Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Rational-Choice-Theorie
2.1 Gründe für den methodologischen Individualismus
2.2 Die drei Schritte der „Makro-Mikro-Verbindung“
2.2.1 Schritt 1: Die Logik der Situation
2.2.2 Schritt 2: Die Logik der Selektion
2.2.3 Schritt 3: Die Logik der Aggregation
3. „Die Rationalität der Emotionen“
3.1 Emotionen
3.2 Individualität
3.3 Rationalität
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Die Soziologie hat es sich zur Aufgabe gemacht, soziale Phänomene zu begreifen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind bisweilen einige Theorien entstanden, welche sich über verschiedene Wege darum bemühen, die Entstehung solcher sozialen Ereignisse analysieren zu können. Eine dieser Theorien ist die Rational-Choice-Theorie - die Theorie der rationalen Wahlhandlung. Dabei ist es wichtig zu erwähnen, „dass es nicht „die“ RC-Theorie gibt, sondern je nach Modellannahmen unterschiedliche Varianten.“ (Diekmann/Voss, 2004: 13) Sie greifen dabei unter anderem sowohl auf Grundkonzepte der Ökonomie, als auch auf die Spiel- und neoklassische Theorie zurück. (Vgl. Brentel, 1999: 157) Da jeglichen Varianten, wie zum Beispiel der „harten“ und der „weichen“ Variante (Vgl. Diekmann/Voss, 2004: 19 f.), im Großen und Ganzen jedoch dasselbe Grundkonzept - das der rationalen Wahlhandlung - zu Grunde liegt, wird in dieser Arbeit zur Vereinfachung immer nur von der Rational-Choice-Theorie die Rede sein.
Zwei bekannte Vertreter dieser Theorieform sind die Soziologen James S. Coleman und Hartmut Esser, die in ihren Theorien als Ausgangspunkt das Individuum sehen (vgl. Coleman, 1991: 6). Kurz zusammengefasst geht die RC-Theorie 1 davon aus, dass soziale Phänomene auf einer niedrigeren Ebene, durch individuelles Handeln zu erklären sind. 2 Dieses Handeln verläuft dabei nach „dem Prinzip der Nutzenmaximierung“ (Colemann, 1991: 19), welches durch gegebene Randbedingungen bestimmt wird.
1 Zur Vereinfachung wird der Begriff der Rational-Choice-Theorie ab diesem Punkt als RC-
Theorie abgekürzt
2 „… geht die Soziologie vom Makro-Bereich aus, geht so auf den Mikro-Bereich der Akteure
und des Handelns und kehrt mit der Aggregation (…) auf die Makro-Ebene zurück.“ (Esser,
1993: 97)
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Diese Arbeit besteht aus zwei Teilen: Der erste soll eine Art „Theorieteil“ sein, in dem die Eckpfeiler der RC-Theorie möglichst en Detail dargestellt werden. Der zweite Teil stellt eine Art „Anwendungsteil“ dar, welcher sich mit dem Thema Emotionen beschäftigt. Es stellt sich die Frage, ob Emotionen überhaupt Rationalität bzw. eine Art „Wahlhandlungen“ zulassen und wenn ja, wie sich emotionales Handeln in die RC-Theorie einfügen lässt.
2. Die Rational-Choice-Theorie
Ein großer Unterschied, der zwischen der RC-Theorie und anderen
soziologischen Theorien besteht, ist der Aspekt des methodologischen Individualismus´. Dieser besagt, dass die Funktionsweisen von sozialen Systemen nicht auf der Systemebene selbst, sondern durch individuelles Handeln auf einer tieferen Ebene, der Mikroebene, analysiert werden müssen. „Ziel der RC-Theorie ist die Erklärung kollektiver Effekte aus Annahmen über individuelles Handeln, …“ (Diekmann/Voss, 2004: 14)
2.1 Gründe für den methodologischen Individualismus
Zur Untermauerung der oben genannten Sichtweise führt James S. Coleman fünf Gründe an, welche die Wichtigkeit des methodologischen Individualismus unterstreichen sollen:
1. Da in der Soziologie der Großteil aller Beobachtungen auf der Individualebene gemacht wird, ist es sinnvoll, die Erklärung des Systemverhaltens auch auf genau dieser, auf den Beobachtungen basierenden, Ebene anzusetzen.
2. Auch wenn bestimmte „Eingriffe“ auf der Individualebene, seien sie z.B. politischer Art, einen Einfluss auf das System selbst haben, so muss eine Erklärung auf der niederen Ebene ansetzen, da die so genannten „Eingriffe“ ja auf dieser stattfinden.
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3. Das Problem der Stabilität: Durch Bezug auf die Individuen eines Systems, ist eine bessere Vorhersagbarkeit des Systemverhaltens möglich, da dieses Verhalten schließlich „aus den Handlungen seiner Bestandteile hervorgeht.“ (Coleman, 1991: 4)
4. Das Fundamentalitätsproblem 3 : Bezieht man sich auf den in Punkt 3 zitierten Sachverhalt, dass Systemverhalten sich aus den individuellen Handlungen ergäbe, so ist eine Analyse auf der Individualebene ebenfalls fundamentaler, als auf der Systemebene selbst. „Sie [ermöglicht] ein Verständnis des Systemverhaltens [.]“(Coleman, 1991: 4)
5. Das Problem der Ethik: Die Tatsache, dass ein Individuum durch soziale Strukturen bestimmt sein soll, lässt sich durch Argumentation auf der Makroebene, im Gegensatz zur Mikroebene, nicht widerlegen. (Vgl. Coleman, 1991: 3 ff.)
2.2 Die drei Schritte der „Makro-Mikro-Verbindung“
Die in der Soziologie weit verbreitete „Badewanne“, bekannt durch den Soziologen Max Weber, hilft den Weg der Analyse, ausgehend von (1) einer Situation der Makroebene, über (2) die Handlungen von Akteuren auf der Mikroebene, zurück zu (3) einem kollektiven sozialen Phänomen auf der Makroebene, zu beschreiben:
3 „Eine Erklärung [ist] fundamental genug [.], wenn sie eine Grundlage für einen sinnvollen
Eingriff bietet, der das Systemverhalten ändern kann.“ (Coleman, 1991: 5)
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Arbeit zitieren:
Miriam Pähler, 2005, Rational-Choice-Theorie - Ein Einblick in die Rational-Choice-Theorie nach Coleman und Esser mit anschließender Anwendung des Themas Emotionen, München, GRIN Verlag GmbH
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