Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis I
1 Einleitung 1
2 Ausgewogene sektorale Entwicklungspolitik 3
2.1 Das Beispiel der Schuhfabrik 4
2.2 Internalisierung externer Ersparnisse 4
2.3 Zentrale Planung 5
2.4 Theorie des “Big Push 5
2.5 Strategiekritik 7
3 Unausgewogene sektorale Entwicklungspolitik 10
3.1 Verkettungen 10
3.2 Komplementarit aten 11
3.3 Strategiekritik 12
4 Vergleichende Analysen 14
4.1 Preiselastizit aten der Nachfrage 14
4.2 Die Erg anzung beider Strategien 14
4.3 Empirische Untersuchung der Strategien 15
5 Zusammenfassung 16
Literaturverzeichnis 17
Ausgewogene vs. unausgewogene sektorale Entwicklungspolitik I
Abbildungsverzeichnis
2.1 Einkommen in Abh¨ angigkeit von der Anzahl der industrialisierten Sektoren. Quelle: Eigene Darstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
3.1 Investitionsalternativen zwischen SOC und DPA. Quelle: Nach [Hirschman, 1967] 11
Ausgewogene vs. unausgewogene sektorale Entwicklungspolitik 1
1 Einleitung
Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und er wird ¨ Uberfluss haben; wer aber
nicht hat, dem wird noch genommen werden, was er hat. 1
In den letzten Jahrzehnten haben sich die Einkommensunterschiede zwischen entwickelten und unterentwickelten L¨ andern nicht angeglichen, sondern sind gr¨ oßer geworden. Sowohl aus ¨ okonomischen und politischen als auch aus humanit¨ aren Gr¨ unden ist es sinnvoll, einen geeigneten Weg f¨ ur die wirtschaftliche Entwicklung unterentwickelter L¨ ander zu finden und damit die bestehenden Einkommensunterschiede zu verringern.
Ziel der Entwicklungspolitik ist, den Lebensstandard, der sich beispielsweise in besseren Wohnverh¨ altnissen, besserer medizischer Versorgung und besseren Ausbildungseinrichtungen ¨ außert, in unterentwickelten L¨ andern zu erh¨ ohen. Als ein vern¨ uftiges Mittel dorthin wird die Industrialisierung der Entwicklungsl¨ ander gesehen, um ein anhaltendes Wirtschaftswachstum und eine wirtschaftliche Entwicklung zu erreichen, wie sie in entwickelten L¨ andern bereits der Fall sind 2 . Die Industrialisierung zieht dabei die Errichtung von Werkst¨ atten und Fabriken, neue Produktionsmethoden und gesellschaftliche Ver¨ anderungen nach sich.
Trotz umfangreicher Anstrengungen in den letzten Jahrzehnten gibt es jedoch nur wenige Erfolge bei dem Versuch der Industrialisierung von Entwicklungsl¨ andern. Als Gr¨ unde, weshalb die Industrialisierung nicht so stattfindet, wie sie im 19. Jahrhundert in Europa stattgefunden hat, sind zun¨ achst die politischen Risiken in den Entwicklungsl¨ andern zu nennen, die heute sehr viel gr¨ oßer sind, als zur Zeit der Industrialisierung Europas 3 . Weiterhin war der technische Fortschritt damals die Haupttriebkraft der Industrialisierung, w¨ ahrend heute lediglich gegebenes Wissen angewendet wird. Schließlich kann und m¨ ochte man den Menschen heutzutage nicht mehr derartige soziale Probleme und unmenschliche Arbeitsbedingungen zumuten, wie sie im 19. Jahrhundert in Europa der Fall waren.
Aus diesem Grund versuchen die Strategien des “Ausgewogenen” und “Unausgewogenen Wachstums”, die in dieser Arbeit behandelt werden, den Industrialisierungsprozess in der Theorie schnell und ohne die genannten sozialen Probleme in Gang zu bringen.
Spricht man vom “Ausgewogenen” und “Unausgewogenen Wachstum”, so ist damit das Produktionswachstum mehrerer Industrien oder Sektoren einer Wirtschaft, nationaler oder internationaler Art, gemeint. Das Produktionswachstum soll durch Strukturver¨ anderungen, die sich prim¨ ar auf die Produktion beziehen, erfolgen 4 .
Die meisten Theorien zum “Ausgewogenen” und “Unausgewogenen Wachstum” wurden in den 1950er und 1960er Jahren entwickelt und diskutiert. Anschließend verloren sie jedoch an Bedeutung. Erst in den sp¨ aten 1980er Jahren gewann das Thema durch die Arbeiten von Murphy, Shleifer und Vishny wieder an Bedeutung 5 .
1 Matth¨ aus-Evengelium (25,29)
2 Vgl. [Timmermann, 1982] S. 169f.
3 Vgl. [Rosenstein-Rodan, 1943] S. 204
4 Vgl. [Hoffmann, 1965]
5 Vgl. [Murphy et al., 1989]
Ausgewogene vs. unausgewogene sektorale Entwicklungspolitik 2
Gang der Untersuchung
In der folgenden Arbeit soll untersucht werden, ob die Konzepte des “Ausgewogenen Wachstums” oder des “Unausgewogenen Wachstums” geeignete Methoden sind, einen Wachstumsprozess in unterentwickelten L¨ andern einzuleiten, der zu einer Ann¨ aherung f¨ uhren wird, ohne die Wachstumsraten der entwickelten L¨ ander zu verringern.
Die Gliederung dieser Arbeit orientiert sich an zwei Zielen. Die beiden Ans¨ atze ”Ausgewogenes Wachstum” und ”Unausgewogenes Wachstum” werden einzeln vorgestellt und anschließend in einer empirischen Analyse verglichen.
In Kapitel 2 wird zun¨ achst auf die Konzepte des “Ausgewogenen Wachstums” eingegangen, wobei Argumente von verschieden Autoren ber¨ ucksichtigt werden.
uber das “Ausgewogene Wachstum” der ¨ Anschließend erfolgt mit der Kritik ¨ Ubergang zu Kapitel
3, welches die Konzepte und die Kritiken des “Unausgewogenen Wachstums” behandelt.
In Kapitel 4 wird dann anhand empirischer Untersuchungen unter anderem ¨ uberpr¨ uft, ob sek-torale Gleichgewichte oder Ungleichgewichte vorteilhaft f¨ ur die Wirtschaft sind und ob eine kombinierte Anwendung beider Strategien m¨ oglich ist.
Abschließend wird dann in Kapitel 5 eine Zusammenfassung ¨ uber die Ergebnisse dieser Arbeit gegeben.
Ausgewogene vs. unausgewogene sektorale Entwicklungspolitik 3
2 Ausgewogene sektorale Entwicklungspolitik
Der Begriff “Ausgewogenes Wachstum” wird erstmals von Nurkse mit dem englischen Ausdruck ”balanced growth” genannt 6 und wurde sp¨ ater von anderen Autoren aufgenommen. Neben Nurkse wird die Idee vom ausgewogenen Wachstum außerdem vor allem von Lewis, Rosenstein-Rodan, Fleming und Scitovsky vertreten.
Vergleicht man unterentwickelte L¨ ander mit entwickelten, so stellt man fest, dass diese L¨ ander eine Unterausstattung mit Realkapital im Verh¨ altnis zu ihrer Bev¨ olkerung und zu ihrem Bestand an nat¨ urlichen Ressourcen haben 7 .
Der Ansatzpunkt f¨ ur die Strategie des “Ausgewogenen Wachstums” ist, dass schwach entwickelte, enge M¨ arkte das Haupthindernis f¨ ur eine Industrialisierung darstellen. Durch die mangelnde Kaufkraft der Bev¨ olkerung gibt es f¨ ur die Industrie wenig Absatzm¨ oglichkeiten. Diese fehlenden Absatzaussichten begrenzen aber die Investitionsbereitschaft der Unternehmer. Ohne Investitionen bleiben die M¨ arkte jedoch schwach entwickelt.
Dieser “Teufelskreis” demonstriert eindrucksvoll, wie schwierig es f¨ ur ein unterentwickeltes Land ist, aus der Armut auszubrechen. Nurkse fasst dies in der einfachen Aussage “Ein Land ist arm, weil es arm ist” 8 zusammen.
Die Strategie des “Ausgewogenen Wachstums” soll diesen “Teufelskreis” durch eine vor¨ ubergehende, simultan ausgef¨ uhrte Ausgewogenheit zwischen dem Angebot und der Nachfrage ¨ uberwinden 9 . Dabei werden zwei Strategiekonzepte unterschieden. Im Sinne von Nurkse und Rosenstein-Rodan bezieht sich die Ausgewogenheit lediglich auf Angebot und Nachfrage im Konsumg¨ uterbereich 10 , w¨ ahrend sie sich nach Lewis und Kaldor auf alle Sektoren einer Volkswirtschaft bezieht 11 .
Eine Reihe von Investitionen in den von den Konsumenten pr¨ aferierten Produktionsbereichen soll zeitlich simultan und ausgewogen so vorgenommen werden, dass die zus¨ atzlichen Einkommen f¨ ur die produzierten G¨ uter ausgegeben werden k¨ onnen 12 .
Es m¨ ussen allerdings nach Murphy, Shleifer und Vishny zwei wichtige Voraussetzungen erf¨ ullt sein, um “Ausgewogenes Wachstum” zu erm¨ oglichen 13 . Als erstes muss dieselbe Wirtschaft, die sich im vorindustriellen Zustand befand, f¨ ahig sein, einen modern industrialisierten Zustand zu erreichen und zu halten. Dabei ist kein technischer Fortschritt notwendig. Es gen¨ ugt die simultane Investition in verschiedene Sektoren mit Benutzung der verf¨ ugbaren Technologie. Zweitens muss die Bev¨ olkerung von dem Sprung auf den industrialisierten Zustand profitieren und die Lebensverh¨ altnisse m¨ ussen sich verbessern.
“Ausgewogenes Wachstum” baut somit auf dem Theorem von Say auf, das besagt, dass sich jedes G¨ uterangebot selbst die entsprechende Nachfrage schafft. In erweiterter Form besagt das
6 Vgl. [Nurkse, 1952] S. 571 und [Nurkse, 1953] S. 11
7 Vgl. [Nurkse, 1952] S. 252
8 [Nurkse, 1953] S. 4, Originaltext: A country is poor because it is poor
9 Vgl. [Timmermann, 1967] S. 32ff.
10 Vgl. [Nurkse, 1953] und [Rosenstein-Rodan, 1943] S. 202ff.
11 Vgl. [Lewis, 1955] und [Kaldor, 1957] S. 19ff
12 Vgl. [Timmermann, 1982] S. 173f.
13 Vgl. [Murphy et al., 1989] S. 1004
Arbeit zitieren:
Dipl. Ing. oec. Jan-Nicolas Garbe, 2006, Ausgewogene vs. unausgewogene sektorale Entwicklungspolitik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Ausgewogene vs. unausgewogene sektorale Entwicklungspolitik
Seminararbeit, 19 Seiten
Importsubstitution als binnenmarktorientierte Entwicklungsstrategie am...
Seminararbeit, 24 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Jan-Nicolas Garbe hat den Text Ausgewogene vs. unausgewogene sektorale Entwicklungspolitik veröffentlicht
Jan-Nicolas Garbe hat einen neuen Text hochgeladen
Tourism vs Environment: The Case for Coastal Areas
A Research Project of the Comm...
P. P. Wong
Theorien - Probleme - Strategi...
Reinhard Stockmann, Franz Nuscheler, Ulrich Menzel
Reading Seminar XI: Lacan's Four Fundamental Concepts of Psychoanalysi...
Richard Feldstein, Maire Jaanus, Bruce Fink
International Seminar on Nuclear War and Planetary Emergencies - 32nd ...
R. Ragaini, A. Zichichi
Effektiv, gerecht und demokrat...
Helmut Breitmeier, Michèle Roth, Dieter Senghaas
0 Kommentare