Inhalt:
1 Einleitung 3
2 Bedeutung und Interpretation des Kopftuches und des
islamischen Glaubens 3
3 Fallbeispiele junger Mädchen, die das Kopftuch tragen 5
4 Auf dem Weg zur Kopftuchaffäre in Frankreich 7
5 Die Kopftuchaffäre in Frankreich 9
6 Frankreich nach der Kopftuchaffäre 10
7 Die Kopftuchaffäre in Deutschland 12
8 Abschlussbemerkung 14
9 Literaturverzeichnis 15
2
1 Einleitung
In der folgenden Arbeit möchte ich zunächst darauf eingehen, welche Bedeutung das Kopftuch für seine Trägerinnen und der Islam für die Gläubigen hat und wie dies von „Außenstehenden“ angesehen und interpretiert wird. Durch die einfache Darstellung von zwei Mädchen, die sich dafür entschieden haben, ein Kopftuch zu tragen, möchte ich diese Erkenntnisse bekräftigen. Eines dieser Mädchen lebt in Frankreich und eines in Deutschland.
Im Anschluss werde ich Vorfaktoren benennen, die in Frankreich zu der Kopftuchaffäre und so zu heftigen Diskussionen führten. Anschließend werde ich die Kopftuchaffäre in Frankreich an sich darstellen und daraufhin die Auswirkungen dieser - sowohl in politischer als auch in sozialer Hinsicht. Abschließend werde ich die Kopftuchaffäre in Deutschland und einige kontroverse Meinungen darstellen, um so auch zu zeigen, dass es nicht nur in Frankreich Probleme wie die Kopftuchaffäre sie aufgeworfen hat, gibt. Als Abschlussbemerkung möchte ich in dieser Einleitung festhalten, dass die Erkenntnisse und Ideen aus der im Anhang aufgeführten Literatur stammen und sie von mir lediglich zu einem neuen Aufsatz zusammengefügt wurden sind, um die Kopftuchaffären deutlich kennen zu lernen.
2 Bedeutung und Interpretation des Kopftuches und des islamischen Glaubens
In der französischen Presse tauchen seit der so genannten Kopftuchaffäre im Herbst 1989 immer wieder unterschiedliche Bilder auf, die die so genannten „filles d’origine maghrébine“ darstellen. 1
Hierbei gibt es die verschiedensten Darstellungen. Sie reichen von jungen erfolgreichen Frauen bis hin zu komplett verschleierten Frauen, die so als Abbild für drohende Gefahren muslimischer Organisationen stehen. Eine kopftuchtragende Schülerin wird so zum extremen Gegensatz zu der laizistischen Republik dargestellt.
Die Verschleierung an sich wird von sehr vielen Europäern als eine Art kulturfeindliche Macht gesehen. Sie steht für sie oft für die Unterdrückung der Frauen. Für viele Europäer stellt dieses Bild einen extremen Gegensatz zwischen Religion und Moderne dar. So gesehen steht der Kopftuch für einen Kampf zwischen zwei konkurrierenden Ansichten von Individuum und Gesellschaft: Auf der einen Seite westliche und auf der anderen Seite die islamische Gesellschaft. Gleichzeitig kritisiert die Frage um das Kopftuch auch die westliche Welt. Hier wird es nämlich häufig als ein Instrument gesehen, mit dem politischer Inhalte vermittelt werden sollen oder es gilt einfach nur als Bestätigung der weiblichen muslimischen Identität.² Häufig ist es heute so, dass sich die Kopftuchart der jungen weiblichen Muslime stark von der traditionellen Art unterscheidet. Zum Großteil setzen sich die jungen muslimischen Mädchen stark von der traditionellen Form des Islam ab, die sie kennen gelernt haben. Sehr oft ist nämlich zu sehen, dass sie aus dem häuslichen Bereich herausgehen und selbst eine Karriere starten.³
1 vgl. „La Beurette - Vom Aus der Vorstädte ins Herz der französischen Gesellschaft?“, S. 15/16 2 vgl. „Republik und Schleier - Die muslimische Frau in der modernen Türkei“, S.12; 3 vgl. „Republik und Schleier - Die muslimische Frau in der modernen Türkei“, S.13
3
So wird das Tragen eines Kopftuches häufig auch als eine Neuinterpretation des islamischen Glaubens gewertet.
Diese Neuinterpretation erfolgt, weil sich die sozialen Gruppen in neuen Umgebungen ansiedeln, zum Teil auch durch Einwanderungen in ein neues Land. Sie lösen sich eindeutig vom traditionellen Islam ab. Um sich dennoch als Gruppe gegen die westliche Welt und die Moderne zu behaupten, kommt es häufig dazu, dass sie die Religion politisieren. 4
Viele junge muslimische Mädchen tragen das Kopftuch entschieden, um somit auch deutlich ihre religiöse Identität auszudrücken. Diese Bestätigung der religiösen Identität wird von Außenstehenden oft auch als Integrationsverweigerung gewertet. Für die Betroffenen geht es aber eher darum, ihr Recht auf Aufenthalt zu behaupten, ohne dabei auf die eigene Identität zu verzichten. 5
Das Kopftuch ist sowohl in islamischen als auch in westeuropäischen Ländern ein zentrales politisches Thema. Spannungen in der Gesellschaft sind in jedem dieser Länder erkennbar. Dieser Konflikt umfasst eine enorme Spannbreite von anderen Themen: angefangen bei der Laizität der Öffentlichkeit, dem allgemeinen Status der Religion in der Erziehung und der Rechte des Einzelnen bis hin zum Multikonfessionalismus. Ein sehr kontroverses Thema ist zum Beispiel auch die Verschleierung von Studentinnen. Das Kopftuch ist hierbei eines der sichtbarsten Zeichen von Religiosität und der veralteten traditionellen Frauenrolle im modernen und sozialen Kontext. 6
In der westlich orientierten Welt wird die Frau als eigenständiges menschliches Wesen gesehen und häufig mit dem Fortschritt in Verbindung gebracht. Dahingegen ist die Meinung der islamischen Bewegungen, dass sich „ohne die sittliche Reinheit der Frau und ohne deren Festhalten an religiösen Geboten, die ganze „Gemeinschaft“ auflöse und das soziale Leben zu Grunde gehe“. 7 Muslimische Studentinnen, die ein Kopftuch in den Universitäten tragen zeigen ganz bewusst darauf hin, dass der Islam sie nicht an einem Studium und einer anschließenden Karriere hindere. Von den meisten Eltern werden Erfolg und Karriere ihrer Töchter als sehr positiv gewertet und sie sind meist sehr stolz auf sie. Dennoch bedeutet es für die meisten Studentinnen, die sich für den Islam und das Studium entscheiden, dass sie in einer Art Dualismus leben. Die Modernisierung scheint hier mit der Religion immer noch unvereinbar zu sein, denn auch Erziehung und Verstädterung, was ja eigentlich Voraussetzungen für die Modernisierung sind, sind mit dem kopftuchtragenden Mädchen, welches für die Hinwendung zur Religion steht, immer noch nicht vereinbar. 8
In der Entwicklung der persönlichen Lebensstrategie der jungen weiblichen Muslime spielt eine Ausbildung, besonders auch eine akademische Ausbildung eine wichtige Rolle, denn sie hilft ihnen auch ihre Persönlichkeit zu formen und trägt so zu einer Individualisierung bei. Auf Grund ihrer sozialen Herkunft und ihrer eindeutig, durch das Kopftuch gekennzeichneten, Bekenntnis zum Islam und zur muslimischen Identität fühlen viele junge Frauen auch den inneren Zwang, sich durch eine Ausbildung zu beweisen. Dieser Zwang und auch die starke Bereitschaft, die Ausbildung zu schaffen, lässt sie Hindernisse überwinden. Eine aktive und direkte Teilnahme am öffentlichen Leben kann so möglich werden.
4 vgl. „Republik und Schleier - Die muslimische Frau in der modernen Türkei“, S.14;
5 vgl. „Migration und Staat - Inner-und Intergesellschaftliche Prozesse am Beispiel Algerien, Türkei, Deutschland und Frankreich“, S. 174;
6 vgl. „Republik und Schleier - Die muslimische Frau in der modernen Türkei“, S.11;
7 vgl. „Republik und Schleier - Die muslimische Frau in der modernen Türkei“, S. 54;
8 vgl. „Republik und Schleier - Die muslimische Frau in der modernen Türkei“, S.121
4
Der Wunsch nach einer beruflichen Identität scheint viele muslimische Mädchen über ihre Grenzen hinauswachsen zu lassen. Dies sind meist Grenzen, die eigentlich der Islam für die Bildung und Ausbildung junger Frauen stellt. Denn so ist man in besonders traditionellen Familien immer noch der Meinung, dass die Karriere ausschließlich dem Mann vorbehalten sei. Die Frau habe sich um Heim und Kinder zu kümmern. 9
Umfragen in Frankreiche bei Jugendlichen muslimischer Herkunft zwischen 18 bis 25 Jahre zeigen, dass sich diese fast alle als Muslime definieren. Der Islam ist für sie eine besondere Weltanschauung und ein besonderes kulturelles System. Die Basis für ihr Islamverständnis liegt in den erfahrenen Glaubensbekundungen, Sitten und Gebräuchen in den Familien. Trotz alledem gibt es nur einen geringen Prozentsatz von Jugendlichen, die den Islam auch wirklich praktizieren. Ein Grund dafür könnte sein, dass sie durch eine offene Praktizierung des Islams eine sehr frühe Diskriminierung erführen, was unweigerlich auch zu einer Abwertung des eigenen Selbstverständnisses und der Gruppe führen würde. Die autoritären Erziehungsnormen, welche einen Teil des globalen islamischen Erziehungssystems darstellen, können nur schlecht an die Umgebung des Gastlandes, in dem sich die Familien befinden, angepasst werden, denn sie gefährden häufig die Sozialisation der Familie, was besonders schlimm für die Mädchen ist, die so immer geringere Chancen haben, aus ihrer „Umwelt“ auszubrechen. 10
3 Fallbeispiele junger Mädchen, die das Kopftuch tragen
Die folgenden Fallbeispiele sind übernommen aus Interviews und Erzählungen der genannten Personen. Sie sollen dazu dienen, die eben genannten theoretischen Aussagen mit Realität zu füllen. Es soll damit ebenfalls versucht werden, einen besseren Eindruck in die Gedankenwelt junger muslimischer Frauen zu erhalten.
Malika, eine 17 Jahre alte Schülerin, wurde in Frankreich von der Schule verwiesen, weil sie nicht bereit war, ihr Kopftuch abzunehmen. Trotz alledem sieht sie sich auch mit Kopftuch als ein Mitglied der französischen Gesellschaft. Aus reiner Überzeugung tragen sie und ihre Schwestern ein Kopftuch und auch eigentlich gegen den Willen ihrer Eltern. Malika wurde im Schuljahr 1994/1995 im Zuge des „circulaire Bayrou“ von der Schule verwiesen. Sie selbst findet, dass alles komplizierter geworden ist, seitdem sie nicht mehr zur Schule gehen darf und zu Hause selbstständig lernt. Ihre bisherige Selbstverständlichkeit und Lebensplanung wurden durch die Verweisung von der Schule zwar in Frage gestellt, sollen für Malika aber dennoch weiterhin gelten.
Malika erzählt, sie trug ihr Kopftuch ein Trimester lang während des Unterrichts und niemand sagte etwas dazu: Freunde und Lehrer hatten keinerlei Probleme damit. Malika wurde sogar zur Klassensprecherin gewählt. Nach diesem Trimester ließ die Schulleitung dann ganz plötzlich verlauten, dass Malika weggeschickt werden solle.
9 vgl. „Republik und Schleier - Die muslimische Frau in der modernen Türkei“, S.142;
10 vgl. „Migration und Staat - Inner-und Intergesellschaftliche Prozesse am Beispiel Algerien, Türkei, Deutschland und Frankreich“, S. 202
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Arbeit zitieren:
Christiane Puritz, 2006, Darstellung der Kopftuchaffäre in Frankreich und in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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