Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Max Stirner und sein Hauptwerk „Der Einzige und sein Eigentum“
II.a. Biographie Max Stirners
II.b. Das Hauptwerk „Der Einzige und sein Eigentum
III. Das Verhältnis vom Freiheit und Eigenheit
III.a. Der Begriff „Freiheit III.b. Der Begriff „Eigenheit“ III.c. Das Verhältnis von „Freiheit“ und „Eigenheit“. III.d. Kritik an Stirner und seinem Konzept
IV. Fazit
V. Quellen
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I. Einleitung
„Ich habe Mein‘ Sach‘ auf Nichts gestellt! “
Max Stirner
„Der Name Max Stirner hat in der Welt der Philosophie, das steht außer Frage, keinen guten Klang. In philosophiegeschichtlichen Darstellungen wird er meist übergangen oder nur am Rand erwähnt. [...] Es gab und gibt nicht einen Philosophen, der sich positiv und spezifisch auf Stirner bezieht“
schreibt Bernd A. Laska in einer Würdigung über Max Stirner und seine Philosophie (Laska: 1986, S. 7). Trotz dieser Tatsache hat Stirner einen großen Einfluß auf die Philosophiegeschichte ausgeübt. Seine Philosophie hat unterschiedliche politische, philosophische und literarische Richtungen beeinflußt - auch wenn sie viele Mißdeutungen erfahren hat. Im Rahmen einer Einordnung seines Werkes werde ich auf diesen Punkt noch genauer eingehen.
Seine starke Betonung der Individualität, der Eigenheit des Individuums, gilt als die äußerste Form des Egoismus und führt dazu, daß er in erster Linie als Vertreter des Individualanarchismus genannt wird. Die Eigenheit wird im Rahmen dieser Hausarbeit näher beleuchtet und im Zusammenhang mit ihrem Verhältnis zu Stirners Auffassung von Freiheit betrachtet. Die Fragestellung, die ich in diesem Rahmen untersuchen werde, lautet: Wie verhalten sich Freiheit und Eigenheit zueinander? Ich werde dafür im Hauptteil der Arbeit die beiden Begriffe zu erst unabhängig voneinander definieren, ihre unterschiedlichen Dimensionen aufzeigen und anschließend auf das Verhältnis zueinander eingehen. Dabei werde ich mich auf Stirners Hauptwerk „Der Einzige und sein Eigentum“ beschränken - vor allem auf die zweite Abteilung des Buches- „Ich“. Aus diesem Grund werde ich nicht auf die Kritik an den Freiheitsbegriffen der drei Formen des Liberalismus, die Stirner in der ersten Abhandlung des Buches nennt, eingehen. Andere Schriften von ihm werde ich ebenfalls außer Acht lassen. Im Anschluß an die Erörterung der beiden Begriffe und ihres Verhältnisses werde ich exemplarisch unterschiedliche Kritikpunkte an dem Stirner‘schen Konzept auf ihre Stichhaltigkeit hin untersuchen. Einleitend wird in dieser Hausarbeit die Biographie Max Stirners, die Bedeutung seines Hauptwerk „Der Einzige und sein Eigentum“ und dessen Rezeption erfolgen.
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Johann Caspar Schmidt - wie Stirners bürgerlicher Name lautet - wird am 25. Oktober 1806 im oberfränkischen Bayreuth als einziges Kind eines protestantischen Handwerkers geboren. Nach Abschluß seiner Schulzeit immatrikuliert er 1826 an der Berliner Universität, wo er u.a. Lesungen von Georg Friedrich Wilhelm Hegel, Heinrich Ritter und Friedrich Schleiermacher besucht. Er studiert Philosophie und Philologie. Andere Quellen sprechen davon, daß er auch Theologie studiert (vgl. Lucchisi: 1897, S. 4). Nach vier Semester verläßt er Berlin und studiert jeweils zwei Semester in Erlangen und in Königsberg. 1833 kehrt er zurück an die Berliner Universität, wo er vier weitere Semester verweilt. 1837 heiratet er die 22jährige Agnes Clara Kunigunde Burtz, die Nichte seiner Vermieterin. Seine Frau verstirbt im folgenden Jahr bei der Geburt ihres Kindes. Im Jahr 1839 erhält Max Stirner seine erste feste Anstellung als Lehrer an der Berliner Mädchenschule von Madame Gropius. Er unterrichtet Deutsch und Geschichte.
Seit Mitte 1841 hält sich Max Stirner regelmäßig im Kreis der Freien auf, einem oppositionellen Zirkel von Literaten, Dichtern und Journalisten um den ehemaligen Theologen Bruno Bauer. Hier lernt er Marie Wilhelmine Dänhardt kennen, seine zweite Frau. Die Ehe hält nur drei Jahre. Er widmet ihr sein Hauptwerk „Der Einzige und sein Eigentum“.
Zeitgleich mit der Begegnung der Freien beginnt er seine ersten schriftstellerischen und journalistischen Texte für oppositionelle Zeitungen zu verfassen, die er unter dem Pseudonym Max Stirner veröffentlicht. Das Pseudonym haben ihn seine Kommilitonen an der Berliner Universität wegen seiner auffällug hohen Stirn gegeben. 1844 erscheint sein Hauptwerk, das auf 1845 vordatiert ist, im Verlag von Otto Wigand in Leipzig. Wigand hat bereits Schriften von anderen kritischen Denkern seiner Zeit wie Arnold Ruge, Friedrich Engels und Richard Wagner veröffentlicht. Der Stirnerbiograph John Henry Mackay datiert die Anfänge für dieses Werk, das ursprünglich den Titel „Ich“ tragen sollte, auf das Jahr 1842.
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Mit dieser Schrift erweckt Max Stirner für kurze Zeit großes Aufsehen bei seinen Zeit.genossen. Angelika Machinek stellt in „B. Traven und Max Stirner“ fest: „Das Werk fand unter den Freien und (Links-) Intellektuellen der Zeit breite Resonanz“ ( Machinek: 1985, S. 58). Was erregte so das Interesse seiner Zeitgenossen? Der Soziologe Markus Henning beantwortet diese Frage in seinem Aufsatz „Max Stirners Egoismus“ mit dem Satz: „“Der Einzige und sein Eigentum“ ist über weite Strecken ein provokativer Aufschrei gegen die Philosophie seiner Zeit, mit deren Tradition er radikal bricht“ (Markus Henning in: Knoblauch, Jochen / Peterson, Peter (Hrsg.): 1996, S. 25). Einhellig gilt „Der Einzige und sein Eigentum“ als Bruch mit der Hegelschule - insbesondere mit den Junghegelianern. Bernd Kast schreibt im Vorwort zu „Die Thematik des Eigners bei Stirner“: „Stirners Philosophie ist in weitem Maße oppositionelle Philosophie, Philosophie in Opposition zu Hegel und zur Hegelschule und zur spekulativen Philosophie schlechthin“ (Kast: 1979, S. XII).
Das Werk wird zeitweise in mehren deutschen Staaten verboten. Zwei Tage nach Erhalt des Buches verbietet die sächsische Zensurbehörde es mit der Begründung, daß es Religion, Kirche, soziale Verfassung, Staat und Regierung angreife. In Leipzig kommt es daraufhin zu einer Beschlagnahmung von 250 Exemplaren. Nach wenigen Tagen wird es wieder zugelassen, weil der Inhalt als „zu absurd“ abgetan wird, als das es gefährlich werden könnte. (vgl.: John Henry Mackay: 1977, S. 128.)
Preußen zieht beim Verbot des „Einzigen und sein Eigentum“ durch Sachsens Entscheidung alarmiert bald nach. Hier wird „Der Einzige und sein Eigentum“ mit der Begründung verboten, daß in ihm „eine auf Vernichtung aller Religion und Sittlichkeit hinauslaufende Theorie“ entwickelt werde (zitiert nach Kast: 1979, S. 116).
Das Werk gerät schnell in Vergessenheit. Der Stirnerforscher Bernd A. Laska stellt fest: „Der öffentliche Diskurs über den „Einzigen“ war oberflächlich und verriet nichts von dem Effekt als „heimlicher Hit“, den das Buch ausweislich privater Zeugnisse auf Feuerbach, Ruge und andere hatte“ (Laska: 1996, S. 21f.). Als Grund für die nicht tiefergehendeWirkung auf seine Zeitgenossen - abgesehen vom linkshegelianischen Kreis - führt der marxistische Historiker Hans G. Helms das Argument an: „Weil Stirner das Klassenbewußtsein der Mittelklasse nicht zu formulieren vermochte, blieb die unmittelbare Wirkung des „Einzigen“ gering.
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Im Vormärz war die Mittelklasse noch zu schwach, um mit einer radikalen Ideologie operieren zu können“ (Hans G. Helms: 1966, S. 3). Eine weitere These von ihm lautet: „Die Zeitgenossen bezogen ihn [den Einzigen] mehr auf ihre private denn auf ihre öffentliche Existenz“ (Hans G. Helms : 1966, S. 47).
Drei größere Aufsätze wenden sich zu Stirners Lebzeit gegen sein Hauptwerk. Die Autoren sind die Junghegelianer Moses Hess, Franz Szeliga und Ludwig Feuerbach, der seine Schrift zu erst anonym veröffentlicht. Die Polemik von Karl Marx gegen Stirners Werk mit dem Titel „Sankt Max“, wird erst nach dem Tod von Marx im Rahmen des Werkes „Deutsche Ideologie“ veröffentlicht. Bernd A. Laska begründet den Umstand, daß Marx diese Schrift nicht zu Lebzeiten publizierte mit den beiden Vermutungen: „Erstens, weil er die Stichhaltigkeit seiner polemischen Gegenschrift bezweifelte; zweitens, weil S[tirner]. inzwischen - bereits ein Jahr vor den Ereignissen des März 1848 und ihren politischen Folgen, die den radikalen philosophischen Diskussionen ohnehin ein Ende setzten - zur Unperson geworden war, öffentliche Kritik an ihm somit fehl am Platz gewesen wäre“ (Bernd A. Laska in: Degen (Hrsg.): 1993).
In seiner Berliner Zeit lernt Stirner den russischen Anarchisten Michail Bakunin (1814-1876) kennen, der sich allerdings nie öffentlich zu ihm äußert. Bernd Senft verweist in seiner Schrift „Im Schatten des Einzigen“ jedoch auf einen deutlichen Einfluß der Stirnerschen Philosophie auf Bakunins Hauptwerk „Gott und der Staat“ (vgl.: Bernd Senft: 1996, S. 79f.).
Kurz vor Erscheinen des Werkes „Der Einzige und sein Eigentum“ hat Stirner bereits seine Stellung als Lehrer gekündigt. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich seit dem mit selbständiger Erwerbstätigkeit. 1847 erscheint ein mehrbändiges Werk über „Die Nationalökonomen der Franzosen und Engländer“. Im Rahmen dieses Werkes übersetzt er u.a. Texte des englischen Nationalökonomen Jean Baptiste Say. Fünf Jahre später erscheint das letzte Werk Stirners - „Die Geschichte der Reaktion“. Sein letztes Werk findet kaum eine Würdigung im Rahmen der Stirner-Forschung. Am 25. Juni 1856 stirbt Max Stirner an den Folgen einer Lungenentzündung in Berlin und wird drei Tage später auf dem Sophienfriedhof beerdigt.
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b) Das Hauptwerk „Der Einzige und sein Eigentum“ und die Rezeption
„Alle Bände aller Bibliotheken der Welt könnten es [das Werk „Der Einzige und sein Eigentum“] nicht ersetzen, wäre es verloren gegangen. Alles vor und nach ihm gesagte erscheint ihm gegenüber überflüssig“ sagt der schottische Dichter und Individualanarchist John Henry Mackay, der als der erste bekennende Stirnerianer gilt, über Stirners Hauptwerk (zitiert nach: Markus Henning in: Knoblauch / Peterson: 1996, S. 18).
Bernd A. Laska schreibt über die Rezeption von Stirner: „Stirners „Einziger“ gilt philosophiegeschichtlich fast einhellig als der „irgendwie“ absurde, sich selbst widerlegende, wahrscheinlich gar nicht ernst gemeint, jedenfalls nicht wirklich ernst zu nehmende Schlusspunkt des sog. Links- oder Junghegelianismus“ (Laska: 1996, S. 17).
„Der Einzige und sein Eigentum“ ist in zwei Abschnitte geteilt. Der erste Abschnitt, der den Titel „Der Mensch“ trägt, ist eine Betrachtung der Menschheits- und Geistesgeschichte. Max Stirner hat diesen Abschnitt in drei Teile aufgeteilt - „Die Alten“, „Die Neuen“ und „Die Freien“. Das Zeitalter der Alten bezeichnet er als das „Negertum“. Es ist charakterisiert durch die Abhängigkeit des Menschen von der ihn umgebenden Natur und es entspricht zeitlich dem Altertum. Das Zeitalter der Neuen, worunter als die „Neuesten der Neuen“ auch die „Freien“ fallen, nennt er „Mongolentum“. Das Mongolentum zeichnet sich aus durch die Abhängigkeit vom Gedanken - dem Christentum. Zeitlich wird es daher durch das aufkommende Christentum eingeleitet. Im Abschnitt über die „Freien“ betrachtet er drei zu seiner Zeit moderne Geistesrichtungen - den politischen (klassischen Liberalismus), den sozialen (Sozialismus / Kommunismus) und den humanen Liberalismus (die Geisteshaltung der zeitgenössischen Junghegelianer). Die Betrachtung des humanen Liberalismus geht mit Kritik an der Geisteshaltung von der Denkrichtung des Junghegelianismus einher. So kritisiert er in diesem Zusammenhang über weite Strecken sowohl Ludwig Feuerbach als auch Bruno Bauer.
Der zweite Abschnitt - „Ich“ - teilt sich in die folgenden Abschnitte „Die Eigenheit“, „Der Eigner“ und „Der Einzige“. Der Abschnitt handelt von dem Sichfinden, dem Sichgewinnen und beinhaltet eine Untersuchung des Ich Selbst.
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Arbeit zitieren:
Maurice Schuhmann, 2001, Das Verhältnis von 'Freiheit' und 'Eigenheit' in Stirners 'Der Einzige und sein Eigentum', München, GRIN Verlag GmbH
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