. Im Folgenden sollen nun beide Modelle vorgestellt werden. Obwohl Nederveen Pieterse auch die politische Komponente der Hybridbildung anspricht, wird sein Aufsatz in dieser Arbeit primär zur Veranschaulichung des Vermischungskonzepts verwendet.
Hybridität als politisches Instrument der Subversion soll anschließend anhand der postkolonialen Theorie erörtert werden, welcher sich Nederveen Pieterse nicht explizit zuordnet. Hierzu werde ich die Herausbildung dieses Diskurses herleiten, sowie die Entstehung der globalen Machtverhältnisse, gegen die sich die hybride Subversion richtet.
3. Jan Nederveen Pieterse: Hybridität als globale Melange
Der Autor und sein Hybridbegriff:
Jan Nederveen Pieterse ist Professor am Department of Sociology der Universität von Illinois, USA, spezialisiert auf transnationale Studien. Seine Forschungsschwerpunkte sind Globalisierung, Entwicklungstheorie und Kulturanalyse. Er hat an Universitäten in den Niederlanden, Ghana und den Vereinigten Staaten gelehrt und war als Gastprofessor in Japan, Indonesien, Sri Lanka und Pakistan tätig.
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Nederveen Pieterse entfaltet seinen Hybridbegriff hauptsächlich nach dem Ansatz der Vermischung. Er geht zunächst einmal von der Globalisierung als Bedingung für kulturelle Hybridbildung aus, anders ausgedrückt ist Globalisierung für ihn der Prozess der Hybridbildung. Dafür benutzt er als Ausgangspunkt folgende Definition der Globalisierung von Giddens: „Definieren lässt sich der Begriff Globalisierung demnach im Sinne einer Intensivierung weltweiter sozialer Beziehungen, durch die entfernte Orte in solcher Weise miteinander verbunden werden, dass Ereignisse am einen Ort durch Vorgänge geprägt werden, die sich an einem viele Kilometer entfernten Ort abspielen, und umgekehrt.“(nach Nederveen Pieterse 1998:92)
Im ersten Abschnitt des Textes definiert Nederveen Pieterse seinen Globalisierungsbegriff genauer. So beschreibt er die Globalisierung als einen vieldimensionalen Prozess, als eine Art interdisziplinäre Synthese, die sich in allen Lebensbereichen entfaltet. Es lässt sich beispielsweise unterscheiden nach kultureller, ökonomischer, historischer, linguistischer Globalisierung etc., wobei sich die einzelnen Bereiche oftmals schwer voneinander abtrennbar unterscheiden. Weiterhin wird unterschieden zwischen einer intentionalen, als hybridisierende Politik betriebenen Globalisierung wie durch Menschenrechtsorganisationen wie amnesty international, und ungewollten globalen Effekten wie die Panik vor Aids oder weltweite Anteilnahme an der jüngsten Seebebenkatastrophe. Diese Verschiedenartigkeit der sich überlappenden Dimensionen geben der Globalisierung laut Nederveen Pieterse ein positiv zu bewertendes Maß an Fluidität, Unbestimmtheit und Zukunftsoffenheit. Durch diese Beeinflussung durch räumlich weit entfernte Elemente kommt es unweigerlich zur kulturellen Vermischung, da die Einflüsse integriert werden müssen. Dieser Vorgang lässt sich nach Nederveen Pieterse als Hybridisierung bezeichnen, seiner Meinung nach wird er sich durch immer intensiver werdende Interdependenzen und Vernetzungen so weit fortsetzen, dass ein globales Kulturgemisch entsteht. Mit anderen Worten, Nederveen Pieterses Hybridisierung meint die Vermischung verschiedener kultureller Stile, Formen und Traditionen, aus der etwas Neues entsteht, eine globale Melange.
Beispiele der Hybridbildung
In einem weiteren Teil des Textes führt der Autor einige Beispiele kultureller Hybridbildungen an. Ein vieldiskutiertes Phänomen in diesem Zusammenhang ist die sog. Glokalisierung, welche oft zusammen mit der Parole global denken, lokal handeln, auftaucht. Diese hybride Form lässt sich als ein Wechselspiel von lokalen und globalen Dynamiken
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Arbeit zitieren:
M.A. Jan Küver, 2005, Globalisierung, Hybridbildung und Hegemonie - Der Wandel des Kulturbegriffs , München, GRIN Verlag GmbH
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