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Zeit und Geschichte bei Hegel

Titel: Zeit und Geschichte bei Hegel

Seminararbeit , 2004 , 22 Seiten , Note: 1,00

Autor:in: Johannes Mattes (Autor:in)

Geschichte - Allgemeines
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das der Arbeit vorangestellte Zitat des deutschsprachigen Schriftstellers und Philosophen Ernst Bloch kehrt auf anschauliche Weise die Ambivalenz zwischen Hegels Abneigung gegen utopische Zukunftskonzeptionen und seiner postumen Einflussnahme auf die Theorie des Marxismus um. Es wäre zu einfach, würde man behaupten, nach Hegels Tod sei die deutsche philosophische Klassik zusammengebrochen, habe sich die Philosophie in den Niederungen des Positivismus und Materialismus verloren und sei erst nach 1871 wieder aufgestiegen. Die Schüler Hegels genossen noch einige Zeit den Vorzug für die Besetzung der Lehrstühle vor anderen. An den meisten deutschen Universitäten wurde Hegels Philosophie gelehrt, und in der scharfen Antithese seiner Gegner blieb Hegel der heftig umkämpfte und doch unbestrittene Herr der Philosophie des 19. Jahrhunderts.
Der preußische Staatsphilosoph gibt uns bei genauem Lesen tatsächlich nur wenig Anlass ihn als einen Konservativen zu klassifizieren. Es erweist sich aus meiner Sicht als nicht unbedingt konservativ, das Rationale, ein absolutes System im Wirklichen zu sehen, besonders weil es sich hier um eine aktive Rationalität handelt, die das Wirkliche umformt. Natürlich war Hegel kein Revolutionär. Die These, dass das Rationale wirklich wird, machte es jedoch unmöglich für ihn an der herkömmlichen konservativen Haltung seiner Zeit teilzunehmen, die an traditionellen und etablierten Wertsystemen festhielt. Was sich bei Hegel als konservativ oder wenigstens nicht revolutionär darstellt, hat seinen Ursprung in der Vorstellung, dass die Rationalität des Wirklichen nicht die Rationalität des Menschen, sondern die des Geistes ist. Ebenso lehnte Hegel revolutionäre Aktivitäten deshalb ab, weil aus seiner Sicht die Geschichte einen Entwicklungspunkt erreicht habe, auf dem keine Revolutionen mehr notwendig seien, denn die Grundlagen für das Sinnbild des rationalen Staates, Preußen, waren bereits geschaffen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Prolegomena

2 Zur Einführung

2.1Die Relevanz des Hegel’schen Denkens für die Gegenwart

2.2 Zum Begriff der „Dialektik“

2.3 „Alles lebt in der Gottheit“ oder der Weltgeist

3 Hegels Geschichtskonzeption

3.1 Die Vernunft in der Geschichte

3.2 Theodizee

3.3 Fortschritt im Bewusstsein des Geistes

3.4 Die Geschichte als dialektische Bewegung

3.5 Die Lehre von den welthistorischen Individuen oder „die List der Vernunft“

4 „Die ewige Gegenwart“ oder Hegels Zeitverständnis

5 Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die komplexe Problematik von Zeit und Geschichte innerhalb der Philosophie von Georg Wilhelm Friedrich Hegel systematisch zu erschließen und kritisch zu beleuchten. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Hegels Verständnis der Dialektik und der Weltgeist-Konzeption in eine kohärente Geschichtsdeutung münden, die Geschichte als einen rationalen, zielgerichteten Prozess begreift.

  • Die dialektische Methode als fundamentales Strukturprinzip der Wirklichkeit.
  • Hegels Verständnis der Geschichtsphilosophie als Theodizee.
  • Die Rolle welthistorischer Individuen und die Bedeutung der „List der Vernunft“.
  • Das Spannungsfeld zwischen Freiheit, Vernunft und staatlicher Identität.
  • Die begriffliche Auseinandersetzung mit der „ewigen Gegenwart“ und Hegels Zeitverständnis.

Auszug aus dem Buch

3.5 Die Lehre von den welthistorischen Individuen oder „die List der Vernunft“

Die Geschichte wird aus der Sicht Hegels nicht durch hehre Ideen bewegt oder etwa, dass die geschichtlich agierenden Subjekte, also die Menschen, die Idee des Weltgeists auf ihre Fahnen geschrieben hätten. Nein, sie werden bestimmt durch ihre Interessen, Bedürfnisse, durch selbstsüchtige Zwecke und Leidenschaften. Und dies hält Hegel aber keineswegs für verwerflich, ja nicht einmal für bedauerlich, „sondern es ist das unendliche Recht des Subjekts, dass das Subjekt sich selbst befriedigt findet, in einer Tätigkeit.“

Während die Menschen jedoch glauben ihren selbstsüchtigen Leidenschaften nachzugehen, ist es im Grunde die Vernunft, die ihre Begierden lenkt und steuert. Diesen Gedanken nennt Hegel „die List der Vernunft“. Nur wenigen historischen Persönlichkeiten ist es erlaubt dem Weltgeist in die Karten zu schauen, zwar begreifen sie das der Wirklichkeit zugrunde liegende System nicht, dennoch haben sie Ahnungen über die Konstitution des Weltgeistes. Dieser bedient sich der Handlungen dieser historischen Persönlichkeiten, um seine eigenen Zwecke damit zu verwirklichen. Sie erscheinen nicht als Mittel, sondern als „Geschäftführer des Weltgeistes“.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Prolegomena: Dieses Kapitel führt in die Ambivalenz der Hegel-Rezeption ein und verortet den Philosophen zwischen konservativen und revolutionären Lesarten.

2 Zur Einführung: Hier werden die Relevanz von Hegels Denken für die Moderne, der dialektische Begriff und die fundamentale Idee des Weltgeistes erarbeitet.

3 Hegels Geschichtskonzeption: Dieses Hauptkapitel analysiert die Geschichte als dialektischen, vernunftgesteuerten Prozess, der in der Theodizee und dem Fortschritt des Freiheitsbewusstseins gipfelt.

4 „Die ewige Gegenwart“ oder Hegels Zeitverständnis: Dieses Kapitel differenziert zwischen einer naturphilosophischen „leeren Zeit“ und der „Zeit des Geistes“ im Kontext der absoluten Gegenwart.

5 Resümee: Hier werden die Kernergebnisse der Untersuchung zusammengeführt und die Schlussfolgerungen zur Rationalität der Geschichte reflektiert.

Schlüsselwörter

Hegel, Dialektik, Weltgeist, Vernunft, Geschichte, Freiheit, Theodizee, List der Vernunft, Zeitverständnis, absolute Gegenwart, Geschichtsphilosophie, Idealismus, Staat, Geistesgeschichte, Selbstbewusstsein.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Seminararbeit untersucht das philosophische System Georg Wilhelm Friedrich Hegels mit einem spezifischen Fokus auf seine Geschichtsauffassung und sein Verständnis von Zeitlichkeit.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die dialektische Methode, die Rolle des Weltgeistes, die Rechtfertigung des Übels in der Geschichte (Theodizee) und das komplexe Zeitkonzept Hegels.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Hegels Geschichtskonzeption verständlich darzulegen und die Verbindung zwischen rationaler Notwendigkeit, individuellem Handeln und der geschichtlichen Selbstverwirklichung des Geistes zu verdeutlichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer philosophiegeschichtlichen Analyse, bei der Hegels Hauptwerke anhand relevanter Sekundärliteratur und interpretativer Ansätze erschlossen werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Einführung der dialektischen Grundstrukturen, die Darlegung der Geschichtskonzeption sowie die Analyse des spezifischen Zeitverständnisses als „ewige Gegenwart“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Begriffe wie Dialektik, Weltgeist, Vernunft, Freiheit und Theodizee bilden den inhaltlichen Kern der Untersuchung.

Warum lehnte Hegel laut dieser Arbeit weitere Revolutionen ab?

Hegel sah die Geschichte als einen Prozess, der im rationalen Staat (Preußen) seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden habe; revolutionäre Aktionen waren für ihn daher nicht mehr notwendig, da die Grundlagen für die Vernunft bereits etabliert waren.

Was genau versteht Hegel unter der „List der Vernunft“?

Dabei handelt es sich um das Konzept, dass der Weltgeist individuelle Leidenschaften und eigennützige Ziele der Menschen als Instrumente nutzt, um seine eigenen, übergeordneten rationalen Zwecke in der Geschichte zu verwirklichen.

Wie unterscheidet sich die „natürliche Zeit“ von der „Zeit des Geistes“?

Die natürliche Zeit ist bei Hegel eine leere, physikalische Kategorie, während die Zeit des Geistes die konkret begriffene Gegenwart darstellt, in der der Geist seine Entwicklung vollzieht.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zeit und Geschichte bei Hegel
Hochschule
Universität Wien
Note
1,00
Autor
Johannes Mattes (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V55893
ISBN (eBook)
9783638507301
ISBN (Buch)
9783656805595
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeit Geschichte Hegel
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Johannes Mattes (Autor:in), 2004, Zeit und Geschichte bei Hegel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55893
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Leseprobe aus  22  Seiten
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