1. Einleitung
„Eine gute Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs in zentraler Lage der Gemeinden und Stadtteile ist die Voraussetzung für Lebensqualität, sozialen Zusammenhalt und die Standortqualität einer Kommune. Die Sicherung der Nahversorgung ist deshalb eine zentrale Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge.“ 1
In vielen Städten findet zu diesem Zwecke eine Ausdehnung der Zeitnutzung in den Abend und zu den Wochenenden hin statt. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sieht Nonstop-Betriebe als positive Erweiterung ihrer Konsummöglichkeiten an. Es gibt hierbei zwei Formen der Ausdehnung.
1. durch Zunahme der Beschäftigten in Schicht-, Nacht- und Wochenendarbeit und 2. durch Arbeits- und Betriebszeiterweiterung in bestehenden „normalen“ Beschäftigtenverhältnissen. „Eine „24/7-Gesellschaft“, die tatsächlich nonstop aktiv wäre, gibt es in (…) Städten bislang nicht, wohl aber Quartiere, die einer kontinuierlichen Aktivität nahe kommen und einzelne Standorte kontinuierlicher Aktivität (…), wie z.B. Tankstellen.“ 2
Kaum eine Branche hat in den letzten Jahren einen so deutlichen Strukturwandel erfahren, wie das Tankstellengewerbe. Nicht nur die Zahl der Tankstellen hat sich von 1968 bis heute von ehemals 48.000 auf heute rund 17.000 Betriebe reduziert, auch die Dienstleistungspalette der Tankstellen hat sich grundlegend gewandelt. 3
Ich möchte in meiner Arbeit einen kurzen Überblick darüber geben, in wie weit die Tankstelle zum Nahversorger geworden ist und was der Tankstellenshop für die Menschen in seiner Umgebung bietet und bedeutet.
1 Kipfer, Birgit: Verbrauchernahe Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs in Baden-Württemberg. SPD-Fraktion Baden-Württemberg. 2005. S.1.
2 www.muenchner-forum.de/veranstaltungshinweise/zusammenfassung_nonstop.pdf [Stand:
25.03.2006]
3 vgl. www.btg-minden.de/main/tankstellen.html [Stand: 10.03.2006]
2
2. Der Tankstellenshop
Heut zu Tage versteht sich die Tankstelle nicht nur als Benzinabgabestation, sie wird mehr und mehr zur Versorgungsbasis für den motorisierten Kunden. Ein kundenorientiertes Waren- und Dienstleistungsangebot rundet die Leistungspalette ab. Das umfangreiche Warenprogramm im Tankstellenshop ist in erster Linie auf den Unterwegsbedarf abgestellt - von Getränken, Süßigkeiten, Tabakwaren bis hin zur Straßenkarte. Immer beliebter wird der Tankstellenshop, weil sich die Kunden auf den neu entdeckten Conveniencebegriff berufen.
Die Entwickelung der Tankstellen geht hin zur Versorgungsbasis nicht nur für den motorisierten Kunden. Ob die frischen Brötchen am Sonntag, den schnellen Snack für unterwegs oder den Blumenstrauß für die Freundin - all’ diese Dinge sind heute in einem modernen Tankstellenshop zu bekommen. 4
3. Bedeutung von Convenience
Convenience meint Bequemlichkeit und Zwanglosigkeit. Einkaufen und Konsumieren zu können, egal wann und wo man gerade ist. Die Kunden wollen ohne Aufwand, ohne lange Schlangen, Wartezeiten oder langes Suchen schnell, direkt und spontan nach Lust und Laune den direkten Zugang zu Lebensmitteln und anderen kleinen Gütern. Diese Art des Konsumierens macht für viele das Leben einfacher und flexibler. 5
Convenience ist ein Gegenpol zu Werten bzw. Verhaltensweisen wie Planung, Haushaltsorganisation, Vorratswirtschaft, Großeinkauf und der Jagd nach Sonderangeboten. Die Menschen die in diesen Läden einkaufen sind schwer zu beschreiben, da dieselben Verbraucher, die äußerst preisbewusst und geplant
4 vgl. www.btg-minden.de/main/tankstellen.html [Stand: 10.03.2006]
5 vgl. Deutsches Seminar für Städtebau und Wirtschaft im Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung (Hrsg.).: Convenienceläden für kleine Bahnhöfe. DSSW Publikationen. Berlin, 2000. S. 2.
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ihren Haushaltsbedarf beim Discounter eindecken, am selben Tag trotz dessen locker und lässig ihren Freizeit- oder Pausenbedarf beim Convenienceshop machen.
4. Gründe für den Einkauf in Tankstellenshops
Laut einer Forschungsstudie des Institutes für Handel und Internationales Marketing an der Universität des Saarlandes, Saarbrücken und der LEKKERLAND Deutschland GmbH & Co. KG gibt es verschiedene Gründe für den Einkauf an Tankstellen. Dabei dominiert jedoch mit Abstand das Argument bequemer Einkauf. Es folgen die Verbindung von Tanken/ Einkaufen und die kompetente/ freundliche Bedienung.
„Obwohl Tankstellen in der Regel durch Selbstbedienung gekennzeichnet sind, kommt in diesem Urteil eine Form der Kundenbindung im Sinne von Stammkundschaft zum Ausdruck. Im Vergleich zu den großflächigen Einzelhandelsformen könnte hier eine wichtige Profilierungsdimension von Convenienceshops, so der Tankstellen liegen. Aus Sicht der Stammkäufer verfestigt sich die Bedeutung der Bequemlichkeit als treibende Kraft des Tankstellen-Shopping.“ 6
5. Die Einnahmen der Tankstellen
Bereits heute machen Tankstellen mehr Umsatz mit den Einzelhandels- und Gastronomieangeboten ihrer Shops als mit ihrem eigentlichen Kerngeschäft: Shell zählt zu einem der weltgrößten Einzelhändler, BP zu einer der größten Bäckereiketten Deutschlands. 7
6 Zentes, Joachim/ Bernhard Swoboda: Convenience - Bedeutung eines neuen Konsumtrends. Zusammenfassung verschiedener Arbeiten u. a. aus: Profilierungsdimensionen des Tankstellenshops. Institut für Handel und Internationales Marketing und LEKKERLAND Deutschland GmbH & Co. KG. Saarbrücken/ Frechen, 1998. S. 8.
7 Heckel, Dietrich/ Matthias Eberling: Alles zu jeder Zeit?: Städte auf dem Weg zur kontinuierlichen Aktivität. Verein für Kommunalwissenschaften. Difu-Beiträge zur Stadtforschung Band 36 des Deutschen Instituts für Urbanistik. Berlin, 2002. S. 46.
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Arbeit zitieren:
Sabine Jaki, 2006, Tankstellenshops, München, GRIN Verlag GmbH
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