INHALTSVERZEICHNIS
ABBILDUNGSVERZEICHNIS.................................................................................................I
1 EINLEITUNG 1
2 TECHNISCHER HINTERGRUND 4
3 PROBLEME UND RISIKEN DES SHUTTLE-PROGRAMMS 8
4 INVOLVIERTE INTERESSENGRUPPEN 9
4.1 Interessen der US-Regierung 9
4.2 Interessen der NASA 10
4.3 Interessen amerikanischer Rüstungskonzerne 11
4.4 Interessen von Morton Thiokol 11
5 CHRONOLOGISCHE ENTWICKLUNG DES O-RING-PROBLEMS 13
5.1 Entdeckung von Lecks in der Hauptdichtung 13
5.2 Frühe Hinweise auf eine Auswirkung der Temperatur 14
5.3 Umgang mit dem Risiko 14
5.4 Mangelnde Unterstützung durch das Management 15
5.5 Temperaturvoraussage für Flug 51L 16
5.6 Entscheidungsabläufe im Rahmen der Startfreigabe 17
6 KONSEQUENZEN DER KATASTROPHE 19
7 HANDLUNGSALTERNATIVEN DER BETEILIGTEN 21
7.1 Handlungsalternativen der NASA 21
7.2 Handlungsalternativen des Thiokol-Managements 24
7.3 Handlungsalternativen der leitenden Ingenieure 25
8 FAZIT 27
LITERATURVERZEICHNIS 30
ANHANG................................................................................................................................. 31 NA
3 NA
The Challenger Disaster I
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Komponenten der Raumfähre Challenger 4
Abbildung 2: Solid Rocket Booster 5
Abbildung 3: Verbindungselement der Booster-Segmente 6
Abbildung 4: Involvierte Interessengruppen 12
Abbildung 5: Umgang mit dem Risiko seitens der Entscheidungsträger 16
Abbildung 6: Managementbeziehungen zwischen Morton Thiokol und der NASA 18
I NA
1 EINLEITUNG
Am 12. April 1981 wurde das Space-Shuttle-Programm der NASA mit dem Start der „Co- lumbia“ eröffnet. Von Beginn an zeigten sich technische Mängel wie z.B. der Verlust von Hitzeschutzkacheln, die eine potenzielle Gefährdung der Astronauten darstellten. Das Schwesterschiff der „Columbia“, die „Challenger“, war seit dem 30. August 1983 im Einsatz. Am 28. Januar 1986 sollte die „Challenger“ zu ihrem 25. Flug aufbrechen. 1 Kurz nach dem Start explodierte das Space-Shuttle in 15000 Metern Höhe, wobei sieben Astronauten, darun- ter die Lehrerin Christa McAuliffe, ihr Leben ließen. 2
Die Intention dieser schriftlichen Ausarbeitung zu einer am 12.01.2006 im Rahmen der Ver- anstaltung „Ausgewählte Probleme der Wirtschafts- und Unternehmensethik“ an der Univer- sität Kassel abgehaltenen Präsentation zum Thema der „Challenger“-Katastrophe liegt darin, die Ursachen der Katastrophe darzustellen und beteiligte Interessengruppen und deren Hand- lungsmotive aufzuzeigen. Die Betrachtung konzentriert sich dabei im Wesentlichen darauf, mögliche Konflikte zwischen den Zielsetzungen der identifizierten Interessengruppen heraus- zuarbeiten und moralische Dilemmata einzelner Entscheidungsträger zu beleuchten.
Als Einstieg in die Thematik soll zunächst ein Überblick über den Aufbau des Space-Shuttles gegeben werden, wobei an dieser Stelle bereits der Fokus auf die Festtreibstoffraketen gerich- tet werden soll, die in der Folge des Unglücks als Ausgangspunkt für die Katastrophe identi- fiziert wurden. Ein detaillierter Einblick in den technologischen Aufbau der Raketen zeigt dabei deren Zusammensetzung aus verschiedenen Segmenten, deren Verbindungselemente schließlich die Gummidichtungen enthielten, die Auslöser für die Explosion waren.
Der dritte Abschnitt dieser Arbeit soll in gebotener Kürze den Verlauf von, dem Katastro- phenflug der „Challenger“ zeitlich vorgelagerten, Shuttle-Missionen aufzeigen, bei denen es bereits zu Störungen im Ablauf und zu technischen Fehlfunktionen gekommen war. Auf diese Weise soll verdeutlicht werden, dass die Explosion der „Challenger“ nicht das erste Auftreten von Störungen innerhalb der Start- bzw. Flugroutinen des Shuttle-Programms darstellte. 1 vgl. Steinmann/Löhr (1994), S. 23 2 vgl. Dutzmann (1986), S. 42, Steinmann/Löhr (1994), S.23
1
Durch eine Darstellung der wesentlichen in das Shuttle-Programm involvierten Interessen- gruppen sollen vor allem die verschiedenen Intentionen und Motivationen der Beteiligten herausgearbeitet werden, welche einander zum Teil verstärkten, sich zum anderen Teil jedoch auch als konfliktär erwiesen. An dieser Stelle wird bereits deutlich, welche Interessen für den Start der „Challenger“ von entscheidender Bedeutung waren, obwohl konkreter Anlass für Sicherheitsbedenken hinsichtlich des Shuttle-Starts bestand.
In Anlehnung an diese Interessenkonflikte soll die Vorgeschichte der „Challenger“- Katastrophe in Kapitel 5 dieser Arbeit noch einmal aufbereitet werden. Die Betrachtung kon- zentriert sich dabei auf die Entwicklungsgeschichte des O-Ring-Problems, also der funktions- gestörten Dichtungsringe und der Umstände, die wesentlich für jene Funktionsstörung ver- antwortlich waren. Innerhalb dieser Darstellung wird deutlich, dass deutliche Vorzeichen für ein Unglück existierten, diesen aber nicht mit der nötigen Konsequenz entgegengetreten wur- de. Besonders detailliert soll in diesem Zusammenhang die Aufarbeitung einer Telekonferenz zwischen verschiedenen involvierten Interessengruppen erfolgen, in deren Verlauf moralische Dilemmata besonders deutlich hervortraten und aus der letztlich ein bewusstes Inkaufnehmen von Sicherheitsrisiken trotz bestehender Warnungen resultierte.
Wenn an dieser Stelle von einer Vernachlässigung von Risiken die Rede ist, die zum Start der „Challenger“ trotz bestehender technischer Mängel führte, so muss in der Folge ein Blick auf die Konsequenzen der Katastrophe für die bedeutenden Interessengruppen geworfen werden, um die Freigabe für den Start der „Challenger“ in Gänze einordnen zu können. Dies soll im Rahmen des sechsten Kapitels dieser Arbeit in gebotener Kürze geschehen.
Da sich diese Ausarbeitung nicht zuletzt auf die Ergebnisse der Gruppendiskussion im Rah- men der o.g. Lehrveranstaltung bezieht, sollen im Rahmen des siebten Kapitels mögliche Handlungsalternativen der in einer Dilemmasituation befindlichen Akteure aufgezeigt und in Bezug zu den ausschlaggebenden Handlungsmotiven gesetzt werden.
2
Abschließend wagen die Verfasser den Versuch, den tatsächlichen Verlauf der Katastrophe auszublenden und im Rahmen einer idealtypischen Argumentation herauszuarbeiten, wie eine Freigabe für den Start der „Challenger“ zustande kommen konnte. Dazu soll jedoch bereits im Vorfeld angemerkt werden, dass eine solche idealtypische Position keinesfalls Anspruch auf Alleingültigkeit erheben soll, sondern lediglich den Versuch darstellt, die Entscheidungs- abläufe im Vorfeld der Katastrophe aus dem Standpunkt eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums nachvollziehen zu können.
3
2 TECHNISCHER HINTERGRUND
Zunächst soll ein kurzer Überblick über die Komponenten des Space-Shuttles gegeben wer- den. Abbildung 1 zeigt dabei das Space-Shuttle und die Segmente der Trägerrakete, mit deren Hilfe das Space-Shuttle in den Orbit gebracht wird. Die Trägerrakete besteht aus dem Haupt- tank, in dem 550.000 Liter flüssiger Sauerstoff und 1,45 Millionen Liter flüssiger Wasserstoff enthalten sind, und den beiden Festtreibstoff-Raketen (Booster), deren Inhalt noch einmal 1000 Tonnen Festtreibstoff beträgt.
Abbildung 1: Komponenten der Raumfähre „Challenger“ Quelle: Der Spiegel, Nr. 6 vom 3. Februar 1986, S. 445
Bei einem reibungslosem Verlauf des Starts lösen sich die leergebrannten Feststoffraketen (mittels Sprengung) nach zwei Minuten und sieben Sekunden vom Haupttank. Letzterer wird nach weiteren 6,5 Minuten ebenfalls durch Sprengung vom Raumgleiter gelöst. 3
Wie die Abbildung 2 zeigt, setzen sich die Booster aus mehreren Segmenten zusammen, de- ren Verbindungselemente als Ausgangspunkt für die Katastrophe identifiziert wurden. 4 3 vgl. Der Spiegel, Nr. 6 vom 3. Februar 1986, S. 445 ff.
4 vgl. Vaughan (1996), S. 4 f.
4
Die Abbildung 3 zeigt einen schematischen Querschnitt eines der Verbindungselemente zwi- schen den Booster-Segmenten. Wie man sieht, passt der Verbindungszapfen (tang), der vom unteren Ende jedes oberen Boostersegmentes hervorsteht genau in die Nut (clevis) im oberen Rand des darunter liegenden Segments. Zapfen und Nut werden bei jeder Verbindung mit 177 Stahlbolzen (pins) zusammengehalten, die zusätzlich durch ein Stahlband (pin retainer band) gesichert und gegen Hitze durch eine isolierende Korkschicht geschützt sind. Die beiden Dichtungsringe (O-ring), die in Kerben um den oberen Rand der Verbindungsnut verlaufen, sichern das gesamte Verbindungselement gegen den gewaltigen Druck ab, den die heißen Gase des brennenden Treibstoffs (propellant) innerhalb des Boosters hervorrufen. Die Dich- tungen bestehen aus schwarzem Spezialkautschuk. Ein grüner Spezialkitt (putty) schützt die Dichtungen vor der direkten Einwirkung der heißen Treibstoffgase. 5
5
Abbildung 3: Verbindungselement der Booster-Segmente
In späteren Untersuchungen konnte der Verlauf der Katastrophe auf die tausendstel Sekunde genau analysiert werden. 6 Aus Fotoserien 7 ging hervor, dass der Flug bereits beim Startvor- gang außerplanmäßige Abweichungen aufwies, da schwarzer Rauch aus der Verbindung der unteren beiden Segmente des rechten Boosters austrat. 8 Ursache hierfür war, dass sich die beiden ringförmigen Dichtungen im Verbindungselement sowie der sie schützende hitzefeste Kitt in ihrer Position verschoben hatten, wodurch die über 3000 Grad Celsius heißen Abgase des Triebwerks aus dem Innere der Rakete austreten konnten und zu einer Entzündung des Booster-Segments führten. 9 6 vgl. Bell/Esch (1987), S. 36 ff.
7 ausgewählte Fotos siehe Anhang dieser Arbeit 8 vgl. McConnell (1987), S. 105, Dutzmann (1986), S. 43 9 vgl. Haaf (1986), S. 100
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Arbeit zitieren:
Michael Rummelsberger, Jan Vockeroth, 2006, Das "Challenger Disaster" - Entstehung und Konsequenzen, München, GRIN Verlag GmbH
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