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GLIEDERUNG
1. Einleitung. 2
2. Kleiner allgemeiner Vergleich von Japan und Deutschland. 3
3. Werte. 4
3.1 Werte als Begriff. 4
3.2 Der Wertewandel. 6
3.3 Einfluss von Werten auf die Politik. 9
4. Thesenbildung. 10
5. Wertevergleich in der Politik. 11
5.1 Politikinteresse. 11
5.2 Vertrauen in verschiedene Institutionen. 13
5.3 Regierungsform. 16
5.4 Autorität. 18
5.5 Partizipation durch unkonventionelle Politikformen. 19
5.6 Fremdenfeindlichkeit. 22
6. Zusammenfassung. 23
7. Quellenhinweise 26
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1. Einleitung
Diese Arbeit ist eine schriftliche Ausarbeitung zu einem Referat zum empirischen Vergleich verschiedener politischer Werte zwischen Japan und Deutschland.
Die Arbeit konzentriert sich auf Ausschnitte der Studienergebnisse von worldvalussurvey.org. Als zweitwichtigste Referenzquelle gilt das Buch von Ronald Inglehart “Modernisierung und Postmodernisierung - Kultureller, wirtschaftlicher und politischer Wandel in 43 Gesellschaften”, das die Studien der wordvaluessurvey.org zur Grundlage hat.
Studienfrage ist, wieweit Japan und Deutschland sich in materialistischen und postmaterialistischen Werten im politischen Bereich gegeneinander abgrenzen. Die Antwort wird qualitativ sein.
Bevor im Punkt 4. die empirischen Daten aufgezeigt und ausgewertet werden, vergleiche ich Japan und Deutschland im Punkt 2. sehr kurz allgemein, wobei ichwegen meiner deutschen Perspektive - mehr über japanische Daten berichte. Im Punkt 3. werde ich den Begriff Werte und den Zusammenhang von Werten mit dem politischen System theoretisch kurz erläutert und im Punkt 4. eine zu überprüfende These anhands Ingleharts Theorie entwerfen. Nach dem Hauptteil in Punkt 5. folgt eine Zusammenfassung meiner Ergebnisse im letzten Punkt 6.
Wenn die Graphiken nicht die kompletten Befragungsjahre abdecken, hängt das in der Regel damit zusammen, dass nicht in jedem Befragungsjahr alle Fragen aufgenommen worden waren.
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2. Kleiner allgemeiner Vergleich von Japan und Deutschland
ebenda, eigene Berechnung.
Im Hinblick auf die neuere Geschichte sind viele Parallelen zwischen Deutschland und Japan erkennbar. Das Misslingen von demokratischen Versuchen im 20. Jahrhundert, die in ein stark militärisches Regime umkippen und eine aggressive Haltung gegenüber den Nachbarländern zeigen. Nach den totalen Kapitulationen im II. Weltkrieg werden beide Staaten insbesondere von den USA als Puffer gegen die kommunistischen Länder eingesetzt. Unter diesen Bedingungen blühen sie in stabilen und friedlichen Demokratien auf und erlebten ihre Wirtschaftswunder, die vor allen in den letzten 20 Jahren in eher stagnierende Wirtschaften mit verschiedenen Problemen umgeschwungen sind. Beide haben z.B. eine hohe Staatsverschuldung und sehen sich den Herausforderungen durch den Demographiewandel hin zu einer älteren Gesellschaft gegenüber. Sie gehören aber weiterhin zu den reichsten Ländern der
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Welt und führen verschiedene, weltweite Ländervergleiche an. 1
Das politische System weist mehr Ähnlichkeiten mit dem britischen System auf, weil es nach seinem Vorbild eingerichtet worden war. 2 In Grundzügen: Der Tennō (japanischer Kaiser) hat nach der Verfassung eine rein repräsentative Funktion. Oberster Souverän nach der Verfassung ist das Volk, vertreten durch das Parlament, das sich in Ober- und Unterhaus aufteilt. Das Parlament wählt den Premierminister, der sein Kabinett einberuft. 3 In Japan gab es eine außerordentlich starke Dominanz einer Partei zwischen 1955 und 1993. 4 Nach Kevenhörster gilt Japan als Konkordanzdemokratie. 5
Gemessen an dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einwohner zu Kaufkraftparität (PPP) ist erkennbar, dass Deutschland und Japan etwa über den gleichen Wohlstand verfügen. Zur Zeit ist der deutsche Wert zwar höher, doch entwickelte sich diese Kenngröße nahezu parallel in den letzten 10 Jahren. Die nach Eurostat gemessene Arbeitslosenzahl ist insbesondere an der Bevölkerung gemessen sehr viel niedriger in Japan, als in Deutschland. Japan ist wirtschaftlich besonders in forschungsintensiven Hochtechnologien und im Internationalen Handel wirtschaftlich erfolgreich. Deutschlands Wirtschaftsstärke sind die Automobil-, elektrotechnische, Maschinenbau- und Chemieindustrie.
3. Werte
3.1 Werte als Begriff
Zentraler Bestandteil dieser Arbeit sind Werte, die ich als Begriffe vorstellen möchte. Hier drei mögliche Definitionen:
1 Vgl. http://www.wikipedia.de Januar 2006.
2 Vgl. Naßmacher, Hiltrud 1998: Politikwissenschaft, 3.Aufl., München, Wien, Oldenbourg, S.242.
3 Vgl. http://www.wikipedia.de Januar 2006.
4 Vgl. Naßmacher, Hiltrud 1998: Politikwissenschaft, 3.Aufl., München, Wien, Oldenbourg, S.243.
5 Vgl. Kevenhörster, Paul 1993: Politik und Gesellschaft in Japan, Wiesbaden, S.46.
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Kluckhohn - Vorstellung von gesellschaftlich Wünschenswerten Sie seien handlungsleitende Orientierungslinien für den einzelnen als auch für Gruppen. 6
Martina Timmermann - langlebige kollektive Denkmuster.
Werte interpretiert sie in ihrer Arbeit vor allem als kulturelle Werte. Verkürzt geben Werte Orientierung und wirken sich auf das Verhalten aus. Sie sind für das jeweilige kulturelle System und das Individuum bedeutsam. 7
Ralf Becker - Handlungsleitendes Referenzsystem zur Beurteilung: Die Definition des Wertekonzepts fasst er als Konsens maßgeblicher Wertetheoretiker zusammen: “als handlungsleitendes Referenzsystem zur Beurteilung eigener und anderer Handlungen.” 8
Die Definition ähneln sich deutlich, die Definition von Ralf Becker unterscheidet sich zu denen von Kluckhohn und Timmermann vor allem weil er Werte vorrangig auf Individuen bezieht, während für die beiden anderen Autoren der kollektive gesellschaftliche Aspekt von Werten im Vordergrund steht. Weil in den World-Values-Surveys die Werte von Individuen erfragt werden, halte ich die Definition von Becker für die Zwecke dieser Arbeit für hilfreicher.
Zur Abgrenzung mit den Begriffen Normen und Einstellungen hat Gisela Maag angeführt, dass Normen als Mittel zur Erreichung von Werten betrachtet werden. Im
6 Vgl. Kluckhohn, Clyde 1951: Values and value orientation in the theory of action - An exploration
in definition and classification, in: Parsons, Talcot / Shils, Edward (Editors): Toward a general
theory of action, Cambridge, Harvard University Press, S.388-433.
7 Vgl. Timmermann, Martina 2000: Die Macht kollektiver Denkmuster - Werte, Wandel und
politische Kultur in den USA und Japan, Leske + Budrich, Opladen, S.15ff. Sie übernimmt eine
Definition von: Rudolph, W. 1959: Die amerkikanische “Cultural Anthropology” und das
Wertsystem, Berlin, S.164.
8 Becker, Ralf 1999: Diss., Mobilität und Werte - Ein wertepluralistischer Ansatz zur Erklärung der
Verkehrsmittelnutzung und der Zustimmung zu verkehrspolitischen Maßnahmen, Universität Trier,
S.50. Er führt dazu insbesondere foldende Quellen an: Dorsch, Häcker und Stapf 1994, vgl. auch
Ajzen & Fishbein, 1980; Graumann & Willig, 1983.
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Gegensatz zu den Werten sind Normen verbindlicher und können sanktioniert werden. Normen sind Verhaltensregeln für alle Gesellschaftsmitglieder, während Werte Vorstellung von gesellschaftlich Wünschenswertem sind. Gegenüber Einstellungen würden Werte allgemeiner und stabiler sein. Sie seien auch in der Anzahl begrenzter als Einstellungen und nicht notwenigerweise objektbezogen. Werte hätten eine Orientierungsfunktion für die Selektion bei der Einstellungsbildung. 9
Obwohl in der Begriffsbestimmung die relative Langfristigkeit der Werte gegenüber ähnlichen Konzepten, wie z.B. Einstellungen betont wird, haben tagespolitische Ereignisse aber einen starken Einfluss auf die Antworten in Studien von Werten. 10
Leider habe ich eine Wertedefinition von Inglehart nicht ausfindig machen können. Dafür beschreibt er mehrfach den Wertewandel mit seinen Hintergründen und Folgen. Nach diesen Ausführungen interpretiere ich Ingleharts Auffassung wie folgt:
Werte zielen auf die Bedürfnissbefriedigung ab und werden durch Mangelsituationen und Sozialisation geprägt.
3.2 Der Wertewandel
Inglehart bezieht Werte auf die Hierarchien von menschlichen Bedürfnissen. Im einfachsten Ansatz gibt er der Maslowschen Bedürfnisspyramide recht, nach der zunächst Bedürfnisse rund um die physische Sicherheit befriedigt werden wollenmaterialistische Werte -, bevor soziale, kulturelle oder intellektuelle Bedürfnissebefriedigung angestrebt werden - postmaterialistische Werte. Inglehart verwendet dazu die Mangelhypothese und die Sozialisationshypothese zur Erklärung seines Ansatzes. Mit der Mangelhypothese geht er davon aus, dass die Bedürfnisse von besonderer Bedeutung sind, die noch nicht erfüllt sind und zu deren Erfüllung nur
9 Vgl. Maag, Gisela 1991: Gesellschaftliche Werte, Westdeutscher Verlag, Opladen, S.22f.
10 Vgl. Timmermann, Martina 2000: Die Macht kollektiver Denkmuster - Werte, Wandel und
politische Kultur in den USA und Japan, Leske + Budrich, Opladen, S.286f.
Arbeit zitieren:
Tobias Düring, 2006, Wertevergleich zwischen Deutschland und Japan, München, GRIN Verlag GmbH
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