Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zusammenfassung des livianischen Berichtes über die secessio plebis
3 Drei wesentliche Aspekte der Erzählung
3.1 Die Zweiteilung der Gesellschaft in Patriziat und Plebs
3.2 Das Schuldenproblem
3.3 Die Rolle der Plebs bei der Verteidigung der Stadt
4 S c h l u ß
5 Literaturverzeichnis
5 1 Q u e l l e n
5.2 Sekundärliteratur
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1 Einleitung
Livius berichtet uns im zweiten Buch seines gewaltigen Geschichtswerkes "Ab urbe condita" von einem Ereignis, das im Jahre 494 v. Chr. in Rom stattgefunden haben soll: 1 "...,Sicinio quodam auctore iniussu consulum in Sacrum montem secessisse- trans Anienem amnem est, tria ab urbe milia passuum;...ibi sine ullo duce vallo fossaque communitis castris quieti, rem nullam nisi necessariam ad victum sumendo, per aliquot dies neque lacessiti neque lacessentes sese tenuere." 2
Weiter heißt es:
"Agi deinde de concordia coeptum concessumque in condiciones, ut plebi sui magistratus essent sacrosancti, quibus auxilii latio adversus consules esset, neve cui patrum capere eum magistratum liceret. Ita tribuni plebei creati duo, C. Licinius et L. Albinius. Hi tres collegas sibi creaverunt." 3
Diesen Sachverhalt über die sog. erste secessio plebis 4 möchte ich bezüglich seiner Historizität untersuchen. 5 Wenn es ihn denn gegeben hat, dann markiert der Auszug der Plebs und die daraus resultierende Entstehung des Volkstribunats 6 den Beginn der Ständekämpfe im frühen Rom. Eine Antwort auf diese Frage würde daher wesentliche Aufschlüsse über den Charakter dieses Kampfes und die Art und Weise innerrömischer Konfliktlösung in der Frühzeit der Republik geben. Für eine ausgewogene Auseinandersetzung mit der späteren Erfolgsgeschichte Roms sind m.E. Einblicke in die Anfangsphase dieser Entwicklung von großer Bedeutung. 7
Meine Vorgehensweise wird nicht die einer Quellenkritik des Livius und seiner annalistischen Vorgänger sein; 8 vielmehr werde ich drei, seinem Bericht innewohnende, wesentliche Aspekte- die
1 Parallelberichte zu dem Folgenden geben u.a. Cicero und Dionysius. Ein Bericht über die gesamte Quellenlage hierzu in: Fluß, M., s.v. secessio, in: RE 2 A1 (1921), Sp. 974.
2 Livius 2, 32, 2-4.
3 Livius 2, 33, 1-2.
4 Daten für weitere, teils umstrittene Auszüge der Plebs sind 449, 445, 342 und 287. Eine kurze Übersicht dazu in: Cornell, T. J., s.v. secessio, in: OCD (1996), S. 1376.
5 Es geht mir hier nur um den bloßen Fakt eines Auszuges der Plebs in dieser Zeit, nicht um Einzelheiten, wie das genaue Datum oder den Ort.
6 "The first secession and the creation of the tribunate are indissolubly linked. They stand or fall together." (Ogilvie, R. M., A Commentary on Livy. Books 1-5, Oxford !970, S. 309.).
7 "There is no doubt, therefore, that we can only understand the later achievements of the Romans if we really understand the Conflict of the Orders..." (Raaflaub, K. A., The Conflict of the Orders in Archaic Rome. A Comprehensive and Comparative Approach, in: Raaflaub, K. A. (Hg.), Social Struggles in Archaic Rome. New Perspectives on the Conflict of the Orders, Berkeley u.a. 1986, S.88.).
8 Hier gibt es im Wesentlichen zwei Richtungen. Einerseits wird argumentiert, daß es vor Ende des vierten Jahrhunderts keine vertrauenswürdigen Quellen für eine fundierte Geschichtsschreibung gab, "... und daß folglich alles, was über die Zeit davor berichtet wird, aus der Bewußtseinslage einer Spätzeit heraus konstruierte Geschichte sei" (Bleicken, J., Geschichte der Römischen Republik, München 4 1992, S. 149.). Deshalb ist sie für Bleicken u.a. "...darum auch nur für diese Spätzeit interessant" (ebd., S. 148). Diese Wissenschaftler vermeiden es daher annalistische Daten für die Rekonstruktion der frühen römischen Geschichte zu verwenden. Ein Vertreter für die andere Seite ist z.B. Cornell: "...I am
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Zweiteilung der Gesellschaft, das Schuldenproblem und den Beitrag der Plebs zur Verteidigung der Stadt nach Außen- herausnehmen und einzeln näher beleuchten. Meiner Ansicht nach ist die Existenz dieser Gegebenheiten Anfang des fünften Jahrhunderts existentiell notwendig, sollte sich so etwas wie eine secessio plebis in dieser Zeit zugetragen haben. Im Falle der Bestätigung des livianischen Berichtes bezüglich dieser drei Punkte würde dieses m.E. die Plausibilität eines Auszuges der Plebs erheblich steigern. Bei einer Nichtbestätigung schon eines dieser integralen Bestandteile der Erzählung dürfte gerade das Gegenteil der Fall sein. Bei der Untersuchung wird für mich das Zwölftafelgesetz eine wichtige Rolle spielen, welches wohl in der Mitte des fünften Jahrhunderts entstanden ist und einen wesentlichen Schlüssel zum Verständnis der Zeit darstellt. 9
Doch vorher ist es notwendig, den am Anfang gegebenen ersten Einblick zu erweitern, und den gesamten Bericht über den Auszug mit seiner Vorgeschichte kurz zusammenzufassen.
convinced that much of the famous story is based on fact, and that our sources have preserved a great deal of what really happened" (Cornell, T. J., The Value of the Literary Tradition Concerning Archaic Rome, in: Raaflaub, Social Struggles, S. 53.). Jene Historiker gehen davon aus, daß es ein glaubwürdiges Grundgerüst an Fakten gibt (basierend etwa auf den Annales Maximi, Gesetzes- und Vertragstexten oder die oral tradition) und versuchen, aus den annalistischen Berichten die zeitgenössischen Motive herauszufiltern. Ich persönlich stehe der letzteren Auffassung näher, weil ich denke, daß so tief verwurzelte Traditionen, wie etwa die von der secessio von 494, nicht aus dem Nichts aufgetaucht sein können. Ich bezweifle aber, ob es je gelingen wird Faktum und Ausschmückung der annalistischen Berichte voneinander zu trennen. Eine Untersuchung speziell zu diesem Bericht in: Ogilvie, Livy, S. 309ff. Zu Livius im allg., seinen Vorgängern und deren Zeitgebundenheit: Burck, E. (Hg.), Wege zu Livius (Wege der Forschung, Bd. 132), Darmstadt 2 1977.
9 Ich gehe u.a. mit Watson (Watson, A., Rome of the 12 Tables. Persons and Property, New Jersey 1975, S. 3ff.) und Bengtson (Bengtson, H., Grundriß der Römischen Geschichte, 1. Bd.. Republik und Kaiserzeit bis 284 n.Chr. (HdbA., 3. Abt., 5. Teil, 2. Bd.), München 2 1970, S. 54f.) von der Authentizität des Gesetzeswerkes aus. Eine gute und differenzierte Untersuchung hierzu in: Wieacker, F., Die 12 Tafeln in ihrem Jahrhundert, in: Entretiens 13 (1966), S. 291-356.
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Arbeit zitieren:
Thomas Eger, 1999, Aspekte der "secessio plebis" von 494 v.Chr. bei Livius, München, GRIN Verlag GmbH
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