Serviceorientierte Architektur (Zielsetzung, Konzeption, Stand der Technik und neue Geschäfts-modelle)
2 Serviceorientierte Architektur (SOA)
Mit dem Schlagwort serviceorientierte Architektur verknüpfen sich derzeit viele Versprechungen und Hoffnungen. Eine vollständige Liste von Ziele zu nennen ist schwer, denn es sind die unterschiedlichsten Parteien mit den unterschiedlichsten Ausgangssituationen beteiligt. Hauptziel jedes Unternehmens ist aber sicherlich die Erhöhung der IT- und Geschäftsflexibilität. Daraus ergeben sich Produktivitäts-, Wirtschaftlichkeits-, und Agilitätssteigerungen. Zudem erreicht man eine bessere Abstimmung der IT-Landschaften auf die Geschäftsstrategien [KUHR05, S. 5].
2.1 Begriffserklärungen
Serviceorientierte Architektur
Der Begriff serviceorientierte Architektur wird aktuell sehr unterschiedlich interpretiert. Je nach Definition wird auf verschiedene Aspekte unterschiedlich viel Wert gelegt. Generell kann man sagen, dass die Idee der SOA auf einem Systemarchitektur-Konzept basiert, das die Bereitstellung interagierender Services über ein Netzwerk vorsieht. Dabei wird eine Anwendungslandschaft eines Unternehmens aufgebaut, in der Funktionalitäten der einzelnen, fachlichen Anwendungsbausteine gekapselt und in Form von Services angeboten werden [RICH05].
Service
Ein Kernelement von SOA ist der Service. Er repräsentiert eine klar abgegrenzte Geschäftsfunktion. Als Baustein kann er in einem oder mehreren Geschäftsprozessen verwendet werden. Durch diese Kombination bereits bestehender Services wird es möglich, geänderte und neue Geschäftsprozesse schnell und ohne großen technischen Aufwand zu realisieren. Hervorzuheben ist, dass der Schwerpunkt nicht wie bei konventionellen Ansätzen der Anwendungsarchitektur (z. B. OO, EAI) auf der technischen Seite liegt, sondern prozessorientiert die fachlichen Aspekte der Geschäftsprozesse in den Vordergrund gerückt werden [BARK06, S. 6].
2.2 SOA-Tempel - Grundlagen
An SOA als Architektur werden bestimmte Anforderungen gestellt. In Abbildung 1 sind diese Anforderungen zusammengefasst.
2 Hauptseminar Wirtschaftsinformatik
Serviceorientierte Architektur (Zielsetzung, Konzeption, Stand der Technik und neue Geschäfts-modelle)
Das Grundkonzept geht davon aus, dass das Fundament von offenen Standards, Sicherheit und Einfachheit gebildet wird.
Offene Standards: Durch offene Standards, wie XML oder HTTP wird sichergestellt, dass Services miteinander kommunizieren und mit anderen Services zu einem vollständigen Geschäftsprozess verbunden werden können. Zudem führt die Verwendung von offenen Standards dazu, dass man Unabhängigkeit von Softwareanbietern und einer bestimmten Technologie erreicht. Man erlangt dadurch zwei wesentliche Vorteile. Zum einen hat man die Möglichkeit sich auf Kernkompetenzen zu konzentrieren, indem man die Implementierung einer Laufzeitumgebung von spezialisierten Unternehmen kauft. Zum anderen wird eine Investitionssicherheit gewährt, indem man im Zweifelsfall zu einem anderen Anbieter wechseln kann [DOST04, S. 54].
Sicherheit: Bei der Entwicklung von Anwendungen bietet SOA eine Reihe von positiven Eigenschaften. Durch diese Vorteile sind die generierten Anwendungen aber auch zahlreichen Sicherheitsrisiken ausgesetzt. Werden in einem Unternehmen bestimmte Sicherheitsanforderungen, vor allem in Bezug auf die Nutzung externer Services, nicht eingehalten, kann dies schnell zu Haftungs- und Imageschäden führen. Tabelle 1 stellt die wesentlichen Sicherheitsaspekte im Überblick dar [WIEH04, S. 139]
Hauptseminar Wirtschaftsinformatik Seite 3
Serviceorientierte Architektur (Zielsetzung, Konzeption, Stand der Technik und neue Geschäfts-modelle)
Tabelle 1: Sicherheitsaspekte und Lösungen [in Anlehnung an SCHA03, S. 217]
Einfachheit: Der Ruf nach Vereinfachung in der Informationstechnologie wird immer lauter. Produktlebenszyklen verkürzen sich, der Kostendruck steigt und der Markt ändert sich schnell. Mitarbeiter werden immer stärker beansprucht. Es besteht der Wunsch, dass das Technologiekonzept einfach ist, wichtiger aber noch, dass die Technologie im Rahmen eines Projektes einfach anzuwenden ist. Ziel muss es also sein die Komplexität zu reduzieren und die Systeme zu beherrschen. SOA hilft hier, indem durch die Verwendung von Services die Anwendungslandschaft klar und verständlich strukturiert wird. Zudem werden die technischen Implementierungsdetails hinter definierten Schnittstellen gekapselt, was eine Konzentration auf fachliche Aspekte ermöglicht [BARK06, S. 18 u. 28; DOST04, S. 53].
Auf diesem gerade eben beschriebenen Fundament ruhen die vier Säulen, verteilter Dienst, lose Kopplung, Verzeichnisdienst und prozessorientierte Struktur. Diese wiederum stützen das Dach der serviceorientierten Architektur.
Verteiltheit: „Ein verteiltes System ist ein System, in dem sich Hardware- und Softwarekomponenten auf vernetzten Computern befinden und miteinander über den Austausch von Nachrichten kommunizieren“ [HAMM05, S. 16]. Dieses System wird von verteilten Anwendungen gebraucht, um Nutzern eine in sich geschlossene fachliche Funktionalität zur Verfügung zu stellen. Auf Ressourcen, wie Hardware, Daten und Informationen kann somit gemeinsam zugegriffen werden. Unternehmen agieren heutzutage zunehmend verteilt. Die Forderung, die sich daraus ergibt ist ein systemneutraler Servicezugang. Der Serviceanbieter sollte seinen Service so gestalten, dass keine Annahmen zum Beispiel über Programmiersprachen zu Grunde liegen. Gefahren verteilter Anwendungen, die auf dem Internet als verteiltem System aufsetzen, sind in der Sicherheit zu finden [HAMM05 S. 17 u. S. 22; DOST04, S. 53]. 4 Hauptseminar Wirtschaftsinformatik
Arbeit zitieren:
Stephan Hofmann, 2006, Serviceorientierte Architektur (Zielsetzung, Konzeption, Stand der Technik und neue Geschäftsmodelle), München, GRIN Verlag GmbH
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