Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist es, die neuen Regelungen des IASB zur Bilanzierung des Goodwills sowohl theoretisch als auch am Beispiel zu erläutern und somit die Revolutionierung in der Rechnungslegung zu verdeutlichen. Dies geschieht anhand einer prozessorientierten Darstellung. So wird von der Entstehung des Goodwills bei Unternehmenszusammenschlüssen bis hin zur Abschreibung des Goodwills in der Folgebewertung ein umfassendes Bild aller Rechnungslegungs-vorschriften nach IFRS gegeben, die mittelbaren oder unmittelbaren Einfluss auf diesen Bilanzposten haben. In diesem Zusammenhang werden die einzelnen Änderungen zu den bisherigen Normen der IASB aufgezeigt und Argumentationslinien, die zu den Veränderungen geführt haben, nachgezogen. Gleichzeitig erfolgt eine Betrachtung der Konvergenz der Bilanzierungsvorgaben des IASB mit den Standards der FASB und den Grundsätzen ordnungsgemäßer Bilanzierung. Der Vergleich der verschiedenen Rechnungslegungen erfolgt jedoch nur soweit, dass Diskrepanzen innerhalb der Goodwillbilanzierung aufgezeigt werden können bzw. das Erreichen einer Angleichung von US-GAAP und IFRS verdeutlicht werden soll. Die Gegenüberstellung ist nicht nicht Hauptinhalt der Arbeit sein.
Im Weiteren steht die Frage einer möglichen Zurückdrängung des bilanzrechtlichen Objektivierungsprinzips im Vordergrund. Unklarheiten und konzeptionelle Schwächen der neuen Regelungen, Probleme der praktischen Umsetzung in den Unternehmen und die Schaffung von bilanzpolitischen Spielräumen im Rahmen einer kritischen Würdigung werden diskutiert. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der fair value Bewertung von Vermögensgegenständen und Schulden sowie auf Verfahren zur Bewertung von cash generating units.
Letztlich erfolgt eine Analyse der Auswirkungen der neuen Bilanzierungsstandards unter bilanziellen und finanzwirtschaftlichen Gesichtspunkten. Vor allem wird hier nochmals die Bedeutung einer geänderten Goodwillbilanzierung für die Unternehmen, Unternehmenszusammenschlüsse als auch für den gesamten Finanzmarkt hervorgehoben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Bedeutung der geänderten Goodwillbilanzierung
1.2. Zielsetzung und Gang der Arbeit
2. Erstkonsolidierung
2.1. Wesen und Charakterisierung des Goodwills
2.2. Identifizierung des Erwerbers
2.3. Anschaffungskosten des Unternehmenserwerbes
2.4. Ansatz und Bewertung von erworbenen Vermögenswerten und Schulden
2.4.1. Vermögenswerte
2.4.2. Schulden
2.5. Ermittlung des Gesamtgoodwills
2.6. Verteilung des Gesamtgoodwills auf die CGU
2.6.1. Bildung von CGU`s
2.6.2. Bestimmung des Goodwills einer CGU
2.7. Berücksichtigung von Synergien
3. Folgebewertung
3.1. Zeitpunkt des impairment test
3.2. Bewertungsverfahren
3.2.1. DCF-Methode
3.2.2. Multiplikatorenverfahren
3.2.3. Weitere Bewertungsverfahren
3.3. Durchführung des impairment test
3.4. Finanzanalytische Betrachtung
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Änderungen bei der Goodwill-Bilanzierung nach den neuen Regelungen des IASB. Das primäre Ziel ist es, diese Reformen theoretisch zu erläutern, die prozessorientierten Abläufe der Goodwill-Erfassung bis hin zur Folgebewertung zu analysieren und dabei eine Einordnung im Kontext der Konvergenz zwischen IFRS und US-GAAP vorzunehmen, um die Auswirkungen auf die Finanzberichterstattung zu verdeutlichen.
- Paradigmenwechsel in der Goodwill-Bilanzierung durch den Impairment-only-Ansatz.
- Methoden der Erstkonsolidierung und Identifizierung des Erwerbers.
- Verfahren der Folgebewertung mittels Impairment-Tests für Cash Generating Units (CGU).
- Anwendung der DCF-Methode und Multiplikatorenverfahren bei der Werthaltigkeitsprüfung.
- Finanzanalytische Auswirkungen der geänderten Bilanzierungsvorschriften auf Unternehmenskennzahlen.
Auszug aus dem Buch
1.1. Bedeutung der geänderten Goodwillbilanzierung
Im Zuge der wachsenden Globalisierung und eines steigenden Wettbewerbes versuchen viele Unternehmen ihre Marktpositionierung durch strategische Unternehmensübernahmen zu verändern. Vor dem Hintergrund dieser Akquisitions- und Fusionswelle rücken der Goodwill und dessen Bilanzierung zunehmend in den Fokus von Rechnungslegung und Unternehmensanalyse. Da die Kluft zwischen Marktkapitalisierung und bilanziellem Eigenkapital immer größer wird, treten oftmals hohe Differenzen zwischen dem Kaufpreis und dem Buchwert der Akquisitionsobjekte auf. Der den Differenzbetrag repräsentierende Goodwill ist somit einer der bedeutendsten Posten in der Bilanz eines Unternehmens geworden. So betrug der Goodwill bei der Fusion DaimlerChrysler ca. 31 Mrd. Euro. Vodafone zahlte bei der Übernahme von Mannesmann sogar einen Goodwill von ca. 180 Mrd. Euro.
Die Resultate einer Analyse des Institutes für Wirtschaftsprüfung an der Universität Saarland bestätigen die immense Bedeutung des Firmenwertes. 188 der 205 untersuchten Unternehmen wiesen dabei einen Goodwill auf. Die Ergebnisse dieser Analyse, welche auszugsweise in Tabelle 1 dargestellt werden, zeigten weiterhin, dass der Goodwill im Schnitt über alle Börsensegmente hinweg rund ein Zehntel der Bilanzsumme und mehr als ein Fünftel des bilanzierten Anlagevermögens ausmacht. Vor diesem Hintergrund ist erkennbar, welche Auswirkungen bereits leichte Variationen der Ansatz- oder Abschreibungsmethoden des Firmenwertes auf die Vermögens- und Ertragslage eines Unternehmens haben können. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass der von dem IASB am 05.12.2002 veröffentlichte Exposure Draft 3 kontroverse Diskussionen ausgelöst hat. Der Entwurf bedeutet einen Paradigmenwechsel in der Firmenwertbilanzierung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die steigende Relevanz der Goodwill-Bilanzierung infolge der Globalisierung und führt in die Ziele der Neuregelungen des IASB ein.
2. Erstkonsolidierung: Hier werden die methodischen Ansätze zur Identifizierung des Erwerbers, die Ermittlung der Anschaffungskosten sowie die Bewertung der Vermögenswerte und Schulden detailliert dargestellt.
3. Folgebewertung: Dieses Kapitel behandelt den Übergang zum Impairment-only-Ansatz, die spezifischen Bewertungsverfahren wie DCF und Multiplikatoren sowie die Durchführung der Werthaltigkeitstests.
4. Fazit und Ausblick: Abschließend wird eine kritische Würdigung der Konvergenzbestrebungen zwischen IFRS und US-GAAP sowie der Einfluss auf die Transparenz und bilanzpolitischen Spielräume vorgenommen.
Schlüsselwörter
Goodwill, IFRS, IASB, Impairment-only-Approach, Erstkonsolidierung, Unternehmenszusammenschluss, Cash Generating Unit, CGU, DCF-Methode, Multiplikatorenverfahren, Werthaltigkeitstest, Fair Value, Finanzanalyse, Rechnungslegung, Firmenwertbilanzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die grundlegenden Neuregelungen des IASB zur Bilanzierung von Goodwill und die damit verbundenen Änderungen bei der Bewertung von Unternehmenszusammenschlüssen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Erstkonsolidierung, der Identifizierung des Erwerbers, der Ermittlung des Firmenwertes sowie der Durchführung der jährlichen Werthaltigkeitsprüfungen (Impairment Tests).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Paradigmenwechsel hin zum Impairment-only-Ansatz zu erläutern und aufzuzeigen, wie sich diese Änderungen auf die Bilanzierungspraxis und den Vergleich mit US-GAAP-Standards auswirken.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der Rechnungslegungsstandards kombiniert mit einer prozessorientierten Darstellung anhand von Berechnungsbeispielen und finanzanalytischen Betrachtungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erstkonsolidierung inklusive der Goodwill-Ermittlung sowie die Folgebewertung mit Fokus auf verschiedene Bewertungsverfahren wie die DCF-Methode.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Goodwill, IFRS, Impairment-only-Approach, Cash Generating Units (CGU) und die Werthaltigkeitsprüfung.
Wie unterscheidet sich die Bewertung von CGUs nach IFRS von US-GAAP?
Während beide Systeme einen Impairment-only-Ansatz verfolgen, gibt es Unterschiede in der Testmethodik, wobei der IASB einen einstufigen und US-GAAP teilweise einen zweistufigen Niederstwerttest vorsehen.
Warum ist das Thema der Goodwill-Bilanzierung für Unternehmen so kritisch?
Da Goodwill-Abschreibungen nicht zahlungswirksam sind, jedoch massiven Einfluss auf das Eigenkapital, die Ertragslage und wichtige Kennzahlen wie den ROI haben, besteht ein erhebliches bilanzpolitisches Gestaltungspotential.
- Quote paper
- Saskia Uhlmann (Author), 2006, Goodwillbilanzierung nach International Financial Reportings Standards, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56650