Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Der Literaturkritiker und seine Zeit 2
2 . 1 Der Literaturkritiker Wissarion Grigoriewitsch Belinskij 2
2 . 2 Die Zeit und der Zeitgeist des Realismus im 19. Jahrhundert 2
2 . 2 . 1 Der Fortschritt und seine Gegner 4
2 . 2 . 2 Der Charakter der Literatur in den Jahresüberblicken 5
2 . 2 . 3 Die Natürliche Schule 5
2 . 3 Die führenden Gattungen und ihre Autoren 7
3. Ein Blick auf den Realismus in Turgenev’s „Zapiski ochotnika“ 8
3 . 1 Turgenev und sein Leben 8
3 . 2 Der Sammelband „Zapiski ochotnika“ und seine Auswirkung 9
3 . 3 Die Erzählung „Chor i Kalinyč“ 10
4. Zusammenfassung 12
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1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, den russischen Realismus als sich im 19. Jahrhundert entwickelnden Literaturstil vorzustellen und zwar durch den Blick W. G. Belinskij’s in seinem Artikel „Blick auf die russische Literatur im Jahre 1847“ und durch die Erzählung I. S. Turgenev’s „Chor i Kalinyč“ als Beispiel dieser Epoche. Im Folgenden werden zuerst der Literaturkritiker Belinskij als Persönlichkeit und Schöpfer in seinem ereignisvollen Zeitalter und anschließend der Schriftsteller Turgenev und sein Sammelband „Zapiski ochotnika“, aus dem als Beispiel die Erzählung „Chor i Kalinyč“ vorgestellt wird, in Betracht gezogen.
2. Der Literaturkritiker und seine Zeit
Wissarion Grigoriewitsch Belinskij lebte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und war Zeitgenosse einer Reihe berühmter russischer Schriftsteller wie N. V. Gogol, I. S. Turgenev und F. M. Dostoevskij. Er ist einer der großartigsten Literaturkritiker, die der Welt bekannt sind. Auch heutzutage sind seine kritische Aufsätze und Artikel über die Literatur aktuell.
2. 1 Der Literaturkritiker Wissarion Grigoriewitsch Belinskij
W. G. Belinskij wurde am 11. Juni 1811 in Sveaborg geboren und starb am 7. Juni 1848 kurz vor seinem 37-sten Geburtstag in St. Petersburg. Schon im Schulalter kannte er die Werke von Puškin, Žukovki, Shakespeare und Goethe. Sein wachsendes Interesse für die Literatur entwickelt sich mit den Jahren, wird zu seinem Schicksal und prägt schließlich sein ganzes Leben.
2. 2 Die Zeit und der Zeitgeist des Realismus im 19. Jahrhundert
Das Jahrhundert, in dessen erster Hälfte Belinskij lebte, ist von einer Reihe historischer Ereignisse gekennzeichnet, die das Leben und das Denken der Menschen in Russland veränderte - der Krieg gegen Napoleon, der Aufstand der Dekabristen, zahlreiche Revolten, die Aufhebung der Leibeigenschaft.
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Das letzte war in Russland das qualvollste und meist kritisierte und diskutierte Problem, das zum Thema zahlreicher Werke wurde.
Am Anfang des 19. Jahrhunderts ist noch der Romantismus als Literaturstil dominierend, der überall in Europa seit der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts herrscht. Diese Literaturepoche nähert sich gegen Mitte der 30er Jahre ihrem Ende - 1833 erscheint Puškin’s Roman „Evgenij Onegin“, der heftige Diskussionen hervorruft, da es dem für den Romantismus typische Schreibstil nicht entspricht. Damit bekam die Literatur in Russland einen Stilrichtungswechsel zu spüren.
Mit dem Erscheinen des ersten Teils von Gogol’s „Tote Seelen“ ist die Existenz der neuen Stilrichtung endgültig real geworden. Der Realismus löst den Romantismus ab, obwohl dieser seinen Namen noch nicht behauptet hat. Als Begriff wird der Realismus erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts definiert.
Wie auch viele andere Begriffe hat auch der Begriff Realismus als Literaturstil keine einheitliche Definition gefunden. Ich beziehe mich auf die von Metzler Lexikon, wo die Problematik einer genauen Definition sogar als erstes erwähnt wird: „…die andauernden Definitionsprobleme des Realismus ergeben sich aus der historisch gewachsenen Fülle des Begriffs, der sich […] auf eine Epoche, auf ein literarisches Programm und auf einen übergreifenden Stil beziehen lässt.“ 1
Als „historisch gewachsene Fülle“ sind die dynamischen Veränderungen in der Gesellschaft und dementsprechend auch in der Literatur gemeint. Sie bewegen viele Denker, Philosophen, Schriftsteller und geben ihnen neue schöpferische Impulse, über die Ereignisse nachzudenken, sie zu beschreiben und zu beurteilen. Einer davon ist der Literaturkritiker Wissarion Belinskij. Er nennt die Schristeller von Gogol bis Tolstoj Vertreter der „Natürlichen Schule“ („natural'naja škola“), dessen Werke er folgenderweise beschreibt: "...vernoe vosproizvedenie dejstvitel'nosti, so vsem ee dobrom i zlom, so vsemi ee žitejskimi drjazgami." 2
1 Metzler Lexilon Literatur- und Kulturtheorie: Ansätze - Personen - Grundbegriffe. Stuttgart/Weimar 2004, S. 560
2 Belinskij, W. G.: Polnoe sobranie sočinenij. Stat’i i recenzii 1846-1848. Moskva 1956. S. 291
3
Was die Schriftsteller gemeinsam haben, ist der enorme Fortschritt, den sie durch den Drang nach dem Neuen, leisten. Sie widersetzen sich der alten Tradition und finden einen neuen Weg in der Literatur, die Wirklichkeit zu schildern, in dem sie diese natürlich, ohne einem falschen und gehobenen Ideal zu dienen, beschreiben.
2. 2. 1 Der Fortschritt und seine Gegner
Belinskij beginnt seinen Artikel über die Literatur im Jahre 1847 mit ein Paar philosophischen Überlegungen über seine Zeit. Er stellt fest, dass jede Veränderung im Leben der Gesellschaft von den einzelnen Menschen unterschiedlich interpretiert werden kann. Das ist zu seiner Zeit so gewesen und ist es heute noch - für einige ist die Veränderung der Dinge etwas Gutes, für anderen Schlechtes - das ist vom persönlichen Standpunkt abhängig. Und der Grund dafür ist ein einfacher: „zlo i dobro opredeljaetsja bolšeju častiju ličnym položeniem každogo“ 3
Für diejenigen, die die Zeit als Ganzes betrachten und darüber nachzudenken versuchen, bedeutet die Veränderung eine Entwicklung der Gesellschaft, also einen Fortschrit ("progress"). Damit man aber eine Veränderung in der Gesellschaft als einen Fortschritt sehen kann, muss man seine persönlichen bei Seite lassen und sich Gedanken über die Auswirkungen der Veränderungen in der Gesellschaft als Ganzes machen. Und das bewegt Belinskij und er beschreibt diesen Fortschritt als „izmenenie ponjatii i nravov obščestva, sledovatel'no razvitie obščestvenoj žizni […] chod prered, sledovatel’no ulučšenie, uspech, progress“ 4
Doch es gibt verschiedene Gründe dafür, dass die Veränderungen als etwas Negatives angesehen werden. Betrachtet man die Veränderungen als einen Fortschritt, so sind die Feulettonisten gar nicht damit zufrieden. Das Wort mögen sie einfach nicht: es ist nicht von ihnen erfunden oder eingeführt und ist im Umlauf ohne ihre Meinung darüber zu brauchen. Und immerhin halten sich die Feulettonisten als große Denker und Verkünder der Wahrheit.
3 Belinskij, W. G.: Polnoe sobranie sočinenij. Stat’i i recenzii 1846-1848. Moskva 1956. S. 280
4 Belinskij, W. G.: Polnoe sobranie sočinenij. Stat’i i recenzii 1846-1848. Moskva 1956. S. 280
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Quote paper:
Lilia Kotcheva, 2005, Belinskijs Blick auf die russische Literatur im Jahre 1847 als Definition von Realismus und Turgenevs Chor und Kalinyc als Kennzeichen der Epoche, Munich, GRIN Publishing GmbH
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