Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung - Nachbarschaft
2. Hochhaus- soziale Wirklichkeit
2.1 Begriff und Geschichte - Spezifika des Hochhauses
2.2 Hochhauseinwohner
3. Das Hochhaus als ein nachbarliches Kommunikationsfeld
4. Einfluss der Nachbarschaft auf die Wohnzufriedenheit der
Hochhauseinwohner
5. Zusammenfassung
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1. Einleitung
Mit der vorliegenden Arbeit soll die Grundthese, dass ein Hochhaus als ein Spektrum von spezifischen Merkmalen, die sich von den übrigen Wohnformen unterscheiden, eine besondere soziale Umwelt darstellt, die Einfluss auf die nachbarschaftliche Kommunikation ausübt. Die Dependenz zwischen der nachbarschaftlichen Kommunikation und der Hausform - in diesem Fall Hochhaus - rückt damit in den zentralen Punkt dieser Arbeit. Dabei ist das Hochhaus durch seine räumliche Gestaltung, Wohndichte und hohe Einwohnerzahl ein spezifisches System der sozialen Interaktion. Von Interesse ist die grundlegende Frage; welche Einflüsse von der hohen Konzentration einer großen Zahl von Wohnungen und damit einer großen Zahl von Einwohner auf einer geringen Fläche auf die soziale Interaktion zwischen den Nachbarn ausgehen. Um dies zu bestimmen, wird der Begriff der Nachbarschaft abgegrenzt und erläutert. Es folgt eine Aussage zur Entstehung von Nachbarschaft, die einen Vergleich unter den spezifischen Rahmenbedingungen der hochhäuslichen Umwelt ermöglichen. Damit eine Basis für die Untersuchung der für einen Hochhaus charakteristischen kommunikativen Aktivitäten von Nachbarn gebildet wird, soll die Typisierung der nachbarschaftlichen Verhaltensformen nach H. Klages dargestellt werden. Weiterhin ist die Auseinandersetzung mit der sozialen Wirklichkeit eines Hochhauses notwendig. Was macht das Hochhaus spezifisch im Vergleich zu anderen Wohnformen? Lässt sich eine Typologie der Hochhauseinwohner erstellen? Wie lassen sich die sozialen Netzwerke eines Hochhauses bestimmen?
Zwar ist das Wort Nachbarschaft der Herkunft nach von dem Nachbar in älterer Form „Nachbur“, dem nahen Bauer, denjenigen der nahe baut abzuleiten, doch es findet sich schon in der definitorischen Bestimmung der Nachbarschaft von Zedler die Handlungskomponente der nachbarlichen Interaktion und Aktivität , indem es heißt:
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„Nachbarschaft, heißt in diesen rechten überhaupt entweder den Stand (...) oder auch mehrere zu nächst aneinander stoßenden Häuser, Gebäude, oder Güter oder auch bisweilen die daher entstehenden Gerechtsame und Dienstleistungen derer so genannten Nachbarn, des einen gegen den anderen...“ (http://mdz.bibbvb.de/digbib/lexika/zedler/)
Später finden wir auch im Grimmschen Wörterbuch die Nachbarschaft unter anderem als „Verhältnis der Nachbarn zueinander und die damit verbundene Pflichten“. Es folgt ein Versuch einer räumlichen Abtrennung von Nachbarschaft, wo sie als „das gegenseitige Nahesein, die nahe Beziehung, örtlich und verwandtschaftlich“ ( Grimm und Grimm, 1889, S. 27f.) geschildert wird. Es wird sichtbar, dass die räumliche Nähe und soziale Beziehungen die zwei grundlegenden Komponente des Begriffs Nachbarschaft bilden. Das moderne Verständnis des Wortes Nachbarschaft stellt eine Kontinuität zu den Definitionen aus dem 17. und 19. Jahrhundert dar. Im Duden - Wörterbuch wird sowohl von der Gesamtheit der Nachbarn und ihrer unmittelbaren räumlichen Nähe als auch von dem Verhältnis zwischen den Nachbarn gesprochen.
Eine geeignete Grundlage zur Untersuchung des Sachverhalts der Nachbarschaft gibt die Definition von M. Weber, wo er die räumliche Nähe und die gemeinsame Interessenlage als Hauptmerkmale einer Nachbarschaft verbindet. (1976, S. 215) Das Zusammenspiel dieser zwei Kategorien ermöglicht die räumliche Abgrenzung der Nachbarschaft in einem Hochhaus. Sowohl die Definition von Tönnies die Nachbarschaft als Gemeinschaft des Ortes als auch der Versuch von Schubert die Nachbarschaft (nach dem Weberischen Begriff der Vergemeinschaftung) als eine Form der Gemeinschaft des Ortes - lokale Gruppe definieren sind für die Bestimmung der Nachbarschaft in einem Hochhaus zu breit gefasst.(1977, S. )
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Es bleibe immer noch die Frage wie viele Wohnungen bzw. Haushalte zu einer Nachbarschaft gehören und wie sie auf den jeweiligen Stockwerken verteilt sind? Das aus den lexikalischen Wörterbüchern hervorgehende Prinzip der soziale Beziehung (Dienstleistungen im Zedler, Verhältnis und Pflicht bei Grimm, sowie Verhältnis zwischen den Nachbarn bei Duden) nach Weber „ein seinem sinngehallt nach aufeinander gegenseitig eingestelltes und dadurch orientiertes Sichverhalten mehrerer“ (1976, S.13) ist die erforderliche Basis zur Entstehung einer nachbarlichen Kommunikationsstruktur. Um den Gegenstand der Nachbarschaft genau abzugrenzen ist einen Unterscheidung zwischen dem soziologischen Begriff und dem städtebaulichen Gliederungsprinzip der Nachbarschaftseinheit (neighbourhood-unit) notwendig. „Unter dieser Nachbarschaftseinheit versteht man im allgemeinen städtebaulich von einander abgehobene Gliederungseinheiten mit Verwaltungs-und
Versorgungseinrichtungen des kurzfristigen Bedarfs.“ (Herlyn 1970, S. 140) Dem gegenüber existiert die Nachbarschaft im soziologischen Sinne als ein auf den Zusammengehörigkeitsgefühl von Menschen in einer räumlichen Umwelt gegründetes Gebilde, das weder zweckrational organisiert noch bürokratisiert ist.
Die Nachbarschaft als ein Handlungssystem lässt sich schwer systematisieren. Klages stellt eine Typisierung des menschlichen Verhaltens, das hierbei eine Orientierung bieten kann. Er unterscheidet zwischen: 1. Zeremoniellen Verhalten wie Grüßen, Beteiligung an familiären Freud-und Leidereignisseen, die gewisse Information von Nachbarn voraussetzt. Dies ist der Konvention und der Befolgung der Austauschregeln untergeordnet.
2. Solidaritätsverhalten wie gegenseitige Hilfe, kleinere Gefälligkeiten wie die Leihe.
3. individuelle kontaktverhalten - Bekanntschaften mit gegenseitigen Besuchen (Klages 1958, S.127)
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Arbeit zitieren:
M. A. Joanna Kodzik, 2005, Einfluss des Hochhauses auf die nachbarschaftliche Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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