Inhaltsverzeichnis
Vorwort 2
Exegese des Einzeltextes. 3
1. Literarkritik 3
1.1 Abgrenzung und Stellung des Textes zum Kontext 3
1.2 Gliederung des Textes. 3
1.3 Einheitlichkeit des Textes 4
2. Sprachliche Analyse. 4
3. Gattungskritik. 5
4. Überlieferungskritik/ Überlieferungsgeschichte 5
5. Redaktionskritik/ Redaktionsgeschichte 6
6. Traditionskritik. 6
7. Bestimmung des historischen Ortes 7
7.1 Datierung und Lokalisierung des Textstückes 7
7.2 Das historische Umfeld 7
7.3 Verfasser und Adressat. 8
8. Wirkungsgeschichte 8
9. Abschließende Gesamtinterpretation 8
9.1 Sozialkritik 8
9.2 JHWHs Forderung. 9
9.3 Strafandrohung 10
9.4 Heilshoffnung. 11
9.5 Auseinandersetzung mit falschen Propheten. 11
10. Hermeneutische Überlegung 12
Literaturverzeichnis. 14
I. Wissenschaftliche Literatur 14
II. Bibelausgaben. 15
III. Internetadressen. 15
1
Vorwort
Das Buch Micha zählt zu dem Dodekapropheton und ist in die Phase der klassischen Prophetie einzuordnen. Micha (Michael: „Wer ist wie Gott“), ein Prophet aus Moreschet-Gad südwestlich von Jerusalem, der augenscheinlich zur dortigen Bauernschaft gehörte, wirkte ca. 740-705, zeitgleich mit Jesaja, in Jerusalem. Über die historische Person Micha ist weiter nichts bekannt, seiner Herkunft nach ist er aber mit Amos zu vergleichen.
Das Buch wird formal in einen „dreifachen Rhythmus von Gerichts- und Heilsankündigungen“ 1 unterteilt. In der Forschung ist auch ein Doppelschema bekannt, die Neueinsätze in 3,1 und 6,1 sprechen jedoch für den Dreier-Rhythmus. Dieses Schema ist nicht natürlich entstanden, auch wird ganzen Teilen die Echtheit abgestritten, so gelten Teile der Kapitel 4-7 als später eingefügt und auch in Kapitel 1-3 werden deuteronomistische Überarbeitungen gesehen.
Inhaltlich prangert das Michabuch die sozialen Missstände an und geht gegen die herrschende Oberschicht vor. Diese hatte zuvor den kleinen Bauern deren Boden weggenommen; zwar mit juristisch einwandfreien Mitteln, aber die Tatsache ignorierend, dass den Bauern der Boden als von Gott her zustehender Erbteil gehört. Micha erwartet daher das Gericht Gottes, wobei er sich das Kommen JHWHs als zerstörerisches Werk vorstellt. Weiterhin ist die Bedeutung der Zionsvorstellung besonders wichtig, welche sich in den Kapiteln 4 und 5 deutlich zeigt. Hier wird der Zion als Heilsgarant in den Mittelpunkt gestellt, die Völker müssen zum Zion wallfahren, von wo das Friedensreich ausgehen wird. 2
1 Rösel, Bibelkunde S.86.
2 Vgl. Rösel, Bibelkunde S.61, 80, 86f.
2
Exegese des Einzeltextes
1. Literarkritik
1.1 Abgrenzung und Stellung des Textes zum Kontext
Das Buch Micha lässt sich in drei Teile gliedern, die jeweils aus Gerichts- und Heilsankündigung bestehen:
1-2 Gerichtsworte an Juda 2,12f Heilswort für Jakob 3-5 Gericht über die Führenden 4+5 Heilsworte 6-7 Gerichtsworte an Juda Liturgie/ Psalm: Hoffnung auf Vergebung 3 7,8-20
Da in 1,2-7 gegen Samaria gesprochen wird, hat Micha seine Tätigkeit vor dem Untergang Samarias im Jahr 722 begonnen. Dafür spricht auch die Überschrift in 1,1. Die Klage über Juda in 1,8-16, deren Text schlecht erhalten ist, hat wohl die Ereignisse von 701, den Einfall des Assyrers Sanherib, zum Hintergrund. Jer26,17-19 bezeugt, dass Micha unter König Hiskija, etwa 728-699, den Untergang Jerusalems und des Tempels angekündigt hat, vgl. Mi3,12. 4
In Micha 3,5-8 wirft Micha den Propheten und Priestern Bestechlichkeit vor. Die beklagten Zustände fordern das Gericht Gottes heraus. Zuvor klagt er durchweg die Oberschicht von Jerusalem und Juda an und beschuldigt sie des Rechtsbruchs in 3,1-4 und 9-12 sowie der Besitzgier in 2,1-3 und 6-11. Aus der Kritik am Jerusalemer Königtum ist wohl der Rückgriff auf die Erwartung eines neuen „David aus Bethlehem“ zu begreifen, wie in 5,1-4 beschrieben. In 6,8 wird kurz die ideale Partnerschaft mit Gott gekennzeichnet. 5
1.2 Gliederung des Textes
Micha 3,5-8 lässt sich sowohl inhaltlich als auch formal in drei Teile gliedern: Den ersten Teil bildet Vers 5, hier wird die Situation vor dem göttlichen Hintergrund skizziert.
3 Rösel, Bibelkunde S.86.
4 Die Bibel, Einheitsübersetzung, Einleitung zum Buch Micha, S.1051.
5 Vgl. ebda.
3
Der zweite Teil besteht aus Vers 6 und Vers 7. Hier verurteilt Micha die (falschen) Propheten und prophezeit ihnen ihren Untergang, als göttliche Folge.
Vers 8 ist als dritter Teil anzusehen, dieser Vers hat einen Überleitungscharakter. 6 Micha stellt sich hier als Alternative zu den vorhandenen Propheten dar und charakterisiert sich selbst als von Gott autorisiert.
1.3 Einheitlichkeit des Textes
Der Text bildet inhaltlich eine Einheit und orientiert sich am Erzählstrang eines Prophetenspruchs. Formal ist der Wechsel zwischen zweiter und dritter Person Plural mit der über die Propheten gesprochen wird zu berücksichtigen sowie in Vers 8 die erste Person Singular mit der Micha sich selbst in den Vordergrund rückt.
2. Sprachliche Analyse
Vers 5 beginnt mit der Einleitungsformel „So spricht der Herr“. Wie bei allen Propheten kann nicht eindeutig festgelegt werden ob JHWH in diesem Augenblick durch den Mund Michas spricht, oder ob Micha stellvertretend für Gott redet und die Botschaft zuvor empfangen hat. Fest steht jedoch, dass Micha die Kunst der Rede sehr gut beherrschte. In dieser Schelt- oder Drohrede 7 ist ein Teil des prophetischen Wortfeldes des Alten Testaments abgedeckt, womit schon beim Überfliegen der grobe Inhalt dieser Passage klar wird. Hierfür einige Beispiele: „So spricht der Herr“, „Propheten“, „Gesichte“, „Wahrsagung“, „Seher“, „Wahrsager“, „Gotteswort“. 8 Es handelt sich in diesem Abschnitt um einen erzählenden, einlinigen Text, dessen Inhalt konkret nachvollziehbar ist. Im Groben: Weil ein Missstand vorhanden ist (1), deshalb wird der Untergang kommen(2), doch es besteht Hoffnung(3).
In Vers 5 wird zunächst mit einem Parallelismus membrorum und zugleich mit einem Chiasmus die grundlegende Situation geklärt, über die Propheten wird in der 3.Person Plural gesprochen. Anschließend wird in Vers 6 mit Hilfe des Parallelismus die Konsequenz aufgezeigt „ die Nacht ohne Gesichte […] die Finsternis ohne Wahrsagung“ Dieser Abschnitt ist besonders mit Naturmetaphorik gespeist, „Nacht“ „Finsternis“ „Sonne“. Hier spricht Micha die Propheten direkt an, die Form wechselt also im ersten Satz von Vers 6 in die 2.Person Plural „euch“. Im zweiten Teil von Vers 6 wird erneut die 3.Person verwendet, “ihnen“. Vers 7 ist inhaltlich eine Erweiterung zu Vers 6, durch die genauere Beschreibung,
6 Vgl. Metzner, Kompositionsgeschichte des Michabuches S. 74.
7 Vgl. Eissfeldt, Einleitung AT S.505.
8 Vgl. Utzschneider/ Nitsche Arbeitsbuch lit. Bibelauslegung S.94.
4
Arbeit zitieren:
Ute Wetterauer, 2005, Exegese Micha 3, 5-8, München, GRIN Verlag GmbH
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