Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1. Vorbemerkung 1
1.2. Begründung des Themas. 1
1.3. Leitfrage des Unterrichtsvorhabens 2
2. Bewegung. 3
2.1. Definition Bewegung 3
2.2. Das Bedürfnis sich zu bewegen. 3
2.3. Entwicklung von Bewegung 4
2.4. Deutung von Bewegung für Entwicklung 5
2.5. Funktionen der Bewegung für die Entwicklung von Kindern 6
2.6. Warum Bewegungsförderung bei Schülern mit geistiger Behinderung? 7
2.7. Warum Bewegungsförderung bei meinen Schülern? 9
3. Sportunterricht. 10
3.1. Das Sportverständnis im Allgemeinen 10
3.2. Das erweiterte Sportverständnis 11
3.3. Themenorientierung im Rahmen des erweiterten Sportverständnisses12
3.4. Das erweiterte Sportverständnis bei meinen Schülern 13
4. Olympische Winterspiele 13
4.1. Definition. 13
4.2. Die olympische Idee pädagogisch gesehen. 14
4.3. Olympische Winterspiele als Möglichkeit eines themenorientierten
Sportunterrichts an Schulen für Geistigbehinderte. 15
5. Lernausgangslagen der Schüler 17
5.1. Beschreibung der Klasse 17
5.2. Die Schüler im einzelnen 17
5.2.1. B. (13 Jahre) 17
5.2.2. C. (12 Jahre) 19
5.2.3. X. (9 Jahre) 21
5.2.4. D. (9 Jahre) 22
5.2.5. E. (11 Jahre) 23
5.2.6. F (10 Jahre) 25
6. Ziele und Legitimation des Vorhabens 26
6.1. Personale Legitimation 26
6.2. Formale Legitimation 27
6.3. Durchgängige Lernziele des gesamten Vorhabens 27
7. Das Unterrichtsvorhaben im Überblick. 30
7.1. Vorstellen des Vorhabens. 30
7.2. Mittelfristiger Arbeitsplan. 30
8. Darstellung ausgewählter Unterrichtseinheiten 32
8.1. Kurzübersicht Unterrichtseinheit 1 32
8.2. Ausführliche Darstellung Unterrichtseinheit 4 33
8.2.1. Methodisches Vorgehen. 33
8.2.2. Anforderungen des eingesetzten Materials 34
8.2.3. Unterrichtsverlauf 35
8.2.4. Reflexion 37
8.3. Ausführliche Darstellung Unterrichtseinheit 5 38
8.3.1. Methodisches Vorgehen. 38
8.3.2. Anforderungen des eingesetzten Materials 40
8.3.3. Unterrichtsverlauf 41
8.3.4. Reflexion 42
8.4. Kurzübersicht Unterrichtseinheit 6 44
8.5. Kurzübersicht Unterrichtseinheit 8 45
9. Gesamtreflexion. 46
9.1. Rückblick auf die durchgängigen Lernziele. 46
9.2. Schlussgedanken. 47
10. Literaturverzeichnis 49
1. Einleitung
1.1. Vorbemerkung
Zum Schuljahresbeginn fand im Rahmen des Sportunterrichtes in meiner Klasse ein Waldprojekt statt. Die Schüler waren von Anfang an mit Begeisterung bei der Sache. Schnell stand für mich fest, dass das Bedürfnis meiner Schüler nach Bewegung im Freien sehr groß ist. Zudem zeigten sie mir auf, dass Geschichten und spielerisch eingebundene Themen ihre Motivation ungleich erhöhten.
Basierend auf diesem Hintergrund, wurde mir klar, dass ich mich im Rahmen meiner Facharbeit mit Bewegungsförderung anhand von themenorientiertem Sportunterricht auseinander setzen würde. Die Idee, dass die Olympischen Winterspiele den Rahmen dieses themenorientierten Unterrichtes vorgeben sollten, kam mir als ich an einem schönen Wintertag mit meinen Skating Ski auf der Alb unterwegs war.
1.2. Begründung des Themas
Das Spektrum meiner Klasse umfasst Schüler, die motorisch ungelenk und bewegungsarm sind. Bewegung spielt folglich in ihrer Lebenswirklichkeit eine eher untergeordnete Rolle und ist teilweise negativ besetzt. Die Bedeutung von Bewegung für die physische und psychische Entwicklung ist allgemein bekannt. Ein mir wichtiges Anliegen ist es, die Bewegung meiner Schüler zu fördern. Sie sollen erfahren können, dass Bewegung sich positiv auf ihr Selbstwertgefühl auswirken kann. Ich will ihnen Freude und Lust am Sport in der freien Natur vorleben und sie vor allem selbst erfahren lassen. Für meine Schüler ist es sinnvoll, wenn der Sportunterricht an Handlungssituationen orientiert ist und sich der inhaltliche Schwerpunkt über mehrere Wochen thematisiert. Somit ist es ihnen besser möglich, sich in die Thematik einzuleben und sie mitzuerleben. Die Olympischen Winterspiele als epochales Thema meiner Facharbeit bieten sich hier an. Die Schüler können hierbei zusätzlich erleben, dass sie an aktuellen und populären Sportereignissen teilnehmen können.
1.3. Leitfrage des Unterrichtsvorhabens
Mein Ziel ist es herauszufinden, wie sich Schüler zu körperlicher Aktivität motivieren lassen. Kann ich anhand eines themenorientierten Sportunterrichts die Bewegung fördern?
Mit dieser Fragestellung setze ich mich im Rahmen dieser Arbeit auseinander.
Hierzu werde ich mich im theoretischen Teil, ausgehend von den Begriffsdefinitionen, mit der Entwicklung von Bewegung und deren Bedeutung für die kindliche Entwicklung auseinander setzen. Darauf aufbauend zeige ich mit der Unterstützung entsprechender Fachliteratur auf, warum die Bewegung von Schülern mit geistiger Behinderung im Allgemeinen und meiner Schüler im Speziellen gefördert werden soll.
Hierauf aufbauend führe ich aus, dass sich eine Themenorientierung im Rahmen des erweiterten Sportverständnisses anbietet. Zum Abschluss des theoretischen Teils werde ich noch auf die Olympischen Winterspiele als eine Möglichkeit des themenorientierten Sportunterrichtes eingehen.
Im praktischen Teil der Arbeit werde ich dann, auf der Basis des erweiterten Sportverständnisses nach Sowa, das Unterrichtsvorhaben Olympische Winterspiele hinsichtlich der Bewegungsförderung umsetzen und testen. In der abschließenden Gesamtreflexion werde ich auf die durchgängigen Lernziele zurückblicken. In dem abschließenden Fazit werde ich ausgehend von meinen gesammelten Erkenntnissen aufzeigen, ob die Förderung der Bewegung durch dieses Sportverständnis sinnvoll umzusetzen ist.
2. Bewegung
2.1. Definition Bewegung „1. rühren; (geh.): regen…“ 1
„Bewegung bedeutet mehr als Sport, Bewegung bedeutet Kommunikation mit der Umwelt, Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit, über die tätige Ausei-nandersetzung mit der Umwelt lebensnotwendige Erfahrungen für die Persönlichkeitsentwicklung zu sammeln. Für den geistig Behinderten eröffnet sich damit eine Entwicklungsförderung durch Bewegung, die das Konzept der Erziehung zur Bewegung weit überschreitet.“ 2
So viel sagt die Literatur zur Definition von Bewegung. Bewegung bedeutet auch für mich weit mehr als nur Sport und Fortbewegung. Wir können gedanklich in Bewegung bleiben, und selbst wenn unser Körper sich scheinbar nicht bewegt, schlägt doch unser Herz und das Blut zirkuliert in unserem Körper.
2.2. Das Bedürfnis sich zu bewegen
Bewegung ist ein grundlegendes Bedürfnis eines jeden Menschen. Der Mensch ist von seinem Wesen her darauf angewiesen. Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang, sie sind ständig in Bewegung und suchen alles, um diesen Drang auszuleben.
Bewegung ermöglicht im Zusammenspiel mit den Sinnen die Verbindung der Innenwelt zur Umwelt. Auch in den Handreichungen der Sportjugend Hessen wird die Auffassung vertreten, dass ohne Wahrnehmung keine Bewegung stattfindet. 3
1 Synonymwörterbuch Duden, 2004, S. 209.
2 Schilling in Sowa, M., 1994, S. 78.
3 Vgl. Sportjugend Hessen, S. 11.
Bewegungsfähigkeit ist Grundlage der kognitiven, emotionalen und sozialen Entwicklung.“ 4 Für die menschliche Entwicklung ist Bewegung somit fundamental wichtig.
In Bewegung werden die eigenen Grenzen erfahren und erweitert. Bewegung kann Ausgleich, aber auch Leistungszuwachs bedeuten und wirkt sich positiv auf das Selbstwertgefühl aus.
2.3. Entwicklung von Bewegung
Die menschliche Bewegungsentwicklung reicht von unbewusst ablaufenden Reflexen bis hin zu exakt ausgeführten feinmotorischen Bewegungen und der Darstellung von Empfindungen. In den ersten Lebensjahren werden grundlegende Fertigkeiten wie Greifen und Gehen ausgebildet. Dies führt zur weiteren Aneignung und Verbesserung vielfältiger Bewegungsformen bis hin zu ersten Bewegungskombinationen. 5 Da dies aber ein sehr komplexer Vorgang ist, werde ich nur die wichtigsten Aspekte hervorheben und die motorische Entwicklung des Kindes in vier Phasen vorstellen. „Die motorische Entwicklung des Kindes bis zum Schulalter lässt sich durch vier Phasen charakterisieren: 1. - 3. Lebensmonat: Ungerichtete Massenbewegungen 3. - 12. Lebensmonat: Erlernen erster koordinierter Bewegungen (Greifen, aufrechter Gang und Fortbewegung). 2. - 3. Lebensjahr: Aneignung vielfältiger Bewegungsmuster (Klettern, Laufen, Werfen)
4. - 7. Lebensjahr: Generalisierung zahlreicher Bewegungsmuster und Erlernen erster Bewegungskombinationen (Kinder brauchen jetzt ganz viele Möglichkeiten, diese körperlichen Fähigkeiten z.B. Rennen, Klettern, Springen, Balancieren in vielfältiger Weise zu üben, um dadurch Körperbeherrschung und Selbstsicherheit zu erlangen).“ 6
4 Lehrplanheft, 1982, S. 79.
5 Vgl. Sportjugend Hessen, S. 13.
6 Sportjugend Hessen, 2002, S. 13.
2.4. Bedeutung von Bewegung für Entwicklung
Die Bewegung ist ein bedeutendes Element in der menschlichen Entwicklung. Das Kind eignet sich die Umwelt Schritt für Schritt durch Bewegung an. Es setzt sich aktiv und handelnd mit der Umwelt über Bewegung auseinander und erfährt somit Lernzuwachs.
Des Weiteren sind an der Entwicklung des Kindes körperliche Reifungsprozesse (Bewegungsapparat, Nervensystem) beteiligt. „Es besteht eine Wechselbeziehung zwischen Motorik und allen Entwicklungsbereichen“:
7 Sportjugend Hessen, 2003, S.11.
2.5. Funktionen der Bewegung für die Entwicklung von Kin-
dern
[Um die einzelnen Funktionen in Bezug auf mein Vorhaben zu verdeutlichen, füge ich eigene Beispiele in kursiver Schrift an.] „Personale Funktion: Den eigenen Körper und damit sich selber kennen lernen; sich mit den körperlichen Fähigkeiten auseinandersetzen und ein Bild von sich selbst entwickeln.
[Die Schüler lernen bei den Sportarten ihren Körper einzuschätzen und sich selbst besser kennen]. Soziale Funktion: Mit anderen gemeinsam etwas tun, mit - und ge-geneinander spielen, sich mit anderen absprechen, nachgeben und sich durchsetzen. [Gemeinsames Sporttreiben, Regeln einhalten]. Produktive Funktion: Selber etwas machen, herstellen, mit dem eigenen Körper etwas hervorbringen (z.B. eine sportliche Fertigkeit wie einen Handstand oder Tanz). [Sportarten, wie z.B. das Curling, korrekt ausführen].
Gefühle und Empfindungen in Bewegung ausdrü-Expressive Funktion: cken, körperlich ausleben und ggf. verarbeiten. [Den Mitschülern beim Sportwettbewerb zujubeln und applaudieren].
Gefühle wie Lust, Freude, Erschöpfung und Energie empfinden, in Bewegung erfahren. Impressive Funktion: [Nach dem Sport Freude und auch Erschöpfung wahrnehmen].
Die dingliche und räumliche Umwelt kennen lernen und sich erschließen, sich mit Objekten und Explorative Funktion: Geräten auseinandersetzen und ihre Eigenschaften erfassen, sich den Umweltanforderungen an- passen bzw. sie sich passend machen.
[Neue Sportarten und -geräte kennen lernen und nach Bedarf modifizieren]. Sich mit anderen vergleichen, sich miteinander messen, wetteifern und dabei sowohl Siege ver-Komparative Funktion: arbeiten als auch Niederlagen ertragen lernen. [Sich im Sport und beim Wettbewerb mit den anderen messen. Erfolg und Misserfolg ertragen]. Belastungen ertragen, die körperliche Grenzen kennen lernen und die Leistungsfähigkeit stei-Adaptive Funktion: gern, sich selbstgesetzten und von außen gestellten Anforderungen anpassen.“ 8 [Die Schüler erfahren ihre körperliche Leistungsgrenze sowie einen Leistungszuwachs durch das Training für die Olympischen Spiele].
2.6. Warum Bewegungsförderung bei Schülern mit geistiger
Behinderung?
Bewegung ist der Motor der menschlichen Entwicklung. Wie sieht dies nun bei Menschen mit geistiger Behinderung aus?
Die Entwicklung bei Menschen mit geistiger Behinderung verläuft in der Regel in der gleichen Abfolge wie bei allen Kindern. Oft ist sie aber wesentlich verlangsamt und kann Stillstände, Rückschritte, Brüche und Sprünge aufweisen. 9
Geistige Behinderung kann schwere oder weniger schwere Auswirkungen auf die Bewegungsentwicklung eines Kindes haben. Die Bewegungen können in ihrer Qualität und in ihrer Quantität anders sein oder von den Bezugspersonen schlechter entschlüsselt werden, als bei einem Kind ohne Behinderung. 10 Zudem ist bei Schülern mit geistiger Behinderung mit einer zuneh-
8 Vgl.Sportjugend Hessen, 2003, S. 11-13.
9 Vgl. Günthner W., 07. 2005.
10 Herm S., 1996, S. 94-95.
menden Einschränkung der Kognition eine vermehrte Undifferenziertheit und Ungesteuertheit der Motorik zu beobachten.
Dies kann bei Schülern mit geistiger Behinderung zu einem Teufelskreis führen. Wobei hier nicht immer klar ist, welche Bewegungsbeeinträchtigungen durch die Behinderung verursacht werden und welche als Wirkung der Unter-forderung, fehlender Umweltreize und fehlendem Selbstbewusstsein auftreten. 11
Bewegung fördert aber in jedem Fall die Persönlichkeitsentwicklung. Aus diesem Grunde kommt für mich der Bewegungsförderung bei Schülern mit geistiger Behinderung eine wichtige Bedeutung zu. In den Seminarunterlagen zu Handling lässt sich unterstützend dazu folgender Satz finden. „[…] Bewegungsförderung ist ohne Zweifel mit das zentralste Aufgaben- und Handlungsfeld, dem sich die Schule für Körperbehinderte stellen muss. Bewegung und somit auch Bewegungsbeeinträchtigung stehen in intensiver Wechselwirkung vor allem zu der kognitiven, aber auch emotionalen und sozialen Entwicklung der Persönlichkeit des Kindes.“ 12 Schilling schreibt: „Bewegungserziehung hat das Ziel, dass das Kind lernt, sich selbst und die Umwelt optimal zu beherrschen.“ 13 Im gleichen Abschnitt lassen sich folgende Ziele finden, welche mit der Bewegungserziehung bei jüngeren Menschen mit geistiger Behinderung verfolgt werden sollen: • . Raum - Zeit Orientierung, • Verbesserung des Körpererlebens, des Körperschemas, • Ausdifferenzierung der einzelnen Wahrnehmungsfunktionen als Basis
für eine differenzierte Eigenständigkeit, die zur Selbstständigkeit führen soll,
• Allgemeine Entwicklungsförderung, • Verbesserung der Bewegungsfähigkeit, • Verbesserung der Leistung allgemein, • Verbesserung des Selbstwertgefühls,
11 Vgl. Glas, P., 1999 online im Internet.
12 Strehle Thron E., 2005.
13 Schilling in Sowa M.1994 S. 79.
Arbeit zitieren:
Evelyn Felicitas Jaksch, 2006, Olympische Winterspiele - Bewegungsförderung anhand von themenorientiertem Sportunterricht in der Schule für Geistigbehinderte, München, GRIN Verlag GmbH
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