Inhalt
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'LH*UHQ]HQGHVPHQVFKOLFKHQ'DVHLQV........................................... 11
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Befindet sich der christliche Glaube angesichts der wachsenden geistigen Orientierungslosigkeit am Vorabend der spektakulären Wiedergeburt oder ist er vor dem Absturz in die Leere des Vergessens gefährdet? Das ist die Frage, die sich die Fachforscher aus verschiedenen Disziplinen, aber auch die an Religion interessierten Menschen stellen. Wenn die Antwort positiv lauten muß, dann drängt sich die andere Frage auf, und zwar wie ist es um den Menschen und seinen geistigen Zustand bestellt? Da die Religion zu den intimsten Sphären des Menschenseins gehört, taucht die Sorge um das Wohin des Menschen im Zeitalter der spirituellen Oberflächlichkeit auf.
Die etablierten konfessionellen Großkirchen bemühen sich um den Missionserfolg, wobei sie sich dessen ganz gut bewußt sind, daß die neuzeitliche Religiosität von dem selektiven konfessionsübergreifenden Synkretismus gekennzeichnet ist. Die radikale und von den überlieferten Glaubenswahrheiten getrennte Individualisierung der Suche nach dem Göttlichen steht am Scheideweg. Auch die philosophischen Systeme und andere Ersatzreligionen wollen den verwirrten Menschen ansprechen. Sie bedienen sich dabei der quasireligiösen Sprache, die manchmal geschickt hinter den eigentlichen Gedanken verborgen steht oder für die partikulären Zwecke umgewertet wird. Der gegenseitige Einfluß ist in diesem Fall nicht zu vermeiden. Das hat gewiss positive und negative Folgen für jeweilige „Parteien“, aber eine Sache wird dabei auffällig: der Kampf um den Menschen, um seine Seele und seinen Verstand ist keineswegs ausgetragen. Die neuen Dimensionen dieses Kampfes werden mit neuen Fragen(-stellungen) gemacht, zwischen denen sowohl inhaltliche Differenzen als auch rhetorische Kunstfiguren vorkommen können. Diese Hausarbeit ist ein kleiner Versuch einen von diesen Kämpfen aufzuhellen, und zwar das Gespräch zwischen der christlichen Heilslehre (Soteriologie) in ihrer reformatorischen Ausprägung (Martin Luther und Paul Tillich) und der Philosophie von Martin Heidegger, dem Zauberer von Meßkirch, wie den berühmtesten Philosophen aus der Provinzstadt in Schwaben sein Biograph Rüdiger Safranski einmal genannt hat. Martin Heidegger ist eine denkerische Größe an sich. Wenn man seine Werke liest und sein Leben dabei bedenkt, kann man sich keine Gleichgültigkeit leisten, es sei denn, daß man ihn überhaupt nicht richtig verstanden hat. Einerseits, nahezu prophetisch und in seiner Suche nach dem Sein andachtsvoll interpretiert, andererseits blasphemisch oder sogar atheistisch denkbar. Der Denker aus Leidenschaft und aus der selbstaufgeworfenen Berufung. Ein verkrachter Priester ohne seine Kirche und ohne Botschaft, der doch seine letzte Ruhe auf
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dem römisch-katholischen Friedhof in Meßkirch, unter erneuter Obhut der Kirche, finden wollte. Ob es begründet und mit seiner Philosophie übereinstimmend war, bleibt noch umstritten. 1 Es sollten hier die Überlappungen, Ähnlichkeiten aber vor allem die Divergenzen der existenziellen Philosophie und der reformatorischen Theologie erörtert werden, die sich überraschenderweise bei vielen Diskussionsfragen begegnen.
2. Das Fragen nach dem Sein und die Überwindung der
Uneigentlichkeit
„1LFKWV LVW ZDV HV LVW DOOHV VLHKW EOR VR DXV“ 2 besagt das erste Gebot der Phänomenologie vom jüdischen Philosophen Edmund Husserl, in dessen Tradition auch der Nationalsozialist Martin Heidegger lebte und dachte. Die phänomenologische Revolution ermöglichte einen ganz neuen Zugang zur Seinsfrage, obwohl die Frage nach dem eigentlichen Sein nicht ihr Anliegen war. Die Phänomenologie war die absolute Bedingung für die vertiefte Reflexion über das Wesen des Daseins, sie war der Ansatzpunkt der existenziellen Sorge um die daseinsmäßige Wahrheit.
Das Hauptinteresse der von Husserl eingesetzten Denkströmung war das Erforschen der Ursprünglichkeit in allen möglichen Formen des menschlichen Handelns und Denkens. Husserl bediente sich dabei der SKlQRPHQRORJLVFKHQ5HGXNWLRQ, die darauf abzielte, nicht das Wahrnehmungsobjekt, sondern den Prozeß, den Vorgang der Wahrnehmung zu hinterfragen. Es ging um das Verhältnis zwischen der Intention und Bewußtsein des Menschen im Aneignungsprozeß eines Phänomens. Das menschliche Bewußtsein sollte kritisch betrachtet werden, weil es nach dem hergebrachten Subjekt-Objekt-Schema die Wirklichkeit erfährt, d.h. vom Wesen des Phänomens, von seiner eigentlichen Form ablenkt: „0LWGHP([HU]LWLXP GHU SKlQRPHQRORJLVFKHQ 5HGXNWLRQ NODPPHUW PDQ GLH VRJHQDQQWH !QDWUOLFKH
:DKUQHKPXQJ HLQ XQG NODPPHUW GLH !lXHUH :LUNOLFKNHLW DXV PDQ YHUOLHUW HLQH JDQ]H :HOW DEHU QXU XP VLH ZLH +XVVHUO LQ GHQ C&DUWHVLDQLVFKHQ 0HGLWDWLRQHQ VDJW CLQ 3 Mit der Hilfe dieses phänomenologischen XQLYHUVDOHU 6HOEVWEHVLQQXQJ ZLHGHU]XJHZLQQHQ.“
Ansatzes kann Heidegger seinen eigenen Weg einschlagen. Er rezipiert die Gedanken von Husserl, um dann später weiter zu gehen und die fundamentalontologische Frage nach dem
1 Vgl. die Abschiedsrede von Bernhard Welte auf dem Friedhof in Meßkirch während der Trauerfeier von Martin Heidegger 28. Mai 1976. Welte, der nicht nur bekannter Philosoph, sondern auch katholischer Priester ist, hat auf den ausdrücklichen Wunsch Heideggers zusammen mit Pfarrer Heinrich Heidegger, dem Neffen des Philosophen, die kirchliche Beisetzungszeremonie geführt. In seiner Predigt setzte sich Welte mit der Frage auseinander, ob es im Falle des verstorbenen Heidegger angebracht sei, die christliche Botschaft zu predigen. In: Ott, Hugo: 0DUWLQ+HLGHJJHU±ZGURG]HNXELRJUDILL, Warszawa 1997, S. 290. 2 Safranski, Rüdiger: (LQ0HLVWHUDXV'HXWVFKODQG±+HLGHJJHUXQGVHLQH=HLW)UDQNIXUWDP0DLQ6 3 Ebd., S. 94.
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Sein zu stellen. Dies geschieht in seinem 1927 veröffentlichten, in der Hütte im schwäbischen Todtnauberg verfaßten und dem großen Lehrer Edmund Husserl zugeeigneten Hauptwerk, 6HLQXQG=HLW, dessen Handexemplar er aufs Totenbett seiner Mutter legte. In der Einleitung zu 6HLQ XQG =HLW beschreibt Heidegger die Notwendigkeit des erneuten Fragens nach dem Sein. Er klagt dabei die Bedürfnislosigkeit dieses Fragens und die Durchschnittlichkeit des Seins des modernen Menschen: „'LH JHQDQQWH )UDJH LVW KHXWH LQ 9HUJHVVHQKHLW JHNRPPHQ RE]ZDU XQVHUH =HLW VLFK DOV )RUWVFKULWW DQUHFKQHW GLH 0HWDSK\VLN ZLHGHU ]X EHMDKHQ $XI GHP %RGHQ GHU JULHFKLVFKHQ$QVlW]H]XU,QWHUSUHWDWLRQGHV6HLQV KDW VLFK HLQ 'RJPD DXVJHELOGHW GDV GLH )UDJH QDFK GHP 6LQQ YRQ 6HLQ QLFKW QXU IU EHUIOVVLJ HUNOlUW VRQGHUQ GDV 9HUKlOWQLV GHU )UDJH EHUGLHV VDQNWLRQLHUW 0DQ VDJW 4 !!6HLQLVWGHUDOOJHPHLQVWHXQGOHHUVWH%HJULII.“
Bevor man die fundamentalen Fragen nach dem Sein stellt, muß man sich die formale Struktur dieses Fragens vergegenwärtigen, um die bestehenden Zusammenhänge besser zu verstehen. Im Fragevollzug agieren drei Phänomene, die einer kurzen Erklärung bedürfen. Wenn sämtliches Fragen zugleich ein Suchen ist, dann hat jedes Suchen einen erkennenden Charakter des Seienden „LQVHLQHP'DXQG6RVHLQ.“ 5 Wenn man fragt, dann bedeutet es, daß es das Fragen QDFK etwas gibt, also ein *HIUDJWHV, wonach im Allgemeinen gefragt wird. Darüber hinaus gibt es ein %HIUDJWHV, das Anfragen EHL, das zu Fragen außer dem Gefragten gehört. Diese zwei Begriffe des Gefragten und des Befragten führen uns zum Ziel des Fragens: „,Q GHU XQWHUVXFKHQGHQ GK VSH]LILVFK WKHRUHWLVFKHQ )UDJH VROO GDV *HIUDJWH EHVWLPPW XQG ]X %HJULII JHEUDFKW ZHUGHQ ,P *HIUDJWHQ OLHJW GDQQ DOV GDV HLJHQWOLFK 6 ,QWHQGLHUWHGDV(UIUDJWHGDVZREHLGDV)UDJHQLQV=LHONRPPW.“
Die Veranschaulichung dieser Strukturelemente hat deshalb ihren Sinn, weil sich auch die Tätigkeit des Fragens in einem seienden Verhältnis befindet. Dabei, nach der Wahrnehmung der Kunst des Fragens oder des Sprechens überhaupt, kommt eine wichtige Unterscheidung bei Heidegger zur Sprache. Diese terminologisch-programmatische Trennung ist auch für sein Fragen nach dem eigentlichen Sein ausschlaggebend: „/lVVW VLFK GLH %HJULIIOLFKNHLW IU XQG GDV JlQJLJH 6SUHFKHQ EHU GDV 6HLHQGH WHUPLQRORJLVFK DOV RQWLVFK EH]HLFKQHQ ZLUG GLH 5HGH YRP 6HLQ UHLQ RQWRORJLVFK VHLQ PVVHQ 7URW] LKUHV
4 Heidegger, Martin: 6HLQ XQG =HLW, 18. Auflage, Tübingen 2001, S. 2. Martin Heidegger kritisiert weiter die falsche Überlegenheit gegenüber der Frage nach dem Sein und den naiven Verzicht auf das Fragens (S. 4): „'LH %HUXIXQJ DXI 6HOEVWYHUVWlQGOLFKNHLW LP 8PNUHLV GHU SKLORVRSKLVFKHQ *UXQGEHJULIIH XQG JDULP +LQEOLFNDXIGHQ %HJULII!!6HLQLVWHLQ]ZHLIHOKDIWHV9HUIDKUHQZHQQDQGHUVGDV!!6HOEVWYHUVWlQGOLFKHXQGQXUHV!!GLH JHKHLPHQ 8UWHLOH GHU JHPHLQHQ 9HUQXQIW .DQW DXVGUFNOLFKHV 7KHPD GHU $QDO\WLN !!GHU 3KLORVRSKHQ *HVHOOVFKDIWZHUGHQXQGEOHLEHQVROO.“
5 Ebd., S. 5. 6 Ebd.
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XQPLWWHOEDU HLQOHXFKWHQGHQ &KDUDNWHUV ELUJW GLH YRQ +HLGHJJHU SUDNWL]LHUWH RQWRORJLVFKH 'LIIHUHQ] HQRUPH 5lWVHO LQ VLFK +HLGHJJHU ZLUG VLFK QlPOLFK ELV ]XP (QGH VHLQHV 'HQNZHJHV IUDJHQ RE HV HLQH VROFKH RQWRORJLVFKH 'LIIHUHQ] EHUKDXSW JLEW XQG LPPHU QHXH 0|JOLFKNHLWHQ HUSUREHQ GDUXQWHU GLH GHU 'LFKWXQJ XQG GHV 6FKZHLJHQV XP GDV 6HLQ 7 K|UEDUZHUGHQ]XODVVHQ“
Im von 6HLQXQG=HLW erklärt Heidegger sein Verständnis des Daseins: „'DV'DVHLQ LVW HLQ 6HLHQGHV GDV QLFKW QXU XQWHU DQGHUHP 6HLHQGHQ YRUNRPPW (V LVW YLHOPHKU GDGXUFK RQWLVFKDXVJH]HLFKQHW GDHVGLHVHP 6HLHQGHQLQVHLQHP6HLQXP GLHVHV6HLQVHOEVWJHKW =X GLHVHU 6HLQVYHUIDVVXQJ GHV 'DVHLQV JHK|UW DEHU GDQQ GD HV LQ VHLQHP 6HLQ ]X GLHVHP 6HLQ 8 Das Dasein ist also dieses Seiende, das sich nicht bloß seiner HLQ 6HLQVYHUKlOWQLV KDW.“
Existenz bewußt ist, sondern nach dem Sein seines Daseins seiend fragt. Es geht um den verstehenden, ja hermeneutischen, Umgang mit dem Phänomen des Daseins, das die höchste, ontische Angelegenheit des Menschen ist. Es entscheidet über den Charakter der Existenz, die in der Entschlossenheit des Seins im Ganzen gelebt oder auch HQWOHEW werden kann. Nur mit der richtigen Erfassung des Daseins, kann man das Leben daseinsmäßig, d.h. in der Lichtung der Wahrheit des Seins erfahren. Das Dasein „besteht“ in einem konkreten seinsgeschichtlichen Kontext und muß daher existent aufgefasst werden: „'DV 'DVHLQ YHUVWHKWVLFK VHOEVWLPPHUDXVVHLQHU([LVWHQ]HLQHU0|JOLFKNHLWVHLQHUVHOEVWHVVHOEVWRGHU 9 QLFKWHVVHOEVW]XVHLQ.“
Das Dasein führt zur Eigentlichkeit und sie bedeutet das In-Sein, das bewusste (reflektierte) Umgehen mit der Welt, in der auch das Sein des Dasein west. Das ,QGHU:HOW 6HLQ bedeutet, daß sich das Dasein nicht außerhalb der Welt befindet oder sie als entfremdetes Etwas erfährt, sondern, daß es sich immer in dieser Welt befand. Dieses ,QGHU:HOW6HLQals die Grundverfassung des Daseins, steht für das (LQJHEHWWHW6HLQ in die Geschichte und in das Geschick der anderen, z.B. in der Gemeinschaft des Volkes, in dem die Eigentlichkeit des Seins, das postulierte Dasein, ein Faktum ist oder sein sollte. Heidegger will hier keine Verschraubungen der Terminologie betreiben, sondern das einzige, was er will, ist die triumphale Ausrufung der neuen Epoche und des neuen Reiches, und zwar des eigentlichen Seins, das in Vergessenheit geraten ist. Jedes philosophische Denken, intellektuelle Wallfahrt zur Wahrheit, muß sich am Fundament der Eigentlichkeit,
7 Grondin, Jean: 9RQ +HLGHJJHU ]X *DGDPHU ± 8QWHUZHJV ]XU +HUPHQHXWLN, Darmstadt 2001, S. 50 f. Vgl. dazu Seite 134 in 6X=: „:DV ZLU RQWRORJLVFK PLW GHP 7LWHO %HILQGOLFKNHLW DQ]HLJHQ LVW RQWLVFK GDV %HNDQQWHVWH XQG $OOWlJOLFKVWH GLH 6WLPPXQJ GDV *HVWLPPWVHLQ 9RU DOOHU 3V\FKRORJLH GHU 6WLPPXQJHQ GLH ]XGHP QRFK Y|OOLJ EUDFK OLHJW JLOW HV GLHVHV 3KlQRPHQ DOV IXQGDPHQWDOHV ([LVWHQ]LDO ]X VHKHQ XQG LQ VHLQHU 6WUXNWXU ]X XPUHLHQ.“ 8 Fn. 4, S. 12. 9 Ebd.
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am Dasein, orientieren: „'DPLW ZLUG DQJHGHXWHW GD GLH 6HLQVIUDJH GLH GULQJOLFKVWH )UDJH HLQHV MHGHQ 'DVHLQV LVW GHP HV GRFK VWlQGLJ XP GDV HLJHQH 6HLQ JHKW 'DPLW ZLUG EULJHQV GLHC1RWZHQGLJNHLWGHU6HLQVIUDJHQlKHUEHJUQGHW6LHOLHJWDQGHU8QDXVZHLFKOLFKNHLWGHU 10 Die Heideggersche Forderung des Fragens nach dem 6HLQVVRUJH IU GDV 'DVHLQ.“
eigentlichen Sein ist eine Kriegserklärung gegen jegliche unvergebliche Vereinfachung und die Sanktionierung der Weiter-So-Ideologie, die Heidegger im weiteren Teil von 6HLQ XQG =HLW, im , entlarvt.
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Martin Heidegger lebt in der „finsteren Zeit“ der Weimarer Republik. Die allgegenwärtige Unmutigkeit nach dem verlorenen Krieg, die wirtschaftliche Krise und der Ungeist der kollektiven Verwirrung scheint die ganzen Massen, ja das erschlagene Volk, ergriffen zu haben. Der Philosoph darf nicht gleichgültig bleiben und muß sich auf dem Markt der weltanschaulichen Durchschnittlichkeiten, sprich der provisorischen Verflechtung von Uneigentlichkeit, der Seinsvergessenheit und der Zuwendung zum nachkriegerischen Dolorismus, durchsetzen. Die sich ständig bekämpfenden Ideologien und Weltanschauungssystemen sowohl im philosophisch-theologischen, als auch im politischen Bereich ist der Alltag der Besorgten, der Fragenden. Die Zersplitterung des Geistes läßt die Menschen in der Dunkelheit des Uneigentlichen stecken. Es waltet das Nichts, das zugleich das formlose Alles sein kann, wenn die situationsbedingte Erklärung gegeben werden muß. In der späteren Zeit wird Martin Heidegger diesen Zustand mit der Hilfe des Gleichnisses von Platons Höhle in seiner 3ODWRQ9RUOHVXQJ vom Wintersemester 1931/32 schildern. Das was der Philosoph aus Todtnauberg betreibt, ist die rücksichtslose Kritik der Moderne, die immer ein Vorspiel zum Ausrufen eines Totalitarismus, egal in welcher Ausprägung, gewesen ist. Heidegger denkt jedoch nicht an Politik. Noch nicht. Im Bewußtsein der philosophischen Verantwortung, gegen die Kathederpropheten, die Scheinphilosophen, die er mit großer Vorliebe immer aufs schärfste kritisiert hat, wendet er sich gegen den Unmut seines Volkes, gegen den Verzicht aufs eigentliche Leben. Es ist die wohl bekannte antimodernistische Kritik, die schon die römisch-katholische Kirche durch die päpstlichen Enzyklika (z. B. das vom Papst Pius X. erklärte antimodernistische Schreiben 3DVFHQGL GRPLQLFL JUHJLV vom 1907 und auch von ihm seit 1910 im 6DFURUXP DQWLVWLWXP geforderter Antimodernismuseid für alle in Seelsorge und Lehre tätigen Geistliche) energisch
10 Fn. 7, S. 52.
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Dariusz Bruncz, 2002, Das Ringen um den Menschen – die evangelische Heilslehre und die Philosophie von Martin Heidegger, München, GRIN Verlag GmbH
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