Inhaltsverzeichnis
I) Einleitung
3
II) Vergleiche der wichtigsten Sozialisationsinstanzen
im Jugendalter
4 24
1 ) Die Familie als Sozialisationsinstanz der Jugendlichen
4 11
1.1 ) Struktur der Familie 4
1.2 ) Interne familiäre Veränderungen 5 6
1.3 ) Autorität der Eltern 6 8
1.4 ) Bildung von beruflichen Interessen der Kinder 8 9
1.5 ) Probleme in der Familie 9 10
1.6 ) Familienzusammenhalt - Nachteile und Vorteile 10 11
2 ) Schulische Einrichtungen
11 19
2.1 ) Schule als Sozialisationsinstanz 11 12
2.2 ) Gegenwärtige Bildungssituation in Deutschland 12 13
2.3 ) Wahlmöglichkeiten 13 14
2.4 ) Soziale und geschlechtsspezifische Benachteiligung
in der Schule 14 15
2.5 ) Beziehungen zwischen Lehrer und Schüler 15 16
2.6 ) Schul- und Leistungsangst und Selbstbild 16 18
2.7 ) Schulentfremdung 18 19
3 ) Gleichaltrige
19 24
3.1 ) Jugendliche Subkultur als Sozialisationsinstanz 19 20
3.2 ) Beziehungen zwischen Gleichaltrigen 20 21
3.3 ) Interessen und Freizeit 22 23
3.4 ) Jugendalter und Identitätskrise 23 24
III) Schluss
25 26
IV) Anlagen
27
Literaturverzeichnis
27 28
2
I) Einleitung
Sozialisation ist ein langer Prozess, bei dem ein Mensch sich im Laufe seines Lebens verändert, an verschiedene Situationen anpasst und soziale Fähigkeiten (z.B. menschliche Beziehungen und Interaktionen, Erlernen von Sprache, Normen, Traditionen, Rollen usw.) aneignet. Dadurch entwickelt sich der Mensch zu einem handlungsfähigen Individuum, und wird sozusagen ,,das zweite Mal geboren’’. 1
Der Sozialisationsprozess beginnt in der frühen Kindheit. Der Zeitraum der Jugend nimmt während der Sozialisation eine besondere Rolle ein. Hier werden die grundlegenden gesellschaftlichen Verhaltensweisen gelernt. In der Vergangenheit war die Jugendzeit für beide Geschlechter sehr kurz; Jungen traten viel früher ins Erwachsenenleben ein, Mädchen heirateten und gründeten eine eigene Familie. Heutzutage haben sich die Jugendzeit und damit die Vorbereitung auf das Erwachsenenleben aufgrund von verschiedenen Faktoren, die im Laufe dieser Hausarbeit erläutert werden sollen, verlängert. Die Sozialisation ist also ein lebenslanger Prozess, der erst im hohen Alter allmählich abschließt.
Menschen oder Institutionen, die die menschliche Sozialisation beeinflussen und erst möglich machen, werden als Sozialisationsinstanzen bezeichnet. Für Jugendliche gelten folgende Instanzen als die wichtigsten: Familie, schulische Einrichtungen, Gleichaltrige. Ferner sollen in der Hausarbeit diese Instanzen näher betrachtet und verglichen werden. Darüber hinaus ist es wichtig zu erfahren, wie stark die Sozialisationsinstanzen gegenwärtig die Entwicklung der Jugendlichen beeinflussen und steuern.
Meine Hausarbeit gliedert sich in drei Teile: Einleitung, Hauptteil und Schluss. Im Hauptteil soll der Sozialisationsprozess der Jugendlichen untersucht werden. Der Hauptteil wird ebenfalls in drei Bereiche (Unterkapitel) unterteilt, in dem jeweils eine Sozialisationsinstanz beschrieben werden soll. Im ersten Unterkapitel möchte ich mich mit der Familie beschäftigen, im zweiten mit den schulischen Einrichtungen und im dritten mit den Gleichaltrigen. Die Hausarbeit basiert auf einer Leitfrage: Wie stark beeinflussen die Sozialisationsinstanzen die Persönlichkeit der Jugendlichen bzw. wie groß ist deren Einfluss bei der jugendlichen Identitätsfindung? Im Schluss sollen die Ergebnisse zusammengetragen und ein Ausblick dieses Themas vorgenommen werden.
1 K. Kreppner: Sozialisation in der Familie, S.395, in: K. Hurrelmann, D. Ulich (Hg.): Handbuch der Sozialisationsforschung, 2. Auflage, Weinheim und Basel 1982, S.395-422.
3
II) Vergleiche der wichtigsten Sozialisationsinstanzen im
Jugendalter
1) Die Familie als Sozialisationsinstanz der Jugendlichen
1.1) Struktur der Familie:
Obwohl die Familie heutzutage ihre Bedeutung in Erziehungsfragen allmählich verliert, scheint sie dennoch, eines der wichtigsten Bestandteile der Sozialisation von Jugendlichen und Kindern zu sein. Die Familie befindet sich in einer Situation, in der die Veränderungen der sozialen Lebensstrukturen nicht fließend, sondern sprunghaft stattfinden. Das bedeutet, dass sich die Familie im Laufe der eigenen Entwicklung stark verändert, wobei diese Veränderung durch die Jugendlichen mitgestaltet werden kann. Andererseits ist sie ein Ort der Sicherstellung von individuellen Fähigkeiten und Erfahrungen, die wiederum dort gemacht werden 2 . Die Struktur der Familie wird von Interaktion und Kommunikation zwischen den Familienangehörigen bestimmt und gleichzeitig ständig verändert 3 . Kommunikation, Verhaltensstrukturen und Interaktion werden seitens des Kindes durch Anpassung und Nachahmung gelernt. Die Vermittlung wird durch ein (oder auch mehrere) Bezugsperson(en) erleichtert 4 . Zwischen der Bezugsperson und dem Kind muss sich Vertrauen entwickeln, wenn das Kind die Grundelemente der Sozialisation aneignen möchte. Deshalb ist das Vertrauen die Voraussetzung für die Persönlichkeitsentwicklung eines Individuums 5 .
Das Sozialisationssystem besteht aus mehreren Instanzen, und die Familie ist eine davon. Sie durchläuft mehrere Übergangsphasen, in denen sie sich mit ihren Familienmitgliedern immer wieder verändert. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Familie keine stabile Sozialisationsinstanz ist 6 .
2 P.G. Zimbardo: Psychologie, 5. Auflage, Berlin, Heidelberg, New York, London, Paris, Tokyo, Hong Kong, Barcelona, Budapest 1992, S.73 f.
3 Kreppner, Sozialisation in der Familie, Weinheim und Basel 1982, S.397.
4 C. Mühlfeld: Familiensoziologie. Eine systematische Einführung, Hamburg 1976, S.56.
5 Ebd., S.65 f.
6 K. Kreppner: Sozialisation in der Familie, S.323-326, in: K. Hurrelmann, D. Ulich (Hg.): Handbuch der Sozialisationsforschung. Studienausgabe, 5. Auflage, Weinheim und Basel 1998, S.321-334.
4
1.2) Interne familiäre Veränderungen:
Der Übergang von einer traditionellen Familie zur modernen, basierend auf Gleichberechtigung der Eltern, begann bereits Mitte des 20. Jahrhunderts und führte zur Schwächung der Autorität des Vaters. Die Verschiebung der Autoritätsstrukturen begann also nach dem zweiten Weltkrieg 7 . Auch die Familienstruktur- und größe haben sich verändert. Im Gegensatz zu früher existieren heutzutage mehr Ein-Kind-Familien 8 .
Überhaupt muss erwähnt werden, dass seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Familien den traditionellen Erziehungsstilen ihren Rücken gekehrt haben. Zu den neuen Erziehungsmethoden gehören unter anderem solche Leitgedanken wie:
- Nicht den Willen des Kindes brechen.
- Verständnis zeigen.
- Den Kindern als Freund und nicht als Autoritätsperson begegnen.
- Entscheidungen gemeinsam treffen und Kompromisse schließen.
- Gegenseitige Anpassung (Kinder und Eltern lernen gegenseitig voneinander) 9 . Wichtig sollte dabei sein, dass die Eltern ihren Kindern nicht die eigenen Normen und Verhaltensmuster einflößen, sondern die Kinder sollten gemeinsam mit ihren Eltern bestehende Schwierigkeiten lösen. Solche Interaktions- und Kommunikationsformen in der Familie beeinflussen die Lebenswelt der Kinder 10 . Die wesentliche Aufgabe der Eltern ist demnach, die Kinder auf das Leben vorzubereiten und eigenes Wissen und eigene Erfahrungen weiterzugeben. Die neuen Erziehungsmethoden ermöglichen den Kindern, an Familienentscheidungen mehr und öfter teilzunehmen 11 . Aufgrund dessen kommt es dazu, dass sogar die Eltern selber über ihre eigenen Probleme mit ihren Kindern sprechen und eine gemeinsame Lösung finden wollen. Unter dem Einfluss ihrer Kinder, haben sich die Eltern mit der Zeit stark verändert, da sie von ihren Kindern dadurch ebenfalls sozialisiert werden. Demnach ist die Sozialisation von Jugendlichen ein Wechselwirkungsprozess, bei dem auch Jugendliche Einfluss auf ihre Eltern ausüben 12 .
7 Y. Schütze: Jugend und Familie, S.242, in: Heinz-Hermann Krüger (Hg.): Handbuch der Jugendforschung, Opladen 1988, S.233-247.
8 R. Peuckert: Familienformen im sozialen Wandel, Opladen 1991, S.74 ff.
9 Schütze, a.a.O., S.243.
10 Kreppner, Sozialisation in der Familie, Weinheim und Basel 1998, S.322.
11 K. Allerbeck, und W. Hoag: Jugend ohne Zukunft? Einstellungen, Umwelt, Lebensperspektiven, München 1985, S. 65.
12 Kreppner, Sozialisation in der Familie, Weinheim und Basel 1998, S.328.
5
Ein weiterer Grund für das veränderte Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist der Bildungsvorsprung, den Jugendliche heutzutage vor ihren Eltern haben. Die Kinder besitzen bereits im frühen Alter Kenntnisse über neue Technologien und deren Gefahren 13 . Insofern passen sich Eltern stärker dem Habitus ihrer Kinder an, nicht nur im technologischen und wirtschaftlichen Bereich, sondern auch in der Mode.
1.3) Autorität der Eltern:
Traditionelle Aufgaben wie Erziehung der Kinder oder das Haushalten finden auch heute noch in vielen Familien statt. Sogar die typischen geschlechtlichen Pflichten, wo der Mann die materielle Grundlage seiner Familie bildet, und die Frau die Hüterin des Hauses und Erzieherin der Kinder ist, sind noch vorzufinden 14 .
Welche Auswirkungen könnte eine solche Rückkehr der Familien zu traditionellen Rollentrennung zwischen den Eheleuten haben? Vor allem kann man einen positiven Aspekt hinsichtlich der Erziehung vermuten. Die soziale Kontrolle der Kinder wird dadurch erhöht. Die Kinder bleiben öfter gesund und verpflegt, die Mutter achtet mehr auf die Erziehung und Bildung ihrer Kinder. Mit der Zeit jedoch verengt sich der Bekannten- und Beschäftigungskreis der Mutter, da sie sich lediglich im häuslichen Alltag befindet. Ihre Interessen konzentrieren sich wesentlich nur auf häusliche Probleme und Angelegenheiten 15 . Folglich kann es passieren, dass sie mit der Zeit die Autorität gegenüber ihren Kindern verliert. Die Kinder würden sich nicht mehr an ihre Mutter um Rat oder Hilfe wenden, weil sie der Meinung sein werden, ihre Mutter sei nicht in der Lage, kompetente Lösungen zu geben. Dadurch entsteht eine Autoritätskrise.
Die Autorität der Eltern ist tendenziell schwächer geworden [in manchen Fällen sogar nicht mehr vorhanden]; an die Stelle des Zwanges und Verbotes seitens der Eltern rückt Überzeugung bzw. Überredung des Kindes.
Gegenwärtig sind aber die Autorität und der Einfluss der Mutter auf ihre Kinder noch sehr groß. In der Regel fragen die meisten Kinder als erstes ihre Mutter um Rat und dann erst kommen der Vater und andere Vertrauenspersonen hinzu 16 . Sogar die Jungen gehen zuerst zur Mutter, bevor sie ihren Vater um Hilfe bitten. Die Mutter gilt für ihre Kinder also als primäre Bezugsperson 17 .
13 Schütze, a.a.O., S.241 f.
14 Peuckert a.a.O., S.30.
15 Mühlfeld a.a.O., S.125 ff.
16 K. Allerbeck: Beziehungen zwischen Jugendlichen und Eltern (-generation), S.134, in: H. Pross (Hg.): Familiewohin? Leistungen, Leistungsdefizite und Leistungswandlungen der Familien in hochindustrialisierten Gesellschaften, Hamburg 1979, S.133-167.
17 Kreppner, Sozialisation in der Familie, Weinheim und Basel 1998, S.321 f.
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Mit großer Bereitschaft fragen die Kinder ihre Eltern um Rat, wenn es um alltägliche Lebenssituationen- bzw. verhältnisse geht. In dieser Hinsicht erkennen die Kinder an, dass ihre Eltern die realen Lebenssituationen besser einschätzen können. Sollte aber die Autorität der Mutter dennoch schwächer werden, könnte diesen Platz der Vater einnehmen. Genauso kann diese Erziehungsrolle jede beliebige Autoritätsperson mit dem gleichen Erfolg übernehmen, damit will ich nur sagen, dass die Rolle der Familie als Sozialisationsinstanz des Kindes dadurch allmählich schwächer wird.
Ferner muss angemerkt werden, dass es viele Kinder gibt, die gar keine Bezugsperson bevorzugen, weil sie nur sich selber vertrauen. Aufgrund dieser Tatsache stehen die Kinder kaum unter elterlicher Kontrolle. Eine solch hohe Selbständigkeit oder autonome Gestaltung des eigenen Lebens der Jugendlichen kann in der Tat risikoreiche Wirkung haben 18 . Entweder kann der Jugendliche wirklich für sich selbst richtige Entscheidungen treffen, oder er findet außer seinen Eltern eine andere Bezugsperson, die ihn vielleicht in die falsche Richtung steuert. Die Hinwendung an Freunde um einen Rat, ist für einen Jugendlichen genauso mit viel Risiko verbunden. Inkompetente Ratschläge seitens der Freunde können den Jugendlichen zur riskanten Handlungen (ver)führen. Erstaunlich ist die Tatsache, dass viele Eltern die Freunde ihres Kindes als Bezugsperson bzw. Ratschläger nicht akzeptieren, und sogar in dieser Hinsicht ihren Kindern verbieten, die eigenen Freunde um Rat zu fragen.
Es ist ganz normal, dass die Eltern für ihre Kinder als Vorbilder erscheinen. Dies macht die Familie zu einer starken und wichtigen Sozialisationsinstanz 19 . Aber sehen die meisten Kinder ihre Eltern tatsächlich als Vorbilder an?
Ungeachtet dessen, dass die Mutter als Ratgeber große Autorität besitzt, wählen nur wenige Kinder sie als Beispiel zur eigenen Nachahmung. Bezüglich der Einflussstärke der Eltern nimmt der Vater sogar eine noch kleinere Rolle ein. Trotz der hohen Einflussstärke der Mutter auf ihre Kinder, spielt der Vater eine besondere Rolle bei der Erziehung. Kinder, die ohne einen Vater aufwachsen, sind in der Regel oft unruhig oder aufgeregt und, sie haben Schwierigkeiten Kontakte zu knüpfen. Die Abwesenheit des Vaters hat negative Auswirkungen auf die Schulleistungen und auf die Selbstachtung der Kinder, besonders bei Jungen. Ohne Vater haben die Jungen Schwierigkeiten männliche Rollen und Verhaltensweisen auszuführen bzw. richtig anzueignen. Aufgrund dieser
18 E. Nölke: Zum Verhältnis von Individualisierung und Marginalisierung Jugendlicher, S.36, in: W. Helsper, H.J. Müller, E. Nölke, A. Combe (Hg.): Jugendliche Außenseiter. Zur Rekonstruktion gescheiterter Bildungs- und Ausbildungsverläufe, Opladen 1991, S.36-59.
19 G. Heinelt: Einführung in die Psychologie des Jugendalters. Ein Grundkurs mit vielen Beispielen für die Praxis, Freiburg 1982, S.93.
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Sergej Küstner, 2005, Vergleiche der wichtigsten Sozialisationsinstanzen im Jugendalter, Munich, GRIN Publishing GmbH
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