Abstract I
Abstract
Ce travail a pour but une analyse esthétique du roman La Jongleuse, écrit par l’écrivaine française Rachilde en l’an 1900. Nous allons présenter la vie de
Rachilde et parler des mouvements littéraires à la fin du XIX ème siècle, notamment du symbolisme. Pour notre lecture de La Jongleuse, nous allons prendre en compte le courant artistique de l’esthétisme qui est discuté dans les salons littéraires de l’époque, influençant ainsi l’œuvre de Rachilde. Nous allons mettre en évidence la relation entre peinture, sculpture, musique et texte littéraire. La Jongleuse (le personnage principal et le texte littéraire) se sert beaucoup de l’imagination du personnage masculin, un jeune étudiant qui est amoureux d’Eliante, ainsi que de l’imagination du lecteur. Ce dernier ainsi que le personnage masculin doivent comprendre les signes et les significations des actes et des objets d’Eliante. Le texte sait faire estomper la différence entre la beauté et la laideur, entre le « normal » et l’ « anormal ». La mise en scène du suicide d’Eliante à la fin du récit est presque belle, en tout cas le spectacle réussi d’une « horreur sacrée ».
Diese Arbeit will einige ästhetische Aspekte in dem 1900 von der französischen Autorin Rachilde verfassten Roman La Jongleuse herausarbeiten. In einem ersten Teil werden wir kurz auf das Leben der Schriftstellerin und auf die literarischen Bewegungen am Ende des 19. Jahrhunderts eingehen, v.a. den Symbolismus. Unsere Lektüre des Romans La Jongleuse beachtet die Kunstströmung des Ästhetizismus, der zu der Zeit Eingang in die literarischen Salons fand und so das Werk Rachildes beeinflusst hat.
Wir werden die Verbindung von Malerei, Bildhauerei, Musik und literarischem Text herausarbeiten. La Jongleuse (sowohl die Hauptfigur als auch der literarische Text) spielt mit der Vorstellungskraft der männlichen Hauptfigur, einem jungen Studenten, der in Eliante verliebt ist, aber auch mit der des Lesers. Letzterer und die männliche Hauptfigur müssen versuchen, die Zeichen und Bedeutungen der Akte und Objekte Eliantes zu verstehen. Im Roman verwischen die Unterschiede zwischen Hässlich und Schön, „normal“ und „anormal“. Die Inszenierung des Selbstmords Eliantes am Ende der Handlung ist fast schön, auf alle Fälle das gelungene Zurschaustellen eines „horreur sacrée“.
Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis
Abstract I
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis. III
1 Einleitung. 1
2 Literarische Einordnung des Romans La Jongleuse. 4
2.1 Über Rachilde 4
2.1.1 A story-teller is born. 5
2.1.2 Rachilde, homme de lettres 7
2.1.3 Rachildes literarischer Einfluss. 8
2.2 La Jongleuse - ein kurze Vorstellung des Romans 10
2.3 Literarische Einordnung 11
2.3.1 Symbolismus 11
2.3.2 Ästhetizismus im Fin-du-Siècle. 13
2.3.3 Ästhetik und Ästhetizismus. 15
2.3.4 Wirkungsästhetik und Rezeptionsästhetik 18
3 Ästhetische Aspekte in La Jongleuse 20
3.1 Bildhafte Beschreibungstechniken. 21
3.1.1 Blanche Eliante Donalger - elle vivait cependant 21
3.1.2 Die Alabster-Vase. 25
3.2 L’amour e(s)t la mort 28
3.2.1 Orient oder Der dunkle Kontinent 28
3.2.2 Eros und Thanatos 29
3.3 Verknüpfung von Text, Bild, Dekoration, Geruch, Tanz und Musik -
Syn ästhetische Eindrücke 30
3.3.1 Inter- und Intratextualität als ästhetische Momente 33
4 Schlussbetrachtung. 35
Literaturverzeichnis 38
Abbildungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Rachilde (Quelle: HAWTHORNE, Melanie C.: Rachilde and French women’s authorship: from decadence to modernism, Lincoln: University of
Nebraska Press 2001, Umschlag u. S. 141) ...................................................... 4
Abbildung 2: La Dame au singe (Quelle: LINGUA, Catherine: Ces Anges du Bizarre: Regard sur une aventure esthétique de la Décadence, Paris: Librairie
Nizet 1995, Planche II)..................................................................................... 25
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1 Einleitung
Kaum eine andere Wissenschaft ist so interdisziplinär angelegt wie die Literaturwissenschaft. Im Verlaufe eines Germanistik-Studiums stößt man immer wieder an seine eigenen Wissens-Grenzen und gewinnt die Erkenntnis, dass die Literaturwissenschaft ein „zu weites Feld“ - oder positiver betrachtet: ein „sehr weites Feld“ - ist. Die Beschäftigung mit Literatur ist nie „nur“ Literaturbetrachtung: Einflüsse der Geschichte eines Landes oder Kulturkreises spielen eine Rolle beim Verfassen eines Textes und helfen und beeinflussen beim Lesen desgleichen, die Kenntnis der verschiedenen Gattungen hilft außerdem beim Erschließen einer literarischen Schrift und fast selbstverständlich holt sich der Leser Informationen über den Autor ein. Im Studium wird man mit verschiedenen Methoden der Textinterpretation vertraut gemacht und spätestens hier bemerkt man schnell, dass Lesen nie objektiv sein kann und mehrere Lesarten zu gleichen oder ganz verschiedenen Auslegungen führen können. Wenn nun ein deutscher oder französischer
Literaturwissenschaftler Werke interpretiert, so wird man auch hier länderspezifische Unterschiede feststellen können. Das ist spannend und führt in letzter Instanz immer wieder zum eigentlichen Gegenstand der Literaturwissenschaft zurück, zum Kunstwerk selbst.
Die Diskussionen, ob ein Schriftstück zur „Schönen Literatur“ gehört oder nicht, ob es lesenswert ist oder nicht und ob es dem universitären Kanon Genüge leistet sind immer von größter Aktualität. Hätten wir gerade nicht von Literaturwissenschaft gesprochen und würde der Begriff des Kunstwerks nun fallen, so würde man möglicherweise nicht sofort an die Literatur denken,
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sondern mehr an Bildhauerei, Malerei oder Kunst allgemein. Dass die Literatur eng verwoben ist mit den anderen Künsten wie Musik, Bildhauerei, Malerei und neuerdings auch Design, Film und Fotografie 1 ist nicht neu und wurde spätestens durch Aristoteles Formenlehre herausgearbeitet und viele Jahrhunderte lang diskutiert. Hier tut sich auch der Zusammenhang zwischen Inhalt und Form auf, der in jeder der verschiedenen Kunstarten eine elementare Rolle spielt.
Der Begriff der Schönen Literatur, eine Übersetzung des französischen Belles Lettres, wurde im 19. Jahrhundert nötig, als der Begriff der Literatur neu definiert wurde. Im 18. Jahrhundert sprach man noch von den Schönen Wissenschaften und generell bezeichneten sowohl die Schönen Wissenschaften als auch die Schöne Literatur mündliche Überlieferungen, die einen Wert als „Kunst“ gewannen. Heute wird der Begriff der Schönen Literatur eher selten benutzt und er umschließt seit dem 20. Jahrhundert die drei Gattungen Lyrik, Dramatik und Epik. Neben Inhalt und Form spielt demnach auch die Schönheit eines Textes eine wichtige Rolle in der Literaturwissenschaft?
Doch was ist „schön“? Fänden die Griechen der Antike das schön, was wir heute als ästhetisch annehmbar empfinden? Wenn Thomas Mann in seinem Collegheft während einer Vorlesung über die Ästhetik schreibt: „Die Professoren beachten vor allem niemals den Unterschied zwischen klassischer Ästhetik und Décadence-Ästhetik und sie bedenken nicht, daß unserer Zeit die klassische Ästhetik, die sie lehren, völlig fremd sein muß“ 2 , so macht er uns eben auf diesen temporären und kulturellen Unterschied aufmerksam, der die
1 Design spielt in Werbetexten, die mit rhetorischen Figuren arbeitet, eine Rolle. Die v.a. in Deutschland sehr populäre Pop-Literatur (Pop steht hier sowohl für populär als auch für die Pop-Musik) spielt mit sehr „designten“ Buch-Covern. Die Internet-Literatur (z.B. http://www.cyberprosa.de) hat die Möglichkeit eine eigene, kooperative Ästhetik zu schaffen. Des Weiteren haben auch Film und Fotografie einen ästhetischen Charakter.
2 Vgl. Thomas Mann zit. in: Schmitt, Axel: Der Zauberer im Hörsaal, Thomas Manns "Collegheft 1894-1895", http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=4619. Dieses Zitat ist im Original folgendem Werk entnommen: Thomas Mann: Collegheft 1894-1895, Ed. par Yvonne Schmidlin et Thomas Sprecher (Thomas-Mann-Studien 24) Frankfurt / M.: Klostermann 2001.
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Einschätzung von Schönem so schwierig macht. Und mehr noch: Möglicherweise versteht der Rezipient 3 diese Schönheit und das Trachten nach Schönheit und einer angemessenen Form gar nicht mehr. Vielleicht braucht er auch das Hässliche, um so die Art und Weise der Sinnlichkeit und/oder Sinnhaftigkeit eines Kunstwerkes in Verbindung mit seinen aktuellen Zeichensystemen zu verstehen, die sich seit der Zeit der Entstehung des Kunstwerkes verändert haben.
Eine zu lange Einleitung wie diese verstößt gegen das Regelwerk einer wissenschaftlichen Arbeit, die Form dieser Arbeit ist nicht gewahrt. Der Leser erwartet schon lange eine Hinführung zum eigentlichen Thema dieser Arbeit. Diese Einleitung zeigt, dass das Nicht-Wahren ästhetischer und/oder wissenschaftlicher Normen manchmal durchaus störend sein kann. Wir werden uns im Folgenden genau damit beschäftigen. Die französische Autorin Rachilde wurde als „la Reine de décandents“ bezeichnet. Sie müsste also eigentlich den Regeln der „Décandence“ des Fin-de-Siècle gehorchen und als „Königin der Dekadenten“ in ihren Werken gegen die guten Sitten, und somit gegen die ästhetischen und gesellschaftlichen Normen, geschrieben haben. In unserer Arbeit werden wir uns darauf beschränken, ästhetische Aspekte in ihrem im Jahre 1900 veröffentlichten Roman La Jongleuse herauszuarbeiten.
In einem ersten Teil gehen wir auf biographische Daten Rachildes ein, da das Leben der Autorin durchaus interessant ist. Außerdem wird es uns so leichter fallen, ihr Schreiben in einen größeren Zusammenhang mit den
3 In unserem Teil 2.3.4 Wirkungsästhetik und Rezeptionsästhetik werden wir näher auf die Rolle des Rezipienten eingehen, der seit den Theorien der Wirkungsästhetik und Rezeptionsästhetik eine wichtigere Rolle einnehmen wird. In dieser Literaturtheorie wird immer wieder die Rolle des Rezipienten herausgearbeitet und die Frage gestellt, ob es denn einen „idealen Leser“ wirklich gebe. Dabei wird Kunst allgemein von verschiedenen Rezipienten aufgenommen: Vom Leser/Betrachter und Kritiker zur Zeit der Entstehung des Werkes und später, vom Künstler selbst, von Literaturwissenschaftlern, von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen und aus unterschiedlichen sozial-ökonomischen Systemen. Die Moderne gilt hier als wichtiger Einschnitt: geistesgeschichtlich mit der Aufklärung, politisch mit der Französischen Revolution, ökonomisch mit der Industrialisierung. In der Kunst gilt das frühe 20. Jahrhundert als die klassische Moderne - auch deswegen ist die Analyse eines Romans, dessen Entstehung in diese Zeit fällt, so interessant.
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Einflüssen ihrer Zeit sehen zu können. In diesem Abschnitt erörtern wir kurz die literarischen Strömungen um 1900, um dann in einem zweiten Teil die ästhetischen Aspekte in La Jongleuse analysieren zu können. In diesem zweiten Teil werden wir v.a. textimmanent vorgehen, wobei wir versuchen, ästhetische Theorien einfließen zu lassen, und auch den Ästhetizismus, der um die Jahrhundertwende das literarische Schaffen beeinflusste. Bekannt wurde Rachilde mit ihrem provokativen Roman Monsieur Vénus, der auch heute noch in literaturwissenschaftlichen Texten behandelt wird. La Jongleuse vereint Elemente aus dem Tanz, der Bildhauerei und besticht durch seinen bildhaften Beschreibungsstil. Wir werden demnach die Verknüpfung von Musik und Tanz, Bildhauerei, Malerei und Literatur genauer untersuchen und versuchen, dadurch den Text besser zu erschließen.
2 Literarische Einordnung des Romans La Jongleuse
2.1 Über Rachilde
2001 hat Melanie Hawthorne eine interessante Biografie über Rachilde verfasst:
4 Für Liebhaber von Biografien demnach unbedingt lesenswert: Melanie C. Hawthorne: Rachilde and French women’s authorship: from decadence to modernism, Lincoln: University of Nebraska Press 2001.
5 Auch im Internet findet man mittlerweile einige Texte zu Rachilde: z.B. http://perso.wanadoo.fr/tybalt/LesGendelettres/biographies/Rachilde.htm. Kaum besser kann das Leben Rachildes zusammengefasst und dargestellt werden. Unsere Darstellung ist demnach auch durch dieses Porträt von Nelly Sanchez geprägt. Auch in Wikipedia hat es Rachilde schon geschafft: http://fr.wikipedia.org/w/index.php?title=Rachilde. Gerade Quellen aus dem Internet sollten immer auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht werden: In der Version des Wikipedia-Artikels über Rachilde vom 6. August 2005 http://fr.wikipedia.org/w/index.php? title=Rachilde&oldid=2933748 war als Geburtsjahr noch das Jahr 1862 angegeben. Selbst Le Monde gab in ihrem Nachruf auf Rachilde im Jahre 1953 das Jahr 1862 als Geburtsjahr der
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wurde. Auch auf diesen werden wir uns im Laufe der Darstellung Rachildes Leben immer wieder stützen.
2.1.1 A story-teller is born
Marie-Marguerite Eymery, die sich ab 1876 Rachilde 6 nennen wird, wurde am 11. Februar 1860 in Le Cros bei Périgueux geboren. Claude Dauphiné schreibt in ihren Biografien über Rachilde:
C’est en 1860 que Marguerite Eymery voit le jour, en Périgord vert, dans la vieille demeure familiale du Cros, non loin de Château-l’Evêque et tout près de Périgueux. La petite fille, promise à une étonnante destinée littéraire sous le pseudonyme de Rachilde, arrive au monde un 11 février à minuit, dans cette province excentrée qui avait déjà donné au pays un Brantôme, et, plus récemment, un Eugène Le Roy. Minuit … détail fourni par Ernest Gaubert qui s’en remettait à Rachilde, détail mensonger puisque l’acte de naissance de Marie Marguerite Eymery, rédigé le 12 février 1860, à la mairie de Châteaul’Evêque, indique qu’elle est née à « six heures du matin. » Saturnienne, du signe du Verseau, elle choisit pour sa naissance l’heure romanesque par excellence et le décor le plus sombre autant que le plus 7 romantique.
Die erste Version der Biografie von Claude Dauphiné wurde in Kursivschrift angegeben, die zweite, überarbeitete und durch Polizeiakten ergänzte Fassung in Normalschrift. Die in Kursivschrift angegebene Textstelle findet sich in fast gleichem Wortlaut in den Biografien über Rachilde von Ernest Gaubert und von André David. Diese fast romanhafte Beschreibung erwähnt Datum, die Stunde und den Ort der Geburt, ohne dabei das Sternzeichen zu vergessen und sieht die zukünftige Beschäftigung als Schriftstellerin schon fast voraus oder legitimiert diese zumindest im Nachhinein. Hawthorne hat es folgendermaßen zusammengefasst und analysiert:
Autorin an. Rachilde selbst hat des Öfteren dieses Datum angeführt und ist demnach Urheberin dieser Verwirrung.
6 Zur Wahl dieses Pseudonyms und zu seiner Rolle, s. Hawthorne 2001, S. 65f.
7 Die Passagen stammen aus zwei Biografien über Rachilde: Dauphiné, Claude: Rachilde, Paris: Mercure de France 1991 et ibm. : Rachilde : Femme de lettres, 1900. Périgueux : Pierre Fanlac 1985, zit. in : Hawthorne 2001, S. 14. Hawthorne analysiert koherent diese beiden Auszüge und stellt diese in einen größeren Zusammenhang mit den drei klassischen Biografen, die die zukünftige Beschäftigung Rachildes vorhersehen (« telling stories »).
Arbeit zitieren:
Elisabeth Hecht, 2006, Ästhetische Aspekte in "La Jongleuse" (1900) von Rachilde, München, GRIN Verlag GmbH
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