Universität Flensburg, Institut für Germanistik
Hauptseminar: Schreiben- und Lesenlernen lehren
6. Fachsemester, Sommersemester 2005
Schreiben im Studium
von: Birte Holz
Inhalt
0 Einleitung
1 Zu Problemen von studentischen Autoren
1.1 Typische Mängel von Studienarbeiten
1.2 Woher kommen die Probleme
2 Was bedeutet wissenschaftliches Schreiben?
2.1 Textproduktion unter dem kommunikativen und kognitiven Gesichtspunkt
2.2 Die Wissenschaftssprache
2.2.1 Charakterisierung der Wissenschaftssprache
2.2.2 Verbreitete Probleme von Studierenden im Umgang mit der Wissenschaftssprache
3 Voraussetzungen für das Schreiben im Studium
3.1 Akademische Schlüsselkompetenz/wissenschaftliche Schreibkompetenz
3.2 Untersuchung des Lehrplans
3.3 Ausbildung der wissenschaftlichen Schreibkompetenz an Hochschulen
4 Fazit
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Schreiben wissenschaftlicher Hausarbeiten während des Hochschulstudiums. In vielen Studiengängen an deutschen Hochschulen erwerben Studierende durch das Verfassen wissenschaftlicher Hausarbeiten Leistungsnachweise, die Voraussetzung für das erfolgreiche Durchlaufen des Studiums sind. Besonders in sozial- und geisteswissenschaftlichen Studiengängen werden überwiegend wissenschaftliche Hausarbeiten angefertigt. An Studierende wird die Forderung gestellt, sich mit einem bestimmten Sachverhalt forschend auseinander zu setzen, ihn thematisch zu durchdringen und in angemessener Form schriftlich festzuhalten. Da viele Studierende sich dieser Forderung nicht gewachsen fühlen, werden viele Hausarbeiten oft gar nicht und viele mit gravierenden Mängeln abgegeben (Pohl 2005). Die Gründe hierfür sind vielfältig und werden in Kapitel 1 aufgezeigt. Kapitel 2 beschäftigt sich konkret damit, welche kommunikative Aufgabe das wissenschaftliche Schreiben darstellt, welche kognitiven Fähigkeiten vom Schreiber gefordert sind und in welcher sprachlichen Form wissenschaftliche Hausarbeiten anzufertigen sind. Welche Fähigkeiten bei Studierenden ausgebildet sein müssen, wird in Kapitel 3 genauer dargestellt.
Die Recherche zu diesem Thema hat immer wieder darauf verwiesen, dass besonders Studienanfänger/innen1 mit der Hausarbeitenanfertigung überfordert sind. Auch wird oft die Kritik erhoben, die Hochschule leiste für diese Probleme keine Hilfestellung (Pohl 2005; Kruse/Jakobs 1999). Da das Ausbilden der Studierfähigkeit Lehrplaninhalt der gymnasialen Oberstufe ist, scheint es, als würden Hochschulangehörige von einer vorhandenen akademischen Kompetenz ausgehen. Daher stellt sich die Frage, wie viel in der Propädeutik geleistet wird, um die so genannte Studierfähigkeit auszubilden und ob das Lernziel, nämlich die wissenschaftliche Schreibkompetenz, wirklich erfüllt werden kann. Um dies genauer darzustellen beschäftigt sich Kapitel 3 weiterführend mit dem Lehrplan der gymnasialen Oberstufe am Beispiel des Landes Schleswig-Holstein. Doch wenn man von der Entwicklung von wissenschaftlichen Kompetenzen spricht, muss auch ein Blick auf die Hochschule geworfen werden. Welche Hilfs- und Lehrangebote stehen den Studierenden zur Verfügung und wie werden sie von ihren Dozenten in diesem Lernprozess unterstützt? Hierauf wird in Kap. 3.3 eingegangen.
Zu den Problemen von studentischen Autoren
Seit Mitte der 90er Jahre haben sich vermehrt Wissenschaftler (Eva-Maria Jakobs, Dagmar Knorr, Otto Kruse, Gabriela Ruhmann) mit dem Themenbereich des studienbegleitenden Schreibens auseinandergesetzt und veröffentlichten viele Beiträge hierzu (z. B. „Schreiben in den Wissenschaften“ (1997) herausgegeben von Jakobs und Knorr, „Schlüsselkompetenz Schreiben“ (1999) herausgegeben von Kruse, Jakobs und Ruhmann). Nach Thorsten Pohl (2005) weist die Vielzahl dieser Beiträge darauf hin, „dass die Studierenden zusehends größere Probleme mit dem Verfassen wissenschaftlicher Texte hätten“. Weiterhin unterscheidet Pohl (2005) zwei grundsätzliche Problembereiche: Schreibprozess und Schreibprodukt. Der Schreibprozess verläuft laut Pohl häufig „ineffizient und krisenhaft (Schreibblockaden, Schreibabbrüche, Schreibverzögerungen, psychische Leiden)“ und ist „oftmals eng verwoben mit psychischen und lebenspraktischen Problemen“. Aus der psychologischen Schreibforschung ist bekannt, dass das Schreibprodukt keine Rückschlüsse daraufhin zulässt, wie sich der Schreibprozess vollzogen hat. „Ein krisenhaft verlaufender Schreibvorgang kann zu einem akzeptablen oder gar hervorragenden Schreibprodukt führen.“ (Pohl 2005 S. 205) Die Schreibprodukte weisen viele schwerwiegende sprachliche Mängel und Verstöße auf und werden im Folgenden genauer dargestellt.
1.1 Typische Mängel von Studienarbeiten
[...]
1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit schließt die männliche Form im Folgenden die weibliche stets mit ein.
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Birte Holz, 2005, Schreiben im Studium, Munich, GRIN Publishing GmbH
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