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Inhaltsverzeichnis:
I. Einleitung
II. Das Rollenkonzept der Zivilmacht
1) Die Rollentheorie
2) Vor- und Nachteile der Rollentheorie
3) Der Idealtypus der Zivilmacht
4) Analysekategorien für Zivilmächte
5) Deutschland als Zivilmacht?
III. Die Modelle des Machtstaates und des Handelsstaates
1) Das realistische Modell des Machtstaates
2) Das liberale Modell des Handelsstaates
IV. Kritik am Zivilmachtsmodell
V. Fazit
VI. Literaturverzeichnis
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I. Einleitung:
„In den 1990er Jahren ist die Produktion wissenschaftlicher Abhandlungen zur deutschen Außenpolitik explodiert.“ 1 Bereits dieses Zitat macht deutlich, dass die Quantität neuer Beiträge zur Außenpolitikforschung enorm zunahm. Auch die Klassifizierung deutscher Außenpolitik differierte von Wissenschaftler zu Wissenschaftler. Sie reicht von „Mittelmacht (Wilfried von Bredow), Regionalmacht (Arnulf Baring), Zentralmacht in Europa (Hans-Peter Schwarz), Führungsmacht (Helga Haftendorn), Weltwirtschaftsmacht Norbert Kloten), Euro -Hegemon (Reinhard Rode), Handelsstaat (Volker Rittberger), Großmacht (Peter Schlotter), Hegemonialmacht (Caroline Thomas / Klaus-Peter Weiner) [...] [bis zu] Weltmacht (Christian Hacke)“ 2 .
Ziel dieser Hausarbeit soll nicht darin bestehen, zu untersuchen, welches dieser Konzepte am besten zur Erklärung der deutschen Außenpolitik geeignet scheint, sondern es soll die Theorie eines völlig anderen Modells vorgestellt werden: „Das Rollenkonzept der Zivilmacht“. Es soll dabei der Frage nachgegangen werden, ob das „Zivilmachtskonzept“ als Erklärungsmuster für solche Staaten in Betracht kommt, deren außen- und sicherheitspolitische Orientierungen, trotz ähnlicher Vorraussetzungen in der Struktur des internationalen Systems, stark von anderen Staaten abweicht. 3 „Ferner wird danach gefragt, welche Stärken und Schwächen der rollentheoretische Zugang des Zivilmachtsansatzes (gegenüber anderen Ansätzen) bei der Erklärung der deutschen Außenpolitik aufweist.“ 4 Hierbei wird zuerst auf die Entwicklung des „Idealtypus Zivilmacht“ und seine theoretischen Annahmen eingegangen. Dabei wird auch ein Analysekatalog aufgestellt werden, anhand dessen man untersuchen kann, ob bzw. inwieweit sich ein Staat „Zivilmacht“ nennen darf. Anhand dieses Kataloges wird im Folgenden kurz die bundesdeutsche Außenpolitik untersucht, und der Frage nachgegangen, ob man die BRD eine „Zivilmacht“ nennen kann, oder ob andere außenpolitische Konzepte ebenfalls Beachtung finden sollten. Zwei dieser Modelle, das realistische Konzept des Machtstaates und das liberale Modell des Handelsstaates, werden im zweiten Teil näher beleuchtet.
1 Zit. in: Hellmann, Gunther, 2002: Sag beim Abschied leise servus. Die Zivilmacht Deutschland beginnt, ein
neues "Selbst" zu behaupten, in: Politische Vierteljahresschrift, Nr. 3 / 2002, S. 498.
2 Zit. in: Frenkler, Ulf / Harnisch, Sebastian / Kirste, Knut / Maull, Hanns W. / Wallraf, Wolfram, 1997:
DFG-Projekt "Zivilmächte“: Schlußbericht und Ergebnisse. Deutsche, amerikanische und japanische
Außenpolitikstrategien 1985-1995: Eine vergleichende Untersuchung zu Zivilisierungsprozessen in der Triade,
Trier, siehe: http://www.politik.uni-trier.de/forschung/workshop/dfgfinal.pdf, S. 16.
3 Vgl.: Kirste, Knut / Maull, Hanns W., 1996: Zivilmacht und Rollentheorie, in: Zeitschrift für internationale
Beziehungen, Nr. 2 / 1996, S. 283.
4 Harnisch, Sebastian, 2000: Deutsche Außenpolitik nach der Wende: Zivilmacht am Ende?, S. 6.
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Den Abschluss des Hauptteils dieser Arbeit bildet eine Kritik des „Zivilmachtkonzeptes“, sowohl von den Verfechtern (hierbei vor allem Sebastian Harnisch), als auch von Kritikern (Henning Tewes). Im Fazit werden die gewonnenen Erkenntnisse kurz zusammengefasst werden, sowie ein Ausblick zur Anwendbarkeit gegeben.
Grundlage dieser Arbeit bilden vor allem die zahlreichen Aufsätze und Beiträge der Mitarbeiter des Lehrstuhles für Außenpolitik und Internationale Beziehungen an der Universität Trier. 5 Zu aller erst zu nennen ist hierbei sicherlich Professor Dr. Hanns W. Maull, der maßgeblich zur Entwicklung des „Zivilmachtmodells“ im Rahmen des DFG Projektes „Zivilmächte“ beigetragen hat. Die Konzepte des Machtstaates und des Handelsstaates werden vor allem auf Grundlage der Aufsätze von Volker Rittberger und Christina Schrade dargestellt, während ich mich bei der Kritik hauptsächlich an den Beitrag von Henning Tewes halte.
5 Link zum Lehrstuhl: http://www.politik.uni-trier.de/liba/index.php
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II. Das „Rollenkonzept der Zivilmacht“
1) Die Rollentheorie
Der Begriff der Rollentheorie stammt ursprünglich aus dem Gebiet der Soziologie und wurde dort konzipiert um individuelles menschliches Verhalten im Rahmen sozialer Beziehungen zu erklären. Die Rolle wurde dabei definiert „als das Verhalten, das vom Inhaber einer bestimmten gesellschaftlichen Stellung, z.B. einem Vater, Lehrer oder Vorgesetzten, im Umgang mit anderen allgemein erwartet wird“ 6 . Das erwartete Verhalten wird dabei von zwei Variablen bestimmt. Zum Einen sind dies die Erwartungen Anderer (der sogenannte alterpart) und zum Anderen ist die Eigendefinition des Rolleninhabers entscheidend (sogenannter ego-part) 7 . Maull und Kollegen haben sich überlegt, ob man diese individualbezogene Theorie auch auf Staaten übertragen und anwenden kann. Sie kommen zum Ergebnis, dass dies möglich sein müsste, da eine handlungsfähige Außenpolitik eben auch auf eine breite Zustimmung bei den politisch relevanten Bevölkerungsschichten, also bei den einzelnen Individuen, finden muss. Man kann den Staat hiernach also als ein Kollektiv relevanter außenpolitischer Eliten auffassen. Dabei gehen Maull und Kollegen von einem Staat aus, der als sozial, regelgeleiteter Akteur handelt, dabei in ein Netz von Normen und Werten eingebunden ist und seine Handlung sowohl an diesen Normen und Werten, als auch an Erwartungshandlungen von außen (alter-part) orientieren muss. Deshalb verordnen sie ihre Rollentheorie als konstruktivistisch, reflexiv - interpretativen Ansatz der Außenpolitikanalyse. 8
Der Begriff der Rollen auf Staatsebene ist folglich definiert als „geplante - d.h. kollektiv normierte und individuell konzipierte - und von Repräsentanten realisierte Einstellungs- und Verhaltensmuster von Staaten [...] in internationalen Systemen“ 9 .
6 Zit. in: Kirste / Maul, 1996, S. 286.
7 Vgl.: Harnisch, Sebastian, 1997a: Der Zivilmachtsansatz ist keine Schönwettertheorie. Überlegungen zur
methodischen und theoretischen Verortung, Trier, S. 21; Frenkler / Harnisch / Kirste / Maull / Wallraf, 1997, S.
109.
8 Vgl: Kirste / Maul, 1996, S. 285.
Zum Verhältnis von Normen und Werten: Boekle, Henning / Volker Rittberger / Wolfgang Wagner, 1999:
Normen und Außenpolitik. Konstruktivistische Außenpolitiktheorie, Tübingen.
9 Zit. in: Kirste / Maul, 1996, S. 289.
Arbeit zitieren:
Mathias Dittrich, 2006, Das Rollenkonzept der Zivilmacht, München, GRIN Verlag GmbH
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