1. Einleitung
Kinder die unter ungünstigen Sozialisationsbedingungen aufgewachsen sind, zeigen oftmals Verhaltensabweichungen. Diese Auffälligkeiten ergeben sich meistens aus den besonderen Lebensläufen der jungen Menschen. In der Institution Heim gibt es dafür spezielle Therapien, die den Jugendlichen helfen sollen, das Erlebte zu verarbeiten. Diese therapeutischen Angebote finden leider nur ein bis zwei Stunden in der Woche statt, deshalb spielt die Erziehung in der Gruppe eine große Rolle, da hier der Lebensmittelpunkt der jungen Menschen ist. Doch wie funktioniert die Institution Heimerziehung? Was muss beachtet werden, wenn man bestimmte Ziele erreichen will? Was geschieht bei der Neuaufnahme eines Kindes? Ist es notwendig seine Kollegen in die Belange des Kindes einzuweihen?
Genau diese Fragen möchte ich mit meiner Seminararbeit beantworten. In meiner Arbeit werde ich zuerst kurz erklären, was man unter dem Begriff der Heimerziehung versteht. Anschließend werde ich auf die Bedeutung der Teamarbeit eingehen. Weitere Punkte, die ich in meiner Arbeit ansprechen werde, ist die Situationsanalyse, sowie die darausfolgende Ableitung von Erziehungszielen und -aufgaben. Leider ist es mir nicht möglich auf alle Methoden der Heimerziehung einzugehen, da diese den Rahmen meiner Arbeit sprengen würde.
2. Der Begriff der Heimerziehung
Heimerziehung ist eine Institution der Jugendhilfe, die im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG bzw. SGB VIII) verankert ist.
Personensorgeberechtigte eines Kindes oder Jugendlichen haben Anspruch auf Hilfe, wenn das Wohl oder die Erziehung des Kindes innerhalb der Familie nicht gewährleistet werden kann und eine Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist. Kinder und Jugendliche werden aufgrund von Störungen oder Auffälligkeiten aus ihrem gewohnten Lebenskontext herausgenommen und in unterschiedlichen Einrichtungen untergebracht. Die Heimerziehung gehört zu den stationären Formen der
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Hilfen zur Erziehung und wird damit über Tag und Nacht außerhalb der Familie des Kindes oder Jugendlichen durchgeführt. „Es geht somit nicht um die Unterordnung des Kindes/ Jugendlichen unter eine pädagogische Diagnostik oder einen Heimzweck, sondern um professionell betreute Lebensorte als gleichberechtigte Alternative im Kanon verschiedener Lebensformen.“( Kupffer/ Martin 2000; S.16) Es gibt hierbei eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensorte und Sozialräume, wie zum Beispiel: Einrichtungen mit einer oder mehreren Gruppen, heilpädagogische und therapeutische Heime, Kinder- und Jugendnotdienste, Aufnahme- und Klärungsstellen, Kinderdörfer, Wohngemeinschaften, sozialpädagogisch betreutes Wohnen und Kinderhäuser. Diese Hilfe wird in der Regel zeitlich befristet geleistet mit dem Ziel, eine Rückkehr in die Herkunftsfamilie nach Verbesserung der dortigen Erziehungsbedingungen zu ermöglichen. Der Wechsel in eine andere Familie oder die Verselbstständigung des Jugendlichen kann auch infrage kommen.
3. Methodische Vorgehensweise
Wird von methodischer Vorgehensweise im Arbeitsfeld Heimerziehung gesprochen, dann sind damit Erkenntnisse der Pädagogik, Psychologie, Heilpädagogik und aus anderen Sozialwissenschaften gemeint. Die Anwendung von Erfahrungswerten aus diesen Bereichen ist nicht nur erfolgsversprechend, sondern kann dem Ziel einer Entwicklungsförderung bei den Klienten dienen.
„[...]das Rollenverständnis des Erziehers, seine berufliche Identität und die damit in Zusammenhang stehenden pädagogischen Grundhaltungen bilden die Basis einer effektiven pädagogischen Arbeit. Diese Grundhaltung erscheint unverzichtbar, sie reicht allerdings in isolierter Daseinsform alleine nicht aus, um erfolgsversprechend arbeiten zu
können.“(Günder,R.1989; S.62)
Handlungsschritte müssen folgen, die im Vorfeld sorgfältig geplant werden. Außerdem ist es wichtig, dass der Erzieher erkennt, welche Vorgehensweise
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nach einer Situationsanalyse notwendig ist und wie er diese konkret umsetzt, um an gemeinsam vereinbarte Ziele zu gelangen. Die Umsetzung selbst, müsste durch Kontrollmechanismen verändert werden können, da diese oft Schwierigkeiten bereitet. Trotzdem wird spontanes pädagogisches Verhalten gegenüber jungen Menschen notwendig bleiben, wenn es die aktuelle Situation erfordert. Spontaneität kann aber auch zu ungünstigen Resultaten führen, wenn diese nicht aus einer reichlich pädagogischmethodischen Denkweise heraus erfolgt. „Die Planbarkeit sozialpädagogischer Handlungsabläufe wird als grundlegende Voraussetzung methodischen Vorgehens verstanden. Unverzichtbar ist hierbei die Zielgerichtetheit methodischen Handelns, Ziel und Methode beeinflussen und verändern sich wechselseitig.“( Günder, R..1989; S.62/ 63)
Es gibt also drei Merkmale professionellen Handelns: Zielgerichtetheit, Planmäßigkeit und Folgerichtigkeit, sowie die spezifische Handlungsstruktur.
3.1 Zielgerichtetheit
Die Formulierung von Erziehungszielen stellt den ersten Schritt der konzeptionellen Vorbereitung pädagogischen Handelns dar. In der Heimerziehung mit jungen und meist schwierigen Menschen ist es wichtig von globalen Erziehungsstilen, wie der optimalen Entwicklung, Kompetenz, Eigenständigkeit etc., Abstand zu nehmen und sich auf individuelle Bedürfnisse zu konzentrieren und die besonderen Ausgangslagen der Klienten zu berücksichtigen. Gerade in solchen Situationen besteht die Gefahr, dass die Erzieher sich von persönlichen Vorerfahrungen leiten lassen, die Wunschvorstellungen enthalten und deshalb unterfordernd oder überfordernd sein können. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, dass die Erziehungsstile nicht nur als offen, sondern auch als veränderbar betrachtet werden.
“Wir werden uns daher an allumfassenden Fernzielen und an differenzierten Nahzielen orientieren zu haben. Die Nahziele müssen jedoch
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vom Charakter auch offen sein, ihre Bestimmung gibt das Kind oder der Jugendliche durch vorliegende Bedürfnisse, Verhaltensweise und Reaktionen vor.“ (Günder, R. 1995; S.118)
3.2 Planung
Die pädagogische Planung sowie die Realisierung von ausgearbeiteten Strategien und Zielen ist nicht die Aufgabe eines einzelnen Erziehers, sondern von mehreren Personen. Bei der Umsetzung von Erziehungsplänen müssen Prioritäten bei der Verfolgung von einzelnen Zielen gesetzt werden, da das gleichzeitige Angehen aller Probleme nicht durchführbar ist. Es ist wichtig, dass die Mitarbeiter einbezogen werden, da diese auch betroffen sind. Dies äußert sich besonders im Gruppenleben, im Falle der Heimleitung, bei Psychologen oder anderen Experten. Deshalb ist die Kooperation und Koordination von verschiedenen Personen notwendig und sollte relativ reibungslos verlaufen.
4. Teamarbeit
Teamarbeit bildet die Grundlage für das Zusammenspiel der einzelnen Mitarbeiter in einem Heim.
„Teamarbeit kann und darf nicht Selbstzweck, sondern soll Instrument und Hilfe bei der Bewältigung der vielfältigen Aufgaben und Probleme von Mitarbeitern sein.“ (Flosberg,P. 1988; S.50/51) Unter Teamarbeit ist also die gegenseitige Ergänzung und selbstständige Kooperation zu verstehen. Das Team, welches durch die emotionalen und sozialen Bedürfnisse ihrer Mitglieder mitbestimmt wird, verfolgt eine gemeinsame Aufgabe. Um diese gemeinsame Aufgabenstellung zu lösen, werden Projekte entwickelt, Entscheidungen getroffen, gemeinsame Ziele festgelegt und deren Erreichung verfolgt. Um eine dynamische Struktur zu erlangen, müssen die Verantwortlichkeiten der einzelnen festgelegt werden. In den meisten Fällen sind die Mitglieder eines Teams unterschiedlich
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Arbeit zitieren:
Madeleine Peißker, 2005, Heimerziehung - Teamarbeit, Situationsanalyse und die Erstellung von Erziehungszielen, München, GRIN Verlag GmbH
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