| Inhalt
Einleitung 5
1. Das Wesen des Schlafs 7
1.1 Physiologische Grundlagen 8 Im Takt der inneren Uhr 9 Natürliche Müdigkeitsphasen 10 1.2 Was uns sonst noch müde macht 1 1 Fehlende psychische Beanspruchung 11 Psychische und körperliche Beanspruchung 13 Einflüsse aus der Natur 14
2. Schlafkulturen 15
2.1 Monophasen-Schlafkultur 16 2.2 Siesta-Kultur 17 2.3 Nickerchen-Kultur 18 2.4 Schlafen im Stundenrhythmus 19
2.5 Zusammenfassung 20
3. Tagesschlaf in unserer Gesellschaft 21
3.1 Vorindustrielle Zeit 22 3.2 Beginn einer neuen „Zeitrechnung“ 23 3.3 Zeit ist Geld 25 3.4 Freiraum im Arbeitsraum 26
3.5 Im Halbschlaf zum Erfolg 27 3.6 Der Leistungskonflikt 29
3.7 Das Design knüpft an 31
4. Gestaltungsfaktoren 33
4.1 Schlafpositionen 34 Gibt es die optimale Position? 36 4.2 Umgebung 38
Schläfer und Raum 38
4
Ebenen 40
4.3 Einfluss der Wahrnehmung 42
Geräusche 42 Licht 43 Strahlungen 44 Temperatur 44 4.4 Der Schläfer persönlich 46
Intimität und Privatsphäre 46 Hygiene 48 Individualität 49 Sicherheit 50 4.5 Zwischen Wachen und Schlafen 51
Einschlafen und Rituale 51 Aufwecken 53 4.6 Nutzung 54
Stationär oder mobil? 54 Kommt Zeit, kommt Schlaf 54
5. Gestaltungsansätze 57
5.1 Orte für die Napping-Kultur 59
6. Zusammenfassung 67
6.1 Fazit 68 6.2 Zielsetzung für den praktischen Teil 69
Quellen 71
Literaturverzeichnis 72 Internetressourcen 73 Abbildungsverzeichnis 74 Quellenangaben 76
5
» | Einleitung
Wenn jemand weit über den Schreibtisch gebeugt, Zunehmend wird der Tagesschlaf deshalb auch zum
zwischen Kaffeetasse, Maus und Tastatur beim Schlafen ertappt wird, sind spottende Kollegen und verärgerte Chefs nicht weit. Viele sehen im Tagesschlaf ein Sinnbild für Faulheit, Müßiggang oder Respektlosigkeit. Zu einem geregelten Lebens- und Arbeitsrhythmus passt so etwas in den Augen der meisten Menschen nicht. Fleiß, Effizienz und Ordnung sind schließlich die wichtigen Tugenden der heutigen Zeit.
Doch nicht immer ist Faulheit der Grund für das Schlafen am Tag. Vielmehr sorgt ein grundlegendes gesellschaftliches Problem für immer häufigeres Gähnen: fehlende Zeit. Schlaf ist in unserer mo- dernen „Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft“ zu einem knappen Gut geworden. Das Natürliche wird zum Luxus, jeder zweite Deutsche sehnt sich heute nach zum gestalterischen Teil.
mehr Schlaf, wie repräsentative Umfragen zeigen. 1 Wachsender Leistungsdruck und eine schwindende Abtrennung zwischen Arbeit und Freizeit rauben immer mehr Menschen die Zeit für nötige geistige und körperliche Erholung. Ein Phänomen, das sich in Zukunft häufen wird, wenn die Globalisierung in Wirtschaft und Produktion weiter so schnell voran- schreitet wie in den vergangenen zwei Jahrzehnten. 2 Die biologische Uhr, die unseren Schlaf-Wach-Rhyth- mus steuert und für natürliche Leistungstiefs und -hochs verantwortlich ist, wird heute mehr beein- trächtigt denn je.
1 | Das Wesen des Schlafs
8 Das Wesen des Schlafs
1.1 Physiologische Grundlagen
Sinn kaum nachdenken. Erst wenn er gestört ist, rückt
Das Schlafen hat die Menschheit seit ihren Anfängen
beschäftigt, fasziniert und gab ihr Rätsel auf. Rund
30 Prozent unseres Lebens verbringen wir damit und
das ist in der Tat nicht wenig. Erreichen wir unser
sechzigstes Lebensjahr, so können wir sicher sein,
20 Jahre davon geschlafen zu haben. 3
Es ist erstaunlich, dass der allgemeine Kennt-
nisstand über die nächtlichen Vorgänge vielfach
recht dürftig ist. Im Mittelalter bezeichnete man
den Schlaf sogar als den „Bruder des Todes“ 4 , denn
die unheimliche Ruhe eines Schlafenden konnte
auf den ersten Blick leicht mit dem Tod verwechselt
werden. Der Schlaf galt als etwas Unheimliches, das
man nicht erklären konnte. Außerdem war man
schutzlos den gefahren der Umwelt ausgeliefert.
Wird man aus diesem geheimnisvollen Zustand
wieder erwachen? Angesichts dieser bangen Frage
ist es nicht erstaunlich, dass viele auch heute noch,
trotz unserer modernen Erkenntnisse, vor dem Ein-
schlafen ein Gebet sprechen. 5
Dank der Wissenschaft gehören heute die vielen
Mythen und Vermutungen, die Jahrtausende lang
um den Schlaf kreisten zur Geschichte, obgleich es
immer noch vieles näher zu erforschen gibt. Für die
meisten Menschen ist das Schlafen so selbstver-
ständlich, dass sie über seine Entstehung und seinen
Abb. 1 | Die Schlafphasen
23:00 0:00 1:00 2:00 3:00 4:00 5:00 6:00 7:00
9 Das Wesen des Schlafs
laufen werden. Charakterisiert werden die Stadien harmonisches Zusammenspiel steuert in entschei-
durch physiologische Veränderungen verbunden mit unterschiedlichem Empfinden. Das EEG macht diese Phasen durch sich veränderte Wellencharak- teristika deutlich. Diese werden als Schlafprofil oder Hypnogramm bezeichnet.
6
Der Körper benötigt den Schlaf zur Regeneration. Es erfolgt vor allem die Verarbeitung von Erlebnissen, eine Umstrukturierung des Gedächtnisses und die
Zellerneuerung. Eine weitere wichtige Funktion des Schlafens ist die Stärkung des Immunsystems.
Im Takt der inneren Uhr
Doch was ist der Grund für den ständigen Wechsel der Schlafzyklen? Der Mensch ist, wie alle Lebewesen, in die belebte Natur eingebunden und somit den periodischen Veränderungen, vor allem durch den Tag-Nacht-Wechsel ausgesetzt. Der 24-Stunden-Tag, der durch die Erdrotation vorgegeben ist, setzt die Lebewesen ständig rhythmischen Veränderungen aus. 7 Deswegen sind die meisten Lebensfunktionen des Menschen ebenfalls durch einen rhythmischen 24-Stunden-Takt – die „innere Uhr“ – gekennzeich- net. Typische Beispiele hierfür sind der Pulsschlag, die Ausschüttung bestimmter Hormone und der Schlaf-Wach-Rhythmus. Auch die Körpertemperatur schwankt im Laufe eines Tages um ca. plus/minus 1 Grad Celsius. Wenn wir morgens aufwachen, ist sie noch relativ niedrig. Im Laufe des Tages steigt sie an und erreicht am Nachmittag ihren Höhepunkt. Unmittelbar danach beginnt sie allmählich wieder zu sinken und hat in den frühen Morgenstunden ihren tiefsten Punkt. Immer dann, wenn die Tempe- raturkurve am Abend zu sinken beginnt, werden wir müde. Steigt sie am Morgen an, wird der Organismus wieder aktiviert und wir erwachen.
Die Regelmäßigkeit ist entscheidend dafür, dass sich die verschiedenen biologischen Rhyth- men überhaupt aufeinander abstimmen können. Ihr
10 Das Wesen des Schlafs
Spaziergang an frischer Luft, aber auch gymnastische Natürliche Müdigkeitsphasen
Doch es gibt nicht nur eine „Uhr“, sondern mehrere
parallel laufende Taktgeber. Neben den 90-Minu-
ten-Zyklen beim Nachtschlaf, gibt es auch welche,
die einen kürzeren Takt aufweisen. Wieder andere
Rhythmen weisen einen Vier-Stunden-Takt auf.
So ist über den Tag hinweg nicht nur ein einheitlicher
Verlauf mit einem Maximal- und einem Minimal-
wert zu erkennen, sondern es gibt mehrere kleinere
Schwankungen. In den 90-Minuten-Rhythmen am
Tage schwankt vor allem unsere Leistungsfähigkeit.
„Die verschiedenen Müdigkeitsanfälle, die man am
Vormittag, nach dem Mittagessen und am späten Nachmittag erlebt, sind Ausdruck solcher kürzeren biologischen Rhythmen.“ 9 Bauen wir ein Schlafdefizit auf, werden diese Müdigkeitsschwankungen aufgrund des erhöhten Schlafdruckes wesentlich stärker wahrgenommen. Diese momentane Müdigkeit und Erschöpfung hält aber nicht den Rest des Tages an, sondern nimmt bereits nach ca. einer Stunde von selber wieder ab. Typische Anzeichen für diesen Zustand sind eine Verringerung der Leistungsfähigkeit, eine größere Fehlerrate sowie die Absenkung der Körpertempe- ratur, unabhängig von einer Mahlzeiteneinnahme. Abb. 3 |
Uhrzeit
6:00 8:00 10:00 12:00 14:00 16:00 18:00 22:00 20:00
12 Das Wesen des Schlafs
Auch das
Warten
oder die
Langeweile
in Situationen, wo keine Beschäftigungsmöglichkeiten gegeben sind, können schnell ermüden. Hier versucht man oft, diese eher unangenehme Zeitspanne durch Schlafen zu überbrücken. Sogar in der eigenen Woh- nung, vermehrt an Nachmittagen oder Abenden, an denen einfach nichts „los“ ist und nicht einmal das TV-Programm aufmuntert, findet man die Lan- geweile-Schläfer. Schließlich sind keine dringlichen Aufgaben zu erledigen, warum soll man sich also nicht für „einpaar Stündchen aufs Ohr legen“?
Monotone Tätigkeiten oder Einflüsse, denen es an Oft werden solche eintönigen Tätigkeiten auch von
13
Das Wesen des Schlafs
Abb. 8 | Gutes gespielt – gut geschlafen
Psychische und körperliche Beanspruchung Beziehungsprobleme, Ängste) haben viele nur den
Anstrengungen körperlicher und geistiger Natur sind
wohl die einflussreichsten Müdigkeitsfaktoren am
Tage. Durch sie fühlen wir uns entweder angenehm
ausgepowert oder unangenehm ausgelaugt, haben
Erfolgserlebnisse oder sind depressiv.
Als körperliche Anstrengung im negativen Sinne
kann man ein „Durch-die-Stadt-Hetzen“, die nö-
tige Renovierung der Wohnung oder das Tragen
schwerer Gegenstände als Anstrengung bezeichnen.
Andererseits bieten Gartenarbeit oder Sport einen
willkommenen Ausgleich zum stressigen Arbeitstag.
Hier findet man vor allem in psychischer Hinsicht
Ablenkung und Entspannung.
In Phasen starker psychischer Belastung im ne-
gativen Sinne (zum Beispiel Stress am Arbeitsplatz,
2 | Schlafkulturen
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Diplom Designer Frank Ehnes, 2006, Bedürfnis Schlaf - Konzeption eines Objektes für den strategischen Kurzschlaf, Munich, GRIN Publishing GmbH
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