Eine Unternehmensakquisition ist ein äußerst komplexer Vorgang, der mit hohen Risiken behaftet ist, denn empirische Erhebungen zeigen, dass 30 bis 70% der Unternehmensakquisitionen scheitern. Der Misserfolg bezieht sich nicht nur auf ein formales Scheitern der Akquisition, sondern beinhaltet auch das Verfehlen gesetzter Ziele. Für den mangelnden Akquisitionserfolg werden vor allem unzureichendes Wissen über das Akquisitionsobjekt in Bezug auf die geplante Strategie, eine Überbewertung von Synergiepotenzialen sowie eine mangelhafte Integration des Akquisitionsobjekts verantwortlich gemacht. Der mangelhafte Vergangenheitserfolg sowie das zunehmende Engagement ausländischer Investoren im deutschen Markt haben zu gestiegenen Informationsbedürfnissen und damit zu höheren Anforderungen an die Informationsqualität geführt. Die gestiegenen Informationsbedürfnisse lassen sich durch eine systematische Analyse, der so genannten Due Diligence, im Vorfeld einer Unternehmensakquisition befriedigen. Während die Due Diligence unterschiedliche Formen annehmen kann, zeigen empirische Untersuchungen, dass die Durchführung einer Financial Due Diligence im Rahmen einer Unternehmensakquisition neben der Tax und Legal Due Diligence am weitesten verbreitet ist.
Da Unternehmensakquisition mit hohen Akquisitionsrisiken behaftet sind sowie potenzielle Käufer spezifische Informationsbedürfnisse haben, hat die vorliegende Seminararbeit zum Ziel, die inhaltlichen Analyseschwerpunkte einer Financial Due Diligence im Rahmen einer Unternehmensakquisition herauszuarbeiten. Ausgangspunkt der Seminararbeit ist Definition und Abgrenzung der Financial Due Diligence sowie die Einordnung in den Akquisitionsprozess. Darauf aufbauend werden die generellen Funktionen und Ziele einer Financial Due Diligence sowie die daraus abgeleiteten Informationsbedürfnisse der potenziellen Käufer beschrieben. Im Rahmen der Durchführung einer Financial Due Diligence werden die inhaltlichen Analyseschwerpunkte der historischen Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie der darauf aufbauenden Planungsrechnung beschrieben. Abgeschlossen wird die Seminararbeit durch eine Darstellung der wesentlichen Erkenntnisse einer Financial Due Diligence.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Financial Due Diligence
2.1 Begriff und Abgrenzung der Financial Due Diligence
2.2 Akquisitionsprozess und Einordnung der Financial Due Diligence
2.3 Funktionen und Ziele der Financial Due Diligence
2.4 Informationsbedürfnisse der potenziellen Käufer
3. Durchführung der Financial Due Diligence
3.1 Analyse der internen Berichterstattung
3.2 Analyse der historischen Entwicklung
3.2.1 Analyse der historischen Ertragslage
3.2.2 Analyse der historischen Vermögens- und Finanzlage
3.2.3 Analyse der historischen Cashflows
3.3 Analyse der zukünftigen Entwicklung
3.3.1 Analyse der Verlässlichkeit der Planung
3.3.2 Analyse der Planungsrechnung
3.3.3 Stand-alone-Betrachtung
3.4 Ergebnisse der Financial Due Diligence
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die wesentlichen inhaltlichen Analyseschwerpunkte einer Financial Due Diligence im Kontext von Unternehmensakquisitionen systematisch herauszuarbeiten, um Entscheidungsgrundlagen für potenzielle Käufer zu schaffen.
- Grundlagen und Einordnung der Financial Due Diligence im Akquisitionsprozess
- Analyse der historischen Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
- Bewertung der Verlässlichkeit von Planungsrechnungen für zukünftige Entwicklungen
- Identifikation und Quantifizierung von finanziellen Chancen und Risiken
- Bedeutung der Stand-alone-Betrachtung bei strategischen Unternehmenszusammenschlüssen
Auszug aus dem Buch
3.3.3 Stand-alone-Betrachtung
Bei einer strategisch motivierten Unternehmensakquisition wird das Akquisitionsobjekt im Regelfall in der bisherigen Form nicht weiter bestehen, sondern in Abhängigkeit von der Akquisitionsstrategie mehr oder minder stark in den Unternehmensverbund des Käufers integriert. Daher ist eine systematische Stand-alone-Betrachtung hinsichtlich der zukünftigen Struktur des Akquisitionsobjekts durchzuführen und die sich daraus ergebenen Änderungen in der Planergebnisrechnung zu berücksichtigen. Diese Betrachtung wird dadurch erschwert, dass sich sämtliche verfügbaren Informationsquellen auf die aktuelle Struktur des Akquisitionsobjekts beziehen.
Falls ein Unternehmen oder ein bislang nicht selbständiger Unternehmensbereich aus einem Unternehmensverbund heraus erworben wird, so sind hierbei die Aufwendungen und Erträge zu identifizieren, die sich aufgrund des Eigentümerwechsel verändern werden und müssen dann entsprechend in der Planergebnisrechnung angepasst werden. In diesem Zusammenhang sind insbesondere der Leistungsaustausch im bisherigen Unternehmensverbund sowie deren Verrechnungspreise zu betrachten. Diese Leistungen können nach dem Eigentümerwechsel nicht mehr in Anspruch genommen werden und sind demzufolge zu Markt- oder Verrechnungspreisen der neuen Eigentümer zu bewerten.
Einer der Gründe für die Misserfolge der Vergangenheit sind die Synergie- sowie Restrukturierungsrisiken aufgrund einer Überbewertung der zu realisierenden Potenziale bzw. einer Unterschätzung der Umsetzungsaufwendungen. Diese beiden Potenziale sind die jeweiligen Maßnahmenpläne in ihre Komponenten zu zerlegen und die einzelnen Komponenten hinsichtlich der Realisierung dieser Potenziale qualitativ zu beurteilen. Dabei sollte zugleich die Unsicherheit miterfasst werden, indem bspw. auf die Szenario-Technik zurückgegriffen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die hohe Komplexität und die Risiken von Unternehmensakquisitionen und verdeutlicht die Notwendigkeit einer systematischen Financial Due Diligence.
2. Grundlagen der Financial Due Diligence: In diesem Kapitel werden Begriffe definiert, die Einordnung in den Akquisitionsprozess vorgenommen sowie die Funktionen und Informationsbedürfnisse der Käufer erläutert.
3. Durchführung der Financial Due Diligence: Dieser Hauptteil beschreibt detailliert die Prüfung der internen Berichterstattung, der historischen Finanzkennzahlen und der Planungsrechnungen sowie die Ergebnisaufbereitung.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine professionelle Financial Due Diligence die Erfolgswahrscheinlichkeit bei Akquisitionen maßgeblich erhöht, indem sie eine fundierte Entscheidungsgrundlage bietet.
Schlüsselwörter
Financial Due Diligence, Unternehmensakquisition, Akquisitionsprozess, Finanzanalyse, Risikomanagement, Planungsrechnung, Ertragslage, Cashflow-Analyse, Bewertung, Informationsbedürfnisse, Synergiepotenziale, Deal Issues, Investitionsbedarf.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Durchführung einer Financial Due Diligence im Rahmen von Unternehmensakquisitionen als Instrument zur Risikoanalyse und Entscheidungsfindung.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition der Financial Due Diligence, die historische Analyse von Finanzdaten, die Plausibilisierung von Zukunftsplanungen sowie die Interpretation von Akquisitionsrisiken.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, die inhaltlichen Schwerpunkte und Methoden einer Financial Due Diligence herauszuarbeiten, die potenzielle Käufer benötigen, um ein Unternehmen fundiert bewerten zu können.
Welche methodischen Ansätze werden zur Analyse verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer wissenschaftlichen Aufarbeitung der Fachliteratur, wobei insbesondere die Analyse der historischen Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage sowie die Plausibilisierung von Planrechnungen mittels Szenario-Techniken dargelegt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der internen Berichterstattung, die Auswertung historischer Daten, die Prüfung zukünftiger Planungsrechnungen und die Darstellung der Ergebnisse sowie deren Einfluss auf die Kaufpreisverhandlung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Due Diligence, Akquisition, Finanzrisiken, Cashflow, Planungssicherheit und Synergiepotenziale.
Warum ist die Stand-alone-Betrachtung so wichtig?
Sie ist essenziell, weil das Akquisitionsobjekt nach der Integration in den Käuferkonzern oft eine andere Kosten- und Erlösstruktur aufweist, was eine isolierte Betrachtung der zukünftigen Entwicklung notwendig macht.
Was kennzeichnet einen sogenannten "Deal Breaker"?
Ein Deal Breaker ist ein unüberwindbares Hindernis wie etwa stark divergierende Preisvorstellungen oder ein zu hoher Restrukturierungsaufwand, der dazu führt, dass die Akquisition abgebrochen wird.
- Quote paper
- Sven Bollmann (Author), 2006, Durchführung einer Financial Due Diligence im Rahmen einer Unternehmensakquisition, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57148