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1. Einleitung
Der französische Schriftsteller Emile Zola (1840 - 1902), Hauptvertreter des naturalistischen Romans, lebte in einer Zeit, in der die geistige und politische Situation in Europa durch einen ungebrochenen Glauben an den Fortschritt und die Naturwissenschaft geprägt war. Die “Wirklichkeit“ trat in den Mittelpunkt von Philosophie, Politik, Ökonomie, Literatur und Kunst. Allgemeine ethische Werte traten zugunsten der Anerkennung und Beobachtung der realen Gegebenheiten zurück. Ausgehend von dieser Grundlage entwickelte sich der Positivismus 1 , der jegliche metaphysischen Überlegungen ablehnte. Allein Tatsachenbehauptungen und die aus Erfahrung und Beobachtung erwachsene Erkenntnis (Empirismus), das “Positive“, haben für die Theoriebildung Gültigkeit. Ebenso gehörte zur Politik und Geist der Zeit die Theorie des Historischen Materialismus von Karl Marx und der Historismus. Außerdem beherrschten zwei Grundideen die Politik im 19.Jahrhundert: der Konservatismus und Liberalismus. Für weite Teile der Unterschicht- Arbeiterschaft, Kleinbürger und Heimarbeiter- waren die Wohn- und Lebensverhältnisse von äußerster Bescheidenheit. Dem entsprechend waren auch die hygienischen Verhältnisse miserabel. Tuberkulose war als Folge dessen eine weitverbreitete Krankheit bei der arbeitenden Bevölkerung. Von der Unterschicht und dem Proletariat hebte sich das Leben des gutgestellten Bürgertums deutlich ab.
In dieser Zeit entwickelte sich der Naturalismus, der häufig mit dem Realismus 2 gleichgestellt wird, da deren Abgrenzung umstritten ist.
Nach dieser kurzen Erläuterung der historischen Hintergründe, wird sich diese Seminararbeit im Folgenden mit Zola und den Naturalismus beschäftigen, wird das Leben Emile Zolas schildern, sowie die Entstehung und Auswirkungen des Naturalismus.
1 begründet von dem französischen Philosophen und Mathematiker Auguste Comte.
2 Im Allgemeinen handelt es sich beim Realismus um eine Stilrichtung, die auf objktive Betrachtung und sachgetreuer Darstellung der Wirklichkeit beruht. Im engeren Sinne ist es eine europäische literarische Strömung um etwa 1830 bis 1880, dessen Vertreter u.a. Balzac und Flaubert sind.
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2. Emile Zola
2.1. Sein Leben
Emile Zola wurde am 12. April 1840 in Paris geboren. Sein Vater François Zola, ein ehemaliger Offizier, war venezianischer Emigrant in Frankreich, der als energisch, einfallsreich und als ein Unternehmer galt, der niemals zu entmutigen war. Er leitete als Ingenieur ein großes Kanalisations-Projekt in der Aix-en-Provence, auf deren Baustelle er 1847 einen frühen Tod starb. Nach einem Zitat von Henri Mitterand 3 hinterließ er seinem Sohn “une image fortement valorisée, et, sans doute, l´idée d´une création à continuer, d´un nom à imposer. Peut-être aussi la stature de ses personnages les plus entreprenants, les plus dominateurs“ (z.B. Eugène Rougon).
Emile Zolas Mutter Emilie blieb nach dem Tod des Vaters in Aix. Erst 1858 verschlechterte sich ihre finanzielle Situation, so daß sie zu ihrer Familie in Paris zurückkehrte. Zola fühlte sich dort ausgeschlossen, obwohl er von Paris als Stadt begeistert war. Zwei Versuche sein Abitur zu machen scheiterten, so dass er 1860 schließlich Angestellter beim Pariser Zoll wurde. Dort blieb er jedoch nicht lange und lebte als Bohemien 4 . Durch beliebige kurze Betätigungen, verdiente er etwas Geld, mit dem er sich ein Zimmer mietete, was aber nicht ausreichte, um zu heizen und genug zu Essen zu kaufen. Mit etwas geliehenem Geld von seiner Mutter reiste er in die Provence. Er schrieb Gedichte, Märchen, Essays, lange Verserzählungen und schwärmerische Briefe an seine Freunde in Aix, die aber allesamt nicht veröffentlicht wurden.
1862 stabilisierte sich die Situation durch eine Beschäftigung im Verlagshaus Hachette, wo er als Packer in der Vertriebsabteilung arbeitet, schon bald aber als Verantwortlicher für die Reklame fungierte. Dadurch verschaffte er sich auch Verbindungen und begann ins Pariser Kulturleben vorzudringen. 1864 erschien sein erstes Buch Contes à Ninon, eine Sammlung sentimentaler Erzählungen. Er schrieb nun auch für Zeitungen Glossen, Chroniken und Kritiken, und dies mit Begeisterung und viel Arbeitsaufwand sein ganzes Leben lang. Besonderes Aufsehen erregte der Journalist Zola mit seinen Kunstkritiken. Durch seinen Schulfreund Paul Cézanne war er in Pariser Malerkreise eingeführt worden, war persönlicher Freund von Manet, Monet, Pissaro und Courbet und verteidigte seit 1866 furios den jungen
3 aus Zola et le naturalisme ; S.7 (s. Bibliographie !).
4 Ausgehend vom Symbolismus, führte die bewusste Abkehr vom bürgerlichen Leben, in ihrer Protesthaltung zur Entstehung eines neuen Typs, des “Bohemien“, der absichtliche Verwahrlosung demonstrierte. (Die Entsprechung dazu ist in Großbritannien der “Dandy“, der seiner Protesthaltung in einer überbetonten Eleganz augenfälligen Ausdruck verlieh).
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Realismus und Impressionismus 5 gegen die vorherrschende akademische Malerei. Er attackierte die konservativen Juroren der Pariser “Salons“, die die Werke der Impressionisten nicht zur Ausstellung angenommen hatten, pries und erläuterte die Bilder seiner Freunde. 1866 kündigte er bei Hachette um nur noch vom Schreiben zu leben. 1867 erschien Thérèse Raquin, wichtigster Vorläufer seiner späteren naturalistischen Romane. Das Geld, das er damit einbrachte reichte jedoch nicht aus, um einen passablen Standard halten zu können, so dass er als freier Mitarbeiter weiterhin Neuerscheinungen bei Hachette redigierte. 1867 verfasste er den melodramatischen Fortsetzungsroman Les mystères de Marseille für die Marseiller Zeitung. Der Verdienst daraus verschaffte ihm bessere Lebensbedingungen. Ab 1869 arbeitete er an seinem Hauptwerk, dem 20bändigen Romanzyklus Rougon-Macquart -Geschichte einer Familie unter dem Zweiten Kaiserreich, in der er eine Erbentwicklung fünf Generationen hindurch verfolgt. Gestützt auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse, bemühte sich Zola um eine präzise psychologische Darstellung der Zeit von 1852 bis 1870. Als Naturalist sah er den Menschen als Produkt von Vererbung, Milieu und historischer Situation. Demnach war seine Aufgabe als Schriftstellers, diese Zusammenhänge naturgetreu abzubilden.
Die 60er Jahre verschafften ihm einen gewissen Bekanntheitsgrad unter den französischen Literaten, von denen er als hoffnungsvoller Schriftsteller gepriesen wurde. Die ersten Romane der Rougon-Macquart verstärkten diesen Eindruck. Dennoch ging die Pariser Kritik erst 1875 ausführlicher auf seine Romane ein. Anlaß dafür gab La faute de l´abbé Mouret, der fünfte Band der Rougon-Macquart, was wohl auf das Thema zurückzuführen ist (ein Priester bricht das Zölibat). Den großen Durchbruch schaffte aber erst der siebte Band L´assommoir 1877, der die Geschichte der Familie eines trunksüchtigen Pariser Arbeiters erzählt. Nach anfänglichen Skandalanflug durch die Behauptung, die Arbeiterklasse würde dort verleumdet und Pornographie würde im Werk zu finden sein, wurde der Band ein Publikumserfolg. Die lobenden Kritiken, von Flaubert und Huysmans beispielsweise, begannen größeren Einfluß auf die öffentliche Meinung zu gewinnen und eine Stimmung zu Gunsten Zolas zu gestalten. Das verstärkte sich mit dem Erfolg mit Nana 1880 und Germinal 1885.
5 bezeichnet eine Stilrichtung etwa 1890-1910, die versucht in der Abkehr von der objektiven vollständigen Wiedergabe der naturalistischen Stilrichtung mittels Verfeinerung sprachlicher Ausdrucksmöglichkeiten subjektiv sinnliche Eindrücke , Stimmungen und Seelenzustände in allen Nuancierungen und Schattierungen getreu wiederzugeben. In der französischen Literatur sind die symbolistischen Züge der Dichtung stärker ausgeprägt als die impressionistischen, obwohl die Abgrenzung im einzelnen schwer zu treffen ist.
Arbeit zitieren:
Stefanie Klingler, 2001, Eine kurze Darstellung des Naturalismus nach Zola, München, GRIN Verlag GmbH
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