2
d. Endokrine Störung der Hypothalamus - Hypophysen - Gonaden - Achse; sie manifestiert sich bei Frauen als Amenorrhoe, bei Männern als Interessenverlust an Sexualität und Potenzverlust. Ausnahme: Kontrazeptiva => Menstruation besteht fort.
Subtypen (laut DSM-IV/ ICD-10):
• Restriktiver Typus. Dieser Subtypus beschreibt Manifestationen, bei denen der Gewichtsverlust in erster Linie durch Diäten, Fasten oder übermäßige körperliche Betätigung erreicht wird. Wahrend der bestehenden Episode haben diese Personen keine regelmäßigen "Fressanfälle" oder "Purging"- Verhalten gehabt.
• "Binge-Eating/Purging"-Typus. (ICD-10: Bulimischer Typ) Dieser Subtypus wird verwendet, wenn die Person während der bestehenden Episode regelmäßig "Fressanfälle" hat oder "Purging"- Verhalten zeigt (oder beides). Einige der dieser Unterform zugeordneten Personen haben keine Fressanfälle, zeigen aber regelmäßig nach dem Konsum kleiner Nahrungsmengen ein "Purging"-Verhalten.
Atypische Anorexia Nervosa ICD-10: F50.1
Diese Diagnose soll für Patientinnen verwendet werden, bei denen ein oder mehr Kernmerkmale der AN (F50.0), z.B. Amenorrhoe, fehlen, bei ansonsten ziemlich typischem klinischem Bild. Patientinnen, die alle Kernsymptome in leichter Ausprägung aufweisen, werden ebenfalls am besten mit dieser Diagnose beschrieben.
Untersucher, die sich mit atypischen Formen der AN beschäftigen sind aufgefordert, ihre eigene Entscheidung über Zahl und Inhalt der geforderten Kriterien zu fällen.
Die kindliche Form der AN muss von der pubertären Form und der junger Erwachsener unterschieden werden. Bei Kindern kann auch anstelle des Gewichtsverlustes eine zu erwartende Gewichtszunahme ausbleiben (bei zunehmendender Körpergröße). Das Kind verfügt über eine bedeutend geringere Fettmasse, als der Erwachsene und sein Körper befindet sich noch im Wachstum. Dies bedeutet, dass die somatischen Folgen der kindlichen AN gravierender sind. Die Pubertätsentwicklung und das Wachstum kann zum Stillstand kommen bzw. sich verzögern.
Nach Remission wird die Pubertätsentwicklung bei verspäteter Menarche häufig normal abgeschlossen.
Symptomatik der AN:
Essverhalten:
• Weigerung zu essen
• Vorbehalte in der Öffentlichkeit zu essen
• langsames Essen, ritualisiert, immer die selben Nahrungsmittel, dieselbe Reihenfolge
• Essen wird versteckt, vorgetäuscht, dem Hund gegeben etc.
• Große Mengen kalorienarmer Speisen und Getränke werden verzehrt, „verbotene, kalorienreiche Spesen“ werden abgelehnt.
Sonstiges auffälliges Verhalten:
• Extreme Aktivität, sportliche Betätigung
• Extremer schulischer Leistungsehrgeiz
• Stimmungsschwankungen, Labilität
• Neigung zu Anpassung und Gefügigkeit bis hin zur Selbstaufgabe
• Fehlen einer eigenen Identitätsentwicklung - AN ist der Versuch, eine eigene Identität zu entwickeln, etwas zu leisten (Hilde Bruch)
• Perfektionismus
3
• meistens eine gut durchschnittliche oder hohe Intelligenz
Mentale Konstrukte, emotionales Erleben:
• abnorme kognitive Zentrierung auf Nahrung, Essen und Gewicht
• mangelnde Krankheitseinsicht
• Körperschemastörung
• Gewichtszunahmephobie
• Gefühle der Ineffektivität, Minderwertigkeitsgefühle - Wunsch nach Bestätigung von außen, große Versagensangst
• starkes Bedürfnis die eigene Umwelt/ eigenen körperlichen Bedürfnisse zu kontrollieren
• Aggressionshemmung, Hemmung von Lustgefühlen, Puritanismus
• begrenzter emotionaler Ausdruck und emotionale Wahrnehmungsfähigkeit
Soziale Beziehungen:
• zieht sich zurück, vermeidet soziale Situationen
• schwere Beeinträchtigungen des Selbstwertgefühls
• rigides Denken, begrenzte soziale Spontaneität und allzu begrenzte Initiative
Psychische Begleitstörungen, Komorbidität:
• Häufig besteht eine depressive Symptomatik
• Es können auch Angst- und Zwangssymptome beobachtet werden. Insbesondere in bezug auf Essen, Körpergewicht, Essverhalten und entsprechende Rituale.
• Alkohol-/ Drogenabusus - insbes. bei bulimischem Typus - reduzierte Kontrolle
• Wenn das Alter ab 18 Jahre: Persönlichkeitsstörungen, speziell Borderline; da diese Störung folgende Symptomatiken aufweist: Selbstverletzendes Verhalten, impulsives Verhalten, inkonstantes Beziehungsverhalten (keine stabilen Bindungen).
Verglichen mit dem restriktiven Typus der AN, haben Personen des binge -eating-purging Typus wahrscheinlich mehr Impulskontroll-Probleme. Personen des restriktiven Typus haben vermehrt Zwangssymptome.
Bemerkenswert erschient, dass Depressionen und andere psychische Störungen sowohl der Auslöser, als auch die Folge und sogar auch eine unabhängig von der AN existierende Störung sein können.
Minnesota Studie (50er Jahre) (vgl. Cuntz und Hillert ,2000, s. 37f.) Aus dieser Studie kann der Schluss gezogen werden, dass dauerhaftes Fasten zu einer nachhaltigen Störung des Essverhaltens, zu einer Reihe körperlicher Beschwerden und zu schweren affektiven Störungen führt.
2. Somatische Folgeerkrankungen
Die Anorexia Nervosa hat eine Vielzahl von bedeutsamen somatischen Symptomen, die gerade bei ambulanter Behandlung mit ausschließlicher Akzentuierung der Psychotherapie ungenügend berücksichtigt werden.
Jede deutliche Unterschreitung des Normalgewichtes ist für den Organismus potentiell bedrohlich. Um die Handlungsfähigkeit sicherstellen zu können, werden schrittweise alle verfügbaren Energiereserven mobilisiert und die für das Überleben nicht entscheidenden Aktivitäten reduziert und schließlich eingestellt. Das eingefallen- kachektische Aussehen und die medizinischen Komplikationen der Anorexie sind somit Folge eines prinzipiell gesunden Mechanismus, um den Energieverbrauch zu senken.
4
Zur Abklärung zum Arzt schicken!
Inspektion:
Kachexie Lanugobehaarung Akrozyanose, Cutis marmorata Trockene, schuppige Epidermis Minderwuchs
Endokrine Störungen:
Folgende Hormone werden zu gering produziert: Gonaden: Östrogen, Schilddrüse: T3 und T4, Nebennierenmark: Adrenalin, Noradrenalin
Folgende Hormone werden zu viel Produziert: Nebennierenrinde: Kortikoide, Wachstumshormon
Laborparameter:
Blutbildveränderungen: Anämie, Thrombozytopenie, Leukozytopenie Elektrolytstörungen Erniedrigung von: Gesamteiweiß und Albumin
Teufelskreis: Diuretika& Laxantien => Elektrolytstörungen => Ödeme => Einnahme von Diuretika => Niereninsuffizienz/ Herzinsuffizienz.
Neuro:
CT: Pseudoatrophie cerebri
Kardio-vaskuläre Veränderungen:
Bradykardie, Mitralklappenprolaps/- insuffizienz, Perikarderguss, Hypotonie
Durch Erbrechen hervorgerufene Krankheiten:
Ösophagitis Ausgeprägte Karies Schwielen an den Fingern
Nephrologie: Ca- Ausscheidung, Ödeme, Nephrocalcinose, Dehydration, Niereninsuffizienz
Störungen im Verdauungstrakt: Malabsorptions - Syndrome, schwere Obstipation, Ileus Knochenkrankheiten:
Osteoporose - (durch Östrogenmangel) Osteomalazie (durch Vitamin D Mangel)
3. Diagnostik und Differentialdiagnostik
Psychologische Diagnostik
Die psychiatrisch-psychologische Untersuchung der Essstörungen erstreckt sich einerseits auf die
§ Exploration in Form eines klinischen Interviews und andererseits
§ Auf die Erfassung von Einstellungen zu Essen, Nahrung, Gewicht und Ernährungsverhalten. Sowie das konkrete Ess- und Ernährungsverhalten. Hierbei können strukturierte Fragebögen mit Gewinn eingesetzt werden.
§ Steinhausen entwickelte einen Fragebogen zur Erfassung der Polaritätsprofile für Körperbild und Persönlichkeit (KW) zur Beurteilung der Körperschemastörung.
Arbeit zitieren:
Juliane Gerstberger, 2002, Anorexia Nervosa, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Anwendungsbereiche sowie Stärken und Schwächen von Online-Befragungen
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Seminararbeit, 14 Seiten
Das Internet als Datenerhebungsquelle in der empirischen Sozialforschu...
Hausarbeit, 24 Seiten
Juliane Schwarz - Gerstberger hat den Text Anorexia Nervosa veröffentlicht
Juliane Schwarz - Gerstberger hat einen neuen Text hochgeladen
Como Entender y Superar La Anorexia Nervosa: Ayuda Practica Para Comen...
Lindsey Hall, Monika Ostroff
My Kid Is Back: Empowering Parents to Beat Anorexia Nervosa
June Alexander, Daniel Le Grange
Treatment Manual for Anorexia Nervosa: A Family-Based Approach
James Lock, Daniel Le Grange, W. Stewart Agras
Demystifying Anorexia Nervosa: An Optimistic Guide to Understanding an...
Alexander R. Lucas
Treatment Manual for Anorexia Nervosa: A Family-Based Approach
James Lock, Daniel Le Grange, W. Stewart Agras
Hunger for Understanding: A Workbook for Helping Young People to Under...
Alison Eivors, Sophie Nesbitt
Demystifying Anorexia Nervosa: An Optimistic Guide to Understanding an...
Alexander R. Lucas
0 Kommentare