Überall dort, wo öffentliche Mittel eingesetzt werden, bedarf es einer Legitimation für dieses Tun. Und da es sich bei öffentlichen Mitteln, in Anbetracht schwieriger Haushaltslagen bei Bund, Länder und Kommunen, um eine immer knapper werdende Ressource handelt, ist die Frage der Verteilung ebenso wichitg wie die Frage nach dem Warum. In dieser Arbeit sollen Argumente für eine Legitimation der Theaterförderung in Deutschland gesammelt werden. Dazu sollen ökonomische, soziologische und juristische Argumente aus der Literatur und der aktuellen Diskussion im Hauptteil der Arbeit beschrieben und anschließend kritisch diskutiert werden. Dieses auch unter dem Gesichtspunkt einer zusammenfassenden Bewertung. Bevor nun auf die Argumente für eine Theaterförderung eingegangen wird, wird in einem ersten Abschnitt dieser Arbeit auf das eigentliche Ausmaß der Theaterförderung in Deutschland eingegangen. Dieses besonders in Hinblick auf ein besseres Verständnis über den Stellenwert und Größenordnung der Theaterförderung in Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theaterförderung in Deutschland
3. Argumente für eine Theaterförderung
3.1. Ökonomische Argumente
3.2. Juristische Argumente
3.3. Soziologische Argumente
4. Kritische Betrachtung der Legitimationsargumente
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die notwendige Legitimation für die öffentliche Förderung von Theatern angesichts knapper öffentlicher Haushaltsmittel. Ziel ist es, verschiedene ökonomische, juristische und soziologische Argumente für diese Förderung zusammenzutragen, kritisch zu diskutieren und die Rolle des Theaters in der heutigen Gesellschaft zu bewerten.
- Stellenwert und Finanzierung der Theaterlandschaft in Deutschland
- Ökonomische Begründungen (Marktversagen, meritorische Güter, Umwegrentabilität)
- Juristische Rahmenbedingungen und staatlicher Kulturauftrag
- Soziologische Effekte (Bildung, Identitätsstiftung, soziale Innovation)
- Kritische Reflexion der Förderwürdigkeit und Alternativmöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
Baumol’sche Kostenkrankheit
In einem von Baumol im Jahre 1967 vorgestellten Modell wird auf die Tatsache verwiesen, dass Kosten für Arbeitskraft in der gesamten Volkswirtschaft stetig steigen. Um nun einen Produktivitätsanstieg bei gleichem Output (Produktivität) erzielen zu wollen, können durch den Einsatz neuer Technologien Arbeitsplätze rationalisiert werden.
Am Theater, in dem ca. 80 Prozent der Kosten für das künstlerische Personal anfallen, gibt es jedoch nur einen sehr beschränkten Bereich für Rationalisierungsmöglichkeiten und eine Produktivitätssteigerung durch neue Technologien bleibt außen vor.
Das Problem zeigt sich am deutlichsten in dem Zitat von Baumol: „The output per man-hour of a violinist playing a Schubert quartet in a standard concert hall is relativly fixed, and it is faisly difficult to reduce the number of actors necessary for a performance of HenryIV, Part II.”
Sicherlich kann man auch eine Wiedergabegerät auf die Bühne stellen und dieses von einem Filmvorführer oder Musikvorführer abspielen lassen, nur wäre dieses gewiss kein Theater mit echter Interaktion auf der Bühne mehr.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit, öffentliche Subventionen für das Theater in Zeiten knapper Haushaltslagen durch fundierte Argumente zu rechtfertigen.
2. Theaterförderung in Deutschland: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die föderale Struktur der deutschen Theaterlandschaft, deren Finanzierungsmodelle und die betriebswirtschaftliche Kostenstruktur.
3. Argumente für eine Theaterförderung: Hier werden ökonomische, juristische und soziologische Hauptargumente erörtert, die als Grundlage für eine staatliche Unterstützung dienen.
4. Kritische Betrachtung der Legitimationsargumente: Die verschiedenen Argumente werden hier hinterfragt, wobei insbesondere die Frage nach der Effektivität und möglichen kostengünstigeren Alternativen gestellt wird.
5. Schlussbemerkung: Der Autor resümiert, dass die Frage der Legitimation offen bleiben muss, betont aber den hohen kulturellen Wert der deutschen Theaterlandschaft.
Schlüsselwörter
Theaterförderung, öffentliche Mittel, Legitimation, Kulturstaat, ökonomische Argumente, Baumol’sche Kostenkrankheit, Umwegrentabilität, meritorisches Gut, Kunstfreiheit, soziologische Argumente, Kulturmanagement, Deutschland, Bildungsauftrag, Kulturpolitik, Subventionierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die öffentliche Förderung von Theatern in Deutschland angesichts knapper finanzieller Mittel staatlicher Haushalte legitimiert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die ökonomischen Begründungen (wie Marktversagen), die juristische Verankerung im Kulturstaat-Konzept und soziologische Aspekte wie Bildungs- und Identitätsstiftung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die verschiedenen Legitimationsargumente für Theaterförderung systematisch zu sammeln, darzustellen und anschließend einer kritischen Prüfung zu unterziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse und Diskussion von Modellen (u.a. von Baumol, Musgrave und Olson), um die Theatersubventionierung ökonomisch und gesellschaftlich einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die drei Säulen der Argumentation: ökonomische, juristische und soziologische Faktoren sowie deren kritische Hinterfragung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Theaterförderung, öffentliche Mittel, Legitimation, Kulturstaat, Baumol’sche Kostenkrankheit und Umwegrentabilität.
Warum wird die "Baumol’sche Kostenkrankheit" im Zusammenhang mit Theatern genannt?
Sie erklärt, warum Theaterkosten im Vergleich zur allgemeinen Wirtschaft überdurchschnittlich steigen, da künstlerische Arbeit kaum rationalisiert werden kann, ohne den Charakter der Live-Aufführung zu zerstören.
Was bedeutet "Umwegrentabilität" im Kontext der Theaterfinanzierung?
Sie beschreibt die Idee, dass Theatersubventionen durch Steuereinnahmen und Multiplikatoreffekte in anderen Branchen (Tourismus, Gastronomie) teilweise in die öffentliche Hand zurückfließen.
Wie bewertet der Autor das Spannungsfeld zwischen Staat und Kunstfreiheit?
Der Autor konstatiert, dass der Staat zwar eine Verantwortung gegenüber der Kultur hat, die Förderung jedoch primär dazu dienen sollte, die Kunst vor Instrumentalisierung zu schützen.
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- Dipl.Verw.Wiss. Tim Ellmers (Author), 2005, Legitimation und Analyse der öffentlichen Theaterförderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56963