Inhaltsverzeichnis
Einleitung.
1. Klassifikationen
1.1 Begriffsbestimmung
„Klassifikation“
1.2 Entstehung von Klassifikationssystemen
1.3 Die Verwendbarkeit von Klassifikationssystemen
1.4 Verschiedene Klassifizierungssysteme in der Pflege
2. Klassifikation der Pflegephänomene
2.1 Die Verwendbarkeit von Klassifikationen der
Pflegeph änomene
2.2 ICNP (International Council of Nurses
Project )
3. Klassifikation der Pflegeinterventionen
3.1 Die Verwendbarkeit von Klassifikation der Pflegeinterventionen
3.2 NIC (Nursing Interventions Classification)
4. Klassifikation der Pflegeergebnisse
4.1 Die Verwendbarkeit von Klassifikation der Pflegeergebnisse
4.2 NOC (Nursing Outcomes Classification)
5. Klassifikation der Pflegediagnosen
5.1 Begriffsbestimmung
5.2 Die Verwendbarkeit von Klassifikationen der
Pflegediagnosen
5.3 Entstehung der
Pflegediagnosen
5.4 Aufbau und Struktur der NANDA-Taxonomie-II
5.4.1 Die Ebenen der NANDA-Taxonomie-II
5.4.2 Die Achsen der NANDA-Taxonomie-
II
5.5 Arten von Pflegediagnosen
5.6 Die Weiterentwicklung der NANDA Struktur
6. Klassifikationssysteme im Kontext zum Pflegeprozesses
7. Fazit
Quellenangaben
2
Einleitung
Unsere Gesellschaft hat stets die Entwicklung von Berufen unterstützt, die ihre Bedürfnisse erfüllen und ihre Probleme mit qualifiziertem und fundiertem Wissen lösen. Viele dieser Berufsgruppen haben sich so im laufe der Zeit professionalisieren können. Bezieht man dies auf den Bereich der Pflege, ist es realistisch anzunehmen, dass es gleichermaßen Wunsch der Pflegenden und der zu pflegenden Menschen ist, die Pflegequalität weiter zu verbessern und für eine zunehmende Professionalisierung zu sorgen.
Gegenwärtig befindet sich jedoch dieser Beruf in einer Phase, in der er dem Druck der Ökonomisierung, den immer umfangreicher werdenden Gesetzen und nicht zuletzt dem steigenden Qualitätsniveau gerecht werden muss. Die Frage, wie die Berufsgruppe der Pflege in dieser komplexen Situation ihre Leistung detailliert und darüber hinaus unmissverständlich darstellen und erfassen kann, ist bedeutender als je zuvor. Seit Beginn der siebziger Jahre werden in den USA Klassifikationssysteme weiterentwickelt und unter anderem auch zur Leistungserfassung eingesetzt. Die vorliegende Ausarbeitung soll einen Einblick verschaffen, wie und ob Klassifikationssysteme, die nun auch im deutschsprachigen Raum diskutiert werden, geeignete Instrumente zur Abbildung der Leistungen von professioneller Pflege sein können.
Die Diskussion über Klassifikationssysteme ist in Deutschland stark von der Entwicklung im Ausland, insbesondere in den USA abhängig. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass dort eine Pflegefachkraft für die von ihr bestimmten Therapiemaßnahmen die Verantwortung trägt, eine Kompetenz, die berufspolitische und juristische Dimensionen hat. Dort wählt eine Pflegefachkraft Maßnahmen und Pflegeziele häufig mit Hilfe von Klassifikationssystemen, wie beispielsweise Pflegediagnosen aus. Neben einigen anderen Ordnungssystemen wird auch auf diese im Hauptteil eingegangen. Bei den zur Veranschaulichung ausgewählten Klassifikationen handelt es sich um die hierzulande wohl bekanntesten und zudem auch am fortschrittlichsten herangebildeten Systematiken.
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Ihre Historie, ihre Ziele, ihr Aufbau und ihr Nutzen für die Pflege werden nachfolgend darlegt. Im Fazit soll abschließend versucht werden, eine Antwort auf die abgewandelte Frage zu finden, ob und wie Klassifikationssysteme das geeignete Instrument zur Darstellung sind, „was Pflege leistet“.
1. Klassifikation
1.1 Begriffsbestimmung „Klassifikation“
Ein Begriff kann nur durch mehrere Wörter definiert werden. Wichtig zur Handhabung ist hierbei deren Präzisierung. Deshalb soll die Wortbedeutung von „Klassifikation“ und zusammenhängender Begriffe näher erörtert werden. Das Anliegen, Phänomene 1 die miteinander in Beziehung stehen, systematisch zu ordnen, beschreibt man als klassifizieren 2 . Dabei werden wahrgenommene Gegenstände, Ereignisse oder Verhaltensweisen als Phänomen bezeichnet. Für diese Phänomene werden Begriffe oder Konzepte gebildet die gekennzeichnet sind durch eigens zugeordnete Wörter. Hierbei bildet eine Zusammenstellung ähnlicher Gegenstände oder Phänomene eine „Klasse“. Werden diese Benennungen typischerweise von einer bestimmten Benutzergruppe verwendet, entsteht eine Auswahl von Bezeichnungen, die ein System von Begriffen repräsentiert, wie z. B. medizinische Fachbegriffe. Dieser Fachwortschatz wird als Terminologie 3 bezeichnet. Das Klassifizieren von Begriffen einer Terminologie, die Taxonomie 4 (Synonym für Klassifikation, das folgend weiter verwendet wird) entspricht somit einem „terminologischen System“, welches zudem die Beziehung der Begriffe zueinander ausdrückt. 5
1 Phänomen: [...] etwas, was als Erscheinungsform auffällt, ungewöhnlich ist; Erscheinung.
Vgl. Duden, (2005).
2 Klassifizieren: [...] jemanden. od. etwas (z. B. Tiere, Pflanzen) in Klassen einteilen, einordnen.
Vgl. Duden, (2005).
3 Vgl. Duden (2005).
4 Taxonomie: […] Teilgebiet der Linguistik, auf dem man durch Segmentierung u. Klassifikation sprachlicher
Einheiten den Aufbau eines Sprachsystems beschreiben will. Vgl. Duden (2005)
5 Vgl. König, P., (2000), In: Etzel, B. S., (2000).
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Eine weitere Erklärung beschreibt Klassifikation als „[…] die Zusammenfassung von Objekten/Subjekten zu Teilmengen aufgrund ihrer Ähnlichkeit. Eine Klasse (Gruppe, Cluster) ist dadurch gekennzeichnet, dass sie einerseits in sich homogen ist, andererseits sich zu anderen heterogen verhält, […].“ 6
1.2 Entstehung von Klassifikationssystemen
Etwas systematisch einteilen, gliedern und strukturieren sind charakteristische Verhaltensweisen von Menschen. Im Alltag der Pflegenden ist von einer einzuhaltenden Anordnung der Medikamente, über die Lagerung der Pflegehilfsmittel bis hin zu der Belegung einer Station sehr vieles mit dieser Systematik verbunden. 7 So ist es auch sinnvoll, erwobenes Wissen und Erfahrungen bspw. über Krankheiten und deren Therapien methodisch zu erfassen. Ansonsten würde man in der Praxis tendenziell in Dimensionen der Rituale, Traditionen oder Überlieferungen agieren. Klassifizierungssysteme gliedern Erkenntnisse, machen Wesentliches sichtbar, benennen das, was sie strukturieren und definieren Begriffe, die sie verwenden. Wie in auch der originären Medizin sind Taxonomien in verschiedenen Bereichen der Wissenschaft früh zu Stande gekommen. Kennzeichen und Symptome von Krankheiten wurden mit Namen benannt, welche in einigen Fällen heute noch Gültigkeit besitzen und in ihrem Ursprung bis in die antike Zeit reichen. Somit entstehen durch sie auch Fachsprachen. Werte und Überzeugungen einer Gesellschaft hatten schon immer großen Einfluss auf die Einteilung von Begriffen. Eine Schwangerschaft z.B. war in der Vergangenheit in den meisten Fällen ein unkomplizierter physischer Vorgang. Heute wird sie als Umstand eingestuft, der einer medizinischen Versorgung bedarf. Wenn in einem bestimmten Fachbereich, wie z. B. in der Pflege oder in der Medizin, gewonnene Daten klassifiziert werden sollen, lässt sich bereits anhand der Begriffsbestimmung deuten, dass dazu bestimmte Vorrausetzungen erforderlich sind.
6 Zitat nach: Schanz, B., Herzer, R., (2002). In: Die Schwester/Der Pfleger, 41. Jhg., 01/02, S. 46.
7 Vgl. v. d. Bruggen, H., ( 2002) S. 17.
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Ein bestimmtes Maß an spezifischen Kenntnissen ist wünschenswert, daneben eine gut entwickelte Kognition 8 , um Phänomene die typisch in einem dieser Bereiche auftreten, wahrnehmen und später klassifizieren zu können. 9
1.3 Die Verwendbarkeit von Klassifikationssystemen
Taxonomien werden nicht ohne Intension entwickelt sondern stets auf Ziele hin entworfen, die sich in ihnen wiederfinden lassen. Die Absichten bestimmen den Fokus einer Klassifikation. Beim Aufbau eines solchen Systems sind eine eindeutige Zielsetzung über den zu klassifizierenden Gegenstand und Zweckbestimmung eine wichtige Grundlage. So sollen z.B. Überschneidungen oder Fehlinterpretationen verhindert werden.
Sie sind ein Werkzeug zur Beschreibung und Bündelung von Phänomenen und lassen Rückschlüsse auf deren komplexe Zusammenhänge zu. Zusammengetragene Daten aus einem bestimmten Bereich werden repräsentiert und aufgrund der entstehenden Vergleichbarkeit nutzbar gemacht. In der medizinischen Wissenschaft kann man mit den bereits herangebildeten und angewendeten Klassifikationssystemen u.a. Diagnosen strukturieren und erfassen, Behandlung planen und Prognosen erstellen. Zusätzlich bilden Ordnungssysteme eine breite Basis für Forschung und Wissenschaft. Taxonomien eines Spezialgebiets sind nicht nur ein Instrument zur Einteilung und Anordnung von Phänomenen und gesammelter Fakten bezogen auf die eigene Ausrichtung, sondern können auch angewendet werden, um weitere Klassifikationen mit abweichenden Zielrichtungen zu entwerfen. Klassifikationssysteme bilden eine Quelle, die sich zur Qualitätssicherung und Förderung von Innovation nutzen lässt. Mittels ihres festgelegten sprachlichen Aufbaus, ihrer eigenen Nomenklatur 10 , wird es möglich, präzise und einheitlich auftretende Phänomene zu benennen.
8 Kognition: [...] Gesamtheit aller Prozesse, die mit dem Wahrnehmen u. Erkennen zusammenhängen.
Vgl. Duden (2005).
9 Vgl. Gordon, M., Bartholomeyczik, S., (2001), S. 73.
10 Nomenklatur: [...] System der Namen u. Fachbezeichnungen, die für ein bestimmtes Fachgebiet, o. Ä.
(allgemeine) Gültigkeit haben. Vgl. Duden, (2005).
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Fachgebiete werden in die Lage versetzt, Nachschlagewerke zu verfassen, die wiederum einen uniformierten 11 Sprachgebrauch ermöglichen. 12
1.4 Verschiedene Klassifizierungssysteme in der Pflege
In der Medizin existieren bereits zahlreiche unterschiedliche Taxonomien. Renommiert ist die von der Weltgesundheitsorganisation anerkannte ICD-Systematik (International Statistical Classification of Diseases and Relatet Health Problems) zur Erfassung von medizinischen Diagnosen.
Auch in Rehabilitations- und Langzeitversorgungsbereichen im Gesundheitssystem hat sich ein Klassifikationssystem fest etablieren können. Leider sind Ordnungssysteme in der Pflege, die einen sehr großen Bereich des Gesundheitswesens einnimmt, kaum oder wenig bekannt. 13 Dennoch haben sich auch dort in den letzten Jahrzehnte unterschiedliche Ordnungssysteme neu gebildet oder es wurden verfügbare Gliederungen weiterentwickelt. Angesichts des vorgegebenen Rahmens muss sich diese Arbeit auf vier Klassifikationssysteme beschränken.
Beispielhaft und stellvertretend für andere Taxonomien werden die wahrscheinlich bekanntesten und am weitesten beforschten Systeme hier dargestellt. Softwarehersteller für den Gesundheitssektor nutzen sie teilweise heute schon als Grundstruktur in ihren Programmen. Die folgende Abbildung soll die Kategorien, in die sich Klassifikationssysteme der Pflege einteilen lassen, veranschaulichen und ihre Stellung zum Pflegeprozess (links) andeuten. Aus Gründen der vereinfachten Illustration ist dieser Prozess nicht wie angedacht als Regelkreis beschaffen, sondern als Ablaufdiagram.
11 Uniform: [...] gleich-, einförmig; gleichmäßig, einheitlich. Vgl., Duden, (2005).
12 Vgl. Gordon, M., Bartholomeyczik, S., (2001), S. 471.
13 Vgl. Lauer, A. (2000). In: Die Schwester/Der Pfleger, 39 Jhg., 08/00, S. 694.
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Arbeit zitieren:
Wolfgang Kamptz, 2006, Wie kann die Pflege darstellen, was sie leistet?, München, GRIN Verlag GmbH
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