Inhalt:
I: Einleitung
II: Schiller als Historiker
III: a) Wallenstein I (Zusammenfassung)
b) Wallenstein I (Auswertung)
IV: a) Wallenstein II (Zusammenfassung)
b) Wallenstein II (Auswertung)
V: a) Geschichte des Dreißigjährigen Krieges (Zusammenfassung)
b) Geschichte des Dreißigjährigen Krieges (Auswertung)
VI: Schluss
VII: Literaturverzeichnis
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I: Einleitung
Wie die glänzende Figur des kaiserlichen Generalissimus Wallenstein schon die Zeitgenossen in ihren Bann zog, zumindest jedoch ihre Aufmerksamkeit für sich beanspruchen durfte, so widmete auch Friedrich Schiller dem Feldherren zwei Dramen und eine exaltierte Erwähnung in seiner Betrachtung des Dreißigjährigen Krieges. Die schillersche Wallenstein-Trilogie und das Historien-Werk erzeugen durch ihren Spagat von Geschichte und Dramaturgie eine bis heute andauernde Faszination. Ungeachtet dessen, was viele Kritiker der Wallenstein-Darstellung Schillers vorwarfen, nämlich durch Formulierungen wie „Grenzenlos war sein Ehrgeiz, unbeugsam sein Stolz, sein gebieterischer Geist nicht fähig, eine Kränkung ungerochen zu erdulden.“ 1 eine Vermischung von Dichtung, Fiktion und Sachlichkeit zu kreieren, die unvereinbar mit historischen Belegen sei, erzeugt gerade diese Symbiose ein Bild, dass er selbst im Prolog zum Wallenstein I beschreibt (siehe S. 3). Ich werde im Folgenden kurz die historische Tätigkeit Schillers skizzieren, dann jeweils eine Zusammenfassung der drei Wallenstein betreffenden Werke geben, wobei bereits Besonderheiten in der Darstellung erwähnt werden. Jeweils anschließend wird eine Auswertung bezüglich des vorangegangenen Werkes durchgeführt und letztendlich ein Resümee gezogen.
1 Friedrich Schiller: Geschichte des Dreißigjährigen Krieges in: Paul Merker (Hrsg.): Friedrich von
Schiller - Historische Schriften, Reclam Verlag, Leipzig 1958, S. 140
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II: Schiller als Historiker
Abgesehen von seinem frühesten Werk, den „Räubern“, befassen sich nahezu alle dramatischen Werke Schillers mit historischen Ereignissen. Nach eben einem solchen, dem „Don Carlos“ (1787) wird Schiller heutzutage von vielen Seiten eine ‚poetische Schaffenskrise’ unterstellt, die zu einer vermehrt wissenschaftlichen Ausei-nandersetzung mit historischen Grundlagen geführt haben kann. Dieses geschichtliche Interesse erreichte schließlich 1788 seinen ersten Höhepunkt mit der Veröffentlichung eines der historischen Hauptwerke, dem „Abfall der Niederlande“, dessen Augenmerk aber besonders auf den Menschen dieses Landes und ihrem individuellen Bestreben nach Freiheit lag.
Im Schicksalsjahr 1789 begann Schiller seine Professur für Universalgeschichte in Jena mit einer fulminanten Antrittsrede am 26. Mai ("Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“), legte dieses ihn körperlich ermattende Amt jedoch zwei Jahre später nieder. Während dieser Zeit und noch über sie hinaus erschien die dreibändige „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“, in der ebenfalls mit der bis dato historischen Darstellungsform gebrochen wurde. Am 21. September 1792 2 schrieb Schiller dann seinem Freund Körner, dass seine historische Arbeit beendet sei.
Besonders der „Abfall der Niederlande“ und die „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ begründeten die narrative Geschichtsschreibung in Deutschland und ihren Stil rechtfertigte Schiller folgendermaßen: „Auch der Geschichtsschreiber [...] muß die produktive Einbildungskraft des Lesers ins Spiel zu setzen wissen, und bey der strengsten Wahrheit ihr den Genuß einer ganz freyen Dichtung verschaffen.“ 3 Schon während seiner Lehrtätigkeit an der Jenaer Universität wurde Schiller der Titel eines Geschichtsprofessors verwehrt und auch in der Folgezeit sprach besonders Friedrich Meinecke Schiller den historischen Wahrheitsgehalt in seinen diesbezüglichen Werken ab.
2 Vgl. Briefwechsel zw. Schiller und Körner:
www.kuehnle-online.de/literatur/schiller/briefe/koerner/1792/280.htm
3 Chr. Fr. Dan. Schubart - Kurzgefaßtes Lehrbuch der schönen Wissenschaften, Münster 1781, S. 194
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Doch hauptsächlich die diese Schriften fanden bei den Lesern zumeist mehr Anklang als die Dramen Schillers und spätestens seit der Würdigung durch Golo Mann ist der Historiker Schiller mit seinem noch zu erläuternden Stil in der Geschichtswissenschaft als Alternative zum konventionellen Umgang mit historischen Themen akzeptiert.
III: a) Wallenstein I - Wallensteins Lager; Die Piccolomini
Sein Credo der Darstellung Wallensteins offenbart der Autor bereits zu Beginn des Werkes:
Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt
Wallensteins Lager
Dieser komplett in Reimen verfasste Vorspann, der 1634, also im 16. Kriegsjahr spielt, dient lediglich zur Darstellung eines Schattens, beseelt von der Präsenz des Feldherren Wallenstein. Im Schmelztiegel des Lagers befinden sich viele Nationalitäten, Familien, Halunken, Profiteure des Krieges, ehemals Gustav Adolf angehörende Truppenteile, Frauenjäger und Glücksritter. Diese bunt zusammen gewürfelte Truppe schildert ihren Feldherren als unverwundbaren Höllenhund, als Zauberer oder Sternendeuter. Als moralische Instanz taucht daraufhin ein Kapuziner auf, beschimpft den Herzog als gottlos und ketzerisch ob seines Treibens, wird daraufhin jedoch von den Soldaten verdrängt. Denn die Truppen fühlen sich Wallenstein verpflichtet, wie auch er bestimmte Lieblingsregimenter auserkoren hat. Dennoch sollen verschiedene Heeresteile verliehen werden, wogegen diese sich wehren wollen.
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Im Folgenden werden die Vorteile erwähnt, die Wallenstein gegenüber dem Kaiser zugestanden bekommen hat (Krieg führen, Besitz konfiszieren, Urteils- und Beförderungsgewalt, das Recht, Geld zu schlagen und der Besitz von „Volk und Land“ [Vers 876]). Eben dieses Vorgehen, durch das sich die große Armee nur ernähren lässt, wird mit den treffenden Worten „Der Wehrstand soll leben / Der Nährstand soll geben“ (V. 1048/1049) ausgedrückt.
Die Piccolomini
Der Hauptteil des Wallenstein I widmet sich nun der höheren und höchsten Ebene von dessen Gefolgsleuten. Das Bild, das vom Herzog gezeichnet worden ist, wird durch das Auftreten des kaiserlichen Gesandten Questenberg in der illustren Versammlung von Wallensteins Obersten verstärkt - Der Kaiser will sich nicht zurückdrängen lassen und ihn in die Schranken weisen.
Der erste Eindruck, den der Leser vom Feldherren im Gespräch mit der Herzogin, später mit seiner Tochter gewinnen kann, ist der eines liebevollen Gatten und Vaters, besorgt um beider Schicksal, da die Herzogin nach ihrem Besuch in Wien nicht von hohem Ansehen ihres Mannes dort sprechen kann, eine zweite Absetzung erscheint möglich.
Auch sein Vertrauter Terzky wirft ihm doppeltes Spiel mit den Sachsen und sogar den Schweden vor, untermauernd wird erwähnt, dass Wallenstein keine Befehle schriftlich verfasse. Schiller lässt in dem erzürnenden Herzog von Friedland diabolische Züge aufbrechen, als dieser sich schließlich gegen alle Vorwürfe mit einem jäh-zornigen Ausbruch wehrt und den Umstehenden vorwirft, ihn keineswegs genau zu kennen. Was er vorhabe, auch wenn es zum Schaden des Kaisers beitrüge, wisse nur er allein (V. 831-870).
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Arbeit zitieren:
Stephan Gäth, 2005, Die Darstellung Wallensteins in Schillers Wallenstein-Trilogie und der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, München, GRIN Verlag GmbH
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