Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Bronislaw Kasper Malinowskis Feldforschung 4
2. Malinowskis privates Tagebuch und dessen Offenbarungen 6
2. 1. Lädierte Psyche 7
2. 2. Scheitern seiner Vorsätze 8
2. 3. Weltflucht
3. Der Wert des Tagebuchs 10
4. Ein „Kulturschock ? 13
4. 1. Einsamkeit 13
4. 2. Kulturelle Schwierigkeiten 14
4. 3. Gefangener seiner Kultur 15
4. 4. Malinowskis Beitrag 16
4. 4. 1. Vorurteile 17
4. 4. 1. Verdrängung 18
5. Zusammenfassung 20
Bibliographie 21
2
Einleitung
Das erste Kapitel beschäftigt sich zunächst mit der von Bronislaw Malinowski durchgeführten Feldforschung in British Neuguinea, während der er eine neue Feldforschungstechnik, die „teilnehmende Beobachtung“ in die Praxis umsetzen wollte. Seine neue Feldforschungstechnik wird, in denen für die Arbeit relevanten Kriterien, erläutert, sowie seine damit verbundenen Hoffnungen. Die nach seinem Aufenthalt veröffentlichen Forschungen lassen ein Gelingen der Vorsätze erkennen. Kapitel 2 befasst sich mit der Diskrepanz, die bei dem Vergleich des für die Öffentlichkeit gedachten Forschungswerkes Malinowski, den „Argonauten des westlichen Pazifik“ und seinem privaten Tagebuch, auftritt. Schockierende Offenbarungen seiner Aufzeichnungen zeigen vor allem einen psychisch kranken Menschen, dessen Vorsätze in der Praxis gescheitert sind. Ebenfalls, dass er in vielem Ablenkung suchte um sich so von der Arbeit und seiner Umwelt zu distanzieren.
Eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit scheint sich beim Vergleich seiner öffentlichen und privaten Aufzeichnungen aufzutun. Da sich Malinowski in einer Ausnahmesituation befand, scheint es auf der Hand zu liegen, in der Situation der Fremde, die Begründung für seine offensichtlich schlechte psychische Verfassung zu suchen.
Kapitel 3 stellt die für einen „Kulturschock" relevanten Symptome, wie Einsamkeit und kulturelle Schwierigkeiten fest.
Kapitel 4 stellt eine andere Sichtweise dar, die eng verknüpft mit dem Begriff der Kultur ist und die davon ausgeht, dass Malinowskis Persönlichkeit und seine unbewussten Vorurteile einen entschiedenen Beitrag geleistet haben. Es wird sich zeigen, dass Malinowski ein Mensch war, der für einen objektiven Feldforscher, wiedererwartend tiefe Vorurteile gegenüber der einheimischen Bevölkerung hegte.
Die Arbeit zeigt zudem auf, dass Malinowski ein Gefangener seiner eigenen Kultur war.
3
1 . Bronislaw Kasper Malinowskis Feldforschung
Mit Bronislaw Kaspar Malinowski 1 und der Feldforschung, wurde ein neues Kapitel in der Ethnologie aufgeschlagen, welches die alten Vorstellungen, die im kolonialen Zeitalter über Kultur und die Menschen in derselben gehegt wurden, überwinden sollte.
Das koloniale Zeitalter brachte ein, wie Regina Römhild es nennt, „Sortiermuster“ 2 hervor, welches zu einem eurozentrischen und evolutionistischen Weltbild führte. „Die fremden Menschen am anderen Ende der Welt galten den Europäern als „Barbaren“, als „Wilde“, als „ Naturvölker“. 3 Weil sie im Einklang mit der Natur lebten, wurden sie als ein „Teil der Natur“ 4 angesehen und verwiesen mit der ihnen zugesprochenen Ursprünglichkeit auf die Anfänge der Menschheit. 5 Die Entdeckung, dass die „sogenannten Naturvölker eigentlich Kulturvölker“ 6 sind, führte zu dem Bedürfnis einer neuen Zugangsweise, der Feldforschung. 7 Als deren Begründer gilt Malinowski, weil er der Erste war, dem sich Dank einiger glücklicher Umstände die Möglichkeit zu einem längerem Forschungsaufenthalt bot. Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges nahm der Pionier der Feldforschung an einer Konferenz der British Association for Advancement of Sience in Australien teil und wurde dort vom Krieg überrascht. Er entkam der drohenden Internierung 8 , erhielt von der australischen Regierung die Genehmigung für seine Feldforschung und Seligman beschaffte ihm zudem ausreichend finanzielle Mittel, die er für einen längeren Aufenthalt benötigte. 9
Für die Dauer des 1. Weltkrieges stellte sich Malinowski der Erfahrung und blieb zunächst sechs Monate im südlichen Neuguinea, hauptsächlich in der Gegend von Mailu.
1 Er wurde am 07.04.1884 in Krakau geboren, promovierte 1908 in Physik und Mathematik und
begann nach zwei Jahren weiterführender Studien in Leipzig ein systematisches Studium der Anthropologie. An der London School of Economics and Political Science lernte er u.a. bei C. G. Seligman und Edward Westermarck.
1913 veröffentlichte er sein erstes großes Werk “The Family Among Australien Aborigines“
2 www. wusgermany. de Regina Römhild, Was ist eigentlich Kultur?, S.2
3 Ebd. , S. 2
4 Ebd.
5 Ebd.
6 Vgl. Ebd. , S. 3
7 Der 1846 im annektierten Teil Polens Geborene galt als österreichischer Staatsbürger und deswegen als Angehöriger einer feindlichen ausländischen Staatsmacht
8 Er erhielt die nötigen finanziellen Mittel in Form von Stipendien und einer Stiftung des Industriellen Robert Mond, die er der Vermittlung Seligmans verdankte.
4
Ein kurzen Besuch auf der Trobriand- Inseln weckte dann sein Interesse, so dass Malinowski, zweimal hintereinander -1915/16 und 1917/18 -, auf Expeditionen von je einem Jahr dorthin zurückkehrte. 10
Anfang September 1914 begab sich Malinowski auf die feucht tropische Insel Papua Neuguinea, um dort das Leben der Trobriander in „teilnehmender Beobachtung“ zu erforschen. Er hatte vor, die klassische Tradition der so genannten „rocking Arm-Chair- Anthropologie“ 11 , die gewissermaßen vom Schreibtisch aus operierte, hinter sich zu lassen. Nur „durch das direkte Erleben, das eigene Erleben in die fremde Kultur schien es möglich, die innere Ordnung der fremden Kultur aus der eigenen Erfahrung heraus zu erkennen“. 12 Von „innen heraus“ soll die neue „participant observation“, zu besseren Ergebnissen führen, da die Forscher sich zuvor nur auf Auskünfte aus zweiter Hand beschränkten. Der Inhaber des ersten Lehrstuhls für Sozialanthropologie an der Universität in Liverpool, James Frazer, bezog, wie andere es auch taten, seine Informationen über fremde Völker aus Reiseberichten, Bulletins der Kolonialverwaltung oder von Missionarsgesellschaften und er erachtete es noch als selbstverständlich, keinen näheren Kontakt zu den Eingeborenen zu pflegen. 13 Die Prinzipien der „teilnehmenden Beobachtung“ beschreibt Malinowski in der Einleitung seines 1922 erschienenen wichtigsten Werk, „Die Argonauten des westlichen Pazifik“. Prämisse für das Unterfangen war es, sich die Sprache der einheimischen Bevölkerung anzueignen 14 . Eine wichtige Forderung der teilnehmenden Methode war es, „daß man sich aus dem Umgang mit anderen Weißen herauslöst und in möglichst engem Kontakt mit den Eingeborenen bleibt.“ 15 Dies war zuvor nicht selbstverständlich. „In den Argonauten schreibt Malinowski:
„Aus diesem Eintauchen in das Leben der Eingeborenen - das ich häufig beschrieben habe, nicht nur um der Forschung willen, sondern weil jeder menschliche Gesellschaft braucht - habe ich das klare Gefühl gewonnen, dass ihr Verhalten, ihre Wesensart in allen Stammesangelegenheiten durchsichtiger und besser verständlich wurden, als sie zuvor waren.“ 16
10 Vgl. Raymond Firth, Einleitung zum Tagebuch, S. 6
11 Kohl, S. 61
12 Römhild, S. 3
13 Kohl, S.56
14 Da er seinen Aufenthaltsort wechselte benötigte er verschiedene Sprachen. Vor allem bediente er sich hauptsächlich den vier Eingeborenen- Sprachen, Motu, Mailu, Kirwinisch und Pidgin
15 Malinowski, Argonauten des westlichen Pazifik. , S. 28
16 Ebd., S. 46
5
Sein „Eintauchen in das Leben“ belegen Fotos in den Argonauten. Eines zeigt ihn zum Beispiel vor einem mitten im Dorf aufgeschlagenes Zelt n, indem der Feldforscher, abseits seiner eigenen und ihm gewohnten Kultur, gelebt haben soll. 17 „Die Notwendigkeit der vollständigen Integration des Forschers in das Alltagsleben des von ihm zu untersuchenden Stammes, erhebt Malinowski in den Argonauten, die Zeugnis vom Gelingen sind, zur Doktrin. 18 Fälschlicherweise wurde die Entdeckung der „teilnehmenden Beobachtung“, die Malinowski den Titel „Begründer der modernen Sozioanthropologie“ 19 und zudem viel Anerkennung einbrachte, zumeist zugeschrieben. Tatsächlich legte den Grundstein Franz Boas. 20 Die ihm
Öffentlichkeit gelangte 25 Jahre nach dem Tod des Forschers zu einem weniger heroischen Bild Malinowskis, als sie seine privaten Aufzeichnungen in Händen hielten.
2. Malinowskis privates Tagebuch und dessen Offenbarungen
1967 erschien die erste Ausgabe von Malinowskis privaten Feldtagebüchern, unter dem Titel „A diary in strict sense of the term“. Malinowski schrieb sie während seines Forschungsaufenthaltes und ging sicherlich nicht davon aus, dass sie Jemand zu Gesicht bekommen würde. Sie dokumentieren detailliert seine Befindlichkeiten während seines Aufenthaltes und belegen so, dass er sich neben der Erforschung fremder Kulturen vor allem der Erforschung seines Selbst widmete. Das Tagebuch vereint zwei Tagebücher. Im Vorwort spricht seine zweite Valetta Malinowski über den Weg bis zur Veröffentlichung.
Nachdem der anerkannte Professor der Anthropologie im Mai 1942 unerwartet an Herzversagen verstarb, fand Felix Gross, sein Freund und ehemaliger Schüler, bei
17 Ebd., S. 39
18 Kohl, S. 59, 60
19 Raymond Firth, Tagebuch, S. 4
20 Raymond Firth schreibt im Vorwort zum Tagebuch, dass Malinowski nach zwei Wochen festgestellt hätte, dass er die Leute zu wenig beobachtete und deren Sprache nicht sprach. „Beide Nachteile versuchte er mit energischem Einsatz zu überwinden, und dieses Bemühen war dann auch der Schlüssel zu seinen späteren Arbeiten
Franz Boas, der eigentliche Entdecker, forderte bereits wie er das selbständige Beherrschen der Sprache der Eingeborenen und ebenfalls das Teilnehmen an deren Alltag als Prämisse für wissenschaftliche Feldstudien. Aus Geldknappheit und daraus resultierendem Zeitmangel konnte er allerdings seine Ziele nur teilweise realisieren denn er musste sich, ob er es wollte oder nicht, auf die Informationen der Eingeborenen Informanten verlassen. Seine 13 Feldaufenthalte in British Columbia waren im Vergleich zu der Forschung Malinowskis sehr kurz und beschränkten sich auf höchstens einige Monate. Boas Feldforschung stand unter Zeitdruck, da ihm im die finanziellen Mittel nicht zur Verfügung standen. Aufgrund dessen war sein Aufenthalt nur begrenzt und er war gezwungen sich auf einen englisch sprechenden Eingeborenen Informanten zu verlassen
6
Arbeit zitieren:
Kirsten Rackow, 2003, Bronislaw Malinowski - Gefangen in seiner Kultur , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Lexik im "Cantar de Mio Cid"
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Erwin Guido Kolbenheyer: Paracelsustrilogie (1917 – 1925) – Ein Exempl...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 30 Seiten
Die teilnehmende Beobachtung - Malinowskis Idee und ihre Umsetzung dam...
Hausarbeit, 18 Seiten
Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos - theoretische Betrachtungen übe...
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Seminararbeit, 18 Seiten
Wechselwirkungen zwischen Personalentwicklung und Unternehmenskultur
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Masterarbeit, 84 Seiten
Kulturelle Unterschiede im internationalen Vergleich unter Heranziehun...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 50 Seiten
Der Einfluß von Attributionen auf das Verhalten in Ökologisch-Sozialen...
Psychologie - Sozialpsychologie
Hausarbeit, 28 Seiten
Die Bedeutung der symbolischen Formen Mythos und Religion für den Mens...
Seminararbeit, 15 Seiten
Weltgesellschaft bei Niklas Luhmann
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Der Faktor 'Kultur' bei Porter (Diamant), Dülfer (Schichtenmod...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 33 Seiten
Cultural Diversity in Gruppen & Teams: Notwendigkeit & Aspekte...
BWL - Unternehmensforschung, Operations Research
Hausarbeit (Hauptseminar), 46 Seiten
Raymond Williams: ,, Culture is ordinary"
Soziologie - Kultur, Technik und Völker
Ausarbeitung, 5 Seiten
Le Paysan Du Danube & Le Renard Et La Cigogne
Romanistik - Französisch - Literatur
Seminararbeit, 25 Seiten
Clifford Geertz: Die "Dichte Beschreibung" als Methode der I...
Seminararbeit, 15 Seiten
Erfolgsfaktoren interkulturell zusammengesetzter Teams
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 29 Seiten
Auguste Comte - Gründervater des Positivismus und Namensgeber der Sozi...
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Hausarbeit, 18 Seiten
Walter Benjamins Kunstwerk-Aufsatz unter besonderer Berücksichtigung d...
Literaturwissenschaft - Moderne Literatur
Seminararbeit, 32 Seiten
Giambattista Vico als Wegbereiter einer hermeneutischen Theorie in den...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Jura - Europarecht, Völkerrecht, Internationales Privatrecht
Seminararbeit, 20 Seiten
Kirsten Rackow hat den Text Bronislaw Malinowski - Gefangen in seiner Kultur veröffentlicht
Kirsten Rackow hat einen neuen Text hochgeladen
The Story of a Marriage: The Letters of Bronislaw Malinowski and Elsie...
Helena Wayne, Elsie Masson, Bronislaw Malinowski
The Early Writings of Bronislaw Malinowski
Robert Thornton, Peter Skalnik, Ludwik Krzyzanowski
Malinowski Amongst the Magi: The Natives of Mailu: Bronislaw Malinowsk...
Bronislaw Malinowski, B. Malinowski, Malinowski
Das neue Unbehagen in der Kultur und seine Folgen für die psychoanalyt...
Margret Dörr, Josef Christian Aigner
The Father in Primitive Psychology and Myth in Primitive Psychology: [...
Bronislaw Malinowski, B. Malinowski, Malinowski
A Scientific Theory of Culture and Other Essays: [1944]
Bronislaw Malinowski, B. Malinowski
0 Kommentare