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Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
I Die französische Aufklärung und ihr letzter Genius: Jean- Jacques Rousseau
a) Sapere aude - Das Zeitalter der Aufklärung im Frankreich des 18 Jahrhunderts:
Ideale und Grundideen 4
b) Jean- Jacques Rousseau: Forschungsbild und Leben
des Genfer Philosophen 5
II Rousseaus Zivilisationskritik und der Naturzustand
a) Machenschaften der Intelligenz: Rousseaus Kritik an den
Wissenschaften und Künsten 7
b) Das Übel der zivilisierten Gesellschaft: Kritik am Umgang
unter den Menschen 8
c) Hinaus aus der Zivilisation Der Entwurf des Naturzustandes
als Gegenbild der zivilisierten Gesellschaft und Ideal der Menschheit 10
d) Anthropologischer Exkurs - Die Enstehung des Bösen
in der Gesellschaft oder die Frage nach dem Ursprung der Ungleichheit 12
III Schlussbetrachtung - Rousseaus Kritik an der Zivilisation
interpretiert als Umwertung der Ideen der Aufklärung: Ergebnisse
und Auswertung 13
Bibliographie 15
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Einleitung
Das 18. Jahrhundert in Frankreich war reich an großen Ereignissen. Es war die Zeit der französischen Aufklärung, der absolutistischen Monarchie und der großen Revolution 1789. Darüber hinaus war es die Blütephase der Literatur und Philosophie, die neue Denkansätze für den Menschen formulierten. Einer der populärsten Autoren war fraglos der Genfer Jean-Jacques Rousseau. Sein Leben war das eines widersprüchlich und rastlosen Genius. Er war nicht nur Aufklärer und gefeierter Schriftsteller, sondern gleichwohl Vordenker der Romantik und bekennender Republikaner. Was ihn interessant macht, ist sicherlich seine Vielseitigkeit. Sowohl Staatstheoretiker und Philosophen als auch Erzieher und Musiker haben ihn für sich entdeckt. In der vorliegenden Arbeit soll allerdings nur ein Bruchteil seines Werkes untersucht werden. Es geht um die Auseinandersetzung mit Rousseaus Kritik an der Zivilisation und seine Verurteilung der kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Frankreich des 18. Jahrhunderts.
Im Mittelpunkt steht dazu die Frage nach den Inhalten seiner Kritik, und welche Ideale und philosophischen Ideen er im Gegenzug entwickelt. Grundlage sind die kulturpolitischen Schriften wie der „Discours sur les sciences et les arts” 1 und der „Discours sur l'origine de l'inégalité” 2 . Im ersten Teil der Arbeit folgt ein kurzer Einblick in die Grundgedanken der Aufklärung und Biographie Rousseaus. Der zweite Teil widmet sich der Analyse der Kulturkritik und Rousseaus philosophischen Gegenmodell, dem „Naturzustand”. Außerdem wird auf Rousseaus Beantwortung der Frage einzugehen sein, wodurch der kulturelle und gesellschaftliche Werteverfall in die Wege geleitet wurde. Eine Schlussfolgerung unter Berücksichtigung der Ergebnisse findet schließlich im dritten Teil statt, der noch einmal einen Zusammenhang zwischen der Aufklärung, der Kulturkritik und dem Naturzustand geben soll.
In der Forschung ist Rousseaus Zivilisationskritik kein neues Thema. Zu nennen sind u.a. die Arbeit von Iring Fetcher 3 und der erst kürzlich erschienene Artikel von Liisa Saariluoma 4 , die sich beide mit Rousseaus kulturpolitischer Philosophie beschäftig haben. Fetcher interpretiert die Kulturkritik
Saariluoma hingegen deutet in ihrem literaturtheoretischen Vergleich zwischen Rousseau und Tournier auf die moralische Dimension der Zivilisationskritik hin, die im unmittelbaren Zusammenhang mit der Konstruktion des Naturzustandes stehe.
1 Rousseau, Jean- Jacques, Kulturkritische und Politische Schriften in 2 Bd., hrsg. von Fontius, Martin, Berlin 1989.
2 Rousseau, Jean- Jacques, Diskurs über die Ungleichheit, hrsg.von Heinrich Meier, Paderborn 1984.
3 Fetcher, Iring, Rousseaus politische Philosophie, Frankfurt/ Main ³1975.
4 Saariluoma, Liisa, Hinaus aus der Zivilisation, in: Germanorisch- romanische Monatszeitschrift, 1997, bd. 47.
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I Die französische Aufklärung und ihr letzter Genius: Jean- Jacques Rousseau
a) „Sapere aude!” - Das Zeitalter der Aufklärung im Frankreich des 18. Jahrhunderts:
Ideale und Grundideen
„Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen – ein Ozean.”
Isaac Newton
„Habe den Mut, dich deines Verstandes zu bedienen!” - Mit diesen Worten umriß Immanuel Kant im 18. Jahrhundert das Grundbedürfnis einer neuen in Europa aufkeimenden philosophischen Denkrichtung, die den Verstand als Motor und Antrieb für das Hinterfragen von politischen, religiösen und gesellschaftlichen Autoritäten postulierte. 5 Überholt war blinder und unkritischer Gehorsam und es galt, sich selbst und seine Welt verstehen zu lernen, alte, teilweise selbstverständliche Auffassungen anzuzweifeln, zu beleuchten und nach ihrer Legitimation zu fragen. Mit der Aufklärung geriet die Macht der Könige ins Wanken. Die Kirche sah sich als jahrhundertalte Sicherheit und Schutz spendende Institution und Zufluchtstätte der Menschheit in ihrer Funktion und Zweckmäßigkeit schärfster Kritik ausgesetzt. Es entstand ein eifriges Interesse an der Wissenschaft und am Wissen überhaupt, das einem das Rätsel der Welt und die Geheimnisse der Schöpfung Gottes zu entschlüsseln versprach. Allem voran wurden Nikolaus Kopernikus, Galileo Galilei, Descartes, Martin Luther oder Johannes Calvin als Gelehrte und Vorkämpfer der Aufklärung gefeiert. Nicht zuletzt stand die Wissenschaft symbolisch für Fortschritt und Erhellung. Man glaubte daran, dass die Wissenschaft die Menschheit aus der Dunkelheit der Unwissenheit führe und zum unbeschwerteren und darüber hinaus glücklicheren Leben beitrüge. So heisst es beispielsweise bei Baron Dietrich von Holbach, dem Autor von „System der Natur”: „Science, reason and liberty alone can cure them (men) and make them happier” 6 .
Indes setzten sich in der Politik mehr und mehr Gedanken einer freieren und menschlicheren Gesellschaft durch. Es wurde über Reformen und Grundsätze diskutiert wie religiöse Toleranz, Abschaffung der Zensur und Folter, der Leibeigenschaft und Sklaverei. Außerdem gab es den Wunsch nach freier Marktwirtschaft und einer regulären Absicherung der Persönlichkeitsrechte, gefolgt von dem Anspruch auf Mitsprache bei politischen Entscheidungen.
In Frankreich ging mit der Aufklärung die Blütephase der Akademien und der Salongesellschaften einher. So stellte Daniel Roche fest, dass es zwischen 1715 und 1760 allein zu 20 Neugründungen
5 Vgl. Tölle, Marianne (hrsg.): Wie sie damals lebten im Frankreich der Aufklärung, Hamburg 1999, S. 6.
6 Garrard, Greame, Rousseau's Counter- Enlightenment, New York 2003, S. 14.
7 Vgl. Roche, Daniel, Die “Sociétés pensées” und die aufgeklärten Eliten in Frankreich, in: Gumbrecht (hrsg.),
Sozialgeschichte der Aufklärung in Frankreich, München; Wien 1981, S. 81.
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und Gesellschaft ins Gespräch zu kommen. 8 Charakteristisch für die Zeit war ebenso das wachsende Interesse an Büchern und am Lesen, ein Phänomen, die etwa den unglaublichen Erfolg Diderots Enzyklopädie erklären dürfte, das anfangs 1745 noch als kleines Projekt begann und später von vielen namhaften Köpfen der französischen Literaturszene, den “philosophes”, wie Voltaire, Rousseau, Jaucourt, D'Alembert getragen und mit wissenschaftlichen Artikeln und Essays zu Themen der Philosophie, Naturlehre, und Politk versehen wurde. 9 Zeitlich betrachtet fällt die französische Aufklärung zwischen die Jahre 1660 und 1800, beginnend mit der Amtszeit Ludwigs XIV., dem „Sonnenkönig” (1643- 1715), der schon zu seinen Lebzeiten die Kunst und Wissenschaft als Staatsangelegenheit erklärte und damit vielerlei Künstler und Freigeister an das neu erbaute und in seinem Prunk und seiner Architektur bis dato weltweit einmalige Schloss Versailles, nahe der Stadt Paris, holte. 10 Mit dem Ausbruch der französichen Revolution und dem Zusammensturz der Monarchie unter Ludwig XVI. und der völligen Bankrotterklärung des französischen Staates fand die französiche Aufklärung ihr Ende.
b) Jean- Jacques Rousseau: Forschungsbild und Leben des Genfer Philosophen
Wer versucht ein klares Bild des Literaten und französischen Gelehrten Jean-Jacques Rousseau zu zeichnen, dürfte über kurz oder lang enttäuscht werden. Über keinen Autor ist seit dem 18. Jahrhundert schärfer und widersprüchlicher diskutiert worden als über Jean-Jacques Rousseau. Der Dresdner Romanist Victor Klemperer bezeichnete Rousseau als einen der stärksten Fanatiker, den das 18. Jahrhundert in Frankreich vor der Revolution hervorgebracht hätte und dessen politische Philosophie im Faschismus des 20. Jahrhunderts gedanklich wieder zu finden sei. 11 Weniger negativ und mit dem Missverständnis aufräumend, Rousseau sei ein abstrakter und weltfremder Denker, beschreibt Iring Fetcher Rousseau als einen modernen Verehrer der antiken Polis- Demokratie, dem das Bestreben um Moral und Sitte in einer von Fortschritt und Wirtschaft bestimmten Gesellschaft am Herzen gelegen hätte. 12 Heinrich Meier betont im Vorwort zu Rousseaus „Discours sur l'inégalité” das überaus schriftstellerische Talent des Philosophen, der auf kunstvollem und gleichzeitig anspruchsvollem Wege die Schranken der französischen Zensur umgehen konnte, ohne einen Funken an Qualität und kritischer Essenz einbüßen zu müssen. 13 Martin Rang hingegen hebt in seiner Arbeit über „Rousseaus Lehre vom Menschen” die besonders
8 Vgl. Roche, Daniel, La France des lumières, Paris 1999, S. 398f.
9 Vgl. Vartaniam, Aram, Science and Humanism in the French Enlightenment, Charlottesville 1999, S. 92ff., und auch: Störig, Hans Jochaim, Kleine Geschichte der Philosophie, Stuttgart 2004, S. 422f.
10 Vgl. Tölle, Wie sie damals lebten, S.8.
11 Vgl. Klemperer, Victor, LTI, Leipzig 1968, S. 65f und vgl. auch: Rousseau, Jean- Jacques, Kulturkritische und Politische Schriften, S. 5f.
12 Vgl. Fetcher, Iring, Rousseaus politische Philosophie, S. 16.
13 Vgl. Diskurs über die Ungleichheit, S. 30.
Arbeit zitieren:
André Schmiljun, 2006, Rousseaus Zivilisationskritik, München, GRIN Verlag GmbH
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