Als weitere Funktionen der Montage können sowohl die Beschleunigung, Zeitraffung und die Erzeugung von Spannung genannt werden, als auch die die Dominantsetzung von Isotopien und Details.
Im Folgenden soll es nun darum gehen den mexikanischen Erfolgsfilm „Amores Perros“ auf seine Montagetechniken und -elemente zu untersuchen und (zumindest teilweise) die Funktion dieser herauszufinden. Der Inhalt des Films wird hierfür als bekannt vorausgesetzt.
Der Episodenfilm verläuft in drei Handlungssträngen, die durch die Darstellung eines traumatischen Ereignisses miteinander verknüpft sind. Letztendlich handelt es sich dabei um drei individuelle Filme, die obwohl sehr kunstvoll ineinander verwebt, sich klar voneinander absetzen. Scheinbar zufällig tauchen die Protagonisten in den anderen Episoden wieder auf, ohne jedoch miteinander zu agieren. Allein durch Blicke und eine dementsprechende Kameraführung (d.h. der Zuschauer sieht z.B. die anderen Personen aus Sicht des Episodenprotagonisten.) wird der Rezipient auf die Verknüpfung aufmerksam gemacht (z.B. der Blick El Chivos auf Ramiro, das Baby und Susana, die durch die nächtlichen Straßen gehen). Das alle Handlungsstränge zusammenführende Ereignis ist ein Autounfall in den alle Charaktere und auch alle Hunde verwickelt sind. Der Unfall wird dabei aus verschiedenen Perspektiven präsentiert: aus der Sicht von Octavio, Valeria und Chivo. Hinzu kommt der Vorspann, der auch aus dem Blickwinkel von Octavio gezeigt wird. Diese unterschiedliche Darstellung der Unfallsituation bildet jeweils den Übergang zur nächsten Episode. Die sich Szene sich am Anfang, 54:00, 1:00:00 und 1:42.20 und bildet das Grundgerüst des Films. Somit wird auch der Zuschauer schon in den ersten drei Minuten des Vorspannes auf den rasanten ersten Teil des Werkes von Regisseur Alejandro González Iñárritus vorbereitet: die Einstellungen wechseln in rasanten Tempo. Die Alternationsmontage (Verfolger, Hund Cofi und Octavio), die innere Montage (Zoom innerhalb des Autos) und der Match cut (dem Straßenverlauf folgend) werden vom panischen Fluchen, Schreien und Gestikuliere der beiden Darsteller verbunden und bilden jeweils nur sehr kurze Einheiten, die aus unterschiedlichen Perspektiven gezeigt werden. Die Kameraführung/ Montage wirkt genauso chaotisch und nervös-angespannt wie die Situation. Die Sequenz und auch der Vorspann enden mit dem Aufprall der beiden Autos, in diesem Augenblick treffen
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ein einziges Mal alle drei Geschichten zusammen: außer Octavio und seinem Kampfhund sind sowohl Valeria und ihr Hündchen Richie, als auch der Chivo mit seinen Straßenkötern anwesend.
Das Interessante an „Amores Perros“ ist, wie der Regisseur es schafft durch die Verflechtungen den Zusammenhang und auch den roten Faden durch die Geschichte zu ziehen und den Zuschauer erst relativ spät die Auflösung zu den Verflechtungen liefert. So wird z.B. die zweite Episoden (von Valeria und Daniel) im ersten Teil durch Inserts angedeutet, der Rezipient weiß diese jedoch noch nicht einzuordnen, die Spannung steigt folglich. Auch bleibt lange unklar, warum Chivo die junge Frau immer wieder beobachtet, man vermutet einen potentiellen Überfall, bekommt jedoch durch den rasanten Schnitt kaum Möglichkeit über einen möglichen Sinn der kurzen Szenen nachzudenken. Erst zum Ende des Films stellt sich raus, dass die junge Frau, Chivos Tochter ist, die er, zusammen mit ihrer Mutter, im Glauben an die Revolution verlassen musste und die ihn nach 20 Jahren Gefängnis nicht wieder erkennt.
Die komplexe Erzählstruktur des Filmes verläuft nicht linear, sondern springt unkonventionell zwischen mehreren sich überlagernden Ebenen hin- und her. Regisseur Iñárrius ließ hierfür die Aufnahmen mit einer Handkamera einfangen und in grobkörnigem Bildmaterial präsentieren, Methoden, die sehr gut die Atmosphäre der Handlung und passen. Erarbeitet außerdem sehr viel mit Nahaufnahmen, die alle Schwächen und Stärken der Charaktere ungeniert einfangen. Die ausgefeilte Montagetechnik in der Kombination mit der sehr kraftvollen und einfallsreichen Bildsprache machen lange Dialoge überflüssig und sprechen für dich. Die Handlung, Zusammenhänge und Ästhetik werden also hauptsächlich durch die geschickt kombinierten Szenen und Einstellungen vermittelt. Besonders eindrucksvoll finde ich, dass mit der Unterschiedlichkeit der Inhalte und Charaktere der drei Teil auch eine sehr unterschiedliche Stimmung durch den Schnitt innerhalb der Episoden vermittelt wird. In der ersten Episode wird dank einer schnellen und sehr bewegten Kameraführung aus immer unterschiedlichen Blickwinkeln (häufige Instrumente: die Frosch- und Bodenperspektive), ein Bild von einem chaotischen und schnellen Leben in der Welt der Jugendlichen und der Hundekämpfe konstruiert. Dieser Teil ist der einzige in dem Szenencollagen zwei Lieder untermalen zu scheinen und nicht wie sonst, die Musik die Bilder begleitet. Hierauf möchte ich jedoch später noch genauer eingehen.
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Arbeit zitieren:
Neele Onnen, 2006, Montage - die Verbindung von Einstellungen am Beispiel des Films: Amores Perros ( Alejandro González Iñárritus), München, GRIN Verlag GmbH
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