Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
1. Einleitung
1
2. Zugang zum Feld
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3. Theoretischer Hintergrund zur Techniksoziologie
und Praxistheorie sowie deren Begrifflichkeiten
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4. Methoden
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5. Forschungsgegenstand und Forschungsfeld
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5.1 Beschreibung des Forschungsgegenstandes 19
5.2 Beschreibung des Forschungsfeldes 20
6. Untersuchung der erhobenen Daten vor dem
theoretischen Hintergrund unserer Fragestellungen
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6.1 Zum Habitus und den Attributen (Sprache, Emotionen,
Einstellungen , Kleidung, Gestik, Mimik) der Skater 22
6.2. Zur Bedeutung des Skateboards als Artefakt und des
Skateboardens als Sport sowie der Körper-Technik-
Verschmelzung 27
6.3. Über das Bewegungslernen und das Bewegungsgefühl 31
6.4 Zum Raum der Skater und den Inklusions- und
Exklusionsmechanismen 33
6.5 Zum Skateboardfahren als Sport und Lebensgefühl 36
6.6 Die Bedeutung von Risiko, Verletzungen und Schmerzen
beim Skateboardfahren 37
7. Zusammenfassung und Abschlussbetrachtung der
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Ergebnisse des Projekts
I
1. Einleitung
Angeregt von unseren Seminaren „Körper-Technik-Interaktion“ und „Sport machen. Zur Ethnografie sozialer Praktiken“ beschäftigt sich dieser Bericht zu unserem Forschungsprojekt mit der Interaktion von Körper und Technik im Feld des Skatenboardfahrens (Skatens). Der Zusammenhang von Körper und Technik ist in der Soziologie von großem Interesse, um die Entstehung, Entwicklung und Veränderungen von sozialen Praktiken näher beleuchten zu können. Nicht umsonst beschäftigen sich namhafte Soziologen wie Bourdieu, mit seiner Arbeit zum Entwurf einer Theorie der Praxis (BOURDIEU: 2002) und andere Arbeiten u. a. von Foucault (FOUCAULT: 2003) und Hörning (HÖRNING: 2001) damit, wie soziale Praktiken aus einer wechselseitigen Abhängigkeit von Subjekt bzw. Mensch und Objekt bzw. Welt entstehen.
Grundsätzlich gehen die Ansätze der verschiedenen Autoren zwar in dieselbe Richtung, soziale Praktiken weder ausschließlich objektivistisch, noch subjektivistisch zu erklären, jedoch unterscheiden sich die teilweise sehr kontroversen Ansätze zur Praxistheorie in zwei grundsätzliche Stoßrichtungen. Die eine Stoßrichtung versucht stark vereinfacht ausgedrückt soziale Praktiken eher als Routinen im gesellschaftlichen Umfeld zu erklären, während die andere Stoßrichtung die Unberechenbarkeit der sozialen Praktiken aufgrund der im Subjekt innewohnenden Kräfte betont. (vgl. RECKWITZ: 2004. S. 1-2)
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2. Zugang zum Feld
Bei der Themenauswahl für unser Projekt einigten wir uns auf den „Sportgarten Bremen“ als Forschungsfeld. Zum einen, da der „Sportgarten Bremen“ ein Jugend- und Freizeitprojekt mit einem großen Sportangebot ist, zu dem auch Sportangebote wie Skaten, Free-Climbing, Fußball, Basketball, Inline-Skaten etc. zählen und zum anderen, weil es aufgrund des hohen Sportangebots das ganze Jahr über eine enorm hohe Besucherzahl gibt. Des Weiteren sind die
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Besucher nicht nur unterschiedlichen Alters, sondern entstammen auch verschiedenen Kulturen.
Da uns das Forschungsfeld viele Möglichkeiten zur Verfügung stellte, überlegten wir uns unter Berücksichtigung des Seminars „Körper-Technik-Interaktion im Sport“ verschiedene Ausgangsfragestellungen, wie z.B. „Vergleich der Körper-Technik-Interaktion von modernen Trendsportarten (Skaten) mit traditionellen Sportarten (Turnen)“ oder „Welche Bedeutung hat die Körper-Technik-Interaktion bei Anfängern und Fortgeschrittenen in einer modernen bzw. traditionellen Sportart?“.
Außerdem kamen Überlegungen hinzu wie z.B.: Die Untersuchung des Skatens als soziale Praxis oder welche Bedeutung hat das Board für den Skater. Aufgrund dieser Vorüberlegung erarbeiteten wir Fragen für die Interviews (siehe Anhang). Mit Hilfe der Fragen wollten wir Informationen über die Innenperspektive der Skater erhalten. Die Interviews sollten daher eher einen offen und narrativen und nicht einen standardisierten oder episodischen Charakter haben. Außerdem überlegten wir uns, wie wir die Außenperspektive der Skater am besten untersuchen könnten. Mit der Außenperspektive der Skater werden z.B. ihre sozialen Praktiken bezeichnet, welche wir anhand einer teilnehmenden Beobachtung untersucht haben. Hierzu entwickelten wir einen Beobachtungsbogen, der uns während der Beobachtung als Orientierungshilfe dienen sollte. Auf dem Beobachtungsbogen standen Schlagwörter wie z.B.: „Atmosphäre, Schaffung eines Raumes, Gestik, Haltung, Umgang mit dem Raum, Musik, Klamotten usw.“. Des Weiteren haben wir in unserer Außenperspektive eine detaillierte Bewegungsbeschreibung von einem Trick gemacht, um so noch mehr Aufschlüsse über die Skater zu erhalten. Nach einer Absprache mit unserer Seminarleiterin V. Schwabe über unser weiteres Vorgehen, gliederten wir unser Forschungsvorhaben wie folgt:
1. Beobachtung der Skater im Sportgarten Bremen
2. Kontaktaufnahme der Skater
3. Trickvorführung und Beobachtung für die Bewegungsbeschreibung 4. Interviews
Im folgenden Absatz beschreibe ich die tatsächliche Situation im Feld. Wir sind alle am Freitag dem 27.05.05 zum Sportgarten Bremen gefahren. Es war ein sehr heißer Tag. Wir machten uns ein erstes Bild vom Sportgarten und ließen uns von dem regen Treiben der Jugendlichen begeistern. Anschließend suchten wir uns einen geeigneten Platz, von wo wir unsere
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Beobachtung durchführen konnten. Wir haben uns auf eine Balustrade gesetzt, von wo aus wir einen sehr guten Blick auf die gesamte Skateanlage hatten und nicht unmittelbar von allen Skatern wahrgenommen werden konnten. Für die Beobachtung setzten wir uns ein Zeitlimit von 20 Minuten. Während der Beobachtung sprachen nicht miteinander, damit wir unabhängig voneinander unsere Beobachtung durchführen konnten. Obwohl wir versucht haben uns so unauffällig wie möglich zu verhalten, sind wir durch unsere Zettel und unser eifriges Schreiben aufgefallen. Dennoch hatten wir das Gefühl, dass sich die Skater durch uns nicht stören ließen. Nach unserer Beobachtung suchten wir einen Skater, der uns einen Trick für unsere Bewegungsbeschreibung vormachen konnte. Als wir uns einig waren, fragte Alex den Skater (Sebastian), ob er für uns einen Trick mehrmals zeigen könne und ob er uns danach ein Interview geben würde. Für den Skater war dies kein Problem und er erklärte sich dafür bereit. Dementsprechend machten wir als erstes die Bewegungsbeschreibung von einem Trick („Ollie“), den uns dieser Skater zeigte. Anschließend setzten wir uns mit dem Skater in einen Aufenthaltsraum, um das Interview durchzuführen. Bei dem Interview stellte hauptsächlich Alex die Fragen, nur ab und zu wurden von Thomas, Christian oder mir ergänzende Fragen gestellt. Obwohl wir uns die Fragen vorher überlegt haben, war es nicht leicht ein solches Interview zu führen. Für uns alle war es das erste Interview überhaupt, daher hatten wir einige Probleme, sei es mit der Fragetechnik gewesen oder das wir uns in manchen Situationen etwas unsicher waren. Trotzdem gab das Interview viele nützliche Informationen her. Nach dem Interview suchten wir uns einen zweiten Skater, mit dem wir das gleiche Schema durchgegangen sind, wie mit dem ersten Skater zuvor. Beim folgenden Skater (Christiano) führte Thomas das Interview. Nach dem zweiten Interview setzten wir uns zusammen und reflektierten unsere Durchführungen, wobei wir feststellten, dass die gewonnenen Materialen zunächst weiterverarbeitet werden sollten und schlossen deshalb mit der Untersuchung im Feld ab.
Als nächstes mussten wir die erhoben Daten, die wir im Feld gemacht hatten, auswerten. Jeder von uns machte zunächst eine ausformulierte Fassung von seiner teilnehmenden Beobachtung und seiner Bewegungsbeschreibung. Die Interviews wurden von Thomas und mir kurze Zeit später transkribiert. Danach setzten wir uns wieder einmal mit unserer Seminarleiterin V. Schwabe zusammen und besprachen das weitere Vorgehen.
Als erstes beschlossen wir, dass sich unser Projekt nur auf die Untersuchung der Skater beschränken sollte, somit reduzierten wir unser Thema auf die Innen- und Außenperspektive der Skater aus dem Sportgarten Bremen. Weiterhin überlegten wir uns mit V. Schwabe, wie wir unsere Transkripte der Interviews kodieren sollten, sie gab uns dazu einige Anregungen,
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wie wir weiter verfahren könnten. Mit Hilfe dieser Anregungen kodierten wir unsere Transkripte in sechs Bereiche auf, Habitus, Bewegungslernen, Bedeutung der Skateboards, Raum, Lebensgefühl und Verletzungen.
Wir teilten die noch offen stehenden Arbeiten unter uns auf und verglichen die bisherigen Ergebnisse bzw. besprachen die weiteren Arbeitsschritte in regelmäßigen Abständen. Schließlich führten wir eine gemeinsame Überarbeitung des gesamten Berichts durch und komplettierten damit unser Projekt. Beim letzten Treffen mit unserer Seminarleiterin besprachen wir noch letzte Feinheiten, die wir in unseren Bericht miteinbrachen und schlossen damit unsere Arbeit ab.
3. Theoretischer Hintergrund zur Techniksoziologie und Praxistheorie
sowie deren Begrifflichkeiten
Für eine Auseinandersetzung mit dem Thema Körper-Technik-Interaktion ist es zunächst erforderlich zu klären, auf welchem theoretischen Fundament dieses Thema basiert und sich herauskristallisiert hat und welche unterschiedlichen aber sehr bedeutsamen Begriffe in diesem Zusammenhang teils neu entwickelt, teils in ihrer Bedeutung und ihrem Aussagegehalt umgewandelt worden sind. Daher wird in diesem Abschnitt vor allem auf die von Bourdieu maßgeblich beeinflusste Theorie sozialer Praktiken (BOURDIEU: 2002) und die von Hörning (HÖRNING: 2001) und seinen Arbeiten geprägte Techniksoziologie eingegangen. In diesem Zusammenhang wird auch ein Versuch unternommen die Begriffe Praxistheorie, soziale Praktiken, Habitus, praktisches Wissen, Dinge, Technik und Black Box zu erklären und in einen Zusammenhang zu bringen.
Erst wenn diese Begriffe geklärt sind und die Verbindung unseres Themas der Körper-Technik-Interaktion mit u.a. Bourdieus Praxistheorie hergestellt worden ist, besteht eine vernünftige theoretische Grundlage, um die von uns im Feld des Skatens erhobenen Daten zu analysieren und zu interpretieren und daraus, mittels einer induktiven methodischen Vorgehensweise allgemeine Erkenntnisse zu ziehen, welche Bedeutung die Interaktion von Körper und Technik für eine Theorie der sozialen Praxis hat. Am Ende dieses Abschnittes wird auch die veränderte Bedeutung von Technik und Körper in unserer modernen Gesellschaft thematisiert.
Zentraler Ausgangspunkt für das Aufkommen des Themas „Körper-Technik-Interaktion“ ist vor allem Bourdieus Praxistheorie, in der er im Wesentlichen versuchte den Dualismus von
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Subjektivismus und Objektivismus sowie Idealismus und Materialismus aufzuheben. Hierbei knüpfte er vor allem an den Strukturalismus an. Das menschliche Handeln und seine soziale Praktiken sind weder ausschließlich personenabhängig, noch personenunabhängig.
Im Gegensatz zu Foucault betont Bourdieu in seiner Theorie der Praxis, dass die gesellschaftlichen Strukturen, sein soziales Umfeld und seine Herkunft maßgeblich auch seine sozialen Praktiken prägen. In seinen Worten kommt es zu einer aktiven Einverleibung der sozialen Strukturen, die dann in Abhängigkeit vom Subjekt umgedeutet werden. Das Subjekt erzeugt über diese Inkorporierung über Wahrnehmungsprozesse ein stark subjektiv gefärbtes Bild von der objektiv gegebenen Welt. Der Zusammenführungsprozess der einzelnen Sinneseindrücke von der Welt zum konstruierten Gesamtbild von der Welt ist nach Bourdieu nicht nur geistiger Vorgang, sondern auch ein sozialer und praktischer, an dem Körper und Bewegung wesentlich beteiligt sind. Das handelnde Subjekt erlangt die bedeutsamen Spielregeln seiner sozialen Praktiken innerhalb des jeweiligen gesellschaftlichen Umfeldes in der Praxis selbst. Körperliches und Geistiges sind in sozialen Praktiken untrennbar miteinander verwoben, da sie sich durch Geistiges (Bedeutungen, Werte und Wertvorstellungen) und Körperliches (Haltungen, Gesten und Bewegungsmuster) gleichermaßen auszeichnen. Diese Erkenntnis entwickelte und untermauerte Bourdieu durch zahlreiche qualitative empirische Untersuchungen zur Ethnographie. So wird vor allem in der Welt der Kinder und des Sports deutlich, dass die soziale Praktiken von Menschen durch ihr Mittun, Wiederholen, Nachahmen oder Üben insbesondere durch die Schemata, Handlungsprinzipien, Verhaltensweisen und Konstruktionsregeln mitbestimmt werden, die in ihrer sozialen Umgebung gebräuchlich sind. So entwickeln die Menschen handelnderweise subjektive Entsprechungen zu den objektiven Strukturen der sozialen Welt. In diesem Zusammenhang belebte er einen für die Soziologie wichtigen Begriff des Habitus wieder. Darunter versteht Bourdieu „ein praktisches Wissen, Dispositionen, Schemata der Wahrnehmung und des Denkens, des Fühlens, Bewertens, Sprechens und Handelns“. Da der Körper und die Umgangsweise mit ihm einerseits von der Gesellschaft geprägt werden, anderseits aber auch der Körper Mitkonstrukteur der Gesellschaft ist, wird wie es im Titel von Alkemeyer „Die Vergesellschaftlichung des Körpers und die Verkörperung des Gesellschaftlichen“ schon heißt, die Interaktion und wechselseitige Abhängigkeit von Gesellschaft und Körper betont. (vgl. ALKEMEYER: 2001, S. 151-153)
In diesem Abschnitt und auch im ersten Teil der Einleitung war immer wieder von sozialen Praktiken die Rede, ohne das (ganz bewusst noch nicht) darauf eingegangen worden ist, was mit sozialen Praktiken überhaupt gemeint ist. Dies soll an dieser Stelle unter Heranziehung von
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Arbeit zitieren:
Markus Büter, 2005, Untersuchungen der Körper-Technik-Interaktion beim Skateboarding im Sportgarten Bremen, München, GRIN Verlag GmbH
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