Gliederung
1. Einleitung. 1
2. Definition und Abgrenzung des Begriffs Wirtschaftswachstum. 2
3. verschiedene Betrachtungsweisen des Wirtschaftswachstums. 6
3.1. die Bedeutung des Wachstums für die Entwicklung des Wohlstands. 6
3.2. kritische Betrachtung der herkömmlichen Ermittlung des
Wirtschaftswachstums. S. 7
4. Wachstumsfaktoren und Wachstumstheorieen. 9
4.1. Wachstumsfaktoren. 9
4.2. Wachstumstheorieen. 10
5. die gegenwärtige Wachstumssituation in Deutschland. 14
5.1. Einflussfaktoren auf die Wachstumssituation gemäß dem
Wachstumstreibermodell des Sachverständigenrates. 18
5.1.1. Arbeitslosigkeit. 19
5.1.2. Ausstattung mit Humankapital. 21
5.1.3. Staatsfinanzen. 24
5.1.4. private und staatliche Investitionen. 25
5.1.5. Bevölkerungsentwicklung. 29
5.2. weitere Einflussfaktoren. 32
5.2.1. die deutsche Vereinigung. 32
5.2.2. die Europäische Währungsunion. 34
5.2.3. Einflussfaktoren der Weltwirtschaft. 36
6. Ausblick auf das zukünftige Wirtschaftswachstum in Deutschland. 40
6.1. Möglichkeiten des Staates. 40
6.2. Prognosen zur zukünftigen Entwicklung des Wachstums. 42
7. Resümee. 45
Literaturverzeichnis. S: 48
2
1. Einleitung
Die Schwäche des deutschen Wirtschaftswachstums war und ist ein vieldiskutiertes Thema in den Medien und wirtschaftswissenschaftlichen Fachpublikationen. In plakativen Formulierungen wurde bereits vom „kranken Mann Europas“ oder vom „Schlusslicht Deutschland“ gesprochen. 1
durch den Staat betrachtet und abschließend ein Ausblick auf mögliche weiter Verläufe des Wirtschaftswachstums in Deutschland gegeben.
1 vgl. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Hrsg.):
Jahresgutachten 2002/03, Wiesbaden, 2003, Ziffer 332
3
2. Definition und Abgrenzung des Begriffs Wirtschaftswachstum
Zunächst soll der Begriff Wirtschaftswachstum definiert werden:
Unter Wirtschaftswachstum versteht man das langfristige Trendwachstum des realen oder potenziellen Bruttoinlandsproduktes (BIP). 2
Das reale BIP ist hierbei die Summe des Wertes aller Güter und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres in den Grenzen eines Landes produziert werden. Das potenzielle BIP ist das Inlandsprodukt, das sich bei Vollbeschäftigung aller Produktionsfaktoren einstellen würde. Es wird auch als Produktionspotenzial bezeichnet. 3
Zu unterscheiden ist zwischen dem realen und nominalen Wachstum des BIP, wobei beim nominalen Wachstum die rein zahlenmäßige Veränderung des BIP gemessen wird. Bei der Berechnung des realen BIP-Wachstums wird ein gleichbleibendes Preisniveau zu Grunde gelegt.
Gelegentlich wird das Wachstum des BIP als pro Kopf Größe ausgedrückt. Dieser Wert ist bezüglich des Wohlstands der Einwohner eines Landes einerseits aussagekräftiger, andererseits kann er aufgrund von Bevölkerungsschwankungen auch ein verzerrtes Bild bezüglich der Entwicklung der Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft wiedergeben. 4
Grundsätzlich ist auch zwischen der saisonalen, konjunkturellen und wachstumsbedingten Veränderung des BIP einer Volkswirtschaft zu unterscheiden. Die saisonalen Veränderungen (S) des BIP machen die kurzfristigsten Schwankungen aus (siehe Abb. 1), während die konjunkturellen Schwankungen (K) in Zyklen von typischerweise etwa 5 - 7 Jahren erfolgen. Die Entwicklung des Wachstums (W) gibt hingegen den längerfristigen Trend an, entlang dem sich das reale BIP bzw. das Produktionspotential einer Volkswirtschaft entwickelt. 5
2 vgl. Siebert, Horst: Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Stuttgart, 2003, S. 350
sowie Samuelson, Paul A./ Nordhaus, William D.: Volkswirtschaftslehre, Übersetzung der 15.
Auflage, Wien, 1998, S. 615
3 vgl. Siebert, Horst: Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Stuttgart, 1996, S. 242
4 vgl. Heertje, A. und Wenzel, H-D.: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, S. 313
5 vgl. Gabisch,G:. Konjunktur und Wachstum, in: Bender, D. (Hrsg.): Vahlens Kompendium der
Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, München, 1999, S. 353 ff.
4
Abbildung 1
Quelle: Graphik in Anlehnung an Woll, Volkswirtschaftslehre, S. 639
Um das Trendwachstum zu bestimmen, müssen saisonale und konjunkturelle Schwankungen herausgefiltert werden. Dies geschieht mit Hilfe spezieller Filterverfahren, wie z.B. dem Hodrick-Prescott-Filter oder dem Rotemberg-Filter. 6
Das Produktionspotential ist empirisch unbeobachtbar und muss geschätzt werden. Hierbei müssen Annahmen getroffen werden, wie die gesamtwirtschaftliche Produktion in das Produktionspotenzial einerseits und die Produktionslücke (vgl. Abb. 2) andererseits zerlegt werden kann. Es gibt daher verschiedene Modellansätze, die auf unterschiedlichen Prämissen und Schätzmethoden beruhen und von einander abweichende Ergebnisse produzieren können. Letztlich basieren sämtliche Modellansätze auf der Vorstellung, dass sich eine ökonomische Zeitreihe in eine Trendkomponente und eine Konjunkturkomponente zerlegen lässt. 7
6 vgl. Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute e.V.,
Hamburg: Die Lage der Weltwirtschaft und der deutschen Wirtschaft im Frühjahr 2005, in: DIW
Berlin Wochenbericht, 72. Jahrgang, (2005), Nr. 17, S. 299
7 vgl. Sachverständigenrat (Hrsg.): Jahresgutachten 2004/05, Ziffer 199
5
Abbildung 2
Quelle: Graphik in Anlehnung an Sieg, Gernot: Produktionspotential und Produktionslücke, in: Wisu, Nr. 4, 2004, S.540 Bestimmung des Produktionspotentials mit der Peak - to Peak -Methode
Abbildung 2 zeigt in einer logarithmischen Darstellung das lineare Ansteigen des Produktionspotenzials (PP). Die Kurve unter der Geraden zeigt die schwankende Auslastung (A) des Produktionspotentials an. Ist das Produktionspotential nicht voll ausgelastet, so spricht man von einer Produktionslücke. 8
Das Ansteigen des Produktionspotentials entspricht hierbei dem Wirtschaftswachstum während die schwankende Auslastung des
Produktionspotentials der Konjunktur entspricht. Konjunkturelle Schwankungen werden gemäß der neoklassischen Theorie durch eine Veränderung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage verursacht während eine Ausweitung der Angebotsfaktoren für das Potentialwachstum verantwortlich ist. 9 Konjunktur und Wachstum stehen in einem wechselseitigen Zusammenhang: Sinkt während eines Konjunkturabschwungs die Investitionstätigkeit, so hat das
8 vgl. Sieg, G: Produktionspotential und Produktionslücke, in: Wisu, 33.Jahrgang (2004), Nr. 4,
S. 538ff.
9 vgl. Heertje, A. und Wenzel, H-D.: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, S. 313 ff.
6
ein geringeres Wachstum des Produktionspotential zu Folge. Dies beeinflusst wiederum den zukünftigen Auslastungsgrad der Kapazitäten. 10
10
vgl. Neubäumler, Renate/ Hewel, Brigitte: Konjunktur und Wachstum, in: Neubäumler, Renate/
Hewel, Brigitte (Hrsg.): Volkswirtschaftslehre - Grundlagen der Volkswirtschaftstheorie und
Volkswirtschaftspolitik, Wiesbaden, 1998, S. 365
7
3. verschiedene Betrachtungsweisen des Wirtschaftswachstums
3.1. die Bedeutung des Wachstums für die Entwicklung des Wohlstands
Welche Bedeutung ist der Höhe der Wachstumsraten für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes beizumessen?
Kurzfristig mag die Entwicklung des BIP als nicht besonders wichtig angesehen werden. Betrachtet man jedoch große Zeitabschnitte, so machen sich auch kleine Unterschiede in den jährlichen Zuwachsraten des potentiellen BIP enorm bemerkbar.
Als Beispiel seien die Vereinigten Staaten von Amerika angeführt, die in der Zeitspanne von 1870 bis 1990 mit einer Wachstumsrate von durchschnittlich 1,75% wuchsen. Das reale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf stieg in diesem Zeitraum von 2 244$ auf 18 258 $ im Jahr 1990, gemessen in Preisen des Jahres 1985.
Hätte das Wachstum in diesem Zeitabschnitt nur einen Prozentpunkt weniger betragen, also 0,75%, hätte das Land 1990 ein BIP pro Kopf von 5 519$ erwirtschaftet. Dies entspricht in etwa dem pro Kopf-Einkommen von Mexiko. 11 Dass dieses Beispiel auch für Deutschland Relevanz besitzt sollen folgende Zahlen verdeutlichen: Zwischen 1991 und 2003 wuchs das reale BIP in den der USA insgesamt um 46% während es sich in Deutschland nur um 16% vergrößerte. Wäre Deutschland in diesem Zeitraum genauso schnell gewachsen wie die USA, so hätte das reale BIP je Einwohner mit 29 300 Euro um 3 500 € höher gelegen als es 2003 tatsächlich der Fall war.
Auf der individuellen Ebene kann sich Wirtschaftswachstum folgendermaßen auswirken: 12
• Steigerung des materiellen Lebensstandards
• Verbesserung des Arbeitsplatzangebotes
• bessere Möglichkeiten zur gerechten Verteilung von Einkommen und Vermögen, da der zu verteilende „Kuchen“ insgesamt wächst
• durch höhere Einnahmen kann der Staat seine Aufgaben besser wahrnehmen, z.B. durch Investitionen in Bildung und Infrastruktur
11 vgl. Barro, R.J./ Sala-i-Martin, X.: Wirtschaftswachstum, München (u.a.), 1998, S.1
12 vgl. Wicke, Lutz: Umweltökonomie, München, 1993, S. 543
8
Diese Argumente, die für das Wirtschaftswachstum sprechen, werden in weiteren Teilen der Arbeit jedoch noch kontrovers diskutiert.
3.2. kritische Betrachtung der herkömmlichen Ermittlung des Wirtschaftswachstums
Die Steigerung des Bruttosozialprodukts bedeutet zwar einen Zuwachs in der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft eines Landes, ist in Hinblick auf die Wohlfahrtsentwicklung des Landes jedoch nur begrenzt aussagefähig. 13 Da das BIP auch Investitionen enthält, z.B. für neue Maschinen und Anlagen, müssen sich die Konsummöglichkeiten in einem Land mit hohen Wachstumsraten nicht notwendiger Weise verbessern. Außerdem erfasst das Inlandsprodukt lediglich Leistungen, die über den Markt gehandelt und erfasst werden. Hausarbeit, ehrenamtliche Tätigkeit oder ähnliches gehen nicht in die Bewertung ein. Schwarzarbeit wird bei der Berechnung des BIP ebenfalls nicht bewertet. Nicht mit einbezogen werden ebenfalls Umweltgüter wie die Schönheit einer Landschaft oder schadstoffarme Luft. 14
Die infolge des industriellen Entwicklungsprozesses anfallenden sozialen Kosten werden bei der Berechnung des BIP ebenso nicht berücksichtigt. So wird insbesondere die Umweltzerstörung nicht als Negativposten abgezogen. Die schrumpfenden Bestände an negativen Ressourcen werden ebenfalls nicht als Gegenposten abgesetzt.15
Andererseits werden die Kosten, die bei der Beseitigung von Umweltschäden anfallen, als Beitrag zum BIP miteinberechnet. Diese bestehen vor allem aus dem Wertschöpfungsbeitrag jener Industrien, deren Produkte die negativen Begleitumstände des Wirtschaftswachstums abmildern sollen. 16
Ein Beispiel für die Steigerung des BIP bei gleichzeitigem individuellen Wohlfahrtsverlust wäre z.B. ein Autounfall. Die Reparatur bzw. Wiederbeschaffungskosten für das Fahrzeug sowie die Kosten für einen
13 vgl. Siebert, Horst: Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Stuttgart, 2003, S. 380f.
14 ebda.
15 Kromphardt, Jürgen: Wachstum und Konjunktur, Göttingen, 1993, S. 4ff.
16 ebd.
9
Krankenhausaufenthalt gehen positiv in die Wachstumsbilanz ein. Wohlfahrtsverluste auf der individuellen Ebene bleiben jedoch bei der Ermittlung des BIP unberücksichtigt.
Ebenso steigert eine ineffiziente Verwaltung das BIP ohne die gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt zu steigern.
Wie bisher in diesem Kapitel gezeigt wurde, werden positive und negative Effekte bei der herkömmlichen Ermittlung des BIP vernachlässigt.
Das wohlfahrtsorientierte Nettoinlandsprodukt (NIP W ) stellt einen Ansatz dar, mit Hilfe dessen Wohlfahrtseffekte eine verstärkte Berücksichtigung bei der Berechnung des Inlandsproduktes erfahren. Im Gegensatz zum BIP werden hier beispielsweise der Wert der Freizeit sowie die Schattenwirtschaft, z.B. in Form von ehrenamtlicher Arbeit, mit einberechnet. Abgezogen werden
Umweltschäden, wobei anzumerken ist, dass deren Veranschlagung nicht unproblematisch ist. 17
17 vgl. Samuelson, Paul A./ Nordhaus, William D.: Volkswirtschaftslehre, Übersetzung der 15.
Auflage, Wien, 1998 S. 489f.
10
Arbeit zitieren:
Betriebswirt (VWA) Peter Lajosi, 2005, Wirtschaftswachstum in Deutschland - gegenwärtige Lage und Ausblick, München, GRIN Verlag GmbH
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