Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
2. Untersuchungen zu den Quellen
2.1 Vita Bonifatii auctore Willibaldo
2.2 Bonifatii Epistolae
3. Bonifatius Verhältnis zu den Franken
3.1 Karl Martell
3.1.1 Der Bonifatius Brief 73
3.2 Karlmann
3.2.1 Das Concilium Germanicum
3.3 Pippin
4. Zusammenfassung
5. Liste der verwendeten Quellen und Literatur
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1. Einleitung
Der aus England stammende Bonifatius spürte als 40-jähriger eine Sehnsucht nach missionarischer Tätigkeit. Bonifatius traf im Jahr 716, damals noch unter seinem Geburtsnamen Wynfreth, ausgehend von England, auf dem Festland ein und erreichte Dorstadt, wo er sich zu dem Friesenherzog Radbod begab. Dort musste er erkennen, wie eng die Stärke des Frankenreiches mit dem missionarischen Wirken in Wechselwirkung stand. Der erste Versuch Wynfreths scheiterte an der politisch gespannten Lage nach dem Tod Pippins 714, die auch Willibrord vorübergehend zur Aufgabe seiner Tätigkeit gezwungen hatten. Infolgedessen musste Wynfreth nach England zurückkehren und reiste erst 718, nachdem das Ansehen der fränkischen Hausmeier wiederhergestellt war, wieder auf das Festland. Nach einer Pilgerreise nach Rom, brach er, nun im päpstlichen Auftrag und mit neuem Namen Bonifatius, zur Missionsarbeit nach Thüringen auf, allerdings ohne bestimmtes, abgegrenztes Missionsgebiet. Er erkannte aber bald, dass Missionseifer allein nicht genügte und erlernte das Missionshandwerk bei Willibrord, der nach dem Tod Radbods 719 seine Friesenmission wieder aufgenommen hatte.
In den Jahren 719 bis 722 arbeitete Bonifatius unter Willibrord im friesischen Missionsfeld. Von Fritzlar und Amöneburg aus, wo er 721 eine Mönchsniederlassung gründete, begann er seine Tätigkeit in Hessen und Thüringen. 1 Zu diesem Zeitpunkt wurde Bonifatius erneut auf die Verbindung zwischen angelsächsischen Missionaren und der politischen Welt der Karolinger aufmerksam gemacht. Dabei stand er zunächst unter dem Schutz des Hausmeiers Karl Martell, der auf Befürwortung des Papstes Gregor II. im Jahre 723 für Bonifatius bereitwillig einen Schutzbrief ausstellte, nachdem Bonifatius am 30. November 722 zum Bischof geweiht worden war. 2 Politische Gewalt und kirchliches Werk hatten sich auf ein gemeinsames Ziel verständigt, da sich die Missionsarbeit des neuen Bischofs sehr gut in das Programm Karl Martells fügte, der hoffte, dass die Missionsarbeit in den östlichen Grenzgebieten des Reichs der Befestigung seiner eigenen Machtstellung förderlich sein würde. 3
1 Vgl. Padberg, Lutz E. v.: Wynfreth-Bonifatius, Wuppertal und Zürich 1989, S. 68.
2 Vgl. Tangl, Michael (Hg): S. Bonifatii et Lulli Epistolae. MGH Epp. Sel. I Berlin 1916, Bonifatii Epistolae Nr.
20, S.33 und Nr. 22, S.3 Im Folgenden zitiert mit Ep.
3 Vgl. Büttner, Heinrich: Bonifatius und die Karolinger, in: Gerlich, Alois (Hg.): Heinrich Büttner, Zur
frühmittelalterlichen Reichsgeschichte an Rhein, Main und Neckar, Darmstadt 1975, S. 135.
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Bereits im Jahr 724 lässt sich ein leichter Gegensatz zwischen Bonifatius und dem fränkischen Episkopat feststellen und kurze Zeit darauf, im Jahre 726, ist dieser so deutlich ausgeprägt und so scharf geworden, dass bereits Papst Gregor II. zur Mäßigung raten musste. 4 So riet Gregor, dass Bonifatius nicht gemeinsame Mahlzeiten mit anderen Priestern und Bischöfen verweigern sollte. 5 Durch diesen Gegensatz, geriet Bonifatius aber auch in einen Widerspruch zu dem mit jenen verbundenen, fränkischen Adel, da er dessen sittliche Auffassung unbedingt missbilligte; letzten Endes wurden dadurch auch die Beziehungen zu Karl Martell sehr kühl. Selbst die Ernennung zum Erzbischof 732, durch Übersendung des Palliums, und dem damit verbundenen Auftrag, im rechtsrheinischen Gebiet Bistümer und eine Kirchenprovinz zu errichten, konnte Bonifatius zunächst nicht umsetzen, da er nicht durch Karl Martell unterstützt wurde. So konnte er seine Pläne zehn Jahre nicht verwirklichen, da sich Karl Martell weigerte ihn zu unterstützen. 6 Aus diesem Grund widmete sich Bonifatius in dieser Zeit dem Ausbau der Kirche.
Lange Kämpfe mit dem fränkischen Adel, auch mit dem an sich religiösen und aufgeschlossenen Teil, führten zum Plan einer Reform der fränkischen Kirche. Dieses Problem leitete Bonifatius unter der Regierung von Karlmann vom Jahr 742 ab und zählt zu seinen höchsten Triumphen, aber es kam dadurch auch zu der völligen Ausschaltung des Bonifatius, als sein großes Ziel, die enge Verbindung zwischen fränkischer Kirche und Papsttum, sich verwirklichte, nämlich seine Nichtteilnahme in dem Bündnis zwischen Pippin und Papst Stephan, das weit reichende Auswirkungen auf das Mittelalter hatte. Dies war der tragischste Augenblick im Leben des Angelsachsen, der am Abschluss der christlichen Mission im Reich der frühen Karolinger steht.
Ziel dieser Arbeit ist es, sich mit dem Verhältnis des angelsächsischen Missionars und den Karolingern auseinanderzusetzen. Denn die Wirksamkeit seiner Mission stand auf zwei Säulen, der Bindung an Rom und der Mission von oben durch Rückversicherung bei der politischen Macht.
4 Ep. 28, S. 51.
5 Vgl. Ep. 26, S.47: “Verumtamen conlocutionem et mensam communem cum eis agere non recuses.”
6 Vgl. Angenendt, Arnold: Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 bis 900, Stuttgart
Berlin Köln 2 1995, S. 272.
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2. Untersuchungen zu den Quellen
Im Folgenden werden die von mir benutzten Quellen näher und eingehend betrachtet, da Quellen und die Arbeit mit ihnen, ihre Interpretation und Auswertung die Grundlage einer jeden Beschäftigung mit der Geschichte bilden, und daher auch ihre Entstehungsgeschichte von Bedeutung ist.
2.1. Vita Bonifatii auctore Willibaldo
Der primäre Zweck jeder Heiligen-Vita ist die Verherrlichung ihres Heiligen bzw. die Darlegung seiner Heiligkeit. Nicht anders auch die Vita des Bonifatius von Willibald. Auftraggeber der Vita war Lul, ein Schüler und Nachfolger des Bonifatius.
Lul schloss sich 738 in Rom seinem Landsmann Bonifatius an, den er, 752 zum Chorbischof geweiht, beim Aufbau einer Kirchenorganisation in den rechtsrheinischen Gebieten tatkräftig unterstützte. Nach dem Tod des Bonifatius wurde ihm von Pippin III. das Bistum Mainz übertragen. Willibald, ebenfalls Angelsachse, machte sich mit Eifer an die neue Aufgabe, konnte aber nur auf Berichte aus zweiter Hand zurückgreifen beziehungsweise auf die Materialien, die ihm Lul zur Verfügung stellte. Willibald selbst hat Bonifatius nicht gekannt, da er erst nach dessen Tod nach Mainz kam. Seine Quellen waren insbesondere die Briefe von und an Bonifatius. Willibald selbst schreibt in seiner Vita über sich, dass er seine Kenntnisse nur aus Erzählungen erhalten habe. 7
Die Vita ist in zahlreichen Handschriften erhalten, von denen die älteste und beste auf den Anfang des 9. Jahrhunderts datiert wird, entstanden ist die Vita selbst vermutlich um 760. 8 Der Text ist in 9 Kapitel gegliedert, allerdings scheinen die Kapitel 8 und 9 nachträglich hinzugefügt zu sein, denn das 8. Kapitel endet ungewöhnlicherweise mit einer Doxologie und das 9. Kapitel besitzt weder ein Proömium noch ein Schlusswort und besteht auch nur aus wenigen Zeilen.
7 Vita sancti Bonifatii auctore Willibaldo, in: Levison, Wilhelm (Hg): Vitae sancti Bonifatii archiepiscopi
Moguntini. MGH SS rer. Germ. in us. schol. 57, Hannover, Leipzig 1905, Prolog, S. 2, Z. 30 - S. 3, Z. 1:„sicut
discipulis eius secum diu commorantibus vel vobis ipsis referentibus conperirem, prochemius medeiumque aut
finem vitae eius, quanta valeam indagatione, litteris inseram.”
8 Nachweis der Handschriften ebd., S. XVII-XXX
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Dennoch wird die eigentliche Intention des Auftraggebers Lul in Kapitel 8 expliziert, in dem Lul als der Erbe des Bonifatius bezeichnet und gerühmt wird. 9 Ebenso ist das Ziel der Vita klar umrissen: sie soll das vorbildliche Leben des Bonifatius vor Augen führen und zur Nachahmung seiner Taten anregen. 10 Letztendlich diente die Vita zur Verehrung des Bonifatius und zur Legitimation seines Nachfolgers Lul, der ein Interesse daran hatte, dass das Leben des Bonifatius so dargestellt wurde, dass kein Makel auf ihn fallen konnte, seine Leistungen herausgehoben wurden und somit Lul selbst ungehindert das Erbe antreten konnte. In diesem Kontext ist sie sowohl zu lesen als auch zu interpretieren. 11 Inhaltlich interessant ist noch, dass Willibald anfangs sorgfältig und genau das Leben und die Wirksamkeit des Bonifatius beschreibt, bei den verwickelten politischen Umständen unter Pippin jedoch ungenau wird, indem er die wichtigsten Vorfälle übergeht, und mit dem Märtyrertod des Bonifatius schließt, den er aber ein Jahr zu spät, auf 755, datiert. 12 Diese Ungenauigkeiten könnten daraus resultieren, dass Lul Willibald nicht alle Informationen und Briefe, die er besaß, zukommen ließ, um Pippin nicht zu missfallen.
2.2. Bonifatii Epistolae
Die Briefsammlung des Bonifatius verdanken wir ebenfalls Bischof Lul, er regte eine Sammlung der Briefe an. Maßgebend für die Sammlung war die Erinnerung an den Menschen und Verfasser. Es sind insgesamt 150 Briefe überliefert, davon sind 22 datiert, der Rest ohne Datumsangabe. Die heute gebräuchliche Datierung stammt von Dümmler, die vom späteren Editor Tangl übernommen wurden.
Bis einschließlich Nr. 109 stammen die Briefe von oder an Bonifatius, danach stammen sie entweder aus dem Briefverkehr des Lul oder sind erst nach 754 entstanden.
9 Ebd. c. 8. S. 45, Z. 10-16: „Et Lul suum ingeniosi indolis discipulum ad erudiendum tantae plebis
numerositatem constituit et in episcopatus gradum provehit atque ordinavit eique hereditatem quam in Christo
instanti adquesierat labore, inplicavit; qui et fidelis in Domino comis peregrinationis eius erat et testis utrubique
passionis et consolationis.”
10 Ebd., Prolog, S. 4, Z. 7-10: „sed ex tantae rei relatione profuturum legentibus praebens exemplum, dum hiis
quisque instruitur formulis et ad meliora profectus sui perfectione perducitur.“
11 Ausführliche Quellenkritik: Padberg, Lutz e. v.: Heilige und Familie. Studien zur Bedeutung
familiengebundener Aspekte in den Viten des Verwandten- und Schülerkreises um Willibrord, Bonifatius und
Liudger, Mainz 2 1997, S. 41-47.
12 Levison, c. 8, S. 55: „qui et incarnationis Domini DCCLV“.
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Arbeit zitieren:
Thilo Patzke, 2005, Das Verhältnis zwischen Macht und Mission. Die Karolinger und Bonifatius, München, GRIN Verlag GmbH
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